Amos 18
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:23/06/1960
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
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Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Wochengottesdienst
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Amos 4, 4-5 + 5, 21-27
Skopus: Gegen falsche Frömmigkeit und Gottesdienst
A M O S (18) 4, 4-5; 5, 21-27
Wir haben im Laufe der Auslegung heraushören können:
Im Nordstaat Israel herrscht ein reges und lebendiges
religiöses Treiben. Die Gottesdienste sind immer überfüllt.
Selbst der König mit seiner Familie und seinen Ministern
sind oft im Tempel zu Beth El zu finden. An den besonderen
Festtagen pilgern unzählbare Scharen von Menschen zu den
Heiligtümern, zum Tempel in Beth El etwa oder zum Ehrenmal
in Gilgal, das Josua gesetzt hatte zur Erinnerung an die
Besitznahme des Landes Kanaan durch die Kinder Israels. Es
wird viel gefeiert, es werden viele Versammlungen gehalten,
auf denen viel gesungen wird. Viele Feste werden gefeiert
und die Priester haben alle Hände voll zu tun, die vielen
Schafe und andere Tiere, die die Menschen in ihrer
Religiösität darbringen wollen, su schlachten und zu opfern.
Wenn wir uns zurückversetzen könnten in diese Zeit und
Gelegenheit hätten, mit dabei zu sein, dann würden wir
sicher vor Staunnen den Mund nicht schliessen. Vielleicht
wären wir sogar etwas neidisch, wenn wir das
gottesdienstliche Leben von damals mit heute -bei uns-
vergleichen. Es geschieht dort wirklich und wahrhaftig
etwas.
Und doch sehen wir, wie der Prophet Amos, der mitten in
diesem religiösen Betrieb steht, plötzlich seine Stimme
erschallen lässt.
Zuerst könnte man meinen, dass er die Menschen einlädt, sich
noch mehr an diesem religiösen Leben zu beteiligen:
"Ja, kommt nach Beth El!, ja, machet euch auf, gen Gilgal zu
gehen!, bringet her eure Opfer und eure Zehnten, räuchert
eure Dankopfer!."
Dieser Tempel in Beth El im Nordreich war viel grösser und
schöner als in Jerusalem im Südreich. Allerdings wissen wir
auch, dass Gott gesagt hatte, dass er im Tempel zu Jerusalem
wohnen wolle. Dieses Wort hatte er noch nicht
zurückgenommen.
Amos lebte also in Thekoa, im Südstaat Juda, mit einem
rechtmässigen König und mit einem von Gott bestätigten
Tempel.Gott wollte darin wohnen, wie er es versprochen
hatte. Uns wird auch gesagt, welchen Beruf Amos hatte und
welche Tätigkeit er ausserdem noch ausübte. Einmal war er
Viehzüchter, und zwar hatte er eine Schafherde. Wie gross
diese Schafherde war, wissen wir nicht. Aber das geht
jedenfalls aus unserem Text hervor, dass er durch seinen
Besitz ein Einkommen hatte, das ihn ernährte. Er war auf
fremde Hilfe für sein Leben nicht angewiesen.
Neben diesem Viehbesitz wird noch eine andere Beschäftigunfg
angegeben: Feigenritzer. Bei seinem Umherwandern mit der
Schafherde musste er durch grosse Feigenplantagen ziehen.
Uns wird sogar gesagt, dass es Maulbeerfeigen waren. Diese
Maulbeerfeigen bedurften während ihrer Reifezeit einer
besonderen Behandlung. Sie mussten, bevor sie geerntet
wurden, mit einem Messer schwach angeritzt werden, damit der
bittere Saft heraustropft und die Feigen ihren angenehmen
süssen Geschmack bekommen. Viele Menschen waren also zu der
Feigenreifezeit unterwegs und führten diese mühselige und
langwierige Arbeit des Feigenritzens aus.
Was lag näher, als dass dieser Amos dabei mithalf, wenn er
zu der Reifezeit mit seiner Schafherde durch die grossen
Feigenplantagen zog. Möglicherweise hatte er es auch im
Laufe der Zeit dazu gebracht, selbst eine kleine
Feigenplantage zu erwerben.
Er war in seinem ganzen Wesen ein Mann des Landes und sprach
auch die einfache Sprache der Landbevölkerung. Durch den
harten Kampf mit den Unbilden der Natur und durch die enge
Verbundenheit mit dieser Natur wird die Sprache der
Landbevölkerung auch hart und rauh und manchmal sogar grob.
Er nahm, wie man sagt, kein Blatt vor den Mund. Die Sitten
und Gebräuche eines Mannes vom Kamp in seinem ganzen Leben
sind einfacher und härter als bei einem Menschen in der
Stadt, der durch die Bequemlichkeit eines Stadtlebens in
allen Dingen verweichlicht ist. So ist Amos, der Landmann,
schlicht und einfach in seinem ganzen Leben und sehr
wortkarg. Nicht oft und nur sehr unwillig tut er seinen Mund
auf; aber wenn er ihn auftut, dann kommen keine lieblichen
Worte heraus, sondern harte und grobe Worte, die wie
Hammerschläge einschlagen. Er hat nicht studiert. Er kann
vielleicht gerade das Nötigste lesen und schreiben. Er redet
wirklich und wahrhaftig so, wie ihm der Schnabel gewachsen
ist.
Und gerade diesen Landmann, der nicht studiert hat und
nichts davon besass, was wir heute Bildung nennen, diesen
groben und harten Bauer ruft Gott von seiner Schafherde weg,
aus seiner Tätigkeit als Feigenritzer heraus und gibt ihm
den Befehl:
Du musst jetzt sofort alles stehen und liegen lassen und
mein Wort verkündigen!.
Wieviel Entschuldigungen mag Amos Gott entgegengestammelt
haben und wie oft mag er Gott gebeten haben, ihn doch bei
seiner eigentlichen Arbeit als Landmann zu lassen?
Aber wenn Gott ruft, dann gibt es keine Entschuldigung,
sondern nur eines: Hingehen und tun, was Gott befiehlt.
Vielleicht wird er auch als Entschuldigungsgrund angegeben
haben: Es gibt doch so viele Propheten, die bereits diesen
Beruf eines Verkündigers des Wortes Gottes studiert haben,
warum soll gerade ich es als ein unstudierter Bauer es tun?
Mir fehlen doch alle Voraussetzungen, um ein Prophet zu
sein.
In einem Gespräch mit solch einem studierten Prophet gibt
Amos es selbst zu:
"Von Haus aus bin ich keine Prophet; auch kein
Prophetenschüler, sondern von Haus bin ich ein Landmann, ein
Schafhirt,und ein Feigenritzer."
In der Tat gab es damals schon Prophetenschulen, in denen
man den Beruf eines Propheten lernen konnte.
Wir wissen z.B., dass Elia und Elisa solche Prophetenschulen
mit vielen Schülern gegründet und geleitet haben.
Aber Gott, der Herr, bindet sich nicht an eine noch so gut
gemeinte menschliche Einrichtung, sondern er behält sich die
Freiheit vor, Menschen in seinen Dienst zu rufen, die er
will, ob studiert oder nicht. Wir denken dabei unwillkürlich
daran, dass Jesus einfache Fischer, unstudierte Leute, zu
seinen Jüngern und zu Verkündigern des Evangeliums gemacht
hatte, obwohl es auch zu seiner Zeit viele Menschen gab, die
bereits Gottes Wort studiert haben, wie Priester und
Schriftgelehrte.
Gott, der Herr, nahm den Amos bei der Hand und führte in von
seiner Schafherde fort und machte ihn zu seinem Verkündiger
und der Landmann, der Bauer, der Schafhirte, der
Feigenritzer, ging hin und gehorchte.
Wie oft schon rief wohl Gott uns in seinen Dienst und wir
gingen weg und taten nicht, was er von uns wollte? Ob wir
das auf die Dauer tun können, ohne Schaden zu nehmen an Leib
und Seele? Ich zweifle daran!
Wir denken daran, dass Gott einen Jona in seinen Dienst rief
und er weglief und doch mitten auf dem Meer von Gott
eingeholt wurde. Und schliesslich tat er doch das, was Gott
haben wollte.
Wenn Gott ruft zum Dienst, ganz gleich welcher Art, dann
gibt es nur 2 Möglichgkeiten:
Entweder wir gehorchen und tun Gottes Willen und bleiben
Gottes Kinder
oder wir tun nicht Gottes Willen und bekommen Gottes Zorn zu
spüren.
Lasst uns aber alle miteinander gehorsam werden.
wie Amos es gewesen ist.

Amos 4, 4+5; 5, 21-27
"Ja, kommt her gen Beth El und treibt Sünde, und gen Gilgal,
dass ihr der Sünden viel machet, und bringet eure Opfer des
Morgens und eure Zehnten des dritten Tages, und räuchert vom
Sauerteig zum Dankopfer und ruft aus freiwillige Opfer und
verkündigt es; denn so habt ihr's gern, ihr Kinder Israel,
spricht der Herr Herr.
Ich bin euren Feiertagen gram und verachte sie und mag eure
Versammlungen nicht riechen.
Und ob ihr mir gleich Brandopfer und Speisopfer opfert, so
habe ich kein Gefallen daran; so mag ich auch eure feisten
Dankopfer nicht ansehen.
Tue weg von mir das Geplärr deiner Lieder; denn ich mag dein
Psalterspiel nicht hören!
Es soll aber das Recht offenbart werden wie Wasser und die
Gerechtigkeit wie ein starker Strom.
Habt ihr vom Hause Israel mir in der Wüste die vierzig Jahre
lang Schlachtopfer und Speisopfer geopfert?
Ihr truget den Sikkuth, euren König, und Chiun, euer Bild,
den Stern eurer Götter, welche ihr euch selbst gemacht
hattet.
So will ich euch wegführen lassen jenseit Damaskus, spricht
der Herr, der Gott Zebaoth heisst."