10 Gebote (09)
Lugar/Ort:Paraná

Fecha/Datum:04/08/1957
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Aldea Protestante, 30-6-1957
Reffino, 18-8-1957
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:2. Sonnt. nach Trinitatis
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:2. Mose 20, 15
Skopus: 7. Gebot
10 Gebote (9) - 2. Mose 20, 15
"Und Gott redete alle diese Worte:
Du sollst nicht stehlen."

Bei der Predigt über das 5. Gebot DU SOLLST NICHT TÖTEN,
haben wir gehört, wie Gott, der Herr, will, dass wir auf
dieser Erde leben sollen, solange er es will und dass wir
kein Recht haben, uns selbst oder anderen eigenmächtig das
Leben zu nehmen. Gott baut um jedes menschliche Leben durch
das Gebot eine Mauer, die niemand einreissen darf. Wer es
dennoch tut, bekomt es mit Gott selbst zu tun. Ebenfalls
nimmt Gott die Ehe zwischen dem einen Mann und der einen
frau im 6. Gebot unter seinen Schutz: "Du sollst nicht
ehebrechen."
Die Stiftung der Ehe unter den Menschen soll das bleiben,
wozu Gott, der Schöpfer, sie geschaffen hat, Hilfe für den
einen Mann durch seine Frau und Hilfe für die eine Frau
durch ihren Mann.
Nun stellt Gott sich im 7. Gebot DU SOLLST NICHT STEHLEN!
schützend hinter das Eigentum, hinter Hab und Gut des
Menschen, damit es niemand antaste.
Der Mensch bedarf zum Leben bestimmter Dinge, wie
Nahrungsmittel, Kleider und Schuhe, unter Umständen Haus und
Hof, damit er als Mensch auf dieser Erde leben kann, wie
Gott es haben will.
Warum sollte ein Mensch sich nicht bemühen können, durch
seiner Hände Arbeit oder durch seine geistige Tätigkeit, für
Notzeiten, für das Alter, zur Versorgung seiner Kinder,
Eigentum, Haus und Hof und Äcker zu erwerben? Gott sagt zu
solch einem Streben nicht nur ein volles JA, sondern er will
dieses Erworbene auch noch schützen.
Wer sich daran vergreift, bekommt es mit Gott selbst zu tun,
der ihm schon seine wohlverdiente Strafe erteilt.
Wann liegt nun ein Verstoss gegen das 7. Gebot vor?
Für uns ist es klar, dass das ein Diebstahl ist, wenn jemand
in unser Hab und Gut, in unser Eigentum, einbricht und etwas
davon nimmt und dabei spielt es keine Rolle, ob viel oder
wenig gestohlen wird.
Allerdings ist manches genauso ein Verstoss gegen das 7.
Gebot, was auf den ersten Blick garnicht so zu erkennen ist,
wie zum Beispiel, wenn jemand seinem Knecht als Lohn weniger
bezahlt als dem Knecht nach dem Gesetz und der Güte und
Treue seiner Arbeit zusteht.
In einem solchen Falle wird dem Knecht durch den Patron das
gestohlen, was er durch seiner Hände Arbeit verdient hat.
Wie oft wird vom Patron die Notlage eines Peons ausgenutzt,
um eine sehr billige Arbeitskraft zu haben.
Alles Hab und Gut aber, das auf solche Weise durch die
Ausnutzung der Peone erworben wird, dass ihnen nicht bezahlt
wird, was ihnen zusteht, ist zu Unrecht erworbener Besitz,
auf dem kein Segen liegt und den darum Gott auch nicht
schützen wird.
Doch gilt in derselben Weise auch das andere: Der Knecht,
der Peon, der meint, er könne sein Geld durch Nichtstun
verdienen und braucht seinem Patron nicht seine Arbeitskraft
oder nur seine halbe Arbeirtskraft zur Verfügung zu stellen,
der vergeht sich genauso gegen das 7. Gebot. Solch ein
Mensch stiehlt dem Patron die Arbeitskraft, für die er ja
bezahlt bekommt.
Martin Luther in seiner Erklärung geht sogar weiter:
"Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unseres
Nächsten Geld oder Gut nicht
nehmen, noch mit falscher Ware oder Handel an uns bringen,
sondern ihm sein Gut und Nahrung helfen bessern und
behüten."
Oder ist das kein Verstoss gegen das 7. Gebot, wenn ein
Bauer seine Milch nach Crespo fährt und bei der Kontrolle
durch die Polizei muss ihm die ganze Milch auf die Strasse
gegossen werden, weil er geglaubt hatte, er könne mehr Geld
verdienen, wenn er Wasser in die Milch giesst.? Wie oft
z.B., werden viele Geschäfte unter uns getätigt, bei denen
wir ganz genau wissen, dass wir mit viel List und Tücke dem
anderen mehr Geld aus der Tasche holen wollen, als wir es
eigentlich bei dem Geschäft dürften. Noch vor kurzer Zeit
kaufte jemand ein Motorrad als noch gut erhalten und
verlangt demnach auch einen guten Preiss, und musste es nach
3 Tagen schon erfahren, dass er von dem Verkäufer ganz
gehörig ums Ohr gehauen wurde.
Haben wir noch nie solche Geschäfte getätigt, bei dem wir
versuchten, den anderen zu überlisten? Es heisst aber:
"Du sollst nicht stehlen."
Eigentlich heisst es nicht DU SOLLST NICHT STEHLEN, sondern:
Du hast es garnicht nötig zu steheln.
Dieses Gebot gilt ja doch uns als Christen in ganz
besonderer Weise.
Wir wissen, dass uns unser Vater im Himmel niemals verlässt,
sondern uns alle Tage unseres Lebens das geben will, was wir
brauchen. Er hat uns das Leben gegeben und er will, dass wir
dieses Leben auch führen können bis zu dem Zeitpunkt, da er
uns abruft, darum schafft er uns schon das herbei, was wir
bedürfen.
Und das wäre doch gelacht, wenn der, der Himmel und Erde
geschaffen hat; dem alles, aber auch alles gehört, es nicht
fertigbrächte, uns mit dem Nötigen zu versorgen, selbst in
Notzeiten.
Er hat da noch Mittel und Wege, um uns zu helfen, wo wir
keinen Ausweg aus der Not sehen. Wieviele Menschen sind
schon durch Gottes Güte aus grosser Not errettet worden. Wer
Hätte das einmal gedacht, dass wir, die wir damals in
russischer Kriegsgefangenschaft fast vor dem Hungertod
standen, doch noch gerettet würden. Es gibt ein Sprichwort,
das heisst:
Wenn die Not am grössten, ist Gottes Hilfe am nächsten.
In der Erklärung zum 1. Glaubensartikel sagt unser
Reformator Dr. Martin Luther:
"Ich glaube, dass mich Gott geschaffen hat samt allen
Kreaturen, mir Leib und Seele, Augen, Ohren und alle
Glieder, Vernunft und alle Sinne gegeben hat und noch
erhält; dazu Kleider und Schuh, Essen und Trinken, Haus und
Hof, Weib und Kind, Acker, Vieh und alle Güter; mit aller
Notdurft und Nahrung dieses Leibes und Lebens reichlich und
täglich versorget, wider alle Fährlichkeit beschirmet und
vor allem übel behütet und bewahret."
Wer das im vollen Vertrauen zu seinem Vater im Himmel
sprechen kann, der hat es nie nötig, hinzugehen und zu
stehlen; der hat es nie nötig, sich durch List und Tücke und
Betrügereien zu bereichern.
In der Erklärung zum 7. Gebot heisst es aber nicht nur, dass
wir dem anderen nicht etwas von seinem Eigentum wegnehmen
sollen, sondern wir werden aufgefordert, mitzuhelfen, mit
darauf zu achten, dass auch unserem Mitmenschen, unserem
Nächsten, kein Schade entsteht:
"Wir sollen dem andern sein Gut und Nahrung helfen bessern
und behüten."
Sehen wir, dass dem anderen in irgendeiner Weise ein Schade
an seinem Eigentum geschehen kann, dass ein anderer betrogen
werden soll und wir erkennen es besser als der andere, dann
ist es unsere Aufgabe, das Übel abzuwenden oder den anderen
zu warnen. Wir dürfen Mitarbeiter Gottes sein, wenn Gott das
Eigentum des anderen schützen will.
Zum Schluss muss aber noch etwas anderes gesagt werden.
Wir haben es wirklich gehört, dass Gott durch das Gebot
DU SOLLST NICHT STEHLEN!
unser Eigentum, unser Hab und Gut und Geld schützen und
behüten will.
Das schliesst aber nicht aus, dass wir ein Teil dieses
unseres Eigentums nicht doch einem anderen in freiwilliger
Weise zur Verfügung zu stellen haben, freiwillig bereit sein
sollten, darauf zu verzichten, wenn der andere in Not ist.
Alles, was wir haben und besitzen, gehört im letzten Grund
ja garnicht uns, sondern Gott. Es ist, so gross oder so
klein es sein mag, uns nur auf Zeit verliehen. Wir verwalten
nur im Auftrage Gottes das, was wir besitzen.
Weil Gott der alleinige Besitzer allen Eigentums ist und wir
nur seine Verwalter sind, kann Gott auch über sein Vermögen
verfügen, wie er will. Gott kann über sein Eigentum, das wir
in unseren Händen haben und verwalten, verfügen, wie er
will.
Und das tut er auch dann und wann und erwartet von uns, dass
wir seinen Willen ausführen.
Ob wir auf diese seine Stimme hören, wenn er uns auffordert,
etwas von dem, was wir in seinem Auftrage verwalten,
abzugeben; abzugeben, um Menschen in Not zu helfen?
Ob wir auf diese seine Stimme hören, wenn er uns auffordert,
etwas von unserem Geld zur Verbreitung des Evangeliums, zum
Bau des Reiches Gottes auch hier in Argentinien und in der
ganzen weiten Welt zu geben?
"Das siebente Gebot.
Du sollst nicht stehlen.
Was ist das?
Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unseres
Náchsten Geld oder Gut nicht nehmen
noch mit falscher Ware oder Handel an uns bringen, sondern
ihm sein Gut und Nahrung helfen bessern und behüten."