2 Außergewöhnliche Gottesd.- 43
Lugar/Ort:Lucas González ER

Fecha/Datum:17/09/1970
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Entre Ríos-Vertretertagung
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:5. Mose 9, 3
Skopus: Auch unsere Zukunft liegt in den Händen des Herrn.
2 Außergew. Gottesd. 43 ER-Vertretertag.-5. Mose 9,3
"So sollst du nun heute wissen, daß der Herr, dein Gott, vor
dir hergeht."

Wir leben heute in einer sehr unruhigen Zeit, nicht nur in
Argentinien, sondern in der ganzen Welt. Nicht nur die
Jugend ist beunruhigt, sondern die ganze Christenheit in den
verschiedenen Kirchen.
Viele in der heutigen Zeit, Politiker oder Wissenschaftler,
Christen oder Nicht-christen, Arme und Reiche, Eltern und
Kinder, Hausfrauen und Studenten, werden einfach mit den
Problemen und Schwierigkeiten von heute nicht mehr fertig
und wissen auf immer neue Fragen unseres Lebens keine
Antwort.
Was für herrliche Möglichkeiten eröffnet uns die Technik und
Wissenschaft und der Fortschritt, aber gleichzeitig fürchten
wir den Mißbrauch dessen, was bereits an Móglichkeiten in
menschlicher Hand liegt, der furchtbar sein kann.
Wie sollen wir zum Beispiel damit fertig werden, wenn wir
unseren Fuß auf den Mond setzen können, aber nicht unseren
Haß zu überwinden in der Lage sind, um unserem Nachbarn, den
wir nicht mögen, einen guten Morgen zu wünschen?
Wie sollen wir damit fertig werden, daß wir nach einem
besseren und bequemeren Leben streben, dabei aber vergessen,
daß dadurch die Armen noch immer ärmer werden?
Wie sollen wir das verstehen können, daß Menschen, die
bisher keine Christen waren, nun nach Jesus Christus fragen,
während wir Christen immer müder werden und meinen, unser
Glaube sei nichts mehr wert, die Tage des Christentums seien
gezählt?
Oder wie ist das zu verstehen, daß die römisch-katholische
Kirche dabei ist, ganz neu nach dem Zentrum ihres Glaubens
zu fragen, während es noch viele Gruppen in der
evangelischen Christenheit gibt, die weiter schlafen möchten
oder die ihren Glauben in derselben Weise noch praktizieren
wie im vergangenen Jahrhundert.
Wir leben in der Zeit der radikalsten Gegensätze. Wir
spüren, so wie bisher geht es nicht weiter, aber wohin der
Weg geht, wissen wir auch noch nicht.
Diese Unruhe in der heutigen Welt mit den radikalsten
Gegensätzen zeigt an, daß wir in einem Zeitenwechsel stehen,
wie er größer in der Menschheitsgeschichte noch nicht
gewesen ist. Wir wissen es nicht, vielleicht können wir es
bereits ahnen, was noch alles auf uns einstürmen wird und
womit wir nicht fertig werden können.
Und wenn wir in der diesjährigen Vertretertagung vom Worte
Gottes her nach dem Weg unserer Kirche, besonders in Entre
Ríos, in die Zukunft fragen und uns damit beschäftigen, was
unsere Aufgaben sein werden und wie wir sie anpacken und
bewältigen können, dann zeigt das doch auch deutlich, daß
wir ebenfalls als evangelische Kirche, als evgl. Gemeinden,
zutiefst beunruhigt und oft ratlos sind.
Wir wissen, daß es so wie bisher es auch in unseren
Gemeinden nicht weiter gehen kann, wenn wir noch im Jahre
2.000 in Entre Ríos, am La Plata, evangelische, christliche
Kirche, sein wollen. Der Weg, den wir zu gehen haben, steht
noch nicht in ganzer Klarheit vor uns.
Auf keinen Fall kann es so sein, daß wir grundsätzlich alles
Neue verdammen und alles Alte für allein richtig halten. Die
Zeit würde über uns hinweg schreiten. Ebenfalls muß
ausgeschlossen bleiben, daß wir alles Alte ablehnen und nur
das Neue und Moderne für richtig halten.
Ich könnte mir nun denken, daß das Wort unserer Predigt, das
damals in einer ähnlichen Situation wie der heutigen gesagt
worden ist, uns zur Hilfe für heute werden kann:
"So sollst du nun heute wissen, daß der Herr, dein Gott, vor
dir hergeht."
Das Volk Israel ist auf der Wanderschaft unterwegs, von
Ägypten ins gelobte Land Palästina. Eine 40jährige
Wüstenzeit liegt hinter ihm.
Nun steht es vor dem Ziel, vor der Grenze des gelobten
Landes.
Gott hat es bis hierher geleitet und begleitet, auch durch
die schwersten Nöte,auch durch das größte Versagen. Das Ziel
des Weges ist aber noch nicht erreicht. Es liegt nicht in
der Gegenwart mit ihren Problemen und Nöten und Sorgen,
sondern in der Zukunft, in der Zukunft des gelobten Landes,
da das Volk Gottes zur Ruhe kommen soll.
Viele Menschen schauen heute ebenfalls voll Sehnsucht in
eine neue Zukunft, in der sie eine besseres Leben zu führen
erhoffen, vielleicht auch Heilung von ihrer Krankheit
erwarten. Aber andere haben Angst vor dieser Zukunft. Sie
fürchten sich vor einer grausamen Menschheit, die sie
verhungern läßt. Werden wir zum Tier herabsinken oder als
Maschinen manipuliert werden?
Hoffen wir als Vertreter unserer Gemeinden nicht, daß in der
Zukunft wir Christen in unserer Gemeinden nicht nur für uns
da sein wollen, sondern unsere Aufgaben an einer leidenden
Menschheit erkennen und anpacken, wir den Streit zwischen
Christen und Gemeinden der verschiedenen Kirchen begraben
und gemeinsam das Salz und das Licht dieser unserer Welt am
La Plata, in Entre Ríos, praktizieren?
Haben wir aber nicht gleichzeitig Angst, daß unsere
Gemeinden weiter schlafen wollen, nicht molestiert werden
wollen, nicht molestiert werden möchten mit diesem und
jenem?
Ja, fürchten wir nicht sogar, daß viele den Glauben über
Bord werfen, aufgeben, wenn sie an ihren Gehorsam gegenüber
Jesus Christus erinnert werden?
Das VolK Israel an der Schwelle einer neuen Zeit, beim
Eintritt ins gelobte Land, verlor auch allen Mut, denn die
Kundschafter hatten betrübliche Nachrichten.
Der Übergang ins gelobte Land wird ein dornenvoller sein.
Man wird arbeiten und kämpfen und opfern müssen. Wie lautet
das Wort Gottes für das Volk Israel, das auch uns helfen
will in unserer heutigen Situation der Welt und der
Kirchen?:
"So sollst du nun heute wissen, daß der Herr, dein Gott, vor
die hergehen wird in eine neue Zukunft."
Das bedeutet doch einmal, daß unser Gott, der uns in der
Vergangenheit begleitet hat und heute uns zu helfen bereit
ist, auch der Herr der Zukunft sein wird. Ihn finden wir in
der neuen Zeit immer schon bereits vor, und zwar als der,
der immer das Beste für uns will.
Wir brauchen also nicht mit Schrecken an das zu denken, was
kommen wird, vielleicht sogar dem nachtrauern, was vergangen
ist, sondern hinter uns, mit uns und vor uns steht der, der
uns seine helfende Hand reicht und darum sagen wir Christen
ein volles Ja zu dieser Zukunft, auch zu der Zukunft, die
für uns als Evangelische Kirche am La Plata, für uns als
Gemeinden dieser Kirche, bereits begonnen hat, wie auch das
Volk Israel ein volles Ja zum Übergang in das gelobte Land
Palästina gesagt hat.
Zum anderen sagen wir nicht, daß das Gute nur von der
Zukunft kommt und alles Alte schlecht war, sonst würden wir
ja verleuignen, daß unser Herr Jesus Christus auch der Herr
unserer Kirche in der Vergangenheit gewesen ist.
In diesem Zeitenwechsel ohnegleichen, auch in der
Christenheit, auch in unserer Kirche, auch in unseren
Gemeinden, begleitet uns unser Herr aus der Vergangenheit
über das Heute in das Kommende hinein, und zwar immer als
der, der uns helfend zur Seite steht.
"So sollst du nun heute wissen, daß der Herr, dein Gott, dir
immer schon voraus ist."
In dieser neuen Zukunft werden manche unserer heutigen
Bemühungen in der Tat Frucht zeigen. Wir bekommen auch die
Möglichkeit, mit dem, was wir gestern falsch gemacht haben
und heute noch falsch machen, morgen wieder ganz neu
anzufangen.
Es liegt dann aber auch an uns, ob die Hoffnungen, die unser
Herr mit uns hat, daß wir endlich anfangen, unsere AuFgaben
als Christen, als Gemeinden und als Kirche, zu erkennen und
anzupacken, in Erfüllung gehen werden, ob wir endlich das
darstellen, was wir in der Tat sein sollen, gehorsame Jünger
Jesu Christi.
"So sollst du nun heute wissen, daß der Herr, dein Gott, vor
dir hergeht."