3 Monatssprüche bis 1981- 01
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Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Monatsspruch Januar 1977
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Lukas 6, 37-38
Skopus: Vergeben und Geben bilden eine Einheit.
3 Monatsspr. bis 1981 1 -Januar 1977-Lukas 6,37+38
"Jesus Christus spricht: Vergebet, so wird euch vergeben.
Gebet, so wird euch gegeben."

Beim ersten Lesen und Hören dieses Wortes unseres Herrn und
Heilandes Jesus Christus sind wir sehr verwundert darüber,
daß hier in einem Zuge GEBEN und VEGEBEN zusammen genannt
werden.
Diesen Zusammenhang der beiden Realitäten kann man
normalerweise ohne weiteres nicht wissen oder erkennen. Was
hat GEBEN mit VERGEBEN zu tun?
Jesus zeigt uns jedenfalls in seinem Wort einen Zusammenhang
auf.
Das Geben ist dadurch gekennzeichnet, daß ich von den
Möglichkeiten, die mir Gott zuerst gegeben hat, für andere
etwas bereithalte und zur Verfügung stelle, ganz gleich, was
es sein mag, meine Körperkräfte, meine Intelligenz, mein Hab
und Gut und Geld, meine Freude und meinen Mut, und zwar tue
ich dieses, weil der andere auf meine Hilfe angewiesen ist,
so wie ich selbst auf die Hilfe anderer angewiesen bin.
Unter Vergeben ist dann zu verstehen, daß ich zu geben
bereit bin, auch wenn der andere nicht nur nicht fúr die
Hilfe dankt, sondern sogar mit Undankbarkeit und mit
Feindschaft beantwortet, überhaupt böse reagiert.
Vergeben bedeutet im letzten Grunde bereit zu sein, dem, der
meine Hilfe mit Bösem beranmtwortet, dieses Böse als nicht
geschehen anzusehen und ihm auch weiterhin ein helfender
Nächste zu sein.
Wer so handelt, handelt als einer, der zum Reiche Gottes
gehört und der dabei ist, dieses Reich Gottes auf Erden zu
verwirklichen.
Natürlich müssen wir ganz klar an diesem Punkte sehen, daß
in der Welt, in der wir leben, und von der wir selbst ein
Teil sind, und die uns auch als Christen immer wieder unter
den Zwang ihrer Gesetze stellen will, daß in dieser Welt
anders gehandelt wird als im Reich Gottes.
Weil der Mensch die Existenz Gottes nicht erkennen und auch
nicht akzeptieren will, und zwar des Gottes, der ihn
erschaffen hat, der versprochen hat, sein Leben auch zu
erhalten und ihn mit allem Nötigen zu versorgen, erwartet er
nichts mehr von ihm. Er glaubt, sein Leben selbst in die
Hand nehmen zu müssen. Er erwartet auch nichts von seinen
Mitmenschen. Er hat es vergessen oder er will es nicht
fürwahr halten, daß ein Mensch nur leben kann inmitten von
Menschen, daß ein Mensch nur dann sein wahres Menschsein
erlangt, wenn er sich helfen läßt und wenn er anderen hilft.
Solch ein Mensch ohne Gott und ohne seinen Nächsten sucht
sich selbst und sein Leben zu sichern, indem er an sich
reißt, was er nur KRIEGEN kann.
Er kennt nicht das Wort GEBEN, sondern nur das andere Wort
NEHMEN.
Er fragt auch nichts danach, daß bei diesem
Nachmehrschrappen und Ansichreißen ein anderer oder andere
auf den Hund kommen. Die Hauptsache für ihn ist, daß er das
hat, was er meint nötig zu haben. Er ist sich selbst der
Nächste. Es ist ein Sprichwort dieser Welt, daß viele sehr
lieben und danach handeln.
Dieses alles gilt nicht nur im persönlichen Verhältnis von
Mensch zu Mensch, sondern auch im Verhältnis der
verschiedenen Rassen und Klassen und Völkergruppen, zwischen
reichen und armen Staaten. Welche Probleme werden heute von
den industrialisierten Staaten in Nordamerika und Europa und
Japan gemacht, die das höchste Einkommen in der Welt haben,
wenn sie 1% dieses Einkommens zur Entwicklung der
unterentwickelten Länder abgeben sollen, dabei haben sie
ihren Wohlstand gerade dadurch, daß sie diesen
unterentwickelten Ländern die Rohprodukte nur mit einem
aufs Niedrigste abgedrosselten Preis abkaufen und daß diese
dadurch aus eigener Kraft an einen Fortschritt nicht denken
können.
Ein Mensch, der sich von Gott und von seinen Mitmenschen
nicht abhängig weiß und darum an sich reißt, was er an sich
reißen kann, und wenn er einem anderen Menschen dabei die
letzte Schnitte Brot wegnimmt, ist natürlich in keinster
Weise bereit, zu akzeptierenm, daß ein anderer sich diese
letzte Schnitte Brot nicht wegnehmen läßt und sich wehrt.
Der im Wohlstand Lebende wird alles tun, um diesem Armen das
Sichwehren hundertfältig heimzuzahlen. Erst recht geschieht
das, wenn das Sichwehren in einer violenten Form geschieht.
Er wird dann wiederschlagen, vielleicht schlimmer, als der
Arme ihn schlagen konnte. Vergeben ist ausgeschlossen, weil
der im Wohlstande Lebende nicht akzeptiert, daß er allein
von Gott und von diesem Armen abhängig ist und darum immer
seinem Nächsten, ein helfender Nächste sein soll.
Jegliches menschliches Miteinander wird vergiftet, wenn
nicht zerstört, wenn nicht untereinander, von Mensch zu
Mensch, von Gemeinschaft zu Gemeinschaft, von Familie zu
Familie, von Volk zu Volk, diese Vergebung praktiziert wird.
Wir leben alle wie in einem circulus vitiosus, in dem eine
böse Tat eine neue noch bösere Tat verursacht. Und eben
dieser circulus vitiosus endet im Chaos, im Haß und Streit
und in der gegenseitigen totalen Zerstörung, wenn er nicht
unterbrochen wird durch die Praktizierung der Vergebung.
Seit Jahrzehnten schon leben wir hier bei uns in Argentinien
in solch einem Teufelskreis der bösen Taten. Eine Richtung
bekämpft die andere, eine böse Tat folgt der anderen und es
ist auch fúr die nächste Zeit kein Ende abzusehen, wenn wir
nicht das, was wir doch sein wollen, ein christliches Land,
auch praktizieren:
Vergebung der Schuld, Vergebung der gegenseitig begangenen
blutigen Grausamkeiten.
Indem wir als Christen anfangen, nach dem Worte unseres
Herrn und Heilandes zu leben:
"¡Vergebet! ¡Gebet!",
werden wir den Teufekskreis der Bosheit durchbrechen, nicht
nur im großen Maßstab unseres Landes, sondern auch im
kleinen des menschlichen Miteinanders, in der Familie,
Freundschaft und Nachbarschaft. Dadurch wird das Reich
Gottes mitten in dieser Welt bezeugt und verwirklicht.
Eines ist bei unserem Worte
"Vergebet, so wird euch vergeben, gebet, so wird euch
gegeben!",
für uns gleichfalls sehr wichtig, daß es nämlich eine
Verheißung ist, die lautet, daß der, der vergibt, fest damit
rechnen kann, wie es auch im Vaterunser ausgedrückt wird,
daß Gott ihm sein böses Tun ebenfalls vergibt und daß dem,
der von dem Seinen etwas an andere, die es nötig haben,
weitergeben kann, von Gott und von anderen wieder Neues und
Überschwengliches gegeben wird, sodaß er dabei einen Verlust
überhaupt nicht bemerken kann.
Und das ist das Erstaunliche, worauf Jesu Wort hier inweist,
daß der, der vergeben kann, auch geben kann und nur der kann
geben, der gelernt hat, zu vergeben. Und das Große ist
dabei, daß der, der so handelt, erkennt, daß er nur so
handeln kann, weil Gott in Jesus Christus zuerst vergeben
und zuerst gegeben hat.

(Das exakte Datum ist nicht vorhanden.)