3 Außergewöhnliche Gottesd.- 84
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:08/05/1975
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Diamante, 12-7-1975 -spanisch-
Camarero/Puíggari, 13-7-1975 -spanisch-
Grabschental, 17-8-1975 -spanisch-
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:2o Jahre en Alvear-20 años en Alvear
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Lukas 13, 6-9 - Lucas 13: 6-9
Skopus: Welcher Maßstab gilt für unser Raden und Tun?
3 Außergew. Gottesd. 84 -20Jahre in AP-Lukas 13,6-9 "Jesus
aber sagte ihnen dies Gleichnis: Es hatte einer einen
Feigenbaum, der war gepflanzt in seinem Weinberg, und er kam
und suchte Frucht darauf und fand sie nicht.Da sprach er zu
den Weingärtnern: Siehe, ich bin nun drei Jahre lang alle
Jahre gekommen und habe Frucht gesucht auf diesem Feigenbaum
und finde sie nicht. Haue ihn ab! Was hindert er das Land?
Er aber antwortete und sprach zu ihm: Herr, laß ihn noch
dies Jahr, bis daß ich um ihn grabe und dünge ihn, ob er
doch noch wollte Frucht bringen; wo nicht, so haue ihn ab."

Wir wissen, daß das der Sinn der Gleichnisse ist, die uns
unser Herr und Heiland Jesus Christus mitgeteilt hat, daß
wir durch ein Beispiel aus unserem alltäglichen menschlichen
Leben eine Wirklichkeit des Reiches Gottes, eine
Wirklichkeit, die es mit dem Verhältnis Gottes zu uns
Menschen zu tun hat, erkennen und darüber nachdenken und uns
dadurch in unserem Leben korrigieren lassen.
Wir haben nun vor uns das Gleichnis vom unfruchtbaren
Feigenbaum, das sicherlich manchem von uns bekannt ist. Mit
diesem Feigenbaum denkt Jesus an Gruppen von Menschen, die
zum Reich Gottes gehören, oder an Teile oder Gemeinden oder
Kirchen der Weltchristenheit, die nicht Gott, die nicht
ihrem Herrn Jesus Christus gehorsam sind, die nicht das tun,
was er erwartet.
Heute, da wir an einem Punkt der Welt- und
Menschheitsgeschichte angelangt sind, da die bisher geübten
Regeln und Maßstäbe und Traditionen des menschlichen
Zusammenlebens in Ehe und Familie, in der Arbeit und im
Geschäftemachen, im Regieren und in der Wissenschaft und
Technik nicht nur nicht mehr ausreichen, dieser Menschheit
eine Zukunft zu sichern und diese unsere Welt zu erhalten,
sondern sogar dazu dienen, alles Bestehende zu zerstören und
zu vernichten, kommt alles für uns Christen darauf an, von
Jesus zu erfahren, aus seinem Tun und Handeln und Reden, was
uns in dieser Situation noch vor dem Untergang retten, was
uns wieder neue Freude am Leben, geben kann und daß wir dann
hingehen und es praktizieren und in einer sich selbst
zerfleischenden Welt bezeugen und vorleben und sie ebenfalls
vor der Zerstörung bewahren.
Was ist das eigentlich, woran wir Menschen von heute
besonders kranken?
Es ist dieses, daß das Verhälrtnis von Mensch zu Mensch in
die Brüche gegangen ist.
Jeder denkt nur an sich selbst und vergißt, daß er, wenn er
nicht den Menschen in der Nähe und in der Ferne als
seinesgleichen anerkennt und annimmt und sich für ihn
verantwortlich weiß, sich selbst sein eigenes Grab schaufelt
und mithilft, diese Welt einem furchtbaren und grausamen
Ende zutreiben zu lassen.
Die meisten Maßsstäbe des menschlichen Lebens, die wir als
Traditionen übernommen haben, helfen uns nichts mehr,
sondern sind zum Teil schuld an der ganzen Misere, in der
wir in dieser Zeit stehen.
Solch ein die Zukunft zerstörender Maßstab, den wir als
Tradition übernommen haben, ist zum Beispiel:
Jeder Mensch hat das Recht, soviel Eigentum und Vermögen an
sich zu reißen, wie er es kann und Gott wird dann schon
alles Erworbene schützen und es als heilig und unantastbar
erklären.
Mit solch einem Maßstab unseres menschlichen Handelns werden
wir geradezu in den Abgrund hinunterstürzen.
Wenn wir nicht bereit sind, nach dem neuen Maßstab unser
Leben einzurichten:
Jeder Mensch hat das Recht auf Arbeit und auf ein
menschenwürdiges Leben und jeder Mensch hat diesem Ziele zu
dienen, sehe ich keine Möglichkeit mehr für ein Überleben
der augenblicklichen Generationen.
Jesus Christus hat von Anfang an in mannigfacher Weise
dasselbe erklärt und darauf hingewiesen und hat es getan mit
dem einfachen und schlichten Wort:
"Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!"
Er hat uns dieses vorgelebt und er erwartet, daß seine
Jünger, seine Nachfolger, daß die. die sich nach seinem
Namen Christen nennen, ihm dieses Wort nachleben. Nur noch
diese Wirklichkeit
"Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!"
kann unsere Welt vor der Zerstörung bewahren, kann die
Menschheit vor der Vernichtung schützen.
Wenn Jesus, wie wir es am heutigen Himmelfahrtstage
bekennen, der Herr dieser Welt ist und als solcher kein
Interesse an ihrer Zerstörung hat, dann wollte er durch
dieses sein Wort und durch dieses sein Vorleben uns Christen
ermuntern, ihm nachzuleben, um damit der Welt zu bezeugen,
daß es noch Hoffnung für die Menschheit, für diese Welt
gibt, um damit die Nicht-Christen zu reizen, mit uns ein
Stück des Weges zu gehen in dem
"Liebe deinen nächsten wie dich selbst!"
Wie heißt es in unserem Gleichnis:
"Der Besitzer kam und suchte Frucht an dem Feigenbaum und
fand sie nicht."
Heißt das nicht, da wir Christen unsere Aufgabe, wie sie uns
der Herr gestellt hat, nicht erfüllt haben? Ist nicht der
größte Teil der Christenheit bei denen, die weiterhin nach
dem Grundsatz leben:
Jeder Mensch hat das Recht soviel Eigentum und Vermögen an
sich zu reißen, wie er kann. Gott hat ja das Eigentum für
unantastbar und heilig erklärt, wie gesagt wird.
Ja, nicht nur das, sondern der größte Teil der Christenheit
ist sogar dabei, diesen Maßstab mit Regierungsgewalt, mit
Waffen und mit allen Druckmitteln durchzusetzen, ohne danach
zu fragen, daß dadurch Millionen von Menschen verhungern,
daß dadurch das Liebesgebot Jesu mit Füßen getreten wird,
daß wir dadurch mit Riesenschritten dem Abgrund
entgegeneilen.
Gilt nicht gerade uns heute als Urteilsspruch Gottes das
Wort:
"Haue ihn ab! Was hindert er das Land?"
Das bedeutet heute:
Laß diese Christenheit, die nichts wissen will von einem
Nachleben Jesu Christi in dem Sinne:
"Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!"
zugrunde gehen, wenn sie nicht mithilft, die Menschheit vor
der Vernichtung zu bewahren, sondern sogar dazu beiträgt,
die Welt zu zerstören.
Wie lange hat durch Jesus Christus die Christenheit noch
Zeit zu einer Umkehr, wie lange haben wir noch Zeit im Sinne
Jesu zu leben:
"Herr, laß ihn noch dies Jahr, ob er Frucht bringe, wo
nicht, so haue ihn ab!"
Es ist uns nicht unbekannt, daß eine andere Macht auf dem
Wege ist, die Menschheit vor der Vernichtung zu retten und
die Welt vor der Zerstörung, die den Grundsatz auf ihre
Fahne geschrieben hat:
Jeder Mensch hat das Recht auf Arbeit und ist auch dazu
verpflichtet und jeder Mensch hat den Anspruch auf ein
menschenwürdiges Leben."
Allerdings wird dieser Grundsatz, wo diese Macht erscheint,
mit brutaler Gewalt durchgesetzt, weil sie in der Geschichte
der Christenheit hat feststellen müssen, daß selbst die
Christen nicht im Sinne der Liebe gehandelt haben.
Ich frage mich immer wieder, wie es kommt, daß diese rote
Macht trotz Terror und brutaler Gewalt von ihrer eigenen
Seite immer weiter im Vormarsch ist und die Sympathie der
Menschen erlangt.
Ohne Vietnam, Laos und Kambotscha zu erwähnen, wissen wir,
daß vor wenigen Wochen in Portugal der Kommunismus an die
Macht gekommen ist. Die Nachrichten aus Deutschland
befürchten, daß Spanien, Italien und Griechenland folgen
werden.
Und wie sieht es bei uns in Lateinamerika aus?
Sollte dieses Wort:
"Haue ihn ab, was hindert er das Land!"
als Gerichts- und Urteilsspruch Gottes über den größten Teil
von uns Christen durch diese im Anmarsch befindliche rote
Macht ausgeführt werden?
Wundern brauchten wir uns nicht.
Zum größten Glück ist es bei uns noch nicht so weit:
Herr, laß ihn noch dieses Jahr, ob er doch noch wollte
Früchte bringen!"
Wie lange das gilt, wissen wir nicht.
In dieser Zeit, die wir noch als Christen haben, haben wir
noch die Möglichkeit, in einen Wettkampf mit dem Kommunismus
einzutreten.
Ich bin fest davon überzeugt, daß, wenn wir als Christen mit
dem selben Eifer das Wort Jesu
"Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!"
praktizieren würden, wie die Kommunisten ihre Idee von der
Befreiung des Menschen, dann würde der Kommunismus nicht
weiter vorankommen können.
Ganz konkret gesagt, liegt es an uns, an dem, wie wir uns,
da, wo wir leben und arbeiten, unseren Mitmenschen gegenüber
verhalten und wie wir unser Leben überhaupt als Christen
gestalten, was auf uns einstürmen wird.
Jedenfalls ist Jesus nicht auf der Seite derer, die durch
ihr Handeln im Sinne des alten Maßstabes:
Jeder hat das geheiligte Recht, soviel an sich zu reißen,
wie er kann, ohne nach seinen Mitmenschen zu fragen,
die Menschheit dem Abghrund zutreibt.
Ich habe große Sorge, wenn ich an das Jahr 2.000 zum
Beispiel denke:
Was wird sich dann ereignet haben?
1. Wird sie, wie Futurologen sagen, zerstört sein, weil es
keine radikale Änderung gegeben hat?
2. Wird sie gerettet sein vor der Zerstörung, aber
kommunistisch?
3. Wird sie gerettet sein durch uns Christen, weil wir
angefangen haben, im Sinne Jesu zu leben:
"Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!"
Lasset uns beten:
Du unser Herr Jesus Christus, der du am Himmelfahrtstage zum
Herrn dieser Welt gemacht wurdest, gib uns Antwort auf
unsere Fragen und Kraft zu einer radikalen Umkehr. Amen.