3 Monatssprüche bis 1981- 28
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:25/12/1981
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Grabschental, 25-12-1981
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Monatsspruch Dezember 1981
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Johannes 1, 5
Skopus: Was hindert uns, das Licht zu erkennen?
3 Monatsspr. bis 1981 28 -Dezember 1981-Johannes 1,5
"Das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat
es nicht begriffen."

Der Monat Dezember ist geprägt durch die Advents- und
Weihnachtszeit, der sich niemand entziehen kann. Das ganze
Leben eines Menschen ist davon erfaßt, in Europa allerdings
noch mehr als hier bei uns.
Das, was dort im Stall zu Bethlehem vor fast 2.000 Jahren
geschehen ist, ist aber auch von solch einmaliger Bedeutung,
daß es eindringen will in alle Winkel unseres Lebens.
Daß Gott uns liebt, daß er uns wieder als seine Kinder
annimmt, daß er uns als Menschen, so wie er uns als seine
Geschöpfe geschaffen hat, in aller Freude und Freiheit unser
Leben wieder voll ausleben lassen will, ist wahrlich auch
etwas Einmaliges und Außergewöhnliches.
Dieses alles kommt dadurch zum Ausdruck, daß er damals für
immer seinen Sohn Mensch werden ließ und zu uns sandte.
Wie singen wir in einem Weihnachtslied:
"Dies ist die Nacht, da mir erschienen
des großen Gottes Freundlichkeit.
Das Kind, dem alle Engel dienen,
bringt Licht in meine Dunkelheit,
und dieses Welt- und Himmelslicht
weicht hunderttausend Sonnen nicht."
Unser Predigttext sagt dasselbe mit den Worten:
"Das Licht leuchtet in der Finsternis."
Wenn wir die Weihnachtsbotschaft hören und die
Weihnachtslieder singen, dann werden in uns Saiten
angeschlagen, die uns zum Schwingen bringen und wir werden
von einer großen Freude, aber auch von einer großen
Sehnsucht erfüllt.
Alles das ist geprägt durch das, was uns das Kind in der
Krippe schenkt und was es bei uns verändert:
statt Finsternis Freude,
statt Traurigkeit Freude,
statt Haß Liebe,
statt Sklaverei Freiheit,
statt Verdammnis Heil,
statt Rebellion gegen Gott totaler Gehorsam,
statt Krieg Frieden,
statt Hunger und Armut ein volles menschliches Leben,
das sich lohnt es zu leben.
Das alles ist gemeint, wenn der Evangelist Johannes sagt:
"Das Licht leuchtet in der Finsternis."
Und wenn wir in die vergangeneen zweitausend Jahre schauen,
müssen wir schon sagen, zu verschiedenen Zeiten und an
verschiedenen Orten hat sich bereits dieser Wechsel
andeutungsweise gezeigt und ist deutlich und sichtbar
geworden.
Aber wir müssen leider auch das andere bekennen, daß trotz
Weihnachten es im großen und ganzen auf dieser Erde dunkel
geblieben ist. Wir haben sogar manchmal den Eindruck, daß es
so dunkel und so traurig, so trostlos und so grausam, so von
Mord und Todschlag, Krieg und Kriegsgeschrei erfüllt, es auf
Erden noch nicht gewesen ist wie heute.
Was ist es da mit der Erfüllung der Weihnachtsbotschaft:
"Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große
Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute
der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der
Stadt Davids. Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf
Erden und den Menschen ein Wohlgefallen."
Das, was wir hier heute tun, daß wir feststellen, daß das
bei der Geburt Jesu vor zweitausen Jahren Angekündigte bis
heute noch nicht ganz in Erfüllung gegangen ist, hat zu
seiner Zeit auch schon der Evangelist Johannes getan. Er hat
sich gefragt, wie er das verstehen soll und worin wohl der
Grund liegen mag?
Und darum setzt er neben die Weihnachtsbotschaft, die im
Unterschied zum Lukas-Evangelium, nur sehr sehr kurz ist,
seine Erfahrung, sodaß die Weihnachtsbotschaft und die
Beobachtung, daß sie sich nicht erfüllt hat und der Grund
dafür, so im Johannes-Evangelium lauten:
"Das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat
es nicht begriffen."
Er sagt damit, daß das die traurige Wahrheit und
Wirklichkeit ist, daß auch diese Bezeugung der
unaussprechlich großen Liebe Gottes zu uns, indem er
Weihnachten auf Erden werden ließ, indem er seinen Sohn
Jesus Christus zu uns schickte, von uns abgelehnt wurde.
Dieser in der Weiuhnachtsbotschaft angekündigte Wechsel auf
dieser Erde unter uns Menschen, wurde von uns angelehnt:
"Das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat
es nicht begriffen."
Und darum sicherlich hat die Kirche von Anfang an die
Adventszeit, die uns auf Weihnachten vorbereiten soll, als
eine Bußzeit verstanden, in der uns einmal klar werden
sollte, da auch das, was folgt. die Weihnachtsbotschaft und
das Weihnachtsgeschehen von uns Menschen mißverstanden und
nicht angenommen wird. Im gleichen Evangelium des Johannes
heißt es an anderer Stelle:
"Er kam in sein Eigentum und die Seinen nahmen ihn nicht
auf."
Die Adventszeitzeit als Bußzeit der Kirche will uns in eine
heilvolle Unruhe und ein tiefes Fragen bringen.
Woran mag es liegen, das wir das, was dort zu Weihnachten in
Bethlehem geschah, nicht annehmen, da wir die
Weihnachtsbotschaft und das weihnachtliche Geschehen
ablehnen und darum in unserem Leben und in unserer Umgebung,
in unserem Land und in der weiten Welt sich nichts ändert,
alles so bleibt, wie es gewesen ist?
Wo liegt unsere persönliche Schuld und persönliches
Versagen?
Erkennen wir nicht im Angesichte unserer Buße oder
Selbstprüfung im Adventslicht, daß wir alle miteinander ohne
Ausnahme nicht das sind, was wir sein sollen, nicht das tun,
was wir tun sollen, ja, von Grund auf so von Gott abgewichen
und abgefallen sind, daß wir Gottes Liebe gar nicht erkennen
können. Durch Weihnachten allein sind wir noch nicht in der
Lage Gottes Liebe und Hilfe zu erfassen und anzunehmen. Nur
durch das Kreuz, das bereits hinter der Krippe sichtbar
wird, werden uns die Augen ganz aufgetan werden und unsere
Fähigkeiten und unser Unvermögen überwunden werden können,
daß wir das Licht in der Finsternis ganz erkennen können,
wir, die wir mit Ernst Christen sein wollen.
Wir werden es auch dann erfahren, daß die Zeit noch kommen
wird, wo das, was der Evangelist Johannes in unserem Text im
zweiten Teil sagt, überwunden sein wird:
"Das Licht scheint in der Finsternios und die Finsternis hat
es nicht begriffen."