2 Außergewöhnliche Gottesd.- 69
Lugar/Ort:25 de Mayo/Misiones

Fecha/Datum:19/07/1957
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Colonia Liebig/Misiones, 23-7-1957
Aldea Protestante, 4-8-1957
Vizcacheras, 25-8-1957
Hernandarias, 25-8-1957
Reffino, 15-9-1957
Meroú, 15-9-1957
Camarero, 3-11-1957
Paraná, 3-11-1957
Diamante, 8-2-1958
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Misiones-Reise
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Lukas 7, 11-16
Skopus: Selbst der Tod ist dem Herrn untertan.
2 Außergew. Gottesd. -69-Misiones-Lukas 7,11-16
"Und es begab sich darnach, daß Jesus in eine Stadt mit
Namen Nain ging; und seiner Jünger gingen viele mit ihm und
viel Volks. Als er aber nahe an das Stadttor kam, siehe, da
trug man einen Toten heraus, der ein einziger Sohn war
seiner Mutter, und sie war eine Witwe; und viel Volks aus
der Stadt ging mit ihr. Und da sie der Herr sah, jammerte
ihn derselben, und er sprach zu ihr: Weine nicht! Und trat
hinzu und rührte den Sarg an; und die Träger standen. Und er
sprach: Jüngling, ich sage dir, stehe auf! Und der Tote
richtete sich auf und fing an zu reden; und er gab ihn
seiner Mutter. Und es kam sie alle eine Furcht an, und sie
priesen Gott und sprachen: Es ist ein großer Prophet unter
uns aufgestanden, und Gott hat sein Volk heimgesucht."

Wenn wir den Namen der Stadt hören:
"NAIN",
dann ist er uns wohl unbekannt und wir müßten erst lange auf
der alten Landkarte von Palästina suchen, um diesen Namen zu
finden.
Aber der Name spielt hier keine Rolle.
Was dort am Stadttor zu Nain geschah, geschieht in derselben
Weise imme und immer wieder am Rande der Städte und Dörfer
oder auf dem Kamp.
Das geschieht immer und immer wieder, mitten unter uns, daß
Menschen hinter dem Sarge eines lieben Menschen einhergehen
und mit dem Sarge alle ihre Hoffnungen, all ihr Glück zu
Grabe tragen.
Oder es gibt so manche Situationen in unserem Leben, da wir
ebenfalls unsere ganzen Hoffnungen und Wünsche zu Grabe
tragen. Es braucht nicht immer der Tod eines lieben Menschen
sein.
Diese Witwe in unserem Text hatte schon einmal ihr ganzes
Glück zu Bruche gehen sehen, als sie ihren Mann begraben
mußte. Aber dann hatte sie darum gezittert und gebangt, daß
wenigstens ihr Sohn einmal die Stütze ihres Alters, der
Trost ihrer Einsamkeit, sein würde.
Es ist doch menschlich und nur zu selbstverständlich, daß
wir auf dieser Erde von einer Hoffnung zur anderen leben,
daß wir nach dem Scheitern des einen Lebensplanes uns wieder
einen anderen machen, mit neuen Zielen.
Jetzt mußte die Witwe es erleben, daß ihr auch der letzte
Trost, die letzte Hoffnung genommen wurde.
Nur wer von uns in einer ähnlichen Situation schon gestanden
hat, kann diese Frau in ihrer tiefen tiefen Not verstehen.
Sie schreitet hinter dem Sarge ihres Sohnes einher, trost-
und hoffnungslos.
In einer solchen Trostlosigkeit und Traurigkeit nutzt es
auch nicht, wenn uns unsere Mitmenschen ihre Anteilnahme
bekunden, wie es hier in unserer Geschichte heißt:
"Viele VOlks aus der Stadt ging mit ihr."
In äußeren Nöten ist es wohl möglich, das uns unseree
Mitmenschen trösten und vielleicht auch helfen können. Aber
es gibt Nöte, in denen kein Mensch helfen kann, dazu gehört
auch der Tod eines lieben Menschen.
Was für eine Hilfe kann schon ein Mensch dem anderen zum
Beispiel im Angesichte des Todes anbieten? Dem Tode
gegenüber können wir uns gegenseitig nichts vormachen.
Vielleicht ist es uns schon so gegangen, daß uns das Wort im
Munde stecken blieb, wenn wir einem Leidtragenden ein
mitfühlendes Wort sagen wollten.
Bis auf den heutigen Tag läuft uns ein eisiger Schauer über
den Rücken, wenn wir an die grausame Macht und Gewalt des
Todes denken, der wir alle miteinander ausgeliefert sind, du
und ich.
Gibt es denn keine Macht, die stärker ist als der Tod? Gibt
es niemanden auf dieser Erde, der die grausame Gewalt des
Todes zunichte macht? Gibt es denn keine Hilfemöglichkeiten
für die vielen anderen Nöte und Sorgen unsers Lebens?
Plötzlich aber entsteht eine Unruhe, ein Mann läßt den
ganzen Leichenzug anhalten, er tritt an die Seite der Witwe
und ruft ihr zu:
"Weine nicht!"
Vielleicht werden einige von den Dabeistehenmden bei sich im
stillen gedacht haben, er kann gut reden, solch einen
billigen Trost kann jeder geben.
Wer sollte das fertigbringen, im Angesichte des Todes nicht
zu weinen!
Vielleicht haben wir insgeheim auch schon bei einer
Beerdigung ähnlich gedacht, wenn der Pfarrer in der
Auslegung der Heiligen Schrift genauso gesprochen hat:
"Weinet nicht wie die Heiden!"
Wie kommt denn dieser Mann dazu, der da vor der Witwe steht,
zu sagen:
"Weine nicht!"?
Ist es nur ein leeres Wort, hinter dem nichts zu finden ist?
Nein, der Mann, der da vor der Witwe, ist der, dem alle
Macht gegeben ist im Himmel wie auf Erden. Er hat Macht und
Gewalt, uns in allen Lagen zu helfen.
Hat er auch die Gewalt über den Tod?
Ja, auch die Macht und Herrschaft über den Tod.
Er ist der, der alle Trostlosigkeit und alle
Hoffnungslosigkeit an seinem eigenen Leibe erfahren hat. Er
ist der, der selbst die Grausamkeit des Todes durchleiden
mußte und am Kreuz mitten im Leiden und Sterben seufzte in
unendlicher Qual:
"Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen!"
Und dennoch, mitten in seinem schweren Kampf mit dem Tode
zeigte es sich, wer stärker ist, wer als Sieger aus diesem
Kampf hervorgeht: Jesus von Nazareth oder der Tod?
Wir dürften nichts von Ostern wissen, wenn wir nicht wissen
könnten, wie der Kampf ausgegangen ist.
Jesus Christus ist auferstanden, Jesus Christus ist
wahrhaftig auferstanden! Er ist Sieger geblieben gegenüber
allen Gewalten Himmel;s und der Erden. Dieser Jesus
Christus, der Sieger geblieben ist, steht vor der Witwe am
Sarge, und ruft ihr zu:
"Weine nicht!"
Von diesem Sieger zeugen die Verkündiger des Evangeliums in
der ganzen Welt. Von diesem Sieger wird uns am Sarge und am
Grabe eines Heimgerufenen gepredigt und den Trauernden
zugerufen:
"Weinet nicht wie die Heiden, die keine Hoffnung haben!"
Von diesem Jesus Christus, der uns allein in allen Lagen
unseres Lebens helfen kann, wird uns auf allen Seiten der
Heiligen Schrift berichtet.
Ach, daß wir doch alle miteinander, mitten in allen unseren
Nöten, Sorgen und Traurigkeiten, es erleben, daß Jesus zu
uns träte, um uns zuzurufen:
"Weinet nicht!"
Sollte es aber je einen Menschen auf dieser Erde geben, zu
dem er nicht kommen wollte, um zu helfen?
Alles, aber auch alles, liegt daran, daß wir diesen Jesus
Christus nicht von uns wegjagen.
Es liegt alles daran, daß wir uns von diesem Herrn aller
Herren helfen lassen wollen.
Es steht ein Wort in der Heiligen Schrift:
"Alle eure Sorgen werfet auf ihn, denn er sorget für euch!"
Die Witwe hat in unserem Text mitten in den
Beerdigungsfeierlichkeiten diesen Jesus nicht fortgeschickt,
Sie stand vor diesem Mann und wartete darauf, was er nun tun
würde.
Ob sie bereits wußte, wer dieser Mann ist?
Ob sie tief in ihrem Herzen fühlte, dieser da meint es
wirklich gut mit mir?
Aber auf ihr Denken, Meinen und Fühlen kommt es in dieser
Stunde gar nicht an, sondern darauf, daß der Mann, der da
vor ihr steht und gesagt hat:
"Weine nicht!@"
wirklich der ist, der allein in inrer Traurigkeit und in
ihrem Schmerz noch helfen kann.
Jesus Christus, der Herr, steht vor ihr.
Wenn Er vor einem Menschen steht und ihm zuruft:
"Weine nicht!"
dann hat er diesem Menschen bereits seine Hand zur Hilfe
ausgestreckt.
Da, wo menschlich gesehen, wirklich alle Hilfe
ausgeschlossen zu sein scheint, da hat dieser Sohn Gottes
alle Möglichkeiten der Hilfe in seiner Hand. Selbst der Tod
muß sich seiner Gewalt beugen.
So erklingt dann aus seinem Munde das Wort, daß aller
Traurigkeit der Witwe ein Ende bereiten wird:
"Jüngling, ich sage dir, stehe auf!"
Wie jubelte und jauchzte die Witwe mit dem ganzen
Beerdigungsgefolge, das ihr Sohn ihr nun wieder
zurückgegeben worden ist, alle Not, alle Traurigkeit und
aller Kummer ein Ende genommen hat.
Der Herr Himmels und der Erden, Gott selbst ist es, der sie
mitten in der Not aufgesucht und geholfen hat.
Wie tröstlich ist es doch auch für uns. die wir uns Christen
nennen und auch Christen sein wollen, daß dieser Mann, der
da in unserer Geschichte der Witwe zu Nain geholfen hat,
auch unser Herr, auch unser Heiland ist und bereit steht, um
uns ebenfalls zu helfen.
Er, als Herr über Leben und Tod, wird uns einmal durch das
Tal des Todes zum Leben einbringen, in seiner Hand sind auch
die, die von uns gegangen sind.
Er als der große Helfer und Heiland wird auch uns in allen
Lagen unseres Lebens zur Seite stehen und helfen.
Es gibt keine Schwierigkeit in unserem eigenen persönlichen
Leben, es gibt keine Not in unseren Familien, es gibt keine
Angst mitten unter uns Menschen, für die unser Herr nicht
bereits die Hilfe wüßte und die Hilfe berteit hält.
Für den, der sich wirkl;ich von diesem Herrn helfen lassen
will, aber wirklich nur fúr den, für den hält er auch heute
noch seine HIlfe bereit.
Gehören wir zu denen, die nicht nur den Namen Christen
tragen, sondern auch alle Hilfe für alle Schwierigkeiten
ihres Lebens von diesem Jesus Christus erwarten?
Wir würden dann genauso überwältigt werden von dieser Hilfe
wie die Witwe zu Nain in unserem Gleichnis.