Bibelw. 13a Anstößige Bibeltexte 2
Lugar/Ort:Meroú

Fecha/Datum:17/01/1979
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Reffino, 18-1-1979 -deutsch-
Camarero/Puíggari, 187-2-1979 -spanisch-
Aldea Protestante, 7-2-1980 -spanisch-
Bermejito/Chaco, 5-7-1981 -spanisch-Das
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Das Wort wird verbindlich!
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Matthäus 12, 46-50
Skopus: Die Jesus hören, gehören zu ihm.
Bibelw. 13a -Anstößige Texte 2-Matthäus 12,46-50
"Da er noch also zu dem Volk redete, siehe, da standen seine
Mutter und seine Brüder draußen, die wollten mit ihm reden.
Da sprach einer zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder
stehen draußen und wollen mit dir reden. Er antwortete aber
und sprach zu dem, der es ihm ansagte: Wer ist meine Mutter,
und wer sind meine Brüder? Und reckte die Hand aus über
seine Jünger und sprach: Siehe da, das ist meine Mutter und
meine Brüder! Denn wer den Willen tut meines Vaters im
Himmel, der ist mein Bruder, Schwester und Mutter."

ANSTÖßIGE BIBELTEXTE - DAS WORT WIRD VERBINDLICH!
Wir stehen in einer Reihe von Bibelstunden aus dem
Matthäus-Evangelium. Diese Texte sind für viele, damals und
heute, anstößig und ärgerlich, für den aber, der sie nicht
nur recht versteht, sondern sie für sich
selbst akzeptiert, werden sie zu einer echten Hilfe, mit
diesem Leben fertig zu werden und alle Schwierigkeiten und
Probleme zu überwinden,
die heutige Bibelstunde hat zum Thema:
DAS WORT WIRD VERBINDLICH.
Um was geht es in diesem Text?
Viele nennen sich Christen, viele nennen auch die
Gemeinschaft christlich, in der sie leben und wirken, ihren
Verein, ihre Partei, ihre Familie, ihren Staat und auch ihre
Kirche.
Man spricht auch von christlichen Persönlichkeiten oder
christlichen Anschauungen und Ideen.
Seitdem, daß Jesus als ein weithin anerkannter Helfer der
Menschheit gilt, berufen sich viele gern auf ihn. Aber ist
jeder ein Christ, der sich so nennt?
Ist eine Gruppe von Menschen, eine Partei oder ein Staat
christlich, nur weil sie die Bezeichnung CHRTISTLICH tragen?
Wer darf sich denn CHRIST nennen?
Wir können auch anders herum fragen: Zu wem gehört Jesus,
wem gehört er?
Gehört er allen Kirchen in gleicher Weise oder nur der
GEMEINDE JESU, der kleinen Schar innerhalb aller Kirchen?
Unser Text macht deutlich und gibt eine Antwort auf alle
diese Fragen:
Christsein ist ein Leben im Hören auf Christi Wort. Sein
Wort nämlich ist verbindlich. Es verbindet die
verschiedenartigen Menschen zu einer neuen Familie, zu einer
Bruderschaft, zu einem neuen Volk Gottes, das nach dem
Willen des väterlichen Gottes lebt.
Das also will unser Bibeltext sagen:
Zu Jesus gehört, wer Jesus hört. Sein Wort schafft in uns
die Liebe, die in der Bruderschaft der Christen beginnt und
den Vater im Himmel ehrt. Und nun direkt zu unserem Text, zu
dem, was uns der Text berichtet, gehören offensichtlich
einige Menschen zu Jesus. Sie sind schließlich seine Brüder
und seine Mutter.
Darum meinen sie, natürlich gehört Jesus zu uns, natürlich
gehören wir zu ihm. Natürlich sind wir ihm die Nächsten.
Aber nun stehen sie auf einmal DRAUßEN. Das wird uns 2x in
unserer Geschichte berichtet.
Sie machen sich auch keine Mühe, in die Nähe Jesu zu kommen,
sie erwarten, daß Jesus zu ihnen kommt. Aber der würdigt sie
keines Wortes, ja er bestreitet sogar, daß sie seine
nächsten Angehörigen sind.
Dem
"Siehe, deine Mutter..."
stellt Jesus schroff gegenüber:
"Siehe da, das ist meine Mutter und meine Brüder!"
und zeigt dabei auf die Vielen, die ihm zuhören.
Die so selbstverständlich zu Jesus zu gehören meinten,
müssen sich gefallen lassen, daß sie abgewiesen werden.
Daraus müssen wir folgern :
1. Von Haus aus ist niemand ein Christ.
Die Mutter Jesu und die Brüder kommen nicht, um auf Jesus zu
hören, sondern sie
"wollten mit ihm reden".
Aus dem Markus-Evangelium (3, 31-33) wissen wir auch, warum
sie ein Wörtchen mit dem Sohn und Bruder reden wollen.
Sie haben von seinem öffentlichen Auftreten, von seinen
Wundern und Predigten gehört. Sie ärgern sich darüber, daß
er dem Volk trügerische Hoffnungen macht. Das Volk hält ihn
nämlich schon für einen Propheten, ja für den Messias
selbst.
In seinem Einsatz für das Reich Gottes ist er drauf und
dran, sich selbst zugrunde zu richten. Nicht einmal Zeit zum
Essen bleibt ihm; halbe Nächte verbringt er in den Bergen,
um in der Stille des beginnenden Tages zu beten.
Er übertreibt es, sagen die Brüder, ja er erscheint verückt
geworden zu sein. Religiöser Wahnsinn sagt man dazu.
Das Johannes-Evangelium berichtet, daß
"auch seine Brüder nicht an ihn glaubten."
Jetzt hatten sie sich auf den Weg gemacht, um ihm einmal
richtig die Meinung zu sagen. Er möge sich gefälligst nach
dem richten, was der Familienrat für richtig hält. Statt
zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit zu suchen,
suchen sie zuerst das Ihre, nach dem auch Jesus sich richten
soll.
Das Verhältnis der Verwandten Jesu hat in der Christenheit
viele Nachahmer gefunden.
Die Geschichte der Christenheit ist weithin eine Geschichte
von Leuten, die genau zu meinen wußten: Jesus gehört zu uns.
Er muß sich nach unseren Vorstellungen richten. Er soll so
sein und so handeln, wie wir es uns denken.
So sind zum Beispiel unter dem Schutz seines Namens immer
wieder christliche Herrscher zu grausamen Tyrannen geworden
und christliche Kirchen zu Religionsvereinen.
Christlicher Familiendünkel macht sich überall breit. Sogar
in den christlichen Kirchen geschieht es immer wieder, daß
Jesus nicht mehr sein darf, wo und wie er will, sondern er
muß sich nach dem Willen derer, die zur Gemeinde gehören
oder dem Willen der Oberen und Studierten, fügen.
Herr Jesus, sagen dann die Namen- und Kirchenchristen, wir
müssen einmal mit dir reden. Komm zurück auf den Boden der
Wirklichkeit. Was du da lehrst und von uns haben willst, ist
ja Phantasterei. Sieh doch ein, daß es ohne Macht und Gewalt
und Waffen auf dieser Erde einfach nicht geht. Um das Böse
auszurotten, mußt du uns erlauben, die Bösen selbst böse zu
behandeln und sie mit Stumpf und Stiel auszurotten. Siehe
doch ein, daß wir, um geehrt und geachtet zu werden, es mit
den Machthabern und den Regierenden halten und uns ducken
müssen, selbst wenn dabei die Gebote Gottes nicht gehalten
werden. Sieh doch ein, Jesus, daß wir nicht protestieren
können, wie du es haben willst, gegen Waffengewalt und gegen
soziales Unrecht, gegen brutalen Kapitalismus und gottlosen
Sozialismus. Nicht nur wir müssen uns anpassen, sondern du
mit deinen Illusionen von einer neuen und besseren Welt, in
der Gerechtigkeit herrscht, auch.
Das Beispiel der Verwandten Jesu also warnt uns davor, das
wir genauso wie sie unversehens die sind, die draußen
stehen, die nicht mehr zuerst das Reich Gottes und seine
Gerechtigkeit suchen, sondern die den eigenen Willen und den
Willen der Welt bei Jesus durchdrücken wollen.
Matthäus macht uns deutlich, daß niemand selbstverständlich
zu Jesus gehört. Niemand kann ihn von Natur aus für sich
beanspruchen:
"Wer ist meine Mutter, wer sind meine Brüder? Wer den Willen
Gottes tut", niemand sonst. Niemand ist von Haus aus oder
von der Geburt an ein Christ.
Und das ist das
2., was uns unser Text sagen will:
Von Gott aus kann jeder ein Christ werden.
Der Text zeigt Jesus inmitten seiner realen Brüder. Er zeigt
Jesus inmitten der neuen Familie, die durch ihn begründet
wurde. Der Hebräerbrief bekennt:
"Jesus hat sich nicht geschämt, uns seine Brüder zu heißen."
Eine neue Familie durch ihn entsteht aus dem VOLK, aus den
Menschen, die ursprünglich nichts oder wenig miteinander zu
tun hatten.
Von überall zusammengelaufene Leute bezeichnet Jesus als
seine Jünger. Sie sind ihm Mutter und Brüder. Sie werden
durch den Vater Jesu Christi zusammengeschlossen und dürfen
jetzt beten: UNSER VATER!
Die neue Familie überwindet die Grenzen der alten
natürlichen Familie und Familienverbände mit ihren
verpflichtenden Forderungen, mit ihrem Familienhochmut und
Familienegoismus. Die neue Familie überwindet auch die
Grenzen von Völkern und Nationen, ebenfalls von reich und
arm, worin von Anfang an die Ursache der Kriege und
Revolutionen liegt.
Eine neue Menschheitsfamilie entsteht. Bruderschaft wird
geschenkt. Ein neues Zusammengehörigkeitsbewußtsein kann
wachsen. Eine neue Praxis des menschlichen Lebens kann um
sich greifen. Juden und Heiden, Schwarze und Farbige und
Weise, Reiche und Arme, Alte und Junge verstehen sich in der
christlichen Gemeinde als Brüder und Schwestern.
Das war schon in der ersten Christenheit für die Feinde des
christlichen Glaubens das Aufregendste, daß in ihr Sklaven
und Sklavenhalter sich als Brüder unter dem väterlichen Gott
verstanden; Männer und Frauen, Alte und Kinder, sind Partner
unter dem Wort des einen brüderlichen Herrn. Das ist in der
Tat ungeheurlich und fast unglaublich.
Die neue Familie entsteht da, wo Menschen den Willen Gottes
tun,
"denn wer den Willen tut meines Vaters im Himmel, der ist
mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter',
sagt Jesus.
Das ist ebenso radikal wie sein Wort aus der Bergpredigt:
"Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr, in das
Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters
im Himmel."
Wir haben hier also eine klare Auskunft:
Wer den Willen Gottes tut, darf sich CHRIST nennen.
Wer den Willen Gottes tut, gehört zu Jesus . Wer den Willen
Gottes tut, hat die Verheißung eines Lebens, das nicht mit
dem Tode endet, daß sich lohnt, es zu leben.
Kann aber wirklich jeder Gottes Willen tun?
Nun kommen wir zu der 3. wichtigen Aussage unseres Textes:
Kennzeichen der Christen ist gemeinsames Hören auf Jesus.
"Siehe da, das ist meine Mutter, meine Brüder!",
sagt Jesus.
Er zeigt auf die kleinen Leute von Galiläa, nicht auf die
Großen und Reichen und Hohen im Geist, also nicht auf
Idealmenschen.
Was haben diese Galiläer besonders getan?
Nichts.
Sie sind einfach zu Jesus gekommen, um auf seine Worte zu
hören. Doch Jesus hat an ihnen etwas Besonders getan. Er hat
ihnen geholfen, er hat ihnen das Wort Gottes gesagt. Er hat
neue Hoffnung geweckt, Hoffnung auf das Reich Gottes und
seine Gerechtigkeit.
So also sieht das Tun des göttlichen Willens aus:
Gott verlangt nicht dieses und jenes, sondern er erwartet
nur, daß wir Menschen zu seinem Sohn kommen und sich von ihm
beschenken lassen, mit der helfenden Tat, mit dem heilenden
Wort, mit der neuen Gemeinschaft.
Der Evangelist Lukas überliefert die Worte Jesu in einem
anderen Wortlaut:
"Meine Mutter und meine Brüder sind die, welche das Wort
Gottes hören und tun."
Hören und Tun, das leuchtet ein. Immer wieder erfreut sich
das Christentum der Tat größerer Wertschätzung als ein
Christentum des Hörens.
Matthäus kann so nicht unterscheiden. Er kann das Hören und
das Tun nicht gegeneinander ausspielen. Für Matthäus ist es
selbstverständlich, daß der, der auf Jesus hört, den Willen
Gottes auch tut. Er braucht dazu nicht besonders
aufgefordert zu werden.
Es wird bei dem, der Jesus wirklich hört, nicht beim Hören
bleiben. Das Wort Jesu ist ein schöpferisches Wort. Es
wirkt, was es sagt. Wie dieses Wort die Aussätzigen reinigt,
die Lahmen gehen macht, die Blinden sehend, die Toten
lebendig, so macht es die Sünder gerecht und bewegt sie zu
dem Tun der Gerechtigkeit.
"Jesus lehrte mit Vollmacht und nicht wie die
Schriftgelehrten."
Den Willen Gottes tut, wer auf Jesus hört. Indem er hört,
gehört er zur Bruderschaft der Christen. Indem er auf Jesus
hört, wird er von ihm bewegt zum Tun der Liebe.
Die Bergpredigt und die Zusammenfassung des Gottes Willen in
Matthäus 22, 37-40:
"Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen,
mit ganzer Seele und mit all deinem Verstand. Dies ist das
größte und wichtigste Gebot. Das andere ist im gleich: Du
sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst",
beschreiben, wie das Tun des göttlichen Willens, das im
Hören besteht und aus dem Hören kommt, sich in der Praxis
des Tages bewährt und verwirklicht.
Bruderschaft ist Geschenk an die Hörenden. Bruderschaft ist
die persönliche Möglichkeit derer, die aus dem Hören kommen.
Gelebte Brüderlichkeit ist die Bewährung des Glaubens an
Christus im alltäglichen Leben.
Als Abschluß können wir sagen, daß die, die bereit sind, auf
Jesus zu hören, zu ihm gehören.
Nur der, der auf Jesus hört, gehört zu ihm, kann sich in
Wahrheit CHRIST nennen. Alle die, die zu ihm gehören, bilden
das Volk Glottes, das gegründet wurde, um eine neue Welt
vorzubereiten, in der Gerechtigkeit wohnt, in der die Liebe
im Mittelpunkt steht, die heute schon von denen, die zu
Jesus gehören, praktiziert wird.
Alle anderen Versuche, eine neue und bessere Welt
aufzubauen, ohne auf Jesus zu hören, scheiterten, scheitern
und werden scheitern.
Obwohl viele Menschen, auch viele, die sich noch Christen
nennen, sich über dieses Wort Jesu ärgern, ist es die
einzige Möglichkeit der Rettun dieser Welt:
Hören, zu ihm gehören, zueinander gehören und ihm gehorchen.
Wir wollen die Meditation schließen mit einigen Fragen, die
jeder für sich zuz beantworten sucht:
1. Das 4. Gebot spricht von der Familie und gilt auch für
Jesus und doch, worin unterscheidet sich Jesus von uns im
Verständnis dieses 4. Gebotes?
2. Was denke ich, wenn ich das Wort Familie höre?
3. Soll die Kirche einer Familie gleichen oder eine Familie
der Christengemeinde?
4. Wie erkennt ein Mensch den Willen Gottes?
5. Wie muß eine christliche Gemeinde nach unserem Text
aussehen?
6. Müssen immer welche draußen stehen?