3 Monatssprüche bis 1981- 19
Lugar/Ort:Grabschental

Fecha/Datum:14/03/1982
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Meroú, 21-3-1982
Castelar, 16-2-1986
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Monatsspruch März 1981
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Lukas 17, 5
Skopus: Wemm dürfen wir vergeben?
3 Monatsspr. bis 1981 19 -März 1981-Lukas 17,5
"Herr, stärke unseren Glauben."

Die Apostel bitten ihren Herrn in dieser Weise in einer fast
ausweglosen Lage, daß er ihren Glauben stärke.
Es geht dabei um die Frage, wieviel Mal muß ich einem
Menschen, der mir Böses angetan hat, vergeben?
Es fällt ihnen schon schwer genug, ein einziges Mal einem
Menschen, der ihnen gegenüber schuldig geworden ist, der sie
beleidigt oder gekränkt hat, zu vergeben. Ohne das Wunder
des Glaubens ist das sogar unmöglich.
Aber nun sagt Jesus dazu noch, VERGEBUNG läßt sich nicht auf
ein einziges Mal beschränken. Der Jünger Jesu soll immer zur
Vergebung bereit sein.
Der Text geht davon aus, daß Gott ja auch nicht nur ein
einziges Mal uns die Vergebung angeboten hat.
Vielleicht ist es gut, hier einzuschalten, was denn
überhaupt Vergebung bedeutet.
Wir unterscheiden Vergebung der Schuld, die wir vor Gott
begangen haben und Vergebung der Schuld, die wir vor einem
Mitmenschen begangen haben.
Beides läßt sich nicht trennen, wohl müssen wir beides
unterscheiden, wenn auch eine beiderseitige Wechselbeziehung
besteht.
Vergebung meiner Schuld gegenüber einem Mitmenschen erhalte
ich normalerweise aus seinem Munde, nachdem ich ihm meine
Schuld bekannt habe.
Vergebung der Schuld bedeutet, daß wir das Böse, das wir
Gott oder einem Mitmenschen begangen haben, durch Vergebung
aus der Welt geschafft bekommen.
Was das Böse ist, brauchen wir sicherlich nicht eingehend zu
erklären. Es ist Ungehorsam gegen Gott und sein Gebot und
sein Wort. Dieses kann sich auf Gott selbst oder auf einen
Mitmenschen beziehen.
Selbstverständlich liegt es nahe, dabei auf die Gebote
hinzuweisen. Aber sie genügen nicht, sondern durch das Wort
Gottes und im Kontakt mit diesem Wort wird uns immer wieder
neu gesagt, was wir zu tun haben.
Das zu wissen und nicht zu tun, ist Schuld.
Dadurch schiebt sich eine Wand zwischen Gott und mir,
zwischen einem Menschen und mir. Der Kontakt wird gestört
und unterbrochen.
Vergebung bedeutet, daß der, dem ein Leid zugefügt worden
ist, dem Schuldigen die Tür wieder öffnet, die Verbindung,
den Kontakt, wieder herstellt, ihm also die Schuld vergibt.
Diese Praktizierung der Vergebung, die uns Jesus Christus
ermöglicht, gehört zum Kernstück unseres christlichen
Glaubens und ist für jede menschliche Gemeinschaft nötig.
Habe ich einem anderen Menschen die Schuld, die er mir
gegenüber begangen hat, vergeben, dann ist mein Verhältnis
zu ihm wieder so, als ob er das Böse mir gegenüber nie
begangen hätte. Es darf nie mehr in meinem Kopf und in
meinem Herzen mein Verhältnis zu diesem anderen getrübt oder
gestört werden.
Wir werden um Jesu Christi willen zu einer solchen Vergebung
immer wieder neu eingeladen, weil Gott sich mir gegenüber in
gleicher Vergebungsbereitschaft verhält.
Was uns da zugemutet wird, ist keine Kleinigkeit und ohne
Glaube unmöglich.
Es ist viel leichter, dem anderen seine Schuld dauernd
nachzutragen, den Kontakt abzubrechen, Böses mit Bösem zu
vergelten.
Aber fast unmöglich erscheint es den Jüngern Jesu, einem
Menschen nicht nur einmal, sondern 2x, 3x bis 7x zu
vergeben. Ja, an einer anderen Stelle wird von uns
unbegrenzt gesprochen.
Vor diesem UNBEGRENZT erschrecken die Jünger. Sie halten
sich dafür unfähig und meinen, dazu nicht in der Lage zu
sein.
Aber in solch einer Lage tun sie das einzig Richtige. Sie
bitten ihren Herrn:
"Herr, stärke unseren Glauben!"
Wir fragen uns natürlich, was hat diese
Vergebungsbereitschaft gegenüber meinem Mitmenschen mit dem
Glauben zu tun?
Wir sagten es schon, daß diese Vergebung ohne Glauben, ohne
das Wunder des Glaubens unmöglich ist.
Wie sollen wir das verstehen, wenn gesagt wird, daß nur der
Mensch, der wie Jesus Christus an Gott glaubt, vergeben
kann?
Doch so, daß dieser Mensch weiß, daß er sich seine Ehre,
seinen Stolz und seine Würde nicht selbst verteidigen muß,
auch nicht sein Hab und Gut und Geld.
Ein Mensch, der glaubt, der weiß, daß dieses alles ihm von
Gott verliehen worden ist, daß die Verteidigung aller dieser
Dinge und aller inneren und äußeren Werte bei Gott selbst
liegt. Hat er nicht einmal gesagt:
"Mein ist die Rache, ich will vergelten, was sich Menschen
gegenseitig und damit mir selbst angetan haben."
Und wenn ich zu diesem Gott gehöre, ihm also mein ganzes
Vertrauen schenke, dann habe ich das vollste Vertrauen, daß
er auch mir zu meinem vollen Recht verhilft.
Indem ich so mein Vertrauen Gott schenke, weiß ich, daß die
Schuld des anderen gegen mich in Gottes Hand liegt und bin
davon überzeugt, daß er das, was zu meinem Schaden sein
sollte, zu meinem Wohl und zu meinem Heil gebrauchen kann
und auch zum Wohl und Heil des anderen, der mir Böses
angetan hat, indem er ihm seine Schuld gegen mich vergibt.
Konnte Jesus nicht selbst am Kreuz auf Golgatha seinen Vater
bitten:
"Vater, vergib denen, die mich zu Tode qälen, denn sie
wissen nicht, was sie tun."
So zu bitten, kann in der Tat nur der, der ein totales
Vertrauen zu Gott hat, der fest davon überzeugt ist, daß
sein Leben in Gottes Hand liegt, daß
"ihm nichts angetan werden kann, was Gott nicht hat ersehen
und was ihm dienlich ist",
auch nicht das Schlechte und Bóse des anderen.
Und um dieses grenzenlose Vertrauen zu Gott, der sich in
Liebe zu uns herabneigt, bitten die Jünger ihren Herrn, und
damit um die Fähigkeit, zu vergeben, wie Jesus vergeben
kann.
Der Text lädt uns ein, in der selben Weise wie die Jünger
Jesu zu bitten:
"Herr, stärke uns den Glauben!",
damit auch wir durch Vertrauen in Gott vergeben können, um
damit das Verhältnis von Mensch zu Mensch zu entgiften,
nicht nur 1x oder 2x vergeben, sondern in dauernder
Bereitschaft leben, zu vergeben.