2 Außergewöhnliche Gottesd.- 58
Lugar/Ort:Camarero

Fecha/Datum:26/04/1970
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Kirchbau-Einweihung - Inaug.del Templo
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Jakobus 1, 17-18 - Santiago 1: 17-18
Skopus: Vorbereiung für den Zeitenwechsel.
2 Außergewöhnl.Gottesd. 58 -Kirchbau-Jakobus 1,17-18
"Alle gute und alle vollkommene Gabe kommt von oben herab,
von dem Vater des Lichts, bei welchem ist keine Veränderung
noch Wechsel des Lichts und der Finsternis. Er hat uns
geschaffen nach seinem Willen durch das Wort der Wahrheit,
auf daß wir wären Erstlinge seiner Kreaturen."

Ich denke, daß es niemanden unter uns gibt, der nicht mit
Erstaunen und manchmal mit Erschrecken und hin und wieder
aber auch mit Freuden erlebt, wie sich die Auffassung vom
Leben und das Leben selbst verändern. Alle Maßstäbe für
unser Tun und Handeln brechen zusammen und selbst die
religiösen Fragen erhalten von unseren verschiedenen Kirchen
eine andere Antwort als noch vor 20 oder 30 Jahren. Mit
alten Traditionen, und mögen sie noch so gut gewesen sein,
kann man heute nichts mehr anfangen.
Manchmal wissen wir nicht mehr aus noch ein.
Woran sollen und können wir uns noch halten?
Es ist nun auch nicht so, das wir über diese Dinge sprechen
können, wie wenn sie noch so weit von uns entfernt wären,
nein, dieses alles spielt sich mitten unter uns ab.
Wir brauchen nicht an die Lunauten zu denken, die den Mond
in ihre Gewalt bekommen haben, sondern wir denken auch an
den Paranatunnel, der uns aus dem Entre-Ríosschlaf
aufgeweckt hat, an die vielen Asphaltstraßen oder an die
allmähliche Elektrifizierung unserer Zone.
Es ist kein Geheimnis mehr, daß wir alle von unserem Leben
mehr erwarten, ein besseres Leben mit größeren
Annehmlichkeiten.
Das wiederum führt dazu, daß wir mit den alten
Arbeitsmethoden nicht mehr das nötige Geld verdienen.
Unsere Jugend geht in die Städte, um sich dieses bessere
Leben zu ermöglichen.
Dazu kommt, daß wir alle durch Zeitungen, Radio oder
Fernsehen auf alle großen Ereignisse aufmerksam gemacht
werden und wir alle fast direkten Anteil daran haben.
Es liegt klar auf der Hand, eine neue Zeit mit vielen
Möglichkeiten und Unmöglichkeiten kündigt sich an und hat
schon zum Teil begonnen.
Wie verhalten nun wir Christen uns in diesem Zeitenwechsel?
Vielleicht ist es bereits ein gutes Zeichen, daß wir für
viele Fragen noch keine Antwort wissen und für viele
Probleme die Lösung erst suchen müssen.
Auf keinen Fall können wir es uns leisten, die Augen zu
verschließen und weiter zu träumen. Es würde ein
entsetzliches Erwachen geben und ebenso ist es uns verboten,
in einer perversen Frömmigkeit diese Welt als abgrundtief
böse und schlecht zu verteufeln und uns aus ihr
herauszuhalten und uns auf ein besseres Jenseits am Ende der
Welt zu vertrösten.
Stattdessen dürfen wir auf unseren Herrn Jesus Christus
schauen, der uns in einer ganz neuen Weise nicht nur
gezeigt, sondern auch vorgelebt hat, daß wir als Menschen
mit einer besonderen Würde von Gott ausgezeichnet wurden,
die uns aus allen übrigen Geschöpfen herausragen läßt.
Unser Textwort spricht davon, daß wir von Gott zu ERSTLINGEN
ALLER GESCHÖPFE gemacht wurden.
Die Bibel, die uns Jesus Christus in die Hand gibt, bezeugt,
daß es zu unserer Würde gehört, diese Welt uns untertan zu
machen.
Wir als Christen haben von daher ein volles Ja zu sagen zu
allen Bemühungen um den Fortschritt, um bessere
Arbeitsmethoden, um ein besseres Leben, um Überwindung der
Krankheiten und aller anderen Nöte auf dieser Erde, auch
alle Bemühungen um die Erforschung des Weltalls, wie auch um
eine Modernisierung unserer ganzen Zone, und zwar so, daß
alle ihr ausreichendes tägliches Brot und noch mehr
verdienen können.
Dazu hat Gott uns als sein Geschenk alle menschlichen
Möglichkeiten gegeben und wir wären ungehorsam, wenn wir
selbst sie nicht anwenden würden.
Weil wir wissen, daß Jesus Christus der Herr auch dieser
Welt ist, stehen wir in seinem Dienst mitten in ihr und
verschließen nicht unsere Augen vor dieser Welt oder fliehen
in ein Kloster.
Welch einen schlechten Eindruck müssen wir Christen gemacht
haben, daß ein Philosoph daraus die Folgerung zog:
"Religion ist Opium für das Volk."
Laßt uns in diesem Zeitenwechsel, indem so viel Altes
zusammenbricht und das Neue noch nicht sichtbar wird, fest
auf unseren Herrn Jesus Christus schauen, der auch der Herr
der neuen Zeit ist und so seine Diener und Dienerinnen in
der neuen Zeit an die Arbeit stellen will.
Er wird uns schon Tag für Tag neu sagen, was wir in der
jeweiligen Situation zu tun haben, wenn wir ihn fragen:
"Herr, was willst du, daß ich tun soll?"
Hier in unserem Text kommt allerdings eine Wirklichkeit zu
Tage, die wir bei aller Bejahung der kommenden Zukunft nicht
vergessen dürfen.
Es ist die traurige Realität, daß wir die Krone einer durch
uns gefallenen Schöpfung sind.
Den Sündenfall heute würden wir nicht so beschrieben, daß
Eva und dann Adam den Apfel essen, sondern so, daß einmal
der Mensch, indem er sich von Gott abwendet, seine
Menschenwürde verliert und noch unters Vieh herabsinkt.
Wir kennen doch das Sprichwort:
"Er benimmt sich wie ein Stück Vieh."
Solch ein Mensch kennt keine Ordnung, ganz gleich wie sie
aussehen mag, zwischen Mensch und Mensch, zwischen Mann und
Frau, zwischen Patron und Peon. Er tut, was ihm gefällt,
ohne auf seine Mitmenschen Rücksicht zu nehmen. Er lebt nur
nach seinem Willen, seinen Süchten, seinen Begierden und
seinem Geldbeutel und ist bereit, über Leichen zu gehen.
Die 2. Art des heutigen Sündenfalls ist, daß der Mensch, der
es fertig bringt, Maschinen zu seinem eigenen Nutzen und
Fortschritt herzustellen und zu benutzen, selbst ein Sklave
dieser Maschine wird. Welch eine gute Einrichtung ist zum
Beispiel das Fernsehen. Wenn aber um eines Programmes wegen
die notwendige Arbeit, das Gespräch mit den Kindern, ein
längst geplanter Besuch bei dem kranken Nachbarn oder ein
gemeinsames Abendessen unmöglich wird, ist man dann bereits
ein Sklave dieses Apparats geworden.
Viel schlimmer wirkt es sich noch aus, wenn wer den Knopf
einer grausamen Atomkriegsmaschinerie drückt und sie nicht
mehr abstellen kann und mit allen anderen umkommt.
Hier gerade ruft uns Jesus Christus zu, nie und nimmer und
unter keinen Umständen, auch nicht um den Preis eines
vermeintlichen Fortschritts unsere Menschlichkeit zu
verraten, uns nie zum Tier herabfallen zu lassen oder sich
wie eine Machine durch andere dirigieren zu lassen. Wir
sollen das bleiben, wozu wir geschaffen worden sind, die
Krone der Schöpfung Gottes, vertraut mit einer besonderen
Würde.
Werden wir als Menschheit diesen Zeitenwechsel überstehen
ohne zum Tier herabzusinken oder ein Sklave der Maschine
oder der Technik zu werden?
Viele wissende Menschen haben heute Angst vor unserer
Zukunft.
Wenn wir Christen Jesus Christus heute in rechter Weise in
seinem Bemühen um die Menschlichkeit des Menschen nachfolgen
würden - und wir sind dazu recht herzlich eingeladen! -,
indem wir das tun, was er getan hat, könnte durch uns die
Hoffnung in diese Welt hineinstrahlen und uns als Menschen,
wie Gott sie gewollt hat, in ihrer Menschenwürde bewahren.
Mit Jesus Christus können wir getrost in eine neue Zukunft
gehen.
Und nun kommt die Frage:
Können wir denn das tun, was Jesus Christus getan hat, uns
für die menschliche Würde, für die Menschlichkeit des
Menschen einsetzen?
Können wir ein volles Ja sagen zu dem, was kommt?
Können wir mithelfen an der Vorbereitung einer besseren
Welt?
Aus eigener Kraft nicht, aus eigener Kraft werden wir als
Christen den anderen nur ein schlechtes Beispiel geben, aber
als solche, die im Lichtkreis ihres Herrn stehen, ja.
Aus keinem anderen Grunde werden Kirchen gebaut als diesem,
daß Menschen in den Lichtkreis ihres Herrn treten.
Hier kommen Menschen zu einer Begegnung mit Jesus Christus,
dem lebendigen Herrn. Von hier aus begleitet er sie durch
das Leben und stärkt und stützt sie im Ringen um eine neue
Zeit, im Ringen, nicht zum Tiere herabzusinken oder Teil
einer Maschine zu werden.
Hier in der Kirche soll der Versuch unternommen werden,
immer wieder aufs neue unseren Herrn zu fragen, was wir zu
unserem eigenen Heil, zum Heil unserer Mitmenschen und zum
Heil der ganzen Welt tun sollen und er hat versprochen, uns
eine Antwort auf unsere Fragen zu geben.
"Alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe kommt von oben
herab, von dem Vater des Lichts, bei welchem ist keine
Veränderung noch Wechsel des Lichts und der Finsternis. Er
hat uns geschaffen nach seinem Willen durch das Wort der
Wahrheit, auf daß wir wären Erstlinge seiner Kreaturen."