10 Gebote (04)
Lugar/Ort:Camarero

Fecha/Datum:04/03/1956
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Reffino, 19-2-1956
Aldea Protestante, 19-2-1956
Paraná, 6-5-1956
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Invocavit
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:2. Mose 20, 8-11
Skopus: 3. Gebot
10 Gebote (4) 2. Mose, 8 - 11
"Und Gott redete alle diese Worte:
Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligest.
Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber
am siebenten Tage ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes.
Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine
Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein
Fremdling, der in deiner Stadt lebt. Denn in sechs Tagen hat
der Herr Himmel und die Erde gemacht und das Meer und alles,
was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete
der Herr den Sabbattag und heiligte ihn."

Obwohl wir alle, die wir konfirmiert worden sind, dieses 3.
Gebot kennen, ja zum grössten Teil auswendig gelernt haben,
wissen wir doch so recht nichts damit anzufangen. Wir
meinen, mit diesem Gebot machen zu können, was wir wollen.
Wir meinen, ob wir am Sonntag oder an den christlichen
Feiertagen arbeiten dürfen oder nicht, darüber entscheiden
wir selbst. Ein anderer, so denken wir, hat in unsere
Entscheidungen nichts hineinzureden.
Nun ist es nicht die Kirche oder der Pastor, die da unser
Tun und Lassen begrenzen wollen, sondern der, der das Gebot
gegeben hat:
"Du sollst den Feierttag halten!",
ist kein anderer als der allmächtige Gott, der Himmel und
Erde geschaffen hat. Und als dieser allmächtige Gott uns,
seinen Kindern dieses Gebot gab, da hat er nicht im
entferntesten gedacht, dass die Menschen in Camarero sich
nicht daran halten brauchen; dass sie machen können, was sie
wollen.
Nein, auch dieses Gebot beginnt mit der Anrede DU, damit ist
ein jeder von uns gemeint:
"Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun.
Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des Herrn, deines
Gottes. Da sollst du und dein ..........kein Werk tun."
Warum erwartet Gott es von uns, dass wir den Feiertag
heiligen sollen? Warum ist er so hart mit diesem Gebot und
kennt keine Ausnahmen, denn Gott hat ja nicht gesagt, die
Leute in Camarero dürfen dieses Gebot übertreten, wenn es
zum Beispiel Erntezeit ist. Gott ist so hart auch mit uns in
diesem Gebot, weil er uns lieb hat, weil er es wirklich
nicht will, dass wir als Sklaven, und wenn auch als Sklaven
unserer eigenen Arbeitswut, durch das Leben gehen.
Gott hat uns unser Leben geschenkt, damit wir auch als seine
freien Geschöpfe durch das Leben gehen. Der Mensch lebt
nicht, um nur zu arbeiten, sondern er arbeitet, um als
Mensch leben zu können.
Man könnte hier in Entre Rios überall da, wo man es mit dem
Gebot
DU SOLLST DEN FEIERTAG HEILIGEN!
nicht, so ernst nimmt, der Meinung sein, dass das
Ausserachtlassen dieses Gebotes unter der Losung geschieht:
Je mehr er hat, je mehr er will, nie schweigen seine Klagen
still.
Nun wissen wir doch als Christen, dass unser Vater im Himmel
es ist, der uns leben lässt, der uns arbeiten lässt, der uns
mit dem versorgt, was wir zum Leben nötig haben. Wenn er
seine Hand von uns wegzieht, dann sind wir die ärmsten
Kreaturen auf der ganzen Welt und wenn wir noch soviel
meinten, durch die Sonntagsarbeit unser Hab und Gut zu
vermehren. Und wenn Gott, der Herr, uns segnet, dann sind
wir die reichsten Leute, auch wenn wir an den Sonn- und
Feiertagen nicht arbeiten. Dieser unser Gott, der
versprochen hat, für uns zu sorgen, der sagt uns in seiner
Liebe zu uns:
"Du sollst den Feiertag heiligen!"
Das Gebot ist keine harte Forderung, unter der wir zu
seufzen haben, sondern ein Geschenk. Wir Menschen sollen
wohl arbeiten im Schweisse unseres Angesichtes, aber wir
dürfen auch dann und wann stille stehen und verschnaufen
und ausruhen und neue Kräfte sammeln für die Tage, die
kommen werden.
Wer dieses Geschenk nicht annehmen will, wer dieses Geschenk
der Ruhe verweigert, ist doch der dümmste Mensch, den es auf
dieser Erde gibt, denn er treibt Raubbau mit seinem Körper
und muss damit rechnen, dass er schon im besten Alter nur
noch ein Wrack ist.
Oft habe ich den Eindruck hier unter uns Deutschen, bei
vielen Menschen im besten Alter, dass sie schon verbrauchte
alte Menschen sind, weil sie sich gegen dieses 3. Gebot
unseres Gottes aufgelehnt haben und meinten, mit ihrer Kraft
und mit ihrer Sonntagsarbeit sich die Welt erobern zu können
und dann zerbrochen an Leib und Seele am Lebensweg
liegengeblieben sind.
Wenn wir uns auf Gott als unserem Herrn verlassen, dann
dürfen wir wissen, dass er uns und unsere Familie das zum
Leben Notwendige gibt, auch wenn wir dieses Feiertagsgebot
halten.
Eine merkwürdige Entwicklung kann man in der ganzen weiten
Welt erleben. Je weniger man sich an das Gebot hält und den
Sonn- und Feiertag zum Arbeitstag macht, desto ärmer und
desto kränker werden die Menschen:
"Irret euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten, denn was
der Mensch säet, das wird er auch ernten."
Darum wollen wir es auch als Christen ganz neu und ganz
ernst hören, dass Gott, der Herr, uns dieses Gebot gegeben
hat, damit wir als Menschen und nicht als Arbeitssklaven
oder als ein Stück Vieh leben können.
Allerdiungs hat Gottes Gebot auch noch eine 2. Bedeutung.
Gott, der Herr, möchte uns daran erinnern, dass er als unser
Herr und Schöpfer ein Recht darauf hat, dass wir unsere
Sinne und Gedanken einmal weglenken, von uns, von unserer
Familie, von unserer Mühe und Arbeit, von unserem Hab und
Gut und die Gedanken hinlenken zu dem, der unser Vater im
Himmel ist, der uns lieb hat, der uns so geliebt hat, dass
er seinen eigenen Sohn Jesus Christus zu uns sandte.
Gottes Wille vom ersten Tage der Erschaffung des Menschen
an, ist, dass er diesen Menschen, dich und mich, so lieb
hat, dass er ihn zu seinem Kinde machen will.
Wir sind Gottes Kinder, gehören zu seiner Familie, seitdem
Jesus Christsus für uns gelitten hat und gestorben ist und
seitdem ihn sein Vater von den Toten auferweckt hat. Seitdem
brauchen wir nicht mehr an unsere Kindschaft Gottes zu
zweifeln.
Aber was wäre das für ein Kind, das nicht freudig JA sagen
würde, wenn sein Vater zu ihm sagen würde, heute will ich
dich einmal ganz für mich haben, ich habe mit dir wichtige
Dinge zu besprechen.
Ein Kind, das zu seinem Vater sagen würde, ich will heute
nicht für dich da sein, ich will meine eigenen Pläne
durchführen, wäre ein ganz ungezogenes Kind und wäre der
Liebe des Vaters nicht wert.
Wir sind solche ungezogenen Kinder Gottes, wenn wir die
Bitte unseres Vaters im Himmel nicht erfüllen, gerade am
Sonntag auf ihn zu hören, mit ihm zu sprechen, ihm allein
die Ehre zu geben, für ihn da zu sein.
Wo gibt es aber hier Familien, die in keinem Gottesdienst am
Sonntag fehlen? Wo gibt es Familien, die an den Sonntagen,
an denen es keinen Gottesdienst gibt, sich zu Hause
hinsetzen und Gottes Wort lesen, mit ihm im Gebet sprechen
und ihm zur Ehre unsere evangelischen Lieder singen?
Ach, was für ungezogenen Kinder Gottes sind wir doch!
Nun sagt unser Text uns heute, dass uns nur eines retten
kann vor dem Verderben, nämlich heute noch anfangen, dieses
Gebot Gottes ganz ernst zu nehmen, etwas anderes hilft uns
nicht.
"Das dritte Gebot.
Du sollst den Feiertag heiligen.
Was ist das?
Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir
die Predigt und sein Wort nicht verachten,
sondern dasseelbe heilig halten, gerne hören und lernen."