Bibelw. 12a Anstößige Bibeltexte 1
Lugar/Ort:Meroú

Fecha/Datum:15/01/1979
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Reffino, 16-1-1979 -deutsch-
Camarero/Puígari, 15-2-1979 -spanisch-=
Aldea Protestante, 5-2-1970 -spanisch-
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Ein Außenseiter wird zum Vorbildu
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Mathhäus 8, 5-13 - Mateo 8: 5-13
Skopus: Ein heidnischer Hauptmann-Vorbild des Glaubens.
Bibelw.12a-Anstößige Texte 1 -Matthäus 8,5-13
"Da aber Jesus einging zu Kapernaum, trat ein Hauptmann zu
ihm, der bat ihn und sprach: Herr, mein Knecht liegt zu
Hause und ist gichtbrüchig und hat große Qual. Jesus sprach
zu ihm: Ich will kommen und ihn gesund machen. Der Hauptmann
antwortete und sprach: Herr, ich bin nicht wert, daß du
unter mein Dach gehst, sondern sprich nur ein Wort, so wird
mein Knecht gesund. Denn ich bin ein Mensch, der Obrigkeit
untertan, und habe unter mir Kriegsknechte; und wenn ich
sage zu einem: Gehe hin! so geht er; und zum anderen: Komm,
her! so kommt er; und zu meinem Knecht: Tu das! so tut er's.
Da das Jesus hörte, verwunderte er sich und sprach zu denen,
die ihm nachfolgten: Wahrlich, ich sage euch: Solchen
Glauben habe ich in Israel nicht gefunden! Aber ich sage
euch: Viele werden kommen vom Morgen und vom Abend und mit
Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich sitzen; aber die
Kinder des Reiches werden ausgestoßen in die Finsternis
hinaus; da wird sein Heulen und Zähneklappen. Und Jesus
sprach zu dem Hauptmann: Gehe hin; dir geschehe, wie du
gegelaubt hast. Und der Knecht ward gesund zu derselben
Stunde."

An Hand des ganzen Matthäus-Evangeliums wird uns deutlich,
daß dieser Jesus uns unbequem ist. Er geht aufs Ganze.
Er gibt sich nicht damit zufrieden, daß Menschen ein bißchen
menschlich, ein bißchen fromm und ein bißchen sozial sind.
Nein, er fordert einen totalen Gehorsam:
"Ihr sollt vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel
vollkommen ist",
sagt Jesus in der Bergpredigt.
Für ihn zählt nur die ungeteilte Liebe zu Gott und die
unbegrenzte Liebe zum Mitmenschen.
Aber unbequem ist Jesus nicht, weil er Unerfüllbares
fordert, sondern weil Entschuldigungen, die wir mannigfach
vorbringen als faule Ausreden entlarvt. Jeder könnte den
Willen Gottes tun, wenn er nur wollte.
Jesus will uns geradezu fähig machen, das zu tun, was wir
ohne ihn nicht tun können:
Glauben, auf ihn hören, das Leben gewinnen, uns im grauen
Alltag als Christen bewähren, hoffen, wo nichts zu hoffen
ist, und lieben, wo nichts Liebenswertes zu finden ist.
Um uns dazu zu befähigen, hat Gott seinem Sohn alle Macht
gegeben im Himmel und auf Erden.
Unbegreiflich bleibt es, wie wir Menschen ihn von uns stoßen
und mit ihm unser Heil.
Es bleibt als solche, die ihn angenommen haben, unsere
Aufgabe, diesen rettenden und alles neumachenden Jesus allen
anderen bekanntzumachen, durch Wort und Tat.
Interessant ist es, zu wissen, daß das Matthäus- Evangelium
sich ursprünglich an Christengemeinden im alten Galiläa und
in Syrien wendet. Diese Gemeinden haben die Katastrophe des
jüdischen Volkes vor Augen, das auf seinen Messias nicht
hören wollte und nach jahrelangem Kampf gegen die Römer
total zusammengeschlagen wurde und in Jerusalem kein Stein
auf dem anderen blieb.
Das Evangelium warnt:
Kämpft nicht, wie das verführte jüdische Volk, für den Sieg
eurer eigenen Sache, sondern glaubt an den Sieg des von Gott
selbst beglaubigten Jesus von Nazareth, König der Juden, und
laßt euer ganzes Leben von ihm bestimmen. An diesem König
der Juden entscheiden sich allein Unheil und Heil.
Werden wir Menschen des 20. Jahrhunderts, als Christen und
Nichtchristen, diese warnende Bitte des Evangeliums
verstehen?
Nur so könnte es auch die entscheidende Hilfe für unsere
ausweglose Lage, in der wir leben, werden.
In unserem Predigttext nun geht es darum , wie ein
Außenseiter in religiösen Fragen uns zum Vorbild eines
echten und wahren Glaubens werden kann. Es geht um die
Erzählung der Heilung des gichtbrüchihen Knechtes eines
heidnischen Hauptmannes.
Um was geht es in dieser Erzählung?
Es geht um den Glauben.
Niemand kann leben, ohne zu glauben.
Allerdings ist es normalerweise bei jedem Menschen
verschieden, was und wie er glaubt. Jeder hat etwas, woran
er sein Herz hängt und wovon er sein Glück erwartet.
Auch der Ungläubige glaubt, auch der Abergläubische .
Die Frage ist, ist der Glaube auf Sand gebaut oder auf
festem Grund? Hilft er zum Leben oder wirkt er
zerstörerisch?
Falscher Glaube macht Menschen kaputt, wahrer Glaube bringt
Heil.
Jesus wundert sich über den Glauben eines heidnichen
Hauptmannes:
"Solchen Glauben habe ich in Israel nicht gefunden",
sagt er.
Solchen Glauben hat Jesus nicht gefunden, anderen Glauben in
reichlicher Weise wohl.
In Isarel zum Beispiel gab es den Glauben an das Gesetz, an
die heilsame Ordnung Gottes.
Dieser Glaube ist dem heidnischen Hauptmann fremd, er ist
ein Außenseiter. Er gehört nicht zum Volk Israel.
Den Glauben an die Tradition hat es in Israel auch gegeben.
Die alten Sitten, die alten Überlieferungen, die alten
Gebete, die alten Lieder galten als heilig. Wehe, wer sie
anrührte.
Dieser Glaaube an die Tradition hat in Zeiten der
Unterdrückung und der Verfolgung vielen durchaus geholfen,
den Mut und die Hoffnung zu bewahren. Dem heidnischen
Hauptmann ist dieser Glaube fremd. Er ist ein Außenseiter.
Auch die primitiven Formen des Glaubens kennt der Hauptmann
noch nicht, wie sie bei uns üblich sind, der Glaube an die
Wissenschaft und an den Fortschritt, der Glaube an das Gute
im Menschen, oder der Glaube an verschiedene Auffassungen im
menschlichen Leben, wie sie in Redensarten zum Beispiel zum
Ausdruck kommen:
"Hast du was, so bis du was!"
oder:
"Jeder ist sich selbst der Nächste!"
oder
"Geld regiert die Welt!"
oder
"Lasset uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot!"
oder
"Religion muß ja schließlich jeder Mensch haben!"
und andere mehr.
Solche primitiven Formen des Glaubens gibt es bei Christen
und Nichtchristen, vom heidnischen Hauptmann werden sie uns
nicht berichtet.
Allerdings wird uns schon etwas mehr berichtet, daß er
Angehörige einer für ihn fremden Religion zu einem
Gotteshaus verholfen hat und in unserer Geschichte, daß er
sich um seinen Sklaven kümmert wie um seinen eigenen Sohn.
Welcher Glaube nun hat die Verheißung, daß er einen Menschen
mit Abraham und Isaak und Jakob in den Himmel bringt?
Ein heidnischer Hauptmann wird zum Vorbild des Glaubens.
Dieser Mann erkennt, wie schwach und begrenzt er in seiner
Möglichkeit ist, aber auch die Macht der grenzenlosen Güte
Gottes, die ihm in Jesus begegnet.
Nur 2x berichtet das Neue Testament, daß Jesus sich
VERWUNDERT habe. Markus 6, 6 wundert sich Jesus über den
Unglauben der Juden. Matthäus 8, 10, in unserer Geschichte
also, berichtet, daß Jesus sich verwundert über den Glauben
eines Heiden.
1. Ein Außenseiter kommt zu Jesus.
Was ist so verwunderlich an dem Glauben des Hauptmannes?
Viele haben das getan, was er getan hat und sind zu Jesus
gekommen. Vom Hörensagen wissen sie, welche helfende Macht
man Jesus zuschreibt. Sie breiten ihre Not vor Jesus aus.
Wir kennen ja auch das Sprichwort:
"Not lehrt beten."
Wer weiß, ob der heidnische Hauptmann nicht in gleicher
Weise zu Jesus kam wie heute ein Mensch zum Braucher geht?
Aber in der Begegnung mit Jesus verwandelt sich der
primitive Wunderglaube zu einer Kraft, die Jesus veranlaßt,
ihm zu helfen.
Was geschieht in der Begegnung?
Der Hauptmann bittet den Juden Jesus, aber er wird
abgewiesen.
"Soll ich etwa kommen und den Knecht gesund machen?"
heißt es wörtlich.
Was hat Jesus mit einem Heiden, mit einem Außenseiter zu
tun? Nicht zu den Heiden ist er gesandt, sondern nur zum
auserwählten Volk, zu den verlorenen Schafen des Hauses
Israel (15, 24, vergl. Römer 15,8 und Matthäus 10, 5).
Der heidnische Hauptmann wird abgewiesen.
Wird er sich das bieten lassen?
Jetzt erst zeigt sich die Besonderheit seines Glaubens:
2. Er anerkennt, wer er ist, ein Heide.
Er spricht den Satz, der ungewöhnlich ist, verwunderlich und
beispielhaft:
"Herr, ich bin nicht wert, daß du unter mein Dach gehst".
Er erhebt keinen Anspruch auf Heilung. Er weiß, daß er kein
Recht auf Hilfe hat. Er bietet keine Bezahlung an,
verspricht auch keinen Dank.
Er akzeptiert, wer er ist, ein kleiner Hauptmann und dazu
ein Heide. Und auf der anderen Seite steht der Gesandte
Gottes, der Herr, dem alle Macht gegeben ist im Himmel und
auf Erden.
Der Hauptmann erkennt und anerkennt, daß er als heidnischer
Außenseiter kein Anrecht auf Jesu Hilfe hat. Nur die Gnade
ist es, an die er sich klammert:
"Herr, ich bin nicht wert........"
Natürlich weiß der Ortskommandant von Kapernaum, daß er
etwas wert ist. Ein Kommando und eine Hundertschaft setzt
sich in Bewegung. Ein Befehl und der Diener gehorcht aufs
Wort. Ein Stirnrunzeln und die Verantwortlichen der Stadt
stecken die Köpfe zusammen. Er hat gehorchen gelernt und zu
befehlen. Er hat die Weltmacht ROM im Rücken. Mit
Minderwertigkeitsgefühlen hat er nichts zu schaffen, doch
vor Jesus wird er klein.
Schon die Krankheit seines BURSCHEN hat ihn klein gemacht.
Er mußte mit ansehen, wie der Junge SCHRECKLICH GEQUÄLT
wurde. War es Gelenkrheumatismus?
Was half ihm da, daß er ein angesehener Hauptmann war? Der
Krankheit konnte er nicht befehlen, dem nahenden Tod auch
nicht. Die Macht des Schicksals gehorchte ihm nicht. Wie
begrenzt war doch die eigene Möglichkeit.
Auch Jesus kann er nicht befehlen. Er ahnt, was Matthäus
weiß, daß dieser Jesus unter einem anderen Befehl steht,
unter dem Befehl Gottes.
Wie jene heidnische Frau aus Syrophönizien (15, 22-27) gibt
er dem abweisenden Jesus recht:
"Herr, ich bin nicht wert...',
doch dabei bleibt er nicht stehen, sondern er
3. rechnet mit der unbegrenzten Güte Jesu.
Die Anerkennung seiner eigenen Schwachheit ist nur die
Kehrseite der anderen Erkenntnis, der unbegrenzten Güte
dieses Gottesmannes.
"Sprich nur ein Wport, so wird mein Knecht gesund."
Die Gewißheit wächst, daß ein gnädiger Wille über alle
regiert. Er selbst weiß ja, was regieren und gehorchen ist.
Er kennt den Unterschied zwischen Gerede und Befehl. Nun
erkennt er in Jesus den einen, dem
"gegeben ist alle Gewalt im Himmel und auf Erden."
Sein Glaube bringt Jesus in Bewegung. Sein Glaube bringt
Jesus dazu, die Hilfe, die zuerst nur auf Israel begrenzt
war, auch den Heiden zu gewähren. Jesus muß dem Außenseiter
Recht geben, der nicht glauben will, daß er von der Güte
Gottes ausgeschlossen sein soll.
Hier wird deutlich, wie stark der Glaube sein kann und
welche Macht er hat. Und der Heide entdeckt, daß durch Jesus
die Herrschaft Gottes zu allen Menschen kommt, um allen
Menschen Heil zu bringen.
Jesus selbst wird davon überrascht, belehrt, ja BEKEHRT.
Jesus staunt über den Glauben des Außenseiters und nennt ihn
vorbildlich für Israel, für die Jünger, für alle Christen,
auch für uns.
Der auferstandene Herr wird den Glauben des Heiden
bestätigen
"Gehet hin zu allen Völkern!".
Er bestätigt den Glauben des Hauptmanns:
"Gehe hin, dir geschehe, wie du geglaubt hast. Und sein
Knecht ward gesund zu derselbigen Stunde."
Er bestätigt den Glauben all derer, die beten:
"Herr, ich bin nicht wert, daß du unter mein Dach trittst.
Aber sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund!"
Der Glaube des heidnischen Hauptmannes will und wird viele
zu einem ganz neuen Glauben reizen oder anstecken
Aber viele, sogar KINDER DES REICHES, Menschen aus Israel
also, werden dem Anstoß zu einem solchen Glauben ausweichen
und sich an Jesus ärgern. Sie werden nicht wahrhaben wollen,
daß sie ganz auf Gnade angewiesen sind, daß sie nur von der
Barmherzigkeit Gottes leben können, wie ein Liedvers es
sagt:
"Nichts habe ich zu bringen,
alles, Herr, bist du."
Viele werden es nicht wahrhaben wollen, daß ihnen diese
Barmherzigkeit nur durch Jesus gewährt wird. Sie werden sich
ganz auf ihre primitive Form des Glaubens verlassen, wie
etwa:
"Tue recht und scheue niemand!"
oder die ihr Vertrauen weiterhin auf große Caudillos oder
Ideologien oder auf Waffen oder auf Reichtümer setzen. Sie
werden enttäuscht werden, weil sie ihren Glauben auf Sand
gebaut haben.
Wir aber wollen uns noch mehr als bisher allein auf die
Barmherzigkeit Gottes, wie sie in Jesus Christus sichtbar
wurde, verlassen. Nur durch Jesus Christus allein wird uns
die Hilfe gewährt, die wir nötig haben, um alle Nöte zu
überwinden und alle Schwierigkeiten zu meistern.
Es werden nicht alle gelten lassen wollen, daß Jesu Hilfe
allen gilt. Sie werden diese Hilfe einschränken wollen nur
für die, die ihnen passen, die bestimmte Bedingungen
erfüllen, die zu bestimmten Gemeinschaften, Sekten oder
Kirchen gehören. Viele sagen, die Hilfe Jesu gilt nur den
Gläubigen, aber nicht den Ungläubigen und Atheisten. Sie
vergessen, daß Jesu Hilfe allen Menschen gilt, den guten und
schlechten.
Aber wer so denkt, muß sich kritisch fragen lassen, ob
gerade er nicht, weil er andere Menschen ausschließen will
vom Heil, selbst von der Hilfe ausgeschlossen bleibt. Jesus
selbst hat ja gesagt:
"Die Ersten werden die Letzten sein und die Letzten die
Ersten",
oder
"Wer da stehe, der sehe fein zu, daß er nicht falle".
Und unser Text sagt vom Volk Israel, das alle anderen vom
Hilfe Gottes ausschließen will:
"Die Kinder des Reiches werden in die Finsternis
hinausgestoßen, da wird Heulen und Zähneklappen sein."
Wir alle miteinander sind eingeladen, wie der heidnische
Hauptmann, immer wieder aufs neue zu Jesus zu kommen, mit
ihm eine Begegnung zu haben, damit unser Glaube, der nur zu
oft ein leerer Glaube, ein Aberglaube, ein Glaube an
Traditionen, ein primitiver Glaube ist, erneuert wird zu
einem echten und wahren Glauben, der von sich nichts,
besonders nichts Gutes erwartet, von Jesus aber alles, zu
einem Glauben, wie er im Leben des heidnischen Hauptmanns
Wirklichkeit wurde und der daselbe erfahren darf wie er:
"Jesus sagte zu dem Hauptmann: Gehe hin, dir geschehe wie du
geglaubt hast und sein Diener ward gesund zu derselben
Stunde."
Wir wollen diese Bibelmeditation mit einigen Fragen
schließen, die wir auf dem Heimweg oder zu Hause ein wenig
NACHDENKEN wollen:
1. Kann die Liebe zum Mitmenschen mit allen Konsequenzen
ohne Glaube an Jesus praktiziert werden?
2. Israel und Kirche sind ungleiche Brüder, aber eben doch
Brüder. Was können sie voneinander lernen?
3. Was ist Glaube?
Ein Fürwahrhalten von Lehrsätzen und Traditionen oder ein
persönliches Vertrauensverhältnis zu Jesus?
4. In welcher Weise kann der Heide zum Vorbild des Glaubens
für uns heute werden?