3 Außergewöhnliche Gottesd.- 86
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Año Eclesiástico/Kirchenjahr:
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Apostelg. 2, 41-47 - Hechos 2:41-47
Skopus: Erarbeitung einer Predigt.
3 Außergew. Gottesd. 86 -Erarbeitungeiner Predigt für
Pastoren-Apostelgesch.2,41-47
"Die nun sein Wort aufnahmen, ließen sich taufen, und wurden
hinzugetan an dem Tage bei dreitausend Seelen. Sie blieben
aber beständig in der Apostel Lehre und in der Gemeinschaft
und im Brotbrechen und im Gebet. Es kam aber alle Seelen
Furcht an und geschahen auch viel Wunder und Zeichen durch
die Apostel. Alle aber, die gläubig geworden, waren
beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam. Auch verkauften
sie Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je
nachdem einer in Not war. Und sie waren täglich und stets
beieinander einmütig im Tempel und brachen das Brot in den
Häusern, nahmen die Speise mit Freuden und lauterem Herzen,
lobten Gott und hatten Gnade bei dem ganzen Volk. Der Herr
aber tat hinzu täglich, die gerettet wurden, zu der
Gemeinde."

Dieser Text kann uns Prediger in eine große Verzweiflung
stürzen und unsere Gemeinden, in denen wir ihn verkündigen
sollen, in eine ausweglose Verlegenheit bringen,wenn wir aus
ihm das Bild einer idealen christlichen Gemeinde ablesen:
Eine von Zeichen und Wundern begleitete vollmächtige
Predigt; eine nicht tiefergehende Gemeinschaft der
Gemeindeglieder, die sich auswirkt in einem die
Gütergemeinschaft umfassenden Liebeskommunismus, mit
täglicher Mahlgemeinschaft und einem Gottesdienst, der die
Schwellen des Tempels erbeben läßt und einer stetig
wachsenden Zahl von neuen Gliedern.
Gibt es überhaupt noch eine Vergleichsmöglichkeit zwischen
einer solchen jerusalemitischen Urgemeinde und der
Wirklichkeit unserer Gemeinden?
Der Zwiespalt wäre unüberbrückbar.
Allerdings ist zu fragen, ob es überhaupt die Intention
dieses Textes ist, uns ein ideales Gemeindebild vor Augen zu
malen, um ihm nachzustreben? Wir wissen ja auch, daß die uns
zur Predigt gegebenen Texte ihre jeweils besondere Bedeutung
und Aufgabe, in einer ganz bestimmten Situation bereits
gehabt hatten und jeden Prediger neu fragen, was sie in
unserer heutigen Situation uns als Hilfe und Verpflichtung
hergeben.
Wir können, wenn wir einen Text in seinem damaligen Anliegen
verstanden haben, dieses Anliegen nicht unbedingt für unsere
Predigt übernehmen, sondern haben in eine Auseinandersetzung
zu treten zwischen der ursprünglichen Intention des Textes
im Rahmen der damaligen Gemeindesituation und der heutigen
mit ihren Nöten, Problemen und Fragen.
Dieser Dialog könnte sogar sich in der Predigt selbst
niederschlagen und im Vollzug dieses Dialogs uns bereits zur
Hilfe, Trost und Verpflichtung werden.
Im Rahmen der Apostelgeschichte ist unser Text ja daran
interessiert, summarisch aufzuzeigen, daß und wie Jesus
Christus auch nach seinem Kreuzes Tod als der lebendige Herr
am Werk ist, und zwar in und durch die christliche Gemeinde,
die er sich selbst durch seine Nachfolger schafft.
Sehr interessant ist die Spannung, in der unser Text steht
und die gekennzeichnet ist durch seinen Anfang und durch
seinen Schluß, da es um das rein äußerliche Wachsen einer
Gemeinde geht.
Am Anfang heißt es, daß durch die Verkündigung des Petrus,
die zum Inhalt den gekreuzigten und auferstandenen Herrn
hat, der Gemeinde 3.000 Glieder hinzugetan werden, während
am Schluß uns verkündigt wird, daß durch die bloße Existenz
einer christlichen Gemeinde Menschen zu ihr kommen.
Die christliche Gemeinde in ihrer Wirklichkeit also bewirkt,
ohne ausdrücklichen Aufruf oder Einladung, daß Menschen zu
ihr stoßen und Jesus Christus nachfolgen.
Eine Gemeinde, die sich von ihrer Umgebung absondert, die im
Ghetto lebt, die nur für sich, für die eigene Frömmigkeit
und zur eigenen Erbauung lebt, ohne fúr die anderen da zu
sein, in Wort und Tat und selbst im Gebet, lebt an ihrer
Bestimmung vorbei, selbst wenn die Gemeinde sehr fromm wäre
und in ihr die besten Erbauungspredigten gehalten würden.
Aber gleichfalls müßte man sagen, daß eine Gemeinde, die
ihre Aufgabe als Existenz für andere auffassen und anfassen
würde und dabei vergißt, daß sie dieser Welt das Zeugnis vom
gekreuzigten und auferstandenen Herrn schuldig ist, hätte
ebenfalls ihre Bestimmung verfehlt.
Echte christliche Gemeinde lebt also zwischen diesen beiden
Polen. Allerdings muß doch gesagt werden, daß in unserem
Text der Schwerpunkt darauf liegt, daß sie durch ihre
Existenz, durch das, was in ihr geschieht, ihrer Umgebung
Jesus Christus bezeugt und verkündigt.
Wir deuteten am Anfang unserer Ausführungen an, daß der Text
uns keine ideale Gemeinde vor Augen führen will, an die
heran wir unsere Gemeinden bringen sollen, und zwar haben
wir dazu 2 Gründe:
1. Diese Gemeinde hat ebenfalls ihre schwerwiegenden
Probleme und ist auch durch Versagen gekennzeichnet,
gleichfalls wie die in Kleinasien, von denen wir in den
Briefen hören, wie auch unsere Gemeinden, Hier soll nicht
eine Gemeinde gelobt werden, sondern es soll aufgedeckt
werden, in welch mannigfacher Weise Jesus Christus in der
Gemeinde am Werk ist zum Heil aller Menschen.
Damit hängt zusammen
2., daß dieser unser Text nicht Gesetz sein will, sondern
Evangelium. Uns wird keine ideale Gemeinde vorgestellt, an
der wir heute zerbrechen müßten, weil unsere Gemeinden nie
solch einem Ideal entsprechen könnten, sondern Jesus
Christus als den Herrn seiner Gemeinde, der Großes in und
durch seine Gemeinde vollbringen kann, nicht nur in
Jerusalem, sondern auch unter uns heute. So dürfen wir auch
heute bezeugen, daß er in einer großartigen Weise in der
gesamten Christenheit in diesem Zeitenwechsel am Werke ist,
durch eine erneuerte Kirche den Menschen von heute zu
bezeugen:
Ich bin der, der euch auch in eine neue Zukunft begleiten
werde, um euch die Hilfe zu reichen, die ihr nötig habt,
wenn alles um euch her zusammenbricht und der Weg in die
Zukunft noch so dunkel erscheint.
Wir müssen das auf Grund unseres Textes ein wenig
konkretisieren. Aber damit sind wir bereits in einen Dialog
eingetreten zwischen der Intention des Textes mit der
Bedeutung in seiner Zeit und der Gemeindesituation von heute
und dem Versprechen des Herrn, uns auch heute zu helfen.
Sind die 5 Realitäten der jerusalemitischen
Gemeindewirklichkeiten als Kennzeichen, daß der lebendige
Herr am Werke ist, auch für uns noch Formen der Wirksamkeit
des Herrn?
1. Bekräftigung der Predigten und Unterweisungen durch
Zeichen und Wunder.
2. Praktizierter Liebeskommunismus mit Gütergemeinschaft.
3. Haus- und Tischgemeinschaft unter Christen.
4. Mehrstündiges tägliches gemeindliches und
gottesdienstliches Zusammensein.
5. Wachstum der Gemeinde.
Wenn wir ehrlich sind, dann müßten wir bekennen, daß diese
Arten der Wirksamkeit unseres Herrn nicht gerade typisch
sind für die Christenheit von heute, vielleicht daß das eine
oder das andere von einzelnen exklusiven kirchlichen Gruppen
krampfhaft zu erhalten versucht wird, aber typisch ist das
alles für uns heute nicht mehr.
Sollte damit unser Herr aus der Christenheit von heute
ausgewandert sein oder sind nicht andere Wirklichkeiten an
deren Stelle getreten, die aufzeigen, daß unser Herr in
seiner Gemeinde auch am Werke ist?
Ich könnte mir denken, da an die Stelle der im Text
angeführten Wirklichkeiten heute parallel von folgenden
Wirklichkeiten gesprochen werden darf.
1. Die immer mehr wachsende Erkenntnis, daß das Wort Gottes
und das aktive Tun dieses Wortes zusammengehören und eine
Einheit bilden. Vielleicht kann man sagen, daß dieses aktive
Handeln der Christen als Antwort auf das gehörte Wort, das
Zeichen oder das Wunder in der Christenheit von heute ist.
2. Die Praktizierung der Verantwortung der Christen, auf
Orts- oder sogar Weltebene, für die Christenbrüder in Not,
ganz gzleich en welcher Form und ohne Rücksicht auf
Konfession oder Hautfarbe.
3. Das Wissen, daß die Nachfolge, das Christsein, den ganzen
Menschen umfaßt ohne irgendwelche Reserven und Vorbehalte.
Dazu kommt die Erkenntnis, daß die Kirche Jesu Christi mehr
umfaßt als unsere eigene Kirche und Konfession und daß wir
mit allen, die den Namen des Herrn bekennen, zu der einen
und wahren Kirche gehören.
4. Alle Versuche eines neuen Verständnisses und Ringens um
Gottesdienst und Gebet und Singen und alles Bemühen um ein
für den Menschen von heute verständliches Predigen.
5. Die Beobachtung, daß viele Gruppen von Menschen, die
bisher von Jesus Christus und der Gemeinde nichts wissen
wollten, heute, nach dem Neuerwachen einer müden
Christenheit, das Gespräch mit uns Christen suchen, nach dem
Zentrum unseres Glaubens fragen und sich von uns Hilfe für
die Bewältigung der Gegenwart und für die Vorbereitung der
Zukunft erhoffen.
Wir sind uns auch im klaren, daß die aufgezeigten
Wirksamkeiten noch ergänzt werden können.
Wichtig bleibt es bei der Erarbeitung der Predigt, daß wir
einmal vermeiden, uns auf eine einzige, uns vielleicht
liegende Wirksamkeit des Herrn in der heutigen Zeit zu
beschränken, sondern daß wir gerade die Mannigfaltigkeit des
Wirkens bezeugen.
Wenn wir das tun, vermeiden wir zum anderen, daß wir statt
Evangelium Gesetz predigen, indem wir eine ideale
Christenheit von heute unseren Gemeinden vor Augen halten.
Echte Evangeliumspredigten kann sich nur so darstellen, daß
wir ausschließlich und allein das Wirken des Herrn in der
Zeit von damals und in der Zeit von heute bezeugen, ohne
unsere Gemeinden unter einen psychologischen Zwang zu
stellen und ohne vielleicht noch so gut gemeinte fromme
Imperative in unsere Predigten einzuflechten.
Wir sind nämlich überzeugt, daß durch die Evangeliumspredigt
der Herr der Kirche sich selbst auch in unseren Gemeinden
die Möglichkeit und den Raum seines Wirkens schafft, und
zwar in der Weise, wie er will. ohne daß wir Prediger es ihm
durch eine Gesetzespredigt vorschreiben oder ihm
Hilfestellung leisten zu müssen.