Bibelw. 08 Aufbruch in Gottes Zukunft
Lugar/Ort:Meroú

Fecha/Datum:17/06/1970
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Reffino, 18-6-1970
Aldea Protestante, 20-6-1970
Camarero/Puíggari, 27-6-1970
Grabschental, 22-9-1971
Hernandarias, 6-8-1972
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Gott hört den Schrei
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:2. Mose 1,22 - 2, 15
Skopus: Gottes Hilfe ist schon in der Vorbereitung.
Bibelwoche 8 Aufbruch in Gottes Zukunft. Gott hört den
Schrei. 2. Mose 1,22-2,15
"Da gebot Pharao allem seinem Volk und sprach: Alle Söhne,
die geboren werden, werft ins Wasser, und alle Töchter laßt
leben.
Und es ging hin ein Mann vom Hause Levi und nahm eine
Tochter Levi. Und das Weib ward schwanger und gebar einen
Sohn. Und da sie sah, daß es ein feines Kind war, verbarg
sie ihn drei Monate. Und da sie ihn nicht länger verbergen
konnte, machte sie ein Kästlein von Rohr und verklebte es
mit Erdharz und Pech und legte das Kind darein und legte es
in das Schilf am Ufer des Wassers. Aber seine Schwester
stand von ferne, daß sie erfahren wollte, wie es ihm gehen
würde. Und die Tochter Pharaos ging hernieder und wollte
baden im Wasser; und ihre Jungfrauen gingen an dem Rande des
Wassers. Und da sie das Kästlein im Schilf sah, sandte sie
ihre Magd hin und ließ es holen. Und da sie es auftat, sah
sie das Kind; und siehe, das Kindlein weinte. Da jammerte es
sie und sprach: Es ist der hebräischen Kindlein eins. Da
sprach seine Schwester zu der Tochter Pharaos: Soll ich
hingehen und der hebräischen Weiber eine rufen, die da
säugt, daß sie dir das Kindlein säuge?
Die Tochter Pharaos sprach zu ihr: Gehe hin. Die Jungfrau
ging hin und rief des Kindes Mutter. Da sprach Pharaos
Tochter zu ihr: Nimm hin das Kindlein und säuge mir's; ich
wills dir lohnen. Das Weib nahm das Kind und säugte es. Und
da das Kind groß war, brachte sie es der Tochter Pharaos,
und es ward ihr Sohn, und sie hieß ihn Mose; denn sie
sprach: Ich habe ihn aus dem Wasser gezogen. Zu den Zeiten,
da Mose war groß geworden, ging er aus zu seinen Brüdern und
sah ihre Last und ward gewahr, daß ein Ägypter schlug seiner
Brüder, der Hebräischen, einen. Und er wandte sich hin und
her und da er sah, daß kein Mensch da war, erschlug er den
Ägypter und scharrte ihn in den Sand. Auf einen anderen Tag
ging er auch aus und sah zwei hebräische Männer sich
miteinander zanken und sprach zu dem Ungerechten: Warum
schlägst du deinen Nächsten? Er aber sprach: Wer hat dich
zum Obersten oder Richter über uns gesetzt? Willst du mich
auch erwürgen, wie du den Ägypter erwürgt hast? Da fürchtete
sich Mose und sprach: Wie ist das laut geworden?
Und es kam vor Pharao, der trachtete nach Mose, daß er ihn
erwürgte. Aber Mose floh vor Pharao und blieb im Lande
Midian und wohnte bei einem Brunnen."

GOTT HÖRT DEN SCHREI.
Für uns Christen von heute ist das ganze 2.Buch Mose, das
auch Exodus heißt, ein sehr interessantes Buch geworden.
Warum?
Weil das darin uns Mitgeteilte eine gewissen Parallele hat
zu dem, was wir heute in der Welt und in der ganzen
Christenheit erleben.
Exodus bedeutet Auszug, bedeutet der Anfang einer langen
Wanderschaft, von der man am frúhen Morgen noch nicht weiß,
wo man am späten Abend seinen müden Kopf wird hinlegen
können. Es ist alles dann so dunkel und zum Teil durch
eigene Schuld, daß die nächsten Schritte nicht
vorausbestimmt werden können.
Aber doch war dieser Auszug aus der Sklaverei, der Not, der
Unterdrückung Ägyptens ein Schritt nach vorn, wenn auch
unterwegs müde Stimmen laut waren, die der Wanderschaft und
der Ungewißheit der Zukunft wegen von Ägypten als von
den Fleischtöpfen Ägyptens sprachen. über der kleinen
augenblicklichen Not hatten sie die nicht zu beschreibende
grausame Not, die sie durch den Auszug verlassen hatten,
schon wieder vergessen. Sie schien manchen als eine
Kleinigkeit, als eine Bagatelle. Auf alle Fälle lag über
diesem Auszug die Verheißung Gottes, daß er sie selbst, die
Kinder Israel, zum Ziele ihrer Wanderschaft, ins gelobte
Land Kanaan, in das Land ihrer Zukunft, das der Inhalt ihrer
Träume war, bringen wird.
Diese Verheißung Gottes, dieses sein Versprechen, leuchtete
ihnen Schritt für Schritt voran.
Müssen wir nicht heute auch aufbrechen aus einer
Vergangenheit, die 2 bis 3 Jahrtausende alt war. Gesetze
des Lebens und des Miteinanders, die für ewig galten, haben
keine Bedeutung mehr. Das, was keiner an Grausamen unter uns
Menschen für möglich gehalten hat, und was je ein Mensch
sich an Gutem und Schönem und Angenehmen erträumt hat, heute
schon oder morgen könnte es Wirklichkeit werden.
Aber selbst in der Christenheit sind bereits Veränderungen
zugange, wie wir es nie für möglich angesehen haben.Denken
wir nur an das, was in der röm.-katholischen Kirche sich
ereignet hat, und was da noch zu erwarten ist.
Aber auch wenn wir an die nicht-römische Christenheit
denken, dann müssen wir feststeellen, wie hat sich das
Gesicht der Kirchen doch geändert und wird sich noch
verändern.
Wir fragen natürlich, wie und wo wird das alles noch enden?
Allerdings ist doch der größte Teil der Menschheit oder der
größte Teil der Christenheit der festen Überzeugung, daß man
mit dem, was bereits zusammengebrochen ist und was man an
Lebensgewohnheiten und Glaubensformen aufgegeben hat oder
noch im Aufgeben begriffen ist, keine Ehre einlegen konnte
und es zu diesem Aufgeben allerhöchste Zeit wurde.
Und so unsicher auch der Weg sein mag und wie die Richtung
auch noch erkennbar ist, wir wissen, daß Gott mit seinem
Wort und seiner Verheißung uns begleitet, und zwar in eine
neue bessere und schönere Zukunft hinein.
Unser Gott ist der Gott der Zukunft, der gesagt hat:
"Siehe, ich mache alles neu!"
Alles Sichverzögern dieser Zukunft, alle Rückschläge und
alles orientierungslose Herumirren geht nicht auf Gottes
Versagen zurück, sondern auf das Schuldkonto unseres
Ungehorsams gegenüber Gottes Wort, gegenüber seiner
Verheißung und gegenüber seinen Weisungen.
Das Exodusbuch, das 2. Buch Mose ist die Vorbereitung des
Aufbruchs und der Beginn in eine neue Zukunft des alten
Volkes Gottes, des Volkes Israels. Es kann vielleicht auch
uns einige Ratschläge geben. ebenfalls für die Wanderschaft
selbst und dann die Vorbereitung und den Eintritt in das
Land der Verheißung.
Heute soll uns nun unter dem Thema
"Gott hört den Schrei der gequälten Menschen",
die Vorbereitung des Auszuges der Kinder Israels aus Ägypten
beschäftigen.
Wenn wir von dem Auszug der Israeliten sprechen, dann
sprechen wir immer von dem Auszug aus der Sklaverei
Ägyptens.
Übrigens stand später dieser Auszug im Leben, im
alltäglichen und im gottesdienstlichen Leben, des Volkes
Israels im Mittelpunkt, um den sich alles drehte.
Im alten Volk Gottes hatte dieser Auszug die Bedeutung wie
für uns heute als das neue Volk Gottes das Kreuz und die
Auferstehung Jesu Christi.
Jedes Glied des Volkes Israels, das die 10 Gebote Gottes
lernte, lernte mit, wer sein Gott sei:
"Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland,
aus der Knechtschaft geführt habe."
Selbstverständlich müssen wir uns erinnern, wie kam das Volk
Israel nach Ägypten?
Die Israeliten wohnten bereits schon in dem sogenannten
GELOBTEN Land Kanaan oder Palästina, Jakob und seine 12
Söhne.
Um sie vor einer großen Hungersnot zu retten, hatte Gott in
einer langjährigen und wechselvollen Geschichte mit dme
jüngsten Sohn des Jakobs, JOSEF, die Rettung seines Volkes
vor der Hungersnot vorbereitet. Josef wurde ein vorsorgender
Vizekönig von Ägypten, dessen Getreidesilos voll waren, und
der in der größten Not seine Familie, die Kinder Israel,
nach Ägypten holen ließ, ihnen die Provinz Gosen zum Wohnen
und Arbeiten überließ und sie so vor dem Hungerstode
bewahrte.
Selbstverständlich war in keinster Weise daran gedacht, daß
Ägypten der Dauerwohnsitz sein sollte. Das Land Kanaan,
Palästina, war das Land, das Gott ihnen anvertraut hatte.
Es liegt uns Menschen nicht, dauernd unseren Wohnsitz zu
wechseln, selbst wenn es von Gott befohlen sein sollte.
Vom Volk Isael, das nun sein ausreichendes tägliches Brot
besaß, war ein Auszug jahrzehntelang besonders abgelehnt
worden, weil Palästina immer in Verbindung gesehen wurde mit
Hungern und Verhungern.
Das wurde aber anders, als das Volk Israel durch den Glauben
an Gott sich nicht assimilierte, sich nicht vermischte mit
den Ägyptern. Es wurde immer größer und die darauf folgenden
Generationen der Ägypter betrachteten dieses Volk als einen
lästigen Fremdkörper im eigenen Land.
Sie hatten Angst. Sie suchten die Angst zu überwinden und
setzten die Israeliten unter Druck und ließen sie als
Sklaven ohne Freiheit, ohne Recht und ohne ausreichende
Lebensbedingungen für sich arbeiten.
Man kann diese Zeit vielleicht um 1300 bis 1200 vor Christi
Geburt ansetzen.
Um diese Zeit herrschte über Ägypten RAMSES III, der im
Kampf mit den Hethitern liegt.
Er läßt die Stadt Ramses bauen. Wir haben verschiedene in
alten Gräbern aufgefundene Abbildungen und Zeichnungen, in
denen wir erkennen können, in welcher Weise Sklaven zum
Bauen von Häusern eingesetzt wurden. Man kann sie zum Teil
als Hebräer, als Semiten erkennen.
Durch unseren Text bekommen wir ein Bild von der harten
unmenschlichen Behandlung der Israeliten durch die Ägypter.
Es heißt dort:
"Die Ägypter zwangen die Kinder Israel unbarmherzig zum
Dienst und machten ihnen ihr Leben sauer mit schwerer
Arbeit."
Auf diese Weise wurden die Städte Pitlom und Ramses gebaut.
Es gab Zeiten, wo wir Menschen gedacht hatten, daß solcher
grausamer Sklavendienst unter uns unmöglich geworden sei.
Leider haben wir es erleben müssen, daß in der Hitlerzeit in
den nationalsozialistischen Konzentrationslagern in Europa
Millionen von Menschen noch grausamer behandelt wurden als
in Ägypten.
Zeigt sich nicht von Zeit zu Zeit der Mensch als Bestie, der
andere quält und mißhandelt und ermordet?
Wir wissen, daß der Kommunismus in seiner Menschenbehandlung
in Rußland auch grausam ist. Ein wenig habe selbst ich als
Kriegsgefangener davon in Rußland erleben müssen.
Aber ist das nicht auch grausam, wenn in bestimmten Gebieten
der Erde Millionen von Menschen noch heute Hungers sterben,
während andere sich ohne mit der Wimper zu zucken an einen
gedeckten Tisch setzen. Oder ist das nicht der Gipfelpunkt
aller Grausamkeit, wenn systematisch daran gearbeitet wird,
noch furchtbarere Waffen und Bomben herzustellen, die
jegliches menschliches und tierisches Leben auf dieser Erde
unmöglich machen?
Oder wird nicht an eine totale Versklavung der Menschheit
gearbeitet, wenn versucht wird, die Erbanlagen so zu
verändern, daß schon vor der Geburt es festliegt, ob das
geborene Lebewesen ein Sklave wird, der nur für die
geringste Arbeit taugt und die anderen diese SKlaven
beaufsichtigen sollen. Ja, werden wir nicht alle, je mehr
diese Welt technisiert wird und wir von Maschinen abhängig
sind, zu Sklaven der Menschen oder der Maschinen?
Geht nicht heute ein Schrei der Sehnsucht nach Freiheit,
nach einem wahren und echten menschlichen Leben durch die
ganze Welt?
Sind nicht die dauernden großen und kleinen Unruhen in allen
Kontinenten Ausdruck der Sehnsucht nach Befreiung aus der
augenblicklichen jeweils verschiedenen Unterdrückung und
Versklavung von Menschengruppen.
Und wir dürfen wissen, daß Gott heute genauso wie damals in
Ägypten den Schrei einer gequälten und geängstigten
Menschheit hört.
Er ist ja der Gott, der uns aus allen sklavischen Bindungen
befreien kann und befreien will, selbst der Versklavung
durch uns selbst.
Wie grausam diese Versklavung der Israeliten durch die
Ägypter war, zeigt sich darin, daß die letzteren sich
anmaßten, neugeborene männliche Kinder zu ermorden. Menschen
meinen über das Leben anderer entscheiden und bestimmen zu
können, sie maßen sich das Recht an, daß nur allein Gott
selbst zusteht.
Warum berichtet uns der Schreiber des 2. Buches Mose, des
Exodus, wohl diese wunderbare Errettungsgeschichte des
kleinen männlichen Kindes, das später den ägyptischen Namen
MOSE, der Sohn, bekommt?
Der Name wurde dann im Volk Isfrael gedeutet als der
"Aus dem Wasser Gezogene", besser wäre es, ihn zu
übersetzen:
"Der, der sein Volk aus der Sklaverei herauszog".
Diese Errettungsgeschichte des Mose aus dem Wasser hat eine
gewisse Ähnlichkeit mit mancher anderer Errettungsgeschichte
großer Männer der damaligebn Zeit.
Und in der Erklärung der Bedeutung der christlichen Taufe
kann man durchaus auch auf diese Errettung aus der Bedrohung
des Mose durch Wasser hinweisen.
Hier in unserm Text wird uns mit dieser ausgemalten
Errettungsgeschichte des Mose aus dem Wasser bezeugt:
Gott hört das Schreien der gequälten Menschen und ehe noch
der Schrei verklungen ist, ist er am Werk, um seine Hilfe
vorzubereiten.
Inwiefern gilt das hier auch in unserem Text?
Wir wissen, daß er eins aus den Kindern, die ermordet werden
sollen, herausrettet, um ihn still vorzubereiten für das
Werk der Befreiung seines Volkes, auf die Rückkehr nach
Palästina unter seiner Führung.
Und welch großartige Möglichkeit schafft Gott für dieses
Kind aus seinem Volk, um später der Führer dieses Volkes zu
werden.
Es wächst auf wie ein Pharaonen-, wie ein Königskind, er
erhält die besten ägyptischen Schulen, lernt das VoLk
regieren.
Inmitten noch der größten Not und Auswegslosigkeit, setzt
Gott bereits in diesem Mose das Zeichen und die
Voraussetzung einer besseren und glücklicheren Zukunft.
Hat er nicht später einmal auch in der wunderbaren Geburt
des Jesuskindlein im Rancho zu Bethlehem das Zeichen der
Hoffnung für eine ganze gequälte und versklavte Menschheit
gesetzt und sollten wir als Christen in der Nachfolge
unseres Herrn und im Nachtun dessen, was er getan hat, nicht
auch solch ein Zeichen Gottes der Hoffnumg heute für eine
bessere Zukunft sein?
Haben wir überhaupt schon diese unsere Aufgabe einmal
gesehen?
Unser bisheriges bißchen Christentum reicht dafür naürlich
nicht aus.
Vielleicht müssen wir Christen uns ganz neu ebenfalls
vorbereiten lassen, für die Aufgabe, Zeichen der Hoffnung
für eine bessere Zukunft zu sein und als Bestätigung dafür,
daß Gott den Schrei einer Menschheit in Not gehört hat und
bereits dabei ist, die Hilfe vorzubereiten, die alle Not
wendet.
Die Hilfe ist bereits nahe. Eine neue Zeit bahnt sich an,
durch den
"Gott, der uns hilft",
durch den Gott, der von sich gesagt hat:
"Siehe, ich mache alles neu!"
Aus der Geburts- und Errettungsgeschichte des Mose sollte
das doch neben der berichteten Hauptsache auch erwähnt
werden:
Die Hebammen, die den gebärenden Frauen und den geborenen
Säuglingen in der schweren Stunde helfend beistehen, sollen
mit eingesetzt werden bei der Ermordung der männlichen
Kinder. Sie lehnen es aber ab, als Mörder mißbraucht zu
werden, selbst wenn ein Pharao, ein König, es befohlen hat.
Gottes Wort ist ihnen wichtiger als ein Staatsgesetz, als
das Wort des Königs.
Es heißt im Text:
"Die Hebammen fürchteten Gott."
In der Hitlerzeit geschah etwas ähnliches, als Hitler
persönlich die Ermordung der Verrückten und Geisteskranken
in den Sanatorien befahl, kam die Mordkommission auch zu dem
Leiter der Betheler Anstalten, Pastor von Bodelschaingh, und
forderte, da er sofort die medizinischen Akten der Kranken
herausgäbe und sie sich von dieser Mordkommission
untersuchen lassen müssen. Pastor von Bodelschwingh hatte
bereits vorher die Akten unauffindbar versteckt und
verweigerte die Herausgabe und als sie die Kranken mit
Gewealt untersuchen wollten, informierte er seine Kranke
davon, daß sie durch diese Mordkommission ermordet werden
sollen und daß er sie unter Aufbietung seines Lebens
beschützen wolle. Darauf brach in ganz Bethel eine nicht
einzudämmende Unruhe aus und von Bodelschwingh verweigerte
den Eintritt zu den Kranken. Sie müßten ihn selbst schon
erschießen, eher läßt er sie an die Kranken, die Gott ihm
anvertraut habe, nicht heran.
Wutschnaubend zog die Mordkommissison ab und sie ließen die
Anstalt Bethel unbehelligt.
Ihm, Pastor von Bodelschwingh, war Gottes Gebot
"Du sollst nicht töten!"
wichtiger als Hitlers Mordbefehl.
Aus Rache ließ Hitler etwas später durch eigene deutsche
Bombenflugzeuge die Anstalt bombardieren und behauptete, daß
das die Engländer getan haben.
Aber dabei war der Schaden doch nicht so groß.
Es fehlen zu allen Zeiten die, die Gott mehr fürchten als
die Menschen.
Gehören wir zu solchen Gottesfürchtigen?
Wir erinnern uns, daß wir feststellten, daß Gott das
Schreien der Menschen hört und bereits mitten durch alle
Leiden und Qualen hindurch die Hilfe vorbereitet und
Menschen für diesen Hilfsdienst in seinem Namen aussucht.
Durch unseren Text wird uns allerdings eingeschärft, daß,
wenn er Menschen zu seinem Dienst bestimmt, sie seine
Aufträge auszuführen haben.
Es gab eine Zeit, da meinte Mose, er müßte die Befreiung
seines Volkes selbst in die Hand nehmen, denn er habe durch
seine Studien nun Fähigkeiten genug und wüßte schon selbst,
wie er diese Befreiung anpacken könnte, nicht anders als daß
er losschlägt ohne auf Gottes Anordnung zu achten:
"Zu der Zeit, als Mose groß geworden war, ging er hinaus zu
seinen Brüdern und sah ihren Sklavendienst und nahm wahr,
daß ein Ägypter einen seiner hebräischen Brüder schlug. Da
schaute er sich nach allen Seiten um, und als er sah, daß
kein Mensch da war, erschlug er den Ägypter und verscharrte
ihn im Sande."
Uns allen liegt es viel eher, aktiv in das Leben, wie und
wann wir es wollen, einzugreifen, aber warten, bis uns Gott
selbst den Befehl, wie und wann er es will, gibt, fällt uns
schwer. Aber unser Handeln, vielleicht gut gemeintes
Handeln, kann nicht mit Gottes Handeln durch uns verwechselt
werden. Meistens endet solch eigenmächtiges Handeln in einem
kompletten Frakasso. Wir schaden der Sache mehr, als wir ihr
dienen.
Mose muß durch sein eigenmächtiges Handeln fliehen und außer
Landes gehen, in die Wüste gehen.
Um Gottes Zukunft für uns alle heraufzuführen, werden wir
benötigt, dringend benötigt, aber wir sind es nicht, die
Zeit und Stunde dieser Zukunft bestimmen. Wir sind es auch
nicht, die eine neue und bessere Welt schaffen können,
sondern das alles bleibt Gott selbst vorbehalten. In allem
haben wir zu fragen:
"Herr, was willst du, daß ich tun soll?"
Aber unser eigenmächtiges Handeln kann Gottes Hilfe wohl
verzögern, aber nicht außer Kraft setzen. Gottes Hilfe ist
schon unterwegs, so wahr er das Schreien der Menschen gehört
hat.
Der Auszug aus der Sklaverei Ägyptens findet statt, so wahr,
wie Gott wahr ist. Der Aufbruch in die Zukunft Gottes in das
Land der Sehnsucht hat begonnen, ja, die Zukunft Gottes
selbst hat schon begonnen.
Wenn wir das bisher Gesagte zusammenfassen, dann könnten wir
das vielleicht folgendermaßen tun:
Gott handelt im geschichtlichen Ablauf an uns Menschen. Er
möchte sie so haben, wie er sie geschaffen hat. Er handelt
bereits mitten in der Zeit der Knechtschaft Ägyptens. Gott
hat nicht geschlafen, sondern das Leid seines Volkes gesehen
und den Schrei seiner Kinder gehört.
Er handelt sofort, und zwar durch Menschen. Er bereitet das
Werk seiner Hilfe, die Befreiung aus der Sklaverei, vor und
wird es auch vollenden.
Wer voreilig Gottes Wirken eiegenmächtig beschleunigen will,
der wird scheitern. Wir haben zu warten auf Gottes Stunde,
aber seine Stunde einer neuen Zukunft kommt, so sicher wie
2x3 gleich 6 ist.