2 Monatssprüche 1975/76- 01
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:19/10/1975
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Grabschental, 2-11-1975 -deutsch-
Reffino, 21-3-1976 -deutsch-
Meroú, 25-9-1977 -deutsch-
Cam./Puiggari, 27-8-1978 -deutsch-
Diamante, 12-2-1978 -spanisch-
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Monatsspr. Januar 1975=Sent.Mens.1-1975
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Psalm 8, 5 - Salmo 8: 5
Skopus: Was heißt, wir müssen Menschen werden?
2 Monatsspr. 1975/76 1 -Januar 1975-Psalm 8,5
"Was ist der Mensch, daß du, Herr, an ihn denkst."

Wir können uns sicherlich noch daran erinnern, da dieses
Wort, ja, der ganze Psalm 8, anläßlich der ersten
Mondlandung von einem der drei nordamerikanischen Lunauten
vom Mond aus der ganzen Menschheit, ganz gleich, ob
christlich oder atheistisch oder heidnisch, laut vorgelesen
wurde.
Damit bekam das ganze Mondexperiment eine
religiös-christliche Weihe. Es war wirklich erhebend, das
alles mitzuerleben.
Allerdings bin ich der Meinung, daß das, was mit diesem
Psalm gemacht wurde, nicht seinem Inhalt entsprach.
Es kam dabei vor allem darauf an, die Größe und die
Fähigkeit von uns Menschen herauszustellen, denen dieser
Flug zum Mond gelungen war. Und diese Show hatte zum
Mittelpunkt den Inhalt des 7. Verses unseres Psalmes,
losgelöst von seinem ganzen Zusammenhang:
"Du hast den Menschen zum Herrn gemacht und alles hast du
unter seine Füße getan."
Damit unterschied sich diese religiös-christlliche Weihe in
nichts von dem, was Jahre zuvor in dem atheistiuschen Moskau
geschah, als aus Anlaß der ersten Erdumdrehung des
russischen Satelliten SPUTNIK ein Monument mit der Inschrift
enthüllt wurde:
"Die Erschaffung der Welt durch den Menschen hat heute
begonnen."
In Wirklichkeit geht es aber im ganzen 8. Psalm um die
Herrlichkeit unseres Gottes, der Himmel und Erde geschaffen
hat, wie es gleich am Anfang heißt:
"Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen
Landen, der du zeigest deine Hoheit am Himmel",
und nicht um die Herrlichkeit des Menschen.
Unser Predigttext will uns das Staunen und Verwundern
darüber lehren, daß dieser unser Gott, der alle Macht in
seiner Hand hält, uns, die wir eine Handvoll Staub sind,
annimmt und uns im ganzen Lebensbereich eine besondere Würde
gibt, Menschen Gottes, seine Stellverteter innerhalb der
ganzen Schöpfung zu sein:
"Was ist der Mensch, großer Gott, daß du an ihn denkst",
ruft der Psalmist aus.
Ich glaube, daß es ein göttliches Geheimnis ist und bleiben
wird, daß er, den zu beschreiben uns einfach die Worte
fehlen, sich zu uns herabneigt und uns aus dem Staube hebt,
ja, uns zu seinen Partnern, zu seinen Gesprächspartnern und
zu seinen Mitarbeitern macht, wie es im Schöpfungsbericht
heißt:
"Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes
schuf er ihn und schuf sie als Mann und Frau und segnete sie
und sprach: Machet die Erde euch untertan und herrschet über
sie."
Wir sind ein Teil der Schöpfung, in vieler Hinsicht der
Tierwelt verhaftet. Aus Erde, aus Materie, genommen, gab uns
der Schöpfer dadurch eine besondere Würtde, machte er uns
dadurch zu Menschen, daß er uns seine Kräfte mitteilte,
seinen Odem gab, wie es in dem zweiten Schöpfungsbericht
heißt:
"Gott, der Herr, machte den Menschen aus Erde und blies ihm
den Odem des Lebens in seine Nase und so ward der Mensch ein
lebendiges Wesen."
Um ein echter Mensch zu sein, sind wir immer wieder auf das
neue Eingreifen Gottes in unser Leben angewiesen. Von selbst
haben wir kein menschliches Leben, sondern Gott gibt es uns
immer wieder neu.
Mensch wird einer nicht durch die Geburt, sondern allein
dadurch, daß er in die Gegenwart Gottes kommt.
Es hat ein Wissenschaftler gesagt, daß wir, je näher wir bei
Gott sind, desto mehr können wir uns als Menschen darstellen
und je mehr wir uns von Gott entfernen, desto schärfer kommt
wieder unsere alte Raubtiernatur zum Vorschein.
Liegt nicht im letzten Grunde die ganze Misere unserer Zeit
darin, daß wir uns weit von unserem Schöpfer entfernt haben?
Unser Zusammenleben in der ganzen menschlichen Welt gleicht
heute einem Gegeneinander von Raubtieren, von Bestien, die
nur eines kennen, für sich und ihren Magen zu sorgen und
alles, was dem entgegensteht, zu vernichten oder sich zu
unterjochen.
Denken wir einmal daran, was in den letzten 50 Jahren bis
heute nicht an Grausamkeiten, die sich Menschen gegenseitig
angetan haben und noch antun, möglich war?!
Nur durch ein stärkeres Zugehen auf Gott können wir wieder
unsere Raubtiernatur verlieren.
Jedenfalls kann das, was unter uns Menschen an Grausamkeit,
an Betrügerei, Ausbeutung und Unterdrückung geschieht, nicht
Gott in die Schuhe geschoben werden, sondern hängt daran,
daß die Menschwerdung von uns Menschen immer weiter
zurückgedämmt wird, und zwar dadurch, daß wir uns von Gott
immer weiter entfernen.
Doch bezeugt uns unser Predigttext aus dem 8. Psdalm, daß
uns Gott von Anfang an die Möglichkeit geschenkt hat,
Menschen zu werden, die von ihm eine besondere Würde
geschenkt bekommen:
"Was ist der Mensch, o Gott, daß du in dieser Weiose an uns
denkst?",
wundert sich der Psalmist.
Wird damit nicht zum Ausdruck gebracht, daß es wirklich ein
Wunder ohnegleichen ist, daß er so an uns handelt, daß er
uns liebt, daß er alles einsetzt, in dieser seiner Liebe zu
uns, damit wir alle Möglichkeiten, Menschen zu werden, die
sich ebenfalls in Achtung, Hilfsbereitsschaft und Liebe
begegnen, auch ausnutzen?
Gott ist, damit wir die uns zugedachte Hilfe nicht
verfehlen, sogar so weit gegangen, daß er seinen eigenen
Sohn hat Mensch werden lassen. Dieser Jesus Christus hat es
uns vorgelebt, was es bedeutet, ein Mensch zu sein, wie sein
Schöpfer es gewollt hat, ein Mensch zu sein, der seine immer
wieder durchbrechende Raubtiernatur überwunden hat, der ganz
von der Liebe Gottes umhüllt ist und diese an seine
Mitmenschen weitergibt.
Um dieses zu erreichen, hat er sogar seine Leben eingesetzt.
Ohne es zu wissen, hat der Gobernador Pontius Pilatus von
diesem Jesus Christus, den er zum Tode verurtelt hatte,
gesagt:
"Sehet, der Mensch!"
Und wir haben im Neuen Testament einige Zeugnisse und die
alten KIrchenväter sind auch davon überzeugt, daß hier im 8.
Psalm zuerst von diesem Menschen Jesus Christus die Rede ist
und dann erst von uns allen.
Jesus Christus hat uns, die wir nicht mehr ein- noch aus in
der Menschheitsgeschichte wissen und am Abgrund und der
Zerstörung der ganzen Welt stehen, gezeigt, wie wir wieder
aus der Ausweglosigkeit herauskommen können, wie wir wieder
Menschen werden können, die sich nicht mehr hassen und Leid
antun, sondern sich lieben, die nicht zerstören, sondern
erhalten und aufbauen, die nicht unterdrücken und
tyrannisieren, sondern befreien.
Indem wir Jesus nachleben, begegnen wir uns gegenseitig in
Liebe, erretten wir die Welt vor der Zerstörung, ermöglichen
wir eine bessere und glücklichere Zukunft für alle, bekennen
wir staunend das Geheimnis und das Wunder Gottes:
"Was ist der Mensche, o Gott, daß du an ihn denkst?"