2 Außergewöhnliche Gottesd.- 70
Lugar/Ort:ñacanguazú/Misiones

Fecha/Datum:16/07/1957
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Alem/Misiones, 21-7-1957
Aldea Protestante, 6-7-1957
Camarero, 7-7-1957
Meroú, 18-8-1957
Hernandarias, 22-9-1957
Vizcacheras, 22-9-1957
Reffino, 15-9-1957
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Misiones-Reise
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Lukas 18, 1-8
Skopus: Zu unsere Hilfe erwartet Gott unser Gebet.
2 Außergew.Gottesd. 70 -Misiones-Lukas 18,1-8
"Jesus sagte ihnen aber ein Gleichnis davon, daß man
allezeit beten und nicht laß werden solle, und sprach: Es
war ein Richter in einer Stadt, der fürchtete sich nicht vor
Gott und scheute sich vor keinem Menschen. Es war aber eine
Witwe in dieser Stadt, die kam zu ihm und sprach: Rette mich
von meinem Widersacher! Und er wollte lange nicht. Darnach
aber dachte er bei sich selbst: Ob ich mich schon vor Gott
nicht fürchte noch vor keinem Menschen scheue, dieweil aber
mir diese Witwe soviel Mühe macht, will ich sie retten, auf
daß sie nicht zuletzt komme und betäube mich. Da sprach der
Herr: Höret hier, was der ungerechte Richter sagt! Sollte
aber Gott nicht auch retten seine Auserwählten, die zu ihm
Tag und Nacht rufen, und sollte er's mit ihnen verziehen?
Ich sage euch: Er wird sie erretten in einer Kürze. Doch
wenn des Menschen Sohn kommen wird, meinst du, daß er auch
werde Glauben finden auf Erden?"

Unser Herr Jesus stand damals vor den Menschen und ermahnte
sie, doch ja nicht müde zu werden im Gebet.
Auch heute hören wir es immer wieder in den Gottesdiensten
und in den Predigten und beim Lesen der Heiligen Schrift,
wie Jesus uns auffordert, doch unter keinen Umständen, das
Gespräch mit ihm und seinem Vater im Himmel zu vergessen:
"Betet allezeit und werdet nie und nimmer müde!"
Wenn wir so ernsthaft zum Gebet ermahnt werden, dann muß
Jesus damals unter den Menschen und auch heute unter uns,
die wir uns Christen nennen, eine große Müdigkeit zum Gebet
festgestellt haben.
Wir dürften nicht durch die Reihen unseren Gotteshauses
jetzt gehen mit der Frage:
Betest du noch?
Betest du regelmäßig?
Wann hast du das letzte Mal gebetet?
Viele von uns müßten dabei beschämt ihre Augen
niederschlagen.
Es ist eine große Tatsache, daß mitten unter uns, die wir
den Christennamen tragen und mit Ernst auch Christen sein
wollen, eine große Gebetsmüdigkeit eingetreten ist.
Woher sie wohl rühren mag?
Im letzten Grunde kommt diese Unlust zum Gebet daher, daß
wir unserem Herrn Jesus Christus, daß wir unserem Vater im
Himmel nichts mehr zutrauen. Wir meinen so bei uns, daß
dieser Jesus Christus nur eine sonntägliche Verschönerung
unseres harten Lebens sei.
Nun ja, so hört man hier und da, Religion muß ja schließlich
der Mensch haben. Alle Menschen glauben schließlich an
irgendetwas. So glauben wir eben das, was unsere Väter
geglaubt haben, an Jesus Christus.
Es geht uns schließlich immer so, wie wir es oft am
Weihnachtsfeste erleben:
Da legen wir in die Krippe eine Puppe. Was das für eine
Puppe ist, ist schließlich gleich und wir nennen eben diese
Puppe das Christkind.
Nach Weihnachten wird dann diese Puppe wieder herausgenommen
und ist ein ganz gewöhnliches Spielzeug.
Wir denken dabei, ohne eine Krippe geht es nun einmal am
Weihnachtsfest nicht, ohne Religion im menschlichen Leben
geht es nun einmal auch nicht.
Was nun für eine Puppe in der Krippe liegt, spielt keine
Rolle. Wer der Mittelpunkt unseres religiösen Lebens ist,
ist ja nach unserer Meinung vielleicht auch nicht so
wichtig.
Die einen nennen ihre Puppe Buddha oder Mohammed, die
anderen vielleicht ihr Hab und Gut und Geld oder ihren
eigenen Willen und die letzten vielleicht Jesus Christus, zu
denen dann wir gehören.
Wenn das so unser Glaube ist, dann ist es selbstverständlich
klar und deutlich, daß wir es nicht nötig haben, unsere
Hände zu falten und zu beten, denn eine Puppe kann ja nicht
hören und erst recht nicht helfen.
Allerdings hat solch ein Glaube mit dem wahren Glauben an
Jesus Christus nichts zu tun.
Unser Vater im Himmel ist der, der Himmel und Erde
geschaffen hat und heute noch erhält und dieser Vater im
Himmel hat seinen Sohn auf diese Erde gesandt, um uns, die
wir von dem wahren Gott weggelaufen sind, wieder
zurückzuholen.
Und diesem seinem Sohn Jesus Christus hat er nach der
Himmelfahrt zu einem Herrn und König gemacht über alles, was
da existiert und lebt im Himmel und auf Erden.
Und wenn dieser Herr und König uns auffordert, zu beten,
dann weiß jeder echte Christ, daß er nicht mit einer Puppe
sprechen soll oder eine gedachte oder geträumte Person,
sondern daß er wirklich im Gebet mit dem spricht, der heute
Himmel und Erde und Naturgewalten und Könige und sonstige
Herren in seiner Hand hält.
Er befiehlt und sie müssen hingehen und tun, was er
befiehlt.
Und dieser Herr und König Jesus Christus steht vor uns und
sagt uns dieses Gleichnis:
Ein Richter lebt in einer Stadt. Er hat Gewalt und Macht.
Aber er nutzt seine Gewalt aus zu seinem eigenen Vorteil,
wie es in dieser Welt nur zu natürlich ist. Um einiger
Tausend Pesos willen ist er durchaus bereit, aus Recht
Unrecht und aus Unrecht Recht zu machen.
Und zu diesem Richter kommt eine Witwe, die ihn bittet, sie
vor den Menschen zu schützen, die ihre Hilfslosaigkeit als
eine Frau ohne Mann ausnutzen, um sie zu beschwindeln und zu
betrügen.
Der Richter will nicht. Er weiß, daß er von dieser Frau
keine Gelder zu erwarten hat. während er sie von denen, die
sie bei ihm verklagt hat, reichlich bekommt.
Er will seine guten Nebeneinnahmen doch nicht durch diese
Frau verlieren. Das kann doch niemand von ihm erwarten.
Aber es tritt dann doch das Unglaubliche ein, das dieser
ungerechte Richter sich dieser Witwe annimmt und ihr Recht
zuspricht gegenüber allen ihren Feinden.
Was hat ihn dazu bewogen, dieser Frau Recht zu sprechen?
Denken wir ja nicht, er habe seine schlechte Gesinnung
geändert. Nein, er ist geblieben, was er gewesen war, ein
Richter, der sich durch Geld kaufen läßt.
Aber das hat ihn überwunden:
Diese Frau bestürmt ihn. Durch die Vordertüre wird sie
hinausgeschmissen und durch die Hintertüre ist sie wieder
hineingegangen. Sie lag ihm tagein und tagaus mit ihrer
Bitte in den Ohren. Er konnte und konnte sie nicht mehr los
werden.
Und es war auch kein Ende abzusehen, wann sie mit ihren
Bitten aufhören wollte.
Es wurde für diesen Richter klar, wollte er seine Ruhe
wieder haben, wollte er nicht mehr von dieser Frau durch
ihre andauernden Bitten gestört und belästigt werden, dann
mußte er ihr das tun, worum sie gebeten hatte.
Nachdem Jesus dieses Gleichnis aus dem alltäglichen
menschlichen Leben gesagt und erklärt hatte, sagt er noch
etwas anderes, sehr wichtiges:
Wenn schon dieser ungerechte Richter nichts anderes tun
kann, als dieser Frau, die ohne Aufhören ununterbrochen ihm
mit ihren Bitten in den Ohren liegt, wievielmehr wird Gott,
der Herr, dem helfen, der ihn bittet:
"Sollte Gott nicht helfen seinen Auserwählten, die zu ihm
Tag und Nacht rufen? Ich sage euch: Er wird ihnen bald
helfen."
Ist es nicht fúr uns eine frohe Nachricht;
Gott will uns helfen, wenn wir ihn bitten.
Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat, Jesus Christus,
der der König der ganzen sichtbaren und unsichtbaren Welt
ist, steht vor uns - und welche Macht sollte je größer sein
als die seinige-, und will alle Macht dazu verwenden, um
uns, um dir und mir, zu helfen.
Er hat es selbst gesagt und er steht zu seinem Wort. Er tut
und macht das, was er sagt.
Ihm können wir uns wirklich ganz und gar anvertrauen.
Was sind wir doch für dumme Menschen gewesen, daß wir in all
den vielen Jahren unseres Lebens diese einzigartige
Möglichkeit zur Hilfe für unser Leben nicht in Anspruch
genommen haben, weil wir nicht beten wollten.
Laßt uns ganz neu anfangen, das Wort Jesu ganz ernst zu
nehmen:
"Betet allezeit und werdet nicht müde!"
Laßt uns heute noch anfangen, unsere Hände zu falten und mit
unserem Vater im Himmel zu sprechen, ihm alle unsere Not
sagen, ihn um Hilfe bitten und ihm auch dafür danken, daß er
uns helfen will!
"Sollte aber Gott nicht helfen seinen Kindern, die zu ihm
Tag und Nacht rufen? Ich sage euch: Er wird ihnen helfen und
zwar bald."