Amos 22
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:11/08/1963
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Reffino, 1963
Camarero, 1963
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Wochengottesdienst/Bibelstunde
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Amos 7, 10-13; 165+17
Skopus: Gericht gegen den Staatsprieste-r
A M O S (22) 7, 10-13+16-17
Schwer und hart waren die Worte, die Amos im Auftrage Gottes
im Nordstaat Israel, besonders im Tempel Beth El als
Nationalheiligtum, hat verkündigen müssen. Dieses Wort hat
er nicht gelernt. Er war von Beruf kein Priester und kein
Prophet, sondern ein Landmann, ein Schafhirt und
Feigenplantagenbesitzer.
Gott hat ihn direkt von seiner Arbeit weggeholt, aus dem
Dorfe Thekoah nahe bei Jerusalem.
In kurzen Bildern bekommt er von Gott gesagt, was er zu
predigen hat. Er tut es mit kurzen und knappen Worten, wie
es einem Landmann gegeben ist. Aber diese Worte kommen so
aus seinem Munde, dass sie wie Ohrfeigen auf die Köpfe der
Zuhörer herabsausen.Seine Sprache ist so einfach und so klar
und deutlich, dass jeder sie verstehen muss, ob er es will
oder nicht. Er muss über den Nordstaat Israel, über seinen
König und seine Kirche und über alle Bewohner, Gottes
totales Gericht verkündigen, aus dem es keine Rettung mehr
geben wird. Warum? Einmal, weil die Existenz dieses Staates
im Gegensatz zu Gottes Willen in einer Revolution gegen das
rechtmässige davididische Königsgeschlecht entstanden war.
Für Gott sass der rechtmässige König seines Volkes in
Jerusalem und dort stand auch die wahre Kirche, der Tempel,
wo Gott angebetet werden wollte.
Der ganze Gottesdienst im Tempel des Nordstaates, in Beth
El, war eine einzige Heuchelei. Nach aussenhin tat man so,
als ob man an den einen und wahren Gott glaubte, aber in
Wirklichkeit waren bereits andre Götter und Götzen in diesen
Tempel eingezogen. Nach dem Wort des wahren Gottes wurde
nicht mehr gefragt. Die Hauptsache war, dass man voran kam,
dass man reich wurde, dass man ein Leben in Saus und Braus
führen konnte.
Bei diesem Bestreben vergass man nicht nur den Armen, den
Niedriggestellten, sondern beutete ihn aus, wo man es
konnte. Amos wurde nicht müde, diese Übelstände in aller
Öffentlichkeit anzuprangern und zurückzurufen zu Gottes
Recht und Gottes Ordnung.
Wie oft haben wir im Lauf der letzten Wochen bereits seinen
Predigten im Tempel zu Beth El zugehört. Vielleicht haben
wir uns schon gewundert, dass im Tempel keine Gegenstimmen
zu hören waren. In ihm gab es doch andere Priester und
Propheten. Haben sie es sich bieten lassen, dass da einer
kommt, der etwas ganz anderes predigte als sie selbst? Sie
hatten gepredigt: Bei uns ist alles in Ordnung. Wir sind
Gottes geliebtes Volk. Er, Amos, dagegen hatte gesagt: Eure
Ungerechtigkeit gegen die Armen schreit direkt zum Himmel.
Sie hatten geschrieen: Heil unserem begnadeten König, der
uns in eine bessere und glückliche Zukunft führen wird. Er,
Amos, aber: Hinweg mit ihm, der nicht nur in Rebellion gegen
Jerusalem steht, sondern auch gegen den einen und wahren
Gott. Sie hatten verkündigt, kommt in den Tempel zu Beth El
zu unseren Gottesdiensten, Gott hat es gern. Amos jedoch
predigte: Tue mir weg das Geplärr eurer Lieder und Gesänge.
Es ist ja doch nur alles Heuchelei. Aus manchen Andeutungen
hatten wir es schon erfahren, dass wirklich harte
Auseinandersetzungen im Tempel stattgefunden haben.
In unserem heutigen Text nun hören wir direkt von einer
harten Auseinandersetzung zwischen Amos und einem Mann mit
Namen AMAZJA. Er war der Oberste der Priester am Tempel zu
Beth El. Wir können sagen: Der Bischof der Kirche im
Nordstaat Israel.
Was tut er?
Er zeigt Amos beim König an. Hier wird uns auch gesagt, wie
der derzeitige König heisst: Jerobeam.
Um welcher Dinge willen klagt der Oberpriester Amazja den
Amos beim König Jerobeam an?
"Amzja liess dem König sagen: Der Amos macht einen Aufruhr
wider dich im Hause Israel, das Land kann seine Worte nicht
ertragen. Denn so spricht er: Jerobeam wird durchs Schwert
sterben, und Israel wird aus seinem Lande gefangen
weggeführt werden."
Amos wird also angeklagt beim König wegen Landesverrat,
wegen Auflehung gegen den König, wegen Aufhetzung des
Volkes.
Man könnte auch sagen, er wird deswegen angeklagt, weil er
Politik macht.
Ist es nicht bis auf den heutigen Tag so, dass die Kirche
solange geehrt und geschützt wird, solange sie die Politik
der Regierung unterstützt? Wenn sie aber im Auftrage Gottes
das Böse anprangert, das in einem Lande geschieht, dann wird
ihr vorgeworfen, dass sie sich in die Politik einmische. Als
ob Gottes richtendes und zurechtweisendes Wort nicht auch
den Politikern und Regierenden gilt, als ob Gott in den
Fragen der Politik zu schweigen hätte.
Aber neben der Anzeige beim König ruft Amazja den Amos zu
sich und befiehlt ihm:
"Du Seher, geh weg von hier, gehe dahin, wo du hergekommen
bist, in das Südreich Jude. Verdiene dir dort dein Brot.
Predige dort. Aber halte deinen Mund. Hier hat allein der
König etwas zu sagen."
Bei diesen Worten wird es uns klar, was das für Predigten
waren, die die vom König angestellten Priester in Bethel
hielten. Es waren Predigten, die der König vorgeschrieben
hatte. Sie, die vom Kónig bezahlten Priester, mussten das
predigen, was der König zu predigen befahl. Nicht Gottes
Wort war die Richtschnur ihres Handelns und Redens, sondern
des Königs Wort, die Meinung der Regierung des Nordstaates
Israel.
Das ist ja auch die Gefahr in unserer Kirche, dass unsere
Gemeinden, die ihren Pfarrer bezahlen, meinen, der Pfarrer
müsse sich in seinen Predigten nach ihren Meinungen richten,
nicht nach Gottes Wort, das auf niemanden Rücksicht nimmt.
Weil Amazja, der Oberpriester in Beth El, weiss, dass das
bei ihm gilt, dass er das Wort des Königs predigen muss, der
ihn bezahlt, darum nimmt er an, dass das auch für Amos
gelten würde. Weil nun Amos aus dem Südstaat Juda mit der
Hauptstadt Jerusalem in Bethel gegen den Nordstaat Israel
predigt, so ist Amazja der Meinung, dass Amos ein Prophet
des Königs von Juda sei und von ihm bezahlt wird und darum
das verkündigen muss, was der König Judas befiehlt und das
bedeutet: Alles Schlechte gegen den Nordstaat Israel. Darum
soll Amos hier schnellstens verschwinden und zurückkehren,
hier hat der König von Jerusalem nichts zu sagen, sondern
ausschliesslich und allein der König Jerobeam. Ihm scheint
es einfach unglaubwürdig, dass ein Prophet nicht das
verkündigen würde, was ihm sein König befiehlt.
Wie erbärmlich ist doch bereits die Meinung dieses
Oberpriesters Amazja über das, was es heisst, ein Diener
Gottes zu sein.
Aber Amos weist diese falsche Meinung über ihn von sich. Er
ist nicht solch einer, wie er, Amazja. Er, Amos, steht nicht
im Dienste des Königs von Juda, sondern Gott hat ihn von
seiner Arbeit als Schafhirte weggerufen. Er hat sein eigenes
Auskommen, er wird von niemandem bezahlt für seine Tätigkeit
als Prophet.
Gott selbst ist es gwesen, der ihm befohlen hat, das totale
Gericht über den Nordstaat Israel zu verkündigen.
Und nun verkündigt Amos auch noch zum Schluss Gottes totales
Gericht über die falscxhe Kirche in Israel mit dem
Oberpriester Amazja an der Spitze.
"So höre nun des Herrn Wort: Du sprichst: Weissage nicht
wider Israel und predige nicht wider das Haus Isaak. Darum
spricht der Herr also: Dein Weib wird in der Stadt zur Hure
werden, und deine Söhne und Töchter sollen durchs Schwert
fallen, und dein Acker soll durch die Schnur ausgeteilt
werden; du aber sollst in einem unreinen Lande sterben, und
Israel soll aus seinem Lande vertrieben werden."
Schreckliches wird über ihn und seine Familie kommen. Er, an
den König und an den Staat als Priester gebunden, wird mit
dem König und dem Staat in Gottes totales Gericht kommen.
Nach dieser Auseinandersetzung des Amos mit dem Oberpriester
Amzja ist anzunehmen, dass er aus dem Nordstaat Israel
geflohen ist. Seine Aufgabe hat er erfüllt. Wir hatten es am
Anfang ja schon gehört, dass Amazja eine Anzeige an den
König wegen der Reden des Amos eingereicht hatte. Diese
Anzeige hätte genügt, um Amos wegen Landesverrat und
Aufwieglung gegen die Staatsgewalt zum Tode zu verurteilen.
Nachdem Gottes Wort in einer eindrücklichen Weise verkündigt
worden ist, kann Amos zurückkehren. Er wird wahrscheinlich
wieder als Schafhirte und Feigenritzer seiner Beschäftigung
nachgegeangen sein, in der Nähe des Dorfes Thekoah.
Der Nordstaat Israel aber, mit seinem König, mit seiner
Kirche und allen seinen Einwohnern ging Gottes Gericht
entgegen, seinem totalen Untergang. Wir hörten schon, dass
40 Jahre später das eingetreten ist, was Amos verkündigen
musste. Der Nordstaat Israel verschwand mit seinem König,
mit seiner Kirche und seinen Einwohnern von der Bildfläche.
Gottes eiserne und harte Faust hatte dreingeschlagen.
Wo Gott ein letztes Nein spricht, da gibts es kein Ja mehr.
Gott gebe es, dass wir immer noch Gottes Ja zu uns hören
dúrfen, auch am Jüngsten Tag, im letzten Gericht.

Amos 7, 10-13+16+17
"Da sandte Amazja, der Priester zu Beth El, zu Jerobeam, dem
König Israels, und liess ihm sagen: Der Amos macht einen
Aufruhr wider dich im Hause Israels; das Land kann seine
Worte nicht ertragen.
Denn so spricht Amos: Jerobeam wird durchs Schwert sterben,
und Israel wird aus seinem Lande gefangen weggeführt werden.
Und Amazja sprach zu Amos: Du Seher, gehe weg und flieh ins
Land Juda und iss Brot daselbst und weissage daselbst.
Und weissage nicht mehr zu Beth El; denn es ist des Königs
Heilgtum und des Königreichs Haus.
Und Amos antwortete: So höre nun des Herrn Wort. Du
sprichst: Weissage nicht wider Israel und predige nicht
wider das Haus Isaak!
Darum spricht der Herr also: Dein Weib wird in der Stadt zur
Hure werden, und deine Söhne und Töchter sollen durchs
Schwert fallen, und dein Acker soll durch die Schnur
ausgeteilt werden; du aber sollst in einem unreinen Lande
sterben, und Israel soll aus seinem Lande vertrieben
werden."

Die Predigten des Amosbuches 1 - 22 wurden von Karl
Schwittay gehalten in der Gemeinde Aldea Protestante in
Entre Ríos in der Zeit von April 1959 bis August 196o. Und
in den Gemeinden Camarero, Reffino und Meroú wurden 1963
darüber Bibelstunden gehalten.