Bergpredigt (05)
Lugar/Ort:Hernandarias

Fecha/Datum:28/02/1960
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Aldea Protestante, 4-7-1959
Paraná, 5-7-1959
Camarero, 5-7-1959
Meroú. 15-11-1959
Vizcacheras, 18-2-1960
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Matthäus 5. 21-26
Skopus: Nicht töten
Bergpredigt (5) - Matthäus 5, 21 - 26
"Jesus tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach: Ihr habt
gehört, dass den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht
töten; wer aber
tötet, der muss vors Gericht. Ich aber sage euch: Wer mit
seinem Bruder zürnt, der
muss vors Gericht; wer aber zu seinem Bruder sagt: Du
Hohlkopf!, der muss vor den
Hohen Rat; wer aber sagt: Du Wahnsinniger!, der muss ins
höllische Feuer. Darum:
wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst und es fällt dir
dabei ein, dass dein Bruder
etwas gegen dich hat, so lass dort vor dem Altar deine Gabe
und geh erst hin und versöhne dich mit deinem Bruder und
dann komm und opfere deine Gabe. Vertrage dich mit deinem
Gegner sofort, während du noch mit ihm auf dem Wege bist,
damit dich der Gegner nicht dem Richter überliefert und der
Richter dem Diener und du ins Gefängnis
geworfen wirst. Wahrlich, ich sage dir: Du wirst nicht eher
wieder herauskommen, bis
du auch den letzten Pfennig bezahlt hast."

Aus den vorhergehenden Versen können wir ersehen, dass Jesus
Christus in einer
scharfen Auseinandersetzung mit den Frommen der damaligen
Zeit daran festhält,
dass die Gebote ihre volle Gültigkeit behalten.
Das Gesetz soll durch ihn nicht aufgelöst werden, nicht
verschwinden. Jesus Christus
ist nicht auf die Erde gekommen, um das Gesetz aufzulösen,
sondern voll auszuführen. Dass er dabei das Gesetz, die 10
Gebote, viel schärfer und strenger versteht und auslegt als
die Schriftgelehrten, ersehen wir aus unserem Text. Darin
legt Jesus als der Sohn Gottes das 5. Gebot aus:
"Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist: Du sollst
nicht töten, wer aber tötet, der soll des Gerichts schuldig
sein."
Durch dieses Gebot hat Gott, der Herr, das Leben der anderen
und auch unser Leben geschützt.
Wir kennen ja alle das Gebot und wie oft mögen wir schon in
unserem Herzen gedacht haben, wie gut, dass ich dieses Gebot
immer habe halten und erfüllen können. Wir sind doch alles
Menschen, die noch keinen Menschen ermordet haben.
Aber nun tritt Jesus Christus vor uns und sagt, dass der
Mord, die Tötung eines Menschen normalerweise der letzte
Schritt einer menschlichen Haltung ist. Und diese ganze
Haltung des Menschen, die zum Totschlag oder zum Mord
führt,stellt Jesus bereits unter das 5. Gebot.
Wir können sagen, dass der Grund, wenn wir einen Menschen
töten, darin besteht, dass wir auf diesen Menschen zornig
sind und ihn dann sogar hassen. Die eigentliche Ursache
jeden Totschlages oder Mordes unter uns Menschen liegt
darin, dass wir aufeinander zornig sind, oder oder uns
gegenseitig unser Hab und Gut beneiden oder uns gegenseitig
hassen.
Wenn ein Mensch unter uns beginnt, auf einen anderen
Menschen zornig zu sein oder
ihn zu hassen, dann beginnt dieser Mensch bereits, den
anderen totzuschlagen oder
zu ermorden. Jeder Hass ist im Verständnis Jesu bereits ein
Totschlag. Er weiss am besten, wie sein Vater im Himmel
diese Gebote selbst verstanden haben will.
Wir spüren hier ganz deutlich, dass Jesus Christus das 5.
Gebot viel strenger und schärfer auslegt, als die strengsten
Schriftgelehrten und Pharisäer.
Jesus sagt gibt diese strenge Auslegung in 3 Beispielen:
1. "Wer mit seinem Nächsten zürnet, der ist des Gerichts
schuldig."
Jeder Zorn von uns gegen unseren Mitmenschen gehört wie der
Mord vor ein Gericht Gottes.
2. "Wer aber zu seinem Bruder, zu seinem Nächsten, sagt:
Racha! Der ist des Rats
schuldig."
Das Wort hier Racha bedeutet soviel wie bei uns das
Schimpfwort DUMMKOPF. Der Mensch, der seinen Zorn gegen
einen anderen bereits in Schimpfwörtern zum Ausdruck bringt,
gehört bereits vor das höchste Gericht, das die Todesstrafe
verhängt.
3. "Wer aber sagt: Du Narr! Der ist des höllischen Feuers
schuldig."
Aus dem Worte NARR kann man heute nicxht mehr das Schwere
des Schimpfwortes
erkennen. Und in der Urbedeutung können wir es besser
ersehen. Es ist ein Fluch, den
ein Mensch dem anderen zuschimpft und würde heute soviel
bedeuten, wie: Du verfluchter Hund oder du verfluchter
Satan:!
Und Jesus sagt, wer gegen einen andren Menschen flucht, der
hat die schlimmste göttliche Strafe zu erwarten, die es
gibt, die ewige Verdammnis.
Spüren wir hier, wie radikal und ernst Jesus Christus das 5.
Gebot versteht?
Wer von den Frommen hätte damals noch aufstehen können und
bekennen: Das alles habe ich getan. Ich bin nie zornig
gewesen auf einen andern Menschen und ich habe auch nie
gegen meinen Nächsten geschimpft oder gegen ihn geflucht?!
Noch einmal, wer könnte das von uns sich behaupten?
Jesus deckt auf, wie vergiftet wir das Verhältnis zu unseren
Náchsten haben durch
unseren Hass und Neid.
Er lässt uns alle aber nicht im Unklaren, dass wir damit
bereits das 5. Gebot
DU SOLLST NICHT TÖTEN!
übertreten haben.
Jesus zeigt uns, dass wir unseren Mitmenschen hassen, wo wir
ihn lieben sollten; wir
machen uns über ihn lustig, wo wir ihn achten sollten. Wir
verfluchen ihn, wo wir ihn segnen sollten.
Aber wie kann es einem Menschen zustehen, den anderen zu
töten, wenn Gott es haben will, dass wir ihn lieben?
Wie kann ein Mensch den anderen hassen, wenn Gott den
anderen nicht hasst, ja, wenn Gott sogar den anderen liebt
wie er mich liebt.
So ist doch Jesus Christus von seinem Vater im Himmel auf
die Erde gesandt worden, um zu bezeugen vor aller Welt, dass
er alle Menschen lieb hat.
"Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen
Sohn gab", so heisst es doch im Johannes-Evangelium.
Müssen wir alle nun nicht vor dieser Auslegung des 5.
Gebotes und unserer grossen Schuld in ein grosses
Erschrecken über unsere Bosheit kommen. AberJesus als der
Mittelpunkt des neuen Volkes Gottes, geht in seiner
Auslegung des 5. Gebotes noch weiter:
"Darum, wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst und
wirst alsda eingedenk, dass
dein Bruder etwas gegen dich habe, so lass alsda vor dem
Altar deine Gabe und gehe zuvor hin und versöhne dich mit
deinem Bruder und alsdann komm und opfere deine Gabe."
Das bedeutet doch, wer vor Gottes Angesicht treten will, wer
zu ihm beten will, wer zum
Gottesdienst gehen will und am Heiligen Abendmahl teilnehmen
möchte, der prüfe sich,
ob da nicht in seinem Leben eine dunkle Sache ist, eine
Lüge, ein böses Wort, eine
schlechte Tat, mit denen er seinen Mitmenschen bis ins Herz
hinein betrübt und geärgert hat, mit denen er das 5. Gebot
DU SOLLST NICHT TÖTEN oder DU SOLLST DEINEN MITMENSCHEN
NICHT HASSEN übertreten hat.
Und wer von uns das bei sich feststellt, der soll zuvor
seinen Nächsten um Vergebung bitten wegen seines bösen Tuns.
Wer das nicht tun will, der muss wissen, dass dieses böse
Tun gegen den
Mitmenschen immer zwischen uns und Gott steht. Dieses
unseres böses Tun gegen unseren Nächsten verschliesst die
Tür zu Gott.
Nur die Vergebung, die der Mensch, dem wir Böses angetan
haben, ausspricht, nur die
Vergebung unserer Schuld durch den anderen öffnet uns wieder
die Tür zu Gott. Das ist die Ordnung im Volke Gottes, im
alten Volk Gottes, im Volke Israel, und im neuen Volk
Gottes, in der Kirche Jesu Christi.
Aber Jesus Christus als das Haupt des neuen Volkes Gottes,
seiner Kirche, geht hier in
seiner Auslegung noch weiter:
"Sei willfährig deinem Widersacher bald, dieweil du noch
bei ihm auf dem Wege bist, auf dass dich der Widersacher
nicht dermaleinst üiberantworte dem Richter, und der Richter
überantworte dich dem Diener, und du werdest in den Kerker
geworfen. Ich sagedir wahrlich: Du wirst nicht von dannen
herauskommen, bis du auch den letzten Heller bezahlest."
Jesus sieht zwei Menschen auf dem Wege zum Richter. Beide
haben sie wegen irgendeiner Schuldsache einen
Gerichtsprozess gegeneinander angestrengt. Jeder behauptet,
dass er Recht habe. Und Jesus gibt nun dem, der ein Kind
Gottes ist, den Rat: Lass es bitte nicht zum Prozess kommen!
Versuche nicht, mit deinem Kopf durch die Wand zu rennen!
Ein Kind Gottes versucht niemals auf sein Recht gegenüber
seinemn Nächsten zu
pochen. Sein Recht zu fordern, dass ist der Massstab der
Kinder dieser Welt; aber der
Masstab der Kinder Gottes lautet: Versöhne dich und gib
nach!
Versuche eben nicht, auf dein Recht zu pochen, sondern suche
mit deinem Nächsten alle Schwierigkeiten im Frieden aus dem
Wege zu schaffen. Lass dein ganzes Tun gegenüber deinem
Mitmenschen niemals vom Hass gegen ihn
bestimmen. Denke daran, dass du dann das 5. Gebot
übertrittst: "Du sollst nicht töten, du sollst nicht
morden!"
Du wirst dann vor dem ewigen Richter stehen und eine
furchtbare Strafe zu erwarten
haben.
Lass du dich lieber hassen, hasse du aber niemals.
Lass dein ganzes Tun gegenüber deinem Nächsten von der Liebe
zu ihm bestimmt sein, die zuerst das Beste für den anderen
will.
Martin Luther hat das auch bereits in seiner Auslegung zum
5. Gebot erkannt, wenn er
sagt: "Dass wir unserem Nächsten nicht nur keinen Schaden
zufügen sollen, sondern
dass wir ihm in allen Nöten sogar helfen und fördern sollen.
Mit unserem Text stellt Jesus in den Mittelpunkt, was im
Volke Gottes, unter Kinder
Gottes, zu gelten hat. Nicht nur nicht den anderen Menschen
hassen und töten, sondern dem anderen gegenüber nachgeben,
sich im Frieden mit ihm einigen und das Beste für ihn
wollen.
Mit einem Worte, der Masstab im Verhältnis zum Mitmenschen
für Kinder Gottes lautet:
Den anderen Menschen so lieb haben, wie Gott ihn lieb hat
und wie er mich auch liebt.
Kommt hierbei nicht ein heilloses Erschrecken über uns? Sind
wir nicht alle
miteinander solche Menschen, die immer wieder auf andere
zornig sind, sie hassen,
ihnen Böses antun, statt ihnen zu
zu helfen und fördern in allen Nöten?
Wer ist denn hier unter uns, der alle seine Mitmenschen lieb
hat, so wie Gott sie lieb
hat? Da ist keiner, der das tut, auch nicht einer. Unser
Herz ist so verdreht, dass es
immer gerade das Gegenteil tut von dem, was Gott haben will.
Es ist eine vollkommen aussichtslose Lage für uns. Wer wird
uns da noch vor dem furchtbaren Zorn Gottes retten? Es ist
Gott selbst, der uns noch eine letzte Möglichkeit zeigt.
Schaue auf Jesus Christus, der uns das heutige Wort
zugerufen hat. Du wirst erkennen, dass er in seinem ganzen
Handeln in seinem Verhältnis zu den Menschen von dieser
Liebe bestimmt war.
Was Gott von uns erwartete und wir nicht erfüllt haben, dass
tat der menschgewordene Sohn Gottes. Er hasste nicht. Er
stiftete den Frieden mit seinem Mitmenschen und unter ihnen.
Er hält seine rechte Backe hin, wenn ihm jemand auf die
linke Backe schlug. Er liebte da noch, wo er gehasst wurde.
Und nun kommt das Unbegreifliche. Dieser Jesus nahm aus
Liebe zu uns sogar unsere
Strafe auf sich, die wir verdient haben wegen unserer
Lieblosigkeit und unseres
Hasses gegenüber unseren Mitmenschen.
Gottes Zorn gegen uns wegen unseres Hasses gegen unsere
Mitmenschen liegt auf Jesus Christus. Der Zorn ist von uns
weggegangen und auf Jesus Christus gelegt worden.
Und wir nun?
Ja, es ist Wahrheit, wer auf diesen Jesus Christus schaut;
wer auf das Kreuz auf
Golgatha schaut, wo es sichtbar wird, dass Gott seinen Zorn
über uns auf Jesus gelegt hat; wer darauf schaut und es
glaubt, dass Jesus Christus auch für ihn gelitten hat, der
ist frei von Gottes Zorn. Er bekommt diesen Zorn nicht zu
spüren.
"Wer Jesus im Glauben am Kreuze erblickt, wird heil zu
derselbigen Stunde."
Glauben wir das? Dann ist uns die glücklichste Stunde
unseres Lebens geschenkt worden. Dann lasst uns von jetztan
hingehen und in unserem Leben zeigen, dass wir dieses
ernstnehmen und danch leben wollen: "Liebe deinen Nächsten
wie dich selbst!"
Lasst uns zeigen, dass der Hass in unserem Leben nicht mehr
das Letzte ist, sondern die Liebe zu unserem Mitmenschen.
Lasst uns dabei nicht auf unser Versagen schauen, sondern
auf das Kreuz, unter dem unser Versagen immer wieder neu
vergeben wird; lasst uns uns auf Jesus Christus schauen, der
sein ganzes Leben unter der Liebe zu uns führte. Lasst uns
auf ihn schauen und ihn um Kraft bitten, damit wir
wenigstens nicht immer zu versagen brauchen, sondern doch
hier und dann wirklich zeigen können, dass wir nicht nur
hassen müssen, sondern auch lieben können.
Die Kirche, die Gemeinde Jesu Christi, ist eine Schar von
Menschen, die es je und
dann auch zeigen können, dass sie nicht nur hassen müssen,
sondern auch lieben
können durch die Kraft, die ihr Herr Jesus Christus ihnen
schenkt.