2 BEERDIGUNG 39a
Lugar/Ort:Herr Bismark-Lehrer-Haus

Fecha/Datum: / /
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Johannes 10, 11
Skopus:
2 Beerdigung 39a -Johannes 10,11
"Jesus Christus spricht: Ich bin gekommen, daß sie das Leben
und volles Genüge haben sollen."

Dieses Wort unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus ist
deshalb von ihm gesprochen worden, weil er weiß, wie arm und
wie elend das Leben eines Menschen ist.
Darüber kann uns nicht hinwegtäuschen aller äußerer Schein
des Reichtums, alles frohe Lachen, alles Augenschließen vor
unserer Lage, wir sind vor Gott armselige Geschöipfe,
armselige Kreaturen.
Vom 1. Tag unseres Lebens angefangen sind wir auf die Hilfe
anderer Menschen angewiesen.
Und hier und da gibt es unter uns Menschen, die die Maske,
die wir alle vor unseren Gesichtern tragen, von Gott
weggerissen bekommen und nur ihre ganze Armut vor aller Welt
offenbar zu sehen ist.
Solch ein Mensch, in seiner ganzen Armut zu sehen, war unser
verstorbene Lehrer Walter Bismark.
Er hatte sich sicherlich seinen Lebensweg in seiner Jugend
anders vorgestellt und anders ausgedacht, als es dann in
Wirklichkeit von ihm gelebt werden mußte.
Der Krieg in seiner Grausamkeit erfaßte ihn so, daß er wegen
seiner schweren Kriegsverletzung schweren schweren Herzens
Weib und Kind verließ und seitdem ein umhergewirbelter
Flüchtling wurde, nirgendwo mehr eine richtige Stelle, wovon
er sagen konnte:
Hier bin ich zu Hause.
Ich meine nicht, ein Dach über dem Kopf, sondern ein ZUHAUSE
mit alldem, was wir auch als ein richtiges Zuhause
empfinden.
Und trotzdem, sein Mund blieb nicht verschlossen, sondern er
öffnete sich, um den Kleinsten zu helfen.
Es ist eine bekannte Tatsache, daß die, die die ganze
Hilflosigkeit am eigenen Leibe gespürt haben, eine besondere
Zuneigung zu denen haben, die eigentlich auch hilflos sind,
das sind unsere Kinder.
Auch äußere Not und Armut sind ihm nicht erspart geblieben.
Bis zum letzten Atemzuge ist er auf die Hilfe anderer
angewiesen gewesen.
So ist unser Verstorbener in einer gewissen Weise ein
Spiegel für uns alle, daß wir nämnlich vor Gott alle solche
armen und hilflosen Mensdhen sind, denen das Wort gilt:
"Ich bin gekommen, daß sie das Leben und volles Genügen
haben sollen."
Wer sich so als ein armer und hilfloser Mensch von Gott
erkannt weiß, der darf sich von Jesus Christus helfen und
trösten lassen, denn in Jesus Christus haben wir die Hilfe,
die uns in aller Armut reich macht, die uns in aller
Heimatlosigkeit die einzige richtige Heimat schenkt, die
ewige Seligkeit.
Es ist ja nicht umsonst gewesen, daß der Sohn Gottes auf
diese Erde kam. Und von ihm heißt es, daß er arm, bitter arm
war. Er hatte nicht, wo er sein Haupt hinlegen konnte. Er
kannte alle unsere Krankheiten und Nöte und starb den
grausamen Tod als ein Verbrecher am Kreuz und nun darf es
heißen:
Das tat ich für dich, der du dich als ein armer und
hilfloser Mensch erkennst:
"Ich bin gekeommen, daß die Armen und Hilflosen Leben und
volles Genügen haben sollen."
Und nun können wir nur hoffen und wünschen, daß unser
verstorbener Lehrer das auch schauen und erleben darf, daß
sich Gott, der Herr, besondern den im Leben zu kurz
gekommenen Menschen, den Armen und Kranken hilft und
beisteht und ihnen das schenkt, was im Leben so selten war,
Freude, ewige Freude.
Und fúr uns laßt uns alle wünschen, daß wir erkennen, wie
arm auch wir vor Gott sind. Laßt und hingehen und uns vom
Vater im Himmel helfen lassen, denn sein Sohn hat ja gesagt:
"Ich bin gekommen, daß die Armen und Hilflosen leben und
volles Genüge haben sollen."