Amos 16
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:19/05/1960
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Reffino, 1963
Camaro, 1963
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Wochengottesdienst/Bibelstunde
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Amos 4, 1 - 3
Skopus: Gericht gegen die reichen Frauen Israels
Amos (16) 4, 1 - 3
Wir haben schon gehört, dass Amos den Menschen dort im
Tempel zu Beth El verkündigt hat, dass Gott besonders seine
schützende und helfende Hand über die Armen hält. Das war es
ja, was Gott ganz besonders den Gliedern des Nordstaates
Israel übelnahm, dass sie nicht allein den Armen nicht
helfen und sich ihrer annehmen, sondern, das sie die Armen
noch dazu unterdrückten, wo sie es konnten, ihnen durch
Betrug und List auch noch das Wenige, das sie hatten,
wegnahmen, sie buchstäblich bis aufs Hemd auszogen.
Und nun zeigt der Prophet Amos, wer im letzten Grunde die
Schuld trägt an der Ausbeutung und an der Unterdrückung der
Armen und Niedriggestellten.
Wer trägt die Schuld? Es sind die Frauen der Reichen und der
Vornehmen. Es sind die Frauen, die in ihrer Sucht und Gier
nach Fressen und Saufen immer mehr von ihren Männern
verlangen.
Amos sagt hier, dass diese Frauen zu ihren Männern sprechen:
"Bringet noch das Geld her, damit wir noch besser fressen
und saufen können."
Sie nahmen ihren Männern das Geld weg, um es für luxuriöse
Dinge auszugeben und fordern und fordern immer noch mehr und
bringen die Männer dazu, dass sie ihre Arbeiter noch mehr
ausbeuten, um ja die
Gelüste ihrer Frauen befriedigen zu können. Wir wissen, dass
die Frauen nach aussen hin im Altertum sehr herabschätzend
beurteilt wurden. Sie galten etwas mehr als ein Stück Vieh.
Hier aber sehen wir, wie die Frau trotz ihrer verachteten
Stellung insgeheim eine ungeheure Macht über ihren Mann
hatte. War das nur damals so?
Die Frau hatte eine solche Macht über ihren Mann, dass er
sich von seiner Frau dazu verführen liess, etwas zu tun, was
Unrecht war, was Gottes Zorn erregte. Der Mann liess sich
von der Frau dazu verführen, um ihre Gelüste zu
befriedigen, den Armen noch mehr auszubeuten und ihnen das
Letzte wegzunehmen.
Wir sehen eine grosse Verbindungslinie von der Eva, die Adam
dazu verführte, Gott ungehorsam zu sein, über unseren
heutigen Text bis hin zu dem französischen Sprichwort: "Ou
est la femme?"
Dieses französische Sprichwort bringt zum Ausdruck, dass da,
wo in der Welt irgendein Verbrechen, irgendeine böse Sache,
geschieht, immer irgendeine Frauen im Spiele ist. Wenn wir
heute das vielleicht so auch nicht mehr sagen können, so
müssen wir vielleicht festhalten, dass die Frau, wenn auch
nicht sclechter als der Mann, so doch genauso so verloren
ist wie der Mann und genauso einen schlechten Einfluss auf
ihren Mann haben kann, wie es auch im umgekehrten Falle sein
mag.
So steht der Prophet Amos im Tempel zu Beth El und redet die
reichen und vornehmen Frauen mit folgenden Worten an:
"Höret dies Wort, ihr fetten Basanskühe, die ihr auf dem
Berge Samarias seid und den Dürftigen Unrecht tut und
untertretet die Armen und sprecht zu euren Herrn: Bringet
her, lasset uns saufen!"
Die Basanskühe sind in der damaligen Zeit eine besondere
Edelrasse von Kühen, eine Rinderart, die gutes und fettes
Fleisch liefern. Amos vergleicht die Frauen mit den
Basanskühen. Sie sind genauso dick und fett wie sie.
Als Amos sie, die Frauen, am Anfang mit den dicken und
fetten Basanskühen vergleicht, mögen sie sich vielleicht
sogar geschmeichelt gefühlt haben. Vielleicht haben sie
gedacht: Ja, wir reichen und frommen Frauen sind schon etwas
Besonderes, genauso wie die Basanskühe eine besonders
ausgezeichnete
Edelrasse darstellen.
Aber lange lässt Amos diese Meinung nicht aufkommen, und er
fährt in seiner Rede fort: Ihr seid nur deshalb so dick und
fett und vollgefressen, weil ihr den Armen bei euch arbeiten
lässt und ihm seine Arbeit nicht reell bezahlen wollt, weil
ihr ihn schädigt, wo ihr es könnt. Je dicker und fetter ihr
seid, desto magerer sind die Armen.
Wir müssen schon sagen, dass der Amos keine lieblichen
Wörter den Frauen entgegenflüstert, sondern harte und
schwere Felsenbrocken an den Kopf wirft. Und mit denselben
harten Worten verkündigt Amos den reichen und vornehmen
Frauen des Nordstaates Israel Gottes Gericht:
"Geschworen hat der Herr bei seiner Heiligkeit, ja, fürwahr,
es werden Tage über euch kommen, da trägt man euch fort mit
Eisenhaken und Fischerangeln und nackt werdet ihr
weggeführt, eine jede vor sich hin und werdet geworfen auf
den Misthaufen und in die Düngergrube, spricht der Herr."
Wir können uns vorstellen, wie entsetzt die Frauen diesen
Amos angeschaut haben. Am liebsten hätten sie ihm in der Wut
die Augen ausgekratzt. Wie konnte er nur solche
entsetzlichen Worte in den Mund nehmen?! Das gehört sich
doch nicht.
Was fragt aber schon der Landmann, der Bauer, danach, ob den
Zuhörerinnen seine unkultivierten Worte gefallen oder nicht.
Jedenfalls ist das eine klar und deutlich: Jeder, der ihm
zuhört, muss ihn verstehen, ob er es will oder nicht. Die
harte und ungebildete Bauernsprache des Amos kann jeder nur
zu gut verstehen: Die vornehme Damenwelt Samariens wird mit
dem Mastvieh der Basanskühe verglichen.
Wie das Vieh die grünen Weiden mit ihren Füssen zerstampfen,
so haben die Frauen die Armen zertreten. Und in derselben
harten Sprache schildert Amos auch das Gericht über diese
Frauen. Es wird Gottes Gericht in einer harten und und
grausamen Weise über diese Frauen kommen.
Genauso wie der Schlachter die fetten Basanskühe aus der
Herde mit einem bestimmten Fanggerät gleich einem Lasso
herausfängt, so werden die dicken und fetten Frauen
Samariens aus ihren Luxushäusern herausgeholt werden. Gott
wird diese Frauen, die ihr Luxusleben darauf aufgebaut
haben, dass sie die Armen ausplündern, schon im Gericht zu
finden wissen. Die feindliche Soldateska wird sie schon aus
ihren Schlupfwinkeln herausholen. Und genauso wie der
Schlachter seinen Schlachterhaken in das fette Fleisch der
Basanskühe hineintrieb, um das geschlachtete Vieh zum
Ausbluten aufzuhängen, genauso werden die Haken den
getöteten Frauen in das fette Fleisch getrieben, um sie
herauszuholen und auf den Misthaufen, auf den Düngerhaufen,
zu werdefn.
Nicht einmal ein Platz auf dem Friedhof wird ihnen
eingeräumt, sondern wie ein Stück verendetes Vieh werden sie
verfaulen müssen.
Die Bilder, die Amos gebraucht, sind grauenvoll. Am liebsten
möchten wir nicht mehr daran erinnert werden. Und doch
mússen wir sie deutlich sehen und hören, weil Gott selbst es
dem Amos befohlen hat, sie zu verkündigen. Und Gott lässt es
in so grauenvoller Weise verkündigen, weil das, was man den
Armen antut, indem man ihnen nicht das gibt, was ihnen
zusteht, indem man sie hungern und verhungern lässt und
selbst aber in Saus und Braus lebt, genauso grauenvoll ist.
Wenn wir auch vielleicht meinen, das alles geht uns heute
garnichts mehr an, so muss doch gesagt werden, dass wir
gerade als Christen einmal dafür zur Rechenschaft gezogen
werden dafür, dass in Indien und China und Afrika, und auch
hier in Südamerika, noch jedes Jahr Millionen von Menschen
verhungern, weil sie nichts zu essen haben, während wir noch
immer satt werden konnten, zum Teil in Überfluss schwelgen.
Unser Text macht uns in einer eindrücklichen Weise deutlich,
ganz gleich ob wir Männer oder Frauen sind, dass der Arme,
der Notleidende immer in einer besonderen Weise unter Gottes
Schutz steht. Gott wartet darauf, Tag für Tag, dass die
Menschen, die sich Gottes Kinder nennen, sich in seinem
Namen der Armen annehmen. Keiner ist davon ausgeschlossen.

Amos 4, 1- 3
"Höret die Wort, ihr fetten Kühe, die ihr auf dem Berge
Samarias seid und den Bedürftigen unrecht tut und
untertretet die Armen und sprecht zu euren Herren: Bringe
her, lass uns saufen!
Der Herr Herr hat geschworen bei seiner Heiligkeit: Siehe,
es kommt die Zeit über euch, dass man euch wird herausziehen
mit Angeln und eure Nachkommen mit Fischhaken.
Und ihr werdet zu den Lücken hinausgehen, eine jegliche vor
sich hin, und gen Harmon weggeworfen werden, spricht der
Herr."