1 Monatssprüche bis 1974- 13
Lugar/Ort:Camarero/Puiggari

Fecha/Datum:04/06/1972
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Grabschental, 9-7-1972 -deutsch-
La Providencia, 6-8-1972 -deutsch-
Meroú, 16-7-1972 -deutsch-
Aldea Protestante, 1-10-1972 -deutsch-
Grabschental, 10-9-1972 -spanisch-
Reffino, 17-9-1972 -spanisch-
Meroú, 22-10-1972 -spanisch-
Camarero/Puiggari, 21-1-1973 -spanisch-
Paraná, 1-4-1973 -spanisch-
Diamante, 10-11-1973 -spanisch-
Aldea Protestante, 22-1-1974 -spanisch-
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Monatsspr. Mai 1972-Sent.Mens. 5-72
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:1. Korinther 13,6 - 1 Corintios 13: 6
Skopus: Über die wahre Liebe.
1 Monatsspr. bis 1974 13 -Mai 1973-1.Kor. 13,6
"Die Liebe freut sich an der Wahrheit."

Es ist großartig zu sehen, wie der Apostel Paulus im ganzen
13. Kapitel seines 1. Briefes an die Korinther das Wunder
der Liebe beschreibt und ein Loblied darauf anstimmt. Kann
diese Liebe mit noch größeren und schöneren Worten besungen
werden als mit diesen des Apostels Paulus?:
"Die Liebe ist langmütig und freundlich, sie eifert nicht,
sie treibt nicht Mutwillen, sie suchet nicht das Ihre, sie
läßt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu;
sie freuet sich nicht der Ungerechtigkeit, sie glaubet
alles, sie hoffet alles, sie duldet alles."
Und am Ende seines Lobgesanges stellt er sich unter Liebe
das höchste Gut vor, das es hier auf Erden für uns Menschen
geben kann:
"Nun aber bleibet Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber
die Liebe ist die größte unter ihnen."
Diese Liebe ist weitreichender, größer und umfangreicher und
tiefer als die Liebe zwischen Ehegatten oder die zwischen
Eltern und Kindern. Ja, diese Ehegattenliebe oder Eltern-
bzw. Kinderliebe bekommt erst ihre eigentliche Bedeutung,
ihr festes Fundament, durch die Liebe, die der Apostel
Paulus beschreibt und besingt.
Wir können sie als die Liebe Jesu Christi bezeichnen, die
Liebe, mit der er uns Menschen, dich und mich, geliebt hat,
ohne zu fragen, wer wir sind und was wir haben, ohne zu
fragen, ob wir moralisch einwandfreie Menschen sind oder
heruntergekommene. Er liebte und liebt, wo nichts mehr, rein
menschlich gesehen, zu lieben war. Er liebte selbst noch
seine Mörder, was wir daran erkennen können, daß er am Kreuz
auf Golgatha ausrief:
"Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!"
Die Liebe. die der Apostel Paulus meint, liebt den anderen
um seiner selbst willen, und zwar so, wie der andere auch
sein mag. Diese Liebe erwartet vom anderen keine Gegenliebe,
keine Wiedergutmachung, auch kein Dankeschön. Sie gibt sich
dem anderen, sie verschenkt sich ihm, weil dieser andere sie
nötig hat, und ohne sie nicht leben kann.
In Gottes Plan war es bei der Erschaffung der Menschen
vorgesehen, daß sie alle, die ein menschliches Angesicht
tragen, sich in dieser Liebe begegnen sollten.
Leider setzte sich unter uns an Stelle dieser Liebe, die wir
auch die Nächstenliebe nennen können, der Haß einer gegen
den anderen durch oder vielleicht noch eine degenerierte
Form der Liebe, eine eigensüchtige, nur sich selbst suchende
Liebe.
Darum kam doch Jesus Christus zu uns, nicht nur um uns an
die Liebe zu erinnern, die uns allein befähigt, dieses Leben
als Menschen zu bewältigen, sondern um sie uns vorzuleben.
Und da, wo Menschen den christlichen Glauben nicht als
Religion, als Frömmigkeitsübung verstehen, sondern als
Ausrichtung ihres Lebens nach dem Leben Jesu und seinem
Wort, da wird in ihrem Leben und dadurch in ihrer Umgebung
und in ihrem Wirkungskreis auch etwas von dieser besonderen
Liebe sichtbar und spürbar.
Der Text unserer heutigen Predigt:
"Die Liebe freut sich an der Wahrheit",
will nun in einer besonderen Weise auf eine Folgerung
hinweisen, die aus solch einer Liebe folgt. Menschen, die
durch diese Liebe erfaßt und geprägt sind und die sie in
ihrem Leben praktizieren, können der Wahrheit über ihre
Mitmenschen klar ins Auge sehen, ohne daran zu zerbrechen,
ohne ihre Liebe zurückzuziehen. Sie lieben ja nicht ihre
Mitmenschen deshalb, weil sie es verdient haben, weil sie
diese wieder gutmachen, weil sie dieser seiner Liebe würdig
sind, sondern aus keinem anderen Grunde als diesem, daß sie
diese Liebe nötig haben und ohne sie nicht leben, die
Schwierigkeiten ihres Lebens nicht überwinden könnten.
Selbstverständlich ist es, daß nur die, die selbst von der
Unberechenbarkeit und Dunkelheit ihres eigenen Lebens
wissen, die sich nicht besser dünken als sie in Wirklichkeit
sind, die ausschließlich und allein von der Liebe Jesu
Christi zu ihnen leben, die auch nicht die Augen
verschließen vor der Wahrheit des Lebens dieser Menschen,
daß nur solche Menschen der Wahrheit über einen anderen
standhalten können, um sie um so mehr in einer helfenden
Nächstenliebe zu begegnen.
"Die Liebe freute sich an der Wahrheit",
sagt der Apostel Paulus.
Je besser ich die Wahrheit über einen anderen Menschen
erkenne, je tiefer ich in seine Abgründe, Fehler und
Schwächen und Sünden zu schauen in der Lage bin, ohne dabei
hochmütig zu werden und meine Nase zu rümpfen, desto besser
erkenne ich seine Hilfe- und Liebebedürftigkeit, desto
klarer sehe ich, wie und wo ich meine Hilfe, meine Liebe,
ansetzen kann.
"Die Liebe freut sich an der Wahrheit},
bringt gewissermaßen folgenden Vorgang zum Ausdruck:
Ein Ertrinkender wird durch eine Hand aus dem Wasser im
Angesichte des nahenden Todes herausgeholt und er erkennt
dabei, daß neben ihm noch ein Ertrinkender sich bewegt und
streckt ihm seine Hand entgegen, damit auch dieser andere
mit ihm zusammen gerettet werden kann. Er freut sich
darüber, da er den anderen in seiner Not erkennen und die
Wahrheit und Wirklichkeit seiner verzweifelten Lage schauen
darf, um ihm daraufhin die Hand der Hilfe hinzustrecken.
"Die Liebe freuet sich ander Wahrheit."
Sind wir Christen nicht heute auch in der ganzen Welt- und
Menschheitsgeschichte in der Lage, die ganze Wahrheit und
Wirklichkeit dieses Umbruchs der Zeit mit allen
Schwierigkeiten und Problemen zu erkennen und zu sehen, daß
es nur noch eine mögliche Form der Hilfe für die Menschen
unserer Zeit gibt, eine Hilfe, die uns allein noch vor dem
Abgrund einer totalen Zerstörung retten kann?
Ist es nicht die Liebe, auf die hin Gott uns geschaffen hat?
Ist es nicht die Liebe, die Jesus Christus wieder neu ans
Licht gebracht und uns vorgelebt hat?
Ist es nicht die Liebe, zu deren Praktizierung, anstelle des
allgemein üblichen Hasses, wir als Christen, du und ich,
aufgerufen sind, eine Liebe, die die Welt verändert und alle
Menschen als Brüder und Schwestern anerkennt, ohne Rücksicht
auf Rasse, Religion, Ideologie, Herkunft oder Besitz, und
die der Wahrheit, mag sie noch so grausam sein, offen ins
Angesicht sehen kann:
"Die Liebe freute sich an der Wahrheit."