Bergpredigt (15)
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:05/02/1961
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Reffino, 19-3-1961
Camarero, 9-9-1962
Diamante, 10-8-1963
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Matthäus 7, 6
Skopus: Respekt vor der Entscheidung des anderen
Bergpredigt (15) Matthäus 7,6
"Jesus tat seinen Mund auf, lehrte seine Jünger und sprach:
Ihr sollt das Heiligtum nicht den Hunden geben, und eure
Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen, auf dass
dieselben sie nicht zertreten mit ihren Füssen und sich
wenden und euch zerreissen."

In den Versen vorher hat Jesus seine Jünger gewarnt, die
Verkündigung des Evangeliums zu verwechseln mit einem
Verurteilen, Aburteilen oder mit einem Richten der anderen
Menschen. Die Verkündigung des Evangeliums von Jesus
Christus hat nichts anderes zum Ziel als dieses, dass Gott
uns durch Jesus Christus sagen lässt, dass er uns trotz
unserer Bosheit liebt. Er liebt dich und mich, trotz deiner
und meiner Bosheit. Und wir sind aufgerufen, dieses
Evangelium auch den anderen Menschen weiterzusagen, dass
Gott sie liebt trotz ihrer Bosheit.
Wenn wir also aufgerufen werden, das zu tun, dann können wir
das nicht tun als hochmütige und stolze Menschen, sondern
nur als solche, die ebenfalls als Ungehorsame von Gott
geliebt werden. Also Hochmut gegenüber den anderen kann
niemals am Platze sein, erst recht nicht die Berechtigung
zum Verurteilen und Aburteilen anderer Menschen.
Unser heutiges Wort hat es auch zu tun mit der Verkündigung
der frohen Botschaft, dass Gott uns lieb hat.
Während es in den vorhergehenden Versen darum ging, dass die
Jünger in ihrem Weitersagen des Evangeliums nicht hochmütig
werden und sich als Richter über die anderen aufspielen,
geht es hier darum, dass wir nicht versuchen, den anderen
die frohe Botschaft durch Zwang und mit Gewalt aufzunötigen.
Es gibt Christen, selbstverständlich auch Pastoren, die in
einer unangenehmen Weise jeden anderen Menschen bekehren
möchten. Aber jede Methode, ganz gleich, welche es sei, die
versucht, mit Gewalt und Zwang einen anderen zu bekehren, zu
Jesus Christus zu führen, ist etwas, was uns verwehrt und
verboten ist. Zu solch einer Zwangsmethode gehört es auch,
wenn verschiedene psychologische Bekehrungsmethoden
angewandt werden, mit den betreffenden
überraschungsmommenten wie:
Wer sich bekehrt hat, der komme nach vorne.
Die jetzt Bekehrten stehen auf.
Wer sich heute noch bekehren will, der stehe auf, usw.
Durch diese Methode wird ein seelischer Zwang auf die Hörer
gelegt, der sie entweder in die Lüge treibt oder sogar in
eine Bekehrung, die nicht von Gott ist.
Wer das Evangelium von Jesus Christus verkündigt, und dazu
sind wir alle als Christen aufgerufen, muss es von
vornherein ganz klar und deutlich wissen: Wir Menschen,
mögen wir noch so gute Christen sein; mögen wir noch so gute
psychologische Methoden und Tricks kennen und anwenden, um
Menschen zum Erschrecken zu bringen, um einenen anderen zu
Christus zu führen, einen Menschen in rechter Weise zu
bekehren, reicht das alles nicht aus, ja, wir Menschen
bringen das überhaupt nicht fertig. Es ist ja auch in
keinster Weise die Aufgabe der Jünger Jesu, also auch nicht
unsere Aufgabe, einen anderen zu bekhren. Diese Aufgabe
haben sich Gott, der Vater und der Sohn Jesus Christus
selbst vorbehalten. Darum ist es ein direktes Gottversuchen,
eine Gotteslästerung, wenn ein Mensch den anderen zu
bekehren versucht, denn diese Bekehrungsversuche an anderen
Menschen mit psychologischen Methoden sind seelischer Zwang,
der auf andere Menschen ausgeübt wird. Wir aber, du und ich,
sind aufgerufen, das Evangelium von Jesus Christus zu
verkündigen, wie es uns in der Heiligen Schrift überliefert
worden ist. Wo das in rechter Weise geschieht, da werden
Menschen zu Christus geführt, in einer immer neuen Weise.
Und da werden Menschen bekehrt, aber das geschieht nicht
durch den Verkündiger mit seinen guten psychologischen
Fähigkeiten, sondern durch Gott selbst und seinen Sohn, in
der Kraft des Heiligen Geistes. Und da, wo ein Mensch
bekennt:
"Ich glaube an Jesus Christus,"
da soll es nicht durch einen Zwang geschehen sein, sondern
in Freiheit. Gott hat uns, als er uns schuf, die Freiheit
der Entscheidung geschenkt, und diese Freiheit will er auch
erhalten wissen, auch im Glaubensleben. Gott hat uns diese
Freiheit sogar dann noch gelassen, als wir Menschen daran
gingen, seinen Sohgn totzuschlagen. Wenn Gott unsere
menschliche Freiheit selbst bis zum Mord an seinem Sohn
respektiert, dann wollen wir die Freiheit unserer
Mitmenschen auch in den Fragen des Glaubensleben
respektieren, selbst wenn er nach unserer Meinung ins
Vrederben rennt.
Und darum geht es ja in dem Wort, das unser Herr Jesus in
dem heutigen Wort uns sagt:
"Ihr sollt das Heiligtum nicht den Hunden geben, und eure
Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen, auf dass sie
dieselben nicht zertreten
mit ihren Füssen und sich wenden und euch zerreissen."
Es ist wahr: wir als Jünger Jesu haben den Auftrag, sein
Evangelium allen Menschen zu verkündigen, ohne Rücksicht auf
die Schwierigkeiten; aber dieser Auftrag hat seine Grenze in
der freien Entscheidung des Menschen, dem ich das Evangelium
verkündigen will.
Diese Botschaft, dass Gott uns liebt, und das wir anderen
verkündigen sollen, wird hier verglichen mit HEILIGTUM =
irgend ein Gegenstand des Tempels in Jerusalem und mit einer
kostbaren PERLE. Und dieses Heiligtum wird in Verbindung
gesetzt mit HUNDEN und diese Perle mit SCHWEINEN, mit Säuen.
Es soll ein heiliger Gegenstand nicht vor die Hunde und eine
kostbare Perle nicht vor die Säue geworfen werden. Das
bedeutet für die Verkündigung, dass wir sie einstellen, wenn
ein Mensch das Evangelium, dass Gott ihm gut ist, nicht mehr
hören will und nichts mehr davon wissen will. Das Evangelium
ist zu kostbar, als das wir unsere Zeit damit verschwenden,
es Menschen zu verkündigen, die es nicht mehr hören wollen,
die sich in ihrer von Gott geschenkten Freiheit nicht für
Gott, sondern gegen Gott entschieden haben.
Man hat diese beiden Worte HUNDE uns SCHWEINE oder SAU als
ein abwertendes Schimpfwort fïr den Menschen verstanden, der
sich gegen Gott entschieden hat. Das ist hier aber nicht
mÖglich. Durch das Wort HUND und SAU soll und darf den
Menschen, der nicht glauben will, nicht mit diesen Tieren
auf eine Stufe gestellt werden.
Es geht auch nicht, das was ich erlebte, dass am Tisch eines
Gemeindegliedes ein "schwarzer Hiesieger" mit ass und als
man die Frage des Tischgebetes berührte, der Hausvater
bestimmte: Heute wird nicht gebetet. Man soll die Perle
nicht vor die Säue werfen. Dabei wurde auf den "schwarzen
Gast"gezeigt
Was in dieser Begebenheit zum Ausdruck kam, hat mit dem
eigentlich Sinn des Wortes Jesu aber auch garnichts zu tun,
hóchstens Hochmut und Dünkel und Rassismus und hier noch
dazu ein Nichternstnehmen des Auftrages Jesu, sein Wort zu
verkündigen.
Das Wort HUND hat hier in unserem Text nur diese Bedeutung,
dass es sagen will, genauso, wie der Hund mit dem heiligen
Gegenstand aus dem Tempel zu Jerusalem nichts anzufangen
weiss, höchstens dass er damit spielt und zerreisst, genauso
gibt es Menschen, die mit dem Evangeliums nichts mehr
anzufangen wissen, Dasselbe will auch das Bild von der Perle
und von dem Schwein sagen.
Es gibt einfach Menschen, die kein Ohr mehr dafür haben, die
frohe Botschaft zu hören und sich sogar dadegen entschieden
haben.
Und uns wird gesagt: Quält diese Menschen nicht mehr mit dem
Evangelium. Sie haben bereits die Türe für Gott und sein
Wort verschlossen. Gott hatte ihnen diese Freiheit der
Entscheidung gegeben, darum sollt ihr nicht mehr sein wollen
als Gott selbst. Lasst ihr ihnen also auch die Freiheit.
Seid ihr dankbar, dass ihr in eurer Freiheit euch für Gott
und sein Evangelium entschieden habt, aber respektiert auch
die Freiheit des Mitmenschen, der sich gegen Gott
entschieden hat. An solchen Menschen ist euer Auftrag, das
Evangelium zu verkündigen, am Ende. Solltet ihr weiterhin
meinen, euch um solch einen Menschen mit dem Evangelium zu
bemühen, läuft ihr Gefahr, dass er, der sich gegen Gott
entschieden hat, euch und das Evangelium mit Spott und Hohn
überschüttet. Dazu ist das Evangelium zu schade.
Selbstverständlich ist das oft für uns bitter schwer zu
verstehen und zu respektieren, dass sich ein Mensch dem
Evangelium verschliesst, besonders schwer ist es, wenn
dieser Mensch ein Glied unserer eigenen Familie ist. Aber
bedenken wir das, was wir schon gesagt haben: Wir bekehren
niemanden und haben auch niemanden zu bekehren. Das hat sich
allein Gott vorbehalten. Er kennt die Herzen der Menschen
besser als wir.
Denn, wenn Gott uns sagt, wir sollen nun mit dem Evangelium
bei dem einen bestimmten Menschen aufhören, weil unser
Auftrag zu Ende ist, dann allerdings ist Gott selbst noch
lange nicht mit diesem Menschen am Ende, nur wir sind dann
von Gott ausgeschaltet worden. Gott selbst weiss es, ob
dieses nicht mehr hören können ein Zuspät bedeutet oder nur
ein Warten bis zu dem Zeitpunkt, da Gott selbst die
Bereitswilligkeit zum Hören schafft auf sein Evangelium und
dann die Stunde gekommen ist, da auch wir wieder gerufen
werden, dem anderen mit dem Evangelium zu helfen.
Denken wir daran, was mit Paulus geschah. Jahrelang war er
ein Zerstörer der Gemeinde und ein Feind Jesu. Und dann
bricht Gott in das Leben ein und dann kommt von selbst aus
dem Munde dieses Verstockten das Wort:
"Herr, was willst du,das ich tun soll?"
Dann wird aus dem Verstockten der grosse Apostel der
christlichen Kirche.
So ruft uns unser heutige Text zu: Es gibt für die
VerKündigung des Evangeliums eine Grenze, die in der freien
Entscheidung des anderen liegt. Respektiert diese
Entscheidung. Allerdings bedeutet diese Grenze für uns noch
nicht, dass das auch schon das letzte Wort für Gott ist.