Amos 20
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:21/07/1960
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
-
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Wochengottesdienst
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Amos 5, `1 - 20
Skopus: Gibt es noch Rettung?
A M O S (20) 5, 1 - 20
Er ist wieder auf einem grösseren Fest. Viel Volks strömte
zum Tempel nach Beth El. Plötzlich tut Amos wieder seinen
Mund auf. Inmitten der festfeiernden Schar von Menschen,
inmitten der fröhlichen Gemeinde stimmt Amos ein Lied an. Es
ist aber kein Freudenlied, kein Lied nach dem man springen
und tanzen kann, sondern ein Lied der Totenklage, das man am
Sarge eines Toten singt. Sehr wahrscheinlich hat Amos dabei
auf der Harfe das Lied begleitet.
Wir hätten das Entsetzen auf den Gesichtern der fröhlich
feiernden Menschenmenge erleben sollen. Nach der damaligen
Auffassung durfte der, der in der Nähe eines Toten gewesen
war, für eine gewisse Anzahl von Tagen den Tempel nicht
betreten, er war unrein geworden.
Der Tempel und ein Toter waren die grössten Gegensätze, die
man sich damals vorstellen konnte. Es war eine Beleidigung
der Tempelbesucher, eine Schändung des Gottesdienstes und
des Heiligtums, ein Klagelied über einen Toten inmitten der
feiernden Gemeinde zu singen.
Aber wir wollen auch hören, über wen Amos das Totenlied
singt. Er singt das Totenlied über die Bewohner des
Nordstaates Israel. Er sieht mit seinem prophetischen Auge
die jetzt noch feiernde Gemeinde, die Bewohner, bereits als
Tote, bereits als Leichen. Er singt: Getötet ist Israel und
keiner ist da, der es wieder lebendig macht:
"Die Jungfrau Israel ist gefallen, dass sie nicht wieder
aufstehen wird; sie ist zu Boden gestossen, und ist niemand,
der ihr aufhelfe."
Mitten in allen Feierlichkeiten singt Amos bereis vom
grausamen Morden, das über die Leute dort kommen wird. In
dem Krieg, den er kommen sieht, bleibt nur noch ein Zehntel
der jungen Mannschaft übrig, alle anderen gehen in den
sicheren Tod.
Da, wo 9/10 eines Soldatenheeres vernichtet worden ist, da
kann man von einer totalen Niederlage sprechen.
Amos sieht hier in diesen Worten nun bald das totale Gericht
herannahen. Und mit seinem Totengesang will er alle daran
erinnern, dass jetzt keine Zeit mehr ist, zum Feste feiern,
auch nicht für religiöse. Im Angesichte des Todes haben sie
kein Recht mehr, in alter falscher Weise ihren religiösen
Sitten nachzugehen.
Jetzt kommt einfach alles darauf an, dass die letzte
Möglichkeit ausgenutzt wird, die Gott gibt, damit das totale
Gericht vielleicht vorübergehe.
Und wie heisst hier diese letzte Möglichkeit der Rettung?
"Suchet Gott, dann seid ihr gerettet!"
Das bedeutet, lasset sein alles religiöse Theater, alle
Heuchelei in euren Gottesdiensten. Ihr wisset doch selbst,
dass da, wir ihr Gott anbetet, er garnicht angebetet werden
will. Sein Tempel steht nicht in Beth El, sondern in
Jerusalem. Dort will Gott sich finden lassen. Eure
sämtlichen Gottesdienste, eure Opfer, eure Feste, eure
Gebete und eure Gesänge haben nichts mehr mit mir zu tun.
"Suchet mich, dann seid ihr gerettet!"
Das könnt ihr nicht in Beth El tun, auch nicht in Gilgal,
und ebenfalls nicht in Beer Seba, einer anderen nationalen
heiligen Stätte. Aus Gilgal wird ein Trümmerhaufen und Beth
El wird zerschlagen werden. Suchet mich da, wo ich mich
finden lassen will, in der heiligen Stadt Jerusalem, die
euch so unangenehm ist. Im letzten Gottesdienst haben wir
gehört, wie Gott im Nordreich Israel bereits durch kleinere
Gerichte, durch Hungersnöte, Krankheiten, Naturkatastrophen
und Kriege zur Umkehr aufforderte, damit es vor dem totalen
Gericht verschont bleibe.
Hier sehen wir, wie der Nordstaat Israel durch den Propheten
Amos nicht nur das totale Gericht verkündigt bekommt,
sondern auch, wie er den Bewohnern im Auftrage Gottes sagt,
auf welche Weise es auch für sie eventuell noch eine
Möglichkeit der Rettung gibt.
Mitten in aller Unheil-, Katastrophen- und Gerichtsbotschaft
finden wir doch noch das, was wir bei Amos bisher so oft
vermisst haben, wir finden, dass Amos auch den Bewohnern
noch Heil und Errwettung aus allem Zorn Gottes verkündigen
darf.
Ein Lichtschein, wenn auch nur sehr schwach, liegt also doch
über diesem sonst so harten und dunklen Buch des Propheten
Amos:
"Suchet mich da, wo ich mich finden lassen will, dann seid
ihr gerettet!"
Tut ihr das nicht, dann wird das Feuer der Verwüstung und
Vernichtung wirklich über euch kommen.
Und nun kommt Amos auf das andere Übel zu sprechen, das das
totale Gericht auf sie herabzieht:
"Ihr verkehrt das Recht in bitteren Wermut und stösst die
Gerechtigkeit zu Boden."
Wir haben das schon oft aus dem Munde des Amos gehört. Mit
dem falschen Gottesdienst ist verbunden die Ausnutzung und
Unterdrückung der Armen. Der ganze Aufstieg des Landes war
so geschehen, dass man den Armen, den Arbeiter und den
kleinen Bauer bis auf die Haut auszog, ihm keinen Anteil gab
am Gewinn und Wohlstand der Vornehmen und Reichen. Ja, man
nahm ihm sogar mit List und Betrug auch noch das Letzte weg,
was er besass.
Und klagte der Arme um sein Recht vor dem ordentlichen
Gericht, dann fand er parteiische Richter, die mit dem Gelde
der Reichen gekauft waren und darum aus Recht Unrecht
machten und aus Unrecht Recht. Es ist damit so schlimm
geworden, dass selbst die Guten und Willigen unter den
Wohlhabenden und Reichen nicht mehr ihren Mund wagen
aufzutun. Im letzten Gericht, das Gott über dieses Volk
hereinbrechen lassen wird, wird er dem Armen zu seinem Recht
verhelfen und denen, die das Recht mit Füssen treten und
ihre Untergebenen ungerecht behandeln, wird er ihre
wohlverdiente Strafe geben, sodass ihnen das Hören und Sehen
vergehen wird. Gott wartet auf den rechten Augenblick, um
mit seiner harten Faust dreinschlagen zu können.
Aber an diesem Punkte des Ungehorsams gegen Gott, in dem man
die Armen schändlich behandelt, zeigt Amos vor dem Kommen
des totalen Gerichts noch ein Weg der Rettung, den letzten
Weg der Rettung vor dem totalen Verderben,
"Suchet das Gute und nicht das Böse, auf dass ihr errettet
werdet und der Herr mit euch sei. Hasset das Böse und liebet
das Gute, sprecht Recht im Gericht, so wird der Herr die,
die das tun, erretten."
Damit wird denen, die bisher die Armen schändlich behandelt
haben, die Móglichkeit gegeben, im Gericht verschont zu
bleiben, in dem sie jetzt anfangen, den Armen das ihrige zu
geben und ihnen zu helfen. Wer diese letzte Möglichkeit, die
Gott durch Amos gab, nicht ergreift, hat nun keine Chance
mehr, aus diesem Gericht heil herauszukommen:
"Es wird in allen Gassen Wehklagen sein und auf allen
Strassen wird man sagen: Wehe! Wehe! und man wird den
Ackersmann zum Trauern rufen und zum Wehklagen, wer da
weinen kann. In allen Weingärten wird Wehklagen sein, denn
ich selbst will dreinschlagen, spricht der Herr."
Und wie Amos dieses alles im Anschluss an das gesungene
Totenlied verkündigt, sind sehr wahrscheinlich einige von
den Priestern und Obersten des Volkes zu ihm gekommen und
haben ihn darauf aufmerksam gemacht, dass nach ihrer Meinung
und nach ihrer Kehre der Tag Jahwes das totale Gericht über
die Ungläubigen, über die Heiden, bringen wird und nicht
über die Kinder Gottes und nicht über die Israeliten. Für
sie ist der Tag Jahwes, das totale Gericht über die Heiden,
mit einer grossen Freude verbunden, denn an diesem Tage wird
Gott, der Herr, die Herrschaft antreten über die ganze Welt.
Diese Priester und Obersten des Volkes rufen also dem Amos
zu: Amos, du irrst dich. Dein Wort stimmt nicht mit unserer
Bibel überein.
Was kann Amos dazu schon sagen? Er, der kein studierter Mann
ist, und nicht viel in den Schriften gelesen hat, kann sich
jetzt nicht auf wissenschaftliche theologische Diskussionen
einlassen, sondern er kann jetzt nur ausschliesslich und
allein das verkündigen, was Gott selbst ihm befiehlt, was
Gott selbst ihm in den Mund legt. Er bleibt bei dem, was
Gott ihm selbst in den Mund gelegt hat und die, die ihm
zuhören, mögen ihn auslachen oder mögen sich die Ohren
zuhalten; jedenfalls er bleibt dabei: Das totale Gericht
kommt. Der Tag kommt, an dem Gott das Volk, das seinen Namen
trägt, zusammenschlagen wird, dass es völlig vernichtet
wird.
"Weh denen, die des Herrn Tag begehren! Was soll er euch?
Denn des Herrn Tag ist Finsternis und nicht Licht."
Es ist schrecklich, in die zornigen Hände Gottes zu fallen.

Amos 5, 1 - 20
"Höret, ihr vom Hause Israel, dies Wort! denn ich muss dies
Klagelied über euch machen:
Die Jungfrau Israel ist gefallen, dass sie nicht wieder
aufstehen wird; sie ist zu Boden gestossen, und ist niemand,
der ihr aufhelfe.
Denn so spricht der Herr Herr: Die Stadt, da tausend
ausgehen, soll nur hundert übrig behalten; und da hundert
ausgehen, die sollen nur zehn übrig behalten im Hause
Israel.
Darum so spricht der Herr zum Hause Israel: Suchet mich, so
werdet ihr leben.
Suchet nicht Beth El und kommt nicht gen Gilgal und gehet
nicht gen Beer-Seba; denn Gilgal wird gefangen weggeführt
werden, und Beth El wird Beth Aven werden.
Suchet den Herrn, so werdet ihr leben! dass nicht ein Feuer
im Hause Joseph überhandnehme, das da verzehre und das
niemand löschen könne zu Beth El;
die ihr das Recht in Wermut verkehrt und die Gerechtigkeit
zu Boden stosst.
Er macht die Plejaden und den Orion; der aus der Finsternis
den Morgen und aus dem Tag die finstere
Nacht macht; der dem Wasser im Meer ruft und schüttet es auf
den Erdboden: er heisst Herr;
der über den Starken eine Verstörung anrichtet und bringt
eine Verstörung über die feste Stadt.
Aber sie sind dem gram, der sie im Tor straft, und halten
den Fúr einen Greuel, der heilsam lehrt.
Darum, weil ihr die Armen unterdrückt und nehmt das Korn mit
grossen Lasten von ihnen, so sollt ihr in den Háusern nicht
wohnen, die ihr von Werkstücken gebaut habt, und den Wein
nicht trinken, den ihr in den feinen Weinbergen gepflanzt
habt.
Denn ich weiss euer Übertreten, des viel ist, und eure
Sünden, die stark sind, wie ihr die Gerechten drängt und
Blutgeld nehmt und die Armen im Tor unterdrückt.
Darum muss der Kluge zur selben Zeit schweigen; denn es ist
eine böse Zeit.
Suchet das Gute und nicht das Böse, auf dass ihr leben
möget, so wird der Herr, der Gott Zebaoth, bei euch sein,
wie ihr rühmet.
Hasset das Böse und liebet das Gute; bestellet das Recht im
Tor, so wird der Herr, der Gott Zebaoth, den Übrigen in
Joseph gnädig sein.
Darum so spricht der Herr, der Gott Zebaoths: Es wird in
allen Gassen Wehklagen sein, und auf allen Strassen wird man
sagen: Weh! weh!, und mann wird den Ackermann zum Trauern
rufen und zum Wehklagen, wer da weinen kann.
In allen Weinbergen wird Wehklagen sein; denn ich will unter
euch fahren, spricht der Herr.
Weh denen, die des Herrn Tag begehren! Was soll er euch?
Denn des Herrn Tag ist Finsternis und nicht Licht.
Gleich als wenn jemand vor dem Löwen flöhe, und ein Bär
begegnete ihm; und er käme in ein Haus und lehnte sich mit
der Hand an die Wand, und eine Schlange stäche ihn.
Denn des Herrn Tag wird ja finster und nicht licht sein,
dunkel und nicht hell."