2 BEERDIGUNG 57a
Lugar/Ort:Frau Euring-Haus

Fecha/Datum: / /
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Frau Fischer geb. Müller
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Psalm 42, 3
Skopus:
2 Beerdigung 57a -Psalm 42,3
"Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.
Wann werde ich dahin kommen, daß ich Gottes Angesicht
schaue?"

Ein Angehöriger des alten Volkes Gottes mußte in der
Gefangenschaft mitten im fremden Lande leben, ohne die Nähe
Gottes spüren und erleben zu können, ohne an den
Gottesdiensten im Tempel zu Jerusalem teilnehmen zu können.
Und ein Jahr nach dem anderen vergeht, eine Änderung ist
nicht in Sicht.
Da schreit er in unserem Psalmwort seine ganze Sehnsucht
nach Gott und seiner Nähe und nach dem Erleben seines Tun
und Handelns hinaus:
"Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.
Wann werde ich dahin kommen, daß ich Gottes Angesicht
schaue."
An verschiedenen Stellen der Heiligen Schrift wird von solch
einem Sehnen, von solch einem Fragen nach Gott und Gottes
Gegenwart und nach seinem Tun und Handeln gesagt, daß diese
Sehnscuht gestillt, daß solches Fragen beantwortet werden
wird.
Wird nicht mit diesem Psalmwort eine Situation beschrieben,
die die gleiche ist wie die unsrige?
Unser ganzes Leben auf dieser Erde kann beschrieben werden
als ein Leben in der Gefangenschaft, in der wir nicht frei
sind, in der Ferne von Gott, in einer Welt, in der wir
Gottes Nähe nicht zu verspüren und sein Tun und Handeln
nicht zu erkennen vermeinen.
Wie oft mögen Menschen schon in ihrem Leben sich gesehnt
haben danach, Gewißheit zu bekommen, daß Gott wirklich Gott
ist, daß Gott wirklich der Gott ist, der sie lieb hat, daß
sie auf eine Antwort auf die Frage gewartet haben, ob denn
Gott heute mitten in dieser Welt überhaupt noch wirkt und
handelt oder ob er die Hände in den Schoß gelegt hat und
nichts tut, vielleicht nichts mehr tun kann.
Das sind keine Fragen besonders gottloser Menschen, sondern
Fragen, die uns alle irgendwie und wann einmal überfallen
und plagen und quälen.
Ja, man darf es vielleicht sogar so sagen:
Menschen, die sich so sehnen nach Gottes Gegenwart, die so
danach fragen, wie sie heute Gott erkennen können, bereits
sich in Gottes Nähe befinden, bereits solche sind, an denen
Gott handelt und wirkt.
Und damit sind sie bereits von Gott gerettete Menschen.
Wenn wir heute unsere Verstorbene fragen könnten, ob sie
denn in ihrem langen Leben auch diese Sehnsucht nach Gottes
Nähe gehabt habe, ob sie es auch hat wissen wollen, ob denn
Gott wirklich in ihrem Leben, im Leben ihrer Familie, im
Leben ihrer Umgebung wirke und handele und der Glaube nicht
nur ein religiöser Spuk sei, dann würde sie bestimmt es mit
unserem Psalmwort bejahen:
"Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.
Wann werde ich dahin kommen, das ich Gottes Angesicht
schaue?"
Und damit würde sie direkt bezeugen, daß sie ein von Gott
geretteter Mensch sei. Und sie dürfte jetzt die ganze
Erfüllung ihrer Sehnsucht und die Antwort auf alle ihre
Fragen bekommen, von Angesicht zu Angesicht.