3 Außergewöhnliche Gottesd.- 78
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:05/06/1955
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Gelsenkirchen-Buer-Hassel, 1952
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Frauenstunde
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Lukas 10, 38-42
Skopus: Wer handelt recht in der Gegenwart Jesu?
3 Außergew.Gottesd. 78 -Frauenstunde-Lukas 10,38-42
"Es begab sich aber, da sie weiterzogen, kam er in ein Dorf.
Da war eine Frau mit Namen Martha, die nahm ihn auf in ihr
Haus. Und sie hatte eine Schwester, die hieß Maria, die
setzte sich zu Jesu Füßen und hörte seiner Rede zu. Martha
aber macht sich viel zu schaffen, ihm zu dienen. Und sie
trat hinzu und sprach: Herr, fragst du nicht darnach, daß
mich meine Schwester läßt allein dienen? Sage ihr doch, daß
sie es auch angreife! Der Herr aber antwortete und sprach zu
ihr: Martha, Martha, du hast viel Sorge und Mühe. Eins aber
ist not. Maria hat das gute Teil erwählt: das soll nicht von
ihr genommen werden."

In unserer Geschichte hat sich unser Herr und Heiland
aufgemacht, um Menschen zu begegnen und ihnen eine wichtige
Botschaft zu überbringen.
Nun ist es die offene Frage:
Werden die Menschen ihn aufnehmen, wenn er an die Tür ihres
Hauses klopft?
Werden wir ihn bei uns aufnehmen?
Er steht vor der Tür des Hauses der beiden Schwestern Maria
und Martha. Und es ist wahrlich etwas Erstaunlich ist es,
daß die Frage, ob der Herr aufgenommen werden soll, gar
nicht mehr auftaucht. Während wir so unsicher sind, ist es
in dem Hause der Maria eine Selbstverständlichkeit, daß die
Tür des Hauses für den Herrn ganz weit aufgemacht worden.Was
wäre das für eine große Sache, wenn der Herr auch bei uns
eine geöffnete Tür finden würde. Wir wissen aus anderen
Bibelstellen, daß Maria und Martha zu den engsten Freunden
des Herrn gehören.
Maria hat nun den Herrn in ihr Haus aufgenommen. Ob sie aber
weiß, wer denn der Gast eigentlich ist? Wissen wir noch
überhaupt, wer der ist, nach dessen Namen wir uns nennen?
Wir sagen doch von uns, daß wir Christen sind. Aber wissen
wir, wer Jesus Christus ist?
In unserem Text finden wir gar nicht den Namen Jesus
Christus, sondern nur HERR. Heute wird die Bezeichnung Herr
für jedermann gebraucht. Aber zur Zeit Jesu wurden nur die
Kaiser und Könige so angeredet. Der HERR war einer, dem alle
Menschen gehorchen mußten, weil er Herrscher über ein großes
Reich war.
Ferner wurde dann nur noch Gott selbst mit dem Namen HERR
angeredet. Und von Jesus wird nun als von dem HERRN
berichtet.
Maria hat also ihr Haus dem geöffnet, dem alle Macht gegeben
war, im Himmel und auf Erden. Er ist der König über alle
Weltreiche und er ist Gott, der auch über den Himmel seine
Hand ausstreckt.
Ob Maria sich dessen bewußt ist, daß solch ein mächtiger
Herr in ihr Haus eingetreten ist?
Dieser mächtige HERR will auch bei uns einkehren, welch eine
gewaltige Nachricht!
Und sicherlich fragen wir jetzt, wie mag sich nun Martha
verhalten, nachdem der Herr in ihr Haus eingekehrt ist?
Es wird uns berichtet, daß sie ihre ganze Kraft einsetzt, um
es dem Herrn so angenehm wie möglich zu machen. Sie fühlt
sich als Hausfrau dem hohen Gast gegenüber verpflichtet,
ihre ganze Ehre und Arbeit einzusetzen, den Herrn würdig zu
empfangen und zu bewirten. Und es ist schon so, ein Gast im
Hause erfordert viel Mühe und Arbeit, zumal es ein solch
hoher Gast ist.
Und wie so ganz anders verhält sich Maria. Die Geschichte
sagt uns nicht viel von ihr:
"Sie setzte sich zu Jesu Füßen und hörte seiner Rede zu."
Wenn wir auch noch gar nicht fragen würden, ob das Tun der
Maria richtig war, so wird es uns doch eigenartig berühren,
daß hier im Angesichte eines solch mächtigen Herrn nichts
weiteres getan wird als nur ZUHÖREN, dem Herrn zuhören, auf
seine Botschaft lauschen.
Stünde hier an dieser Stelle unseres Textes ein Schlußpunkt
und wir würden gefragt werden:
Wer von beiden hat richtig gehandelt?
so würden wir sicherlich 2 verschiedene Antworten geben.
Eine gruppe würde sagen:
Hier kann es nur eine Meinung geben: Martha ist die, die
richtig gehandelt hat. Es geht doch auch in unserem Leben
und im Leben der Gemeinde Jesu Christi darum, daß etwas
getan wird. Ja, brauchten wir in der Kirche Jesu Christi
nicht viel mehr Leute, die mithelfen, daß das Reich Gottes
gebaut werde? Muß nicht so manche Arbeit liegen bleiben,
weil keine Hände sich regen wollen? Wir leiden ja mehr oder
weniger darunter, daß unsere Hände so müde geworden sind,
sich einzuspannen für den Dienst an den Herrn. Wäre das doch
gerade das Richtige, Martha sich zum Vorbild zu nehmen für
das eigene Leben und für das Leben in der Kirche.
Die andere Gruppe aber würde sagen:
Wir nehmen uns Maria zum Vorbilde. Wieviele Christen leben
doch in der Sehnsucht, sich von den Mühen und Gefahren des
Alltages zurückzuziehen und nur auf das Wort Gottes hören zu
wollen. Und es täte uns Christen ganz bestimmt not, in der
Unruhe des Tages einmal ruhig zu werden und auf das Wort zu
hören. Manches bei uns, in der Gemeinde und im Volk würde
anders aussehen. Unsere Zeit hat einen großen Mangel an
Menschen der Stille, an Menschen, die ihre Hand zu ihrem
Herrn und Meister emporstrecken und zu ihm beten.
Wir wären also in einer großen Verlegenheit, die Frage:
Wer von beiden hat richt gehandelt?
zu beantworten.
Schließlich würde es dahin kommen das wir wegen der
verschiedenen Antworten in Streit geraten würden.
Und so ist es auch in unserem Text.
Martha ist erbost über das Handeln der Maria. Sie glaubt,
dem Herrn kann man nur dienen, indem man für seine
Leibesnotdurft, für Essen und Trinken, sorgt. Sie ist davon
so überzeugt, daß sie Maria anklagt:
"Herr, fragst du denn gar nichts darnach, daß mich meine
Schwester allein dienen?"
Ja, sie ist in ihrer Meinung, allein richtig gehandelt zu
haben, so sicher, daß sie sogar den Herrn mitanklagt:
"Herr, fragst du denn garnichts darnach?"
Es ist die Gefahr aller Zeiten, daß der Mensch, daß wir
meinen, wir wüßten alles selbst am besten, wir könnten
entscheiden, was gut und was böse ist, wir könnten
entscheiden zwischen christlichen und nicht-christlichen
Menschen, wir könnten wissen, was rechte und was falsche
Nachfolge ist.
Ja, es geht noch so weit, daß wir Jesus Christus
vorschreiben, was er tun soll. Wir fragen nicht danach, was
der Herrn befiehlt, wir hören auch nicht mehr auf das, was
er uns sagt, sondern wir befehlen dem Herrn dieses und jenes
zu tun.
"Sage doch der Maria, daß sie mir mithelfen soll!"
Wir Menschen sind nur zu sehr geneigt, Jesus Christus für
uns in Anspruch zu nehmen.
Während einige Verse nach unserem Abschnitt es heißt:
"Herr, dein Wille geschehe!"
meinen wir, beten zu können:
Herr, mein Wille geschehe!
Jesus Christus soll das tun, was wir gern erreichen möchten.
Schauen wir uns doch einmal unsere Gebete daraufhin an. Ist
unser Gebet nicht davon erfüllt, daß wir darum bitten:
Herr, schenke uns die Gesundheit, schenke uns ein neues
Kleid, schenke uns irgendeine große Freude!
Aber selten hören wir auf das, was er uns zu sagen hat.
Dahin kann es kommen, wenn wir meinen, wir wüßten alles
besser als Jesus Christus.
Nun aber sind wir gespannt, was der Herr in dieser Begegnung
mit Maria und Martha selbst sagen wird. Oder sind wir nicht
mehr gespannt darauf, was der Herr zur Martha sagen wird?
Eigentlich würden wir jetzt erwarten, daß Jesus Christus
Maria eine tüchtige Strafpredigt hált. Vielleicht erwarten
wir es so, daß er ihr an den einzelnen Fingern vorrechnet,
was sie alles falsch gemacht hat. Vielleicht erwarten wir
das, weil wir das gerne tun, wenn uns jemand Unrecht getan
hat. Aber Jesus hält keine Strafpredigt. Er nimmt sie bei
der Hand und sagt ihr:
"Martha, Martha, du sorgst dich um viele Dinge."
Welch eine Hoffnung ist das auch für uns, da wir wissen
dürfen:
Der Herr kennt unseren Ungehorsam . Er weiß, daß wir einen
Fehltritt getan haben. Und trotzdem läßt er uns nicht
allein.
Er beugt sich zu uns hernieder und möchte uns aus vollem
Herzen helfen. Er reicht uns seine Hand und ermuntert uns,
aufzustehen. Er kann uns helfen, denn er weiß, was unsere
Not wendet.
"Eins aber ist not",
sagt unser Text.
Jetzt kommt für Maria und für uns alle alles darauf an, daß
wir das Eine, das not tut, auch erkennen. Und dazu nimmt uns
der Herr mit Martha bei der Hand und führt uns zu Maria.
Dabei gilt es nun, nicht mehr die Hand des Herrn
loszulassen, nicht mehr nach rückwärts zu schauen und nicht
mehr sich auf die eigene Fähigkeit zu verlassen. Gehen wir
doch getrost mit dem Herrn zur Maria.
Und Jesus sagt von der Maria:
"Sie hat das gute Teil erwählt."
Am Anfang stellten wir fest, daß von Maria kaum die Rede
war. Es wurde nur gesagt, daß sie zu den Füßen des Herrn saß
und seiner Rede lauschte. Und Jesus sagt nun von dieser
Maria, daß sie das gute Teil erwählt hat
Was ist nun das gute Teil, das Maria erwählt hat? Es ist die
Botschaft Jesu Christi. Es ist das, was Jesus Christus uns
verkündigen will, daß Gott uns gut ist, daß Gott etwas
Herrliches für uns bereit hält. Es ist genauso, wie wenn uns
jemand einen Brief geschickt hat. Und wir nehmen an, daß das
nur ein gewöhnlicher Brief ist. Und öffnen ihn gar nicht,
sondern wir werfen ihn ins Feuer. Und nach langer Zeit
erfahren wir, daß darin die Aufforderung gestanden hat,
1000,-- Mark bei der Bank abzuholen.
Jesus zeigt nun, daß Maria diesen Brief geöffnet hat und nun
froh geworden ist. Sie hat auf die Rede des Herrn gehört und
ist darüber froh geworden. Auch wir könnten froh werden,
wenn wir es der Maria nachtun würden.
Jesus Christus nimmt nun Martha und führt sie zu der
glücklichen Maria und sagt:
Sieh, so reich wollte ich dich auch beschenken, aber du hast
gar nicht auf meine Botschaft gehört. Du hast meinen
Geldbrief gar nicht lesen wollen. Du hast mich wohl in dein
Haus aufgenommen, aber du hast gar nicht geglaubt daß ich
dir etwas Großes und Herrliches mitgebracht habe.
Aber hier ist wieder die große Güte unseres Herrn und
Meisters zu spüren, das er zur Martha nicht sagt:
Martha, jetzt hast du die gute Gelegenheit verpaßt, der
Brief ist verbrannt. Nein, er sagt ihr:
"Eins ist not."
Der Brief ist noch in meinen Händen, komm mit mir in die
Stille. Du darfst noch meine Botschaft hören. Du darfst noch
reich beschenkt werden.
Haben wir es recht gehört? Der Herr wartet noch auf uns. Er
hat noch für uns einen wichtigen Brief. Wollen wir nicht
auch mit ihm in die Stille gehen und einmal lesen, was für
eine Nachricht uns der Herr zugesandt hat? Wollen wir nicht
hören, was uns der Herr in seinem Worte schenken will?