1 Monatssprüche bis 1974- 11
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:05/03/1972
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Camarero/Puiggari, 22-4-1972
Meroú, 25-3-1973
Grabschental, 4-5-1975
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Monatsspruch März 1972
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Markus 10, 45
Skopus: So wie Jesus sind auch wir zum Dienst berufen.
1 Monatsspr. bis 1974 11 -März 1972-Markus 10,45
"Denn auch des Menschen Sohn ist nicht gekommen, sich
bedienen zu lassen, sondern zu dienen."

In uns allen, gleichsam als zweite Natur oder als
Überbleibsel unserer Raubtier-Vergangenheit, steckt das
Bestreben und Verlangen und die große Sehnsucht, Macht und
Gewalt über andere auszuüben, durch gelinde oder brutale
Gewaltanwendung uns andere Menschen gefügig zu machen und
sie auszubeuten. Wir alle möchten uns als Herren dieser Welt
aufspielen oder wie es unser Text sagt
"uns bedienen zu lassen".
Auch wir Christen innerhalb und außerhalb der Kirche und
selbst die Kirche als Organisation sind nicht frei von
diesem Streben nach Macht und Unterwerfung anderer Menschen
und Menschengruppen.
Es ging in diesen Tagen ein Erschrecken durch die ganze
Christenheit der Welt, daß verschiedene Kirchen in
Nordamerika, die am lautesten gegn den Vietnamkrieg
protestierten, ihre Gelder als Reserve in Aktien der
Kriegsindustrie angelegt hatten, die gerade diesen
Vietnamkrieg ermöglichten.
Von Anfang an schon hat Jesus Christus bei seinen Jüngern
dagegen angehen müssen, sich andere Menschen zu unterwerfen,
sie auszubeuten und zu unterjochen.
Gerade das heutige Wort unseres Herrn:
"Des Menschensohn ist nicht gekommen, sich bedienen zu
lassen, sondern zu dienen",
wurde dadurch herausgefordert, daß 2 seiner Jünger, Jakobus
und Johannes, ihn darum bitten, mit ihm zusammen Macht und
Herrschaft über diese Welt ausüben zu dürfen:
"Gib uns, daß wir sitzen dürfen einer zu deiner Rechten und
einer zu deiner Linken, in deiner Herrlichkeit."
Zu diesem Griff nach der Macht seiner Jünger, nach einem
Herrsein, indem die anderen ihnen zur Verfügung stehen
müssen, sagt Jesus ein klares Nein.
Jesus schaut dabei auch durch alle Verschleierung der
Tatsachen, auch durch eine fromme oder eine revolutionáre
Verschleierung hindurch. Er weiß immer, ob wir nur so tun
als ob, oder ob wir es wirklich ernst meinen.
Das Nein zu seinen Jüngern sagt Jesus nicht durch ein
stundenlanges Erklären, sondern dadurch, daß er auf den Weg
zeigt, den er zum Heil und zur Hilfe für alle Menschen, für
die ganze Welt geht.
Jesus Christus bereitet eine Welt vor, in der alle, die ein
menschliches Angesicht tragen, auch ein menschliches Leben
leben können, ohne bedroht und ausgeplündert zu werden durch
andere, die ihre Raubtiernatur noch nicht abgelegt haben.
Jesus Christus bereitet eine Welt vor, die Gott in der
Schöpfung bereits vorgezeichnet hat, die dann aber
durcheinander geriet.
In dieser durcheinandergeratenen Welt ist man nicht schon
Mensch durch die Geburt, sondern man kann sich im Laufe
eines Lebens erst zu einem echten Menschen entwicklen.
In der neuen Welt des Friedens und der wahren Menschlichkeit
herrscht eben nicht Macht und Gewalt, sondern Liebe und
Gerechtigkeit, die immer auch das Beste für den anderen
Menschen verwirklicht.
Jesus hat in seinem Tun und Handeln mitten in dieser Welt
der Macht und Gewalt Liebe und Gerechtigkeit praktiziert und
vorgelebt als Vorbereitung der neuen Welt.
Was spielt es schon dabei für eine Rolle, daß dabei Jesus
selbst unter die Räder der Maschinerie der Macht und Gewalt
geriet und dabei umkam, denn das, was er begonnen hat, geht
weiter, und kann nicht wieder rückgängig gemacht, höchstens
gebremst und verzögert werden.
Jesu Sache geht weiter und soll weitergehen durch Menschen,
durch dich und durch mich, also besonders durch Christen.
Das Wort:
"Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, sich bedienen zu
lassen, sondrn zu dienen",
will auch uns einladen, ihm nachzuleben, Liebe und
Gerechtigkeit als Garantie einer besseren Welt selbst zu
üben und dafür einzutreten, selbst wenn auch wir nicht
verstanden werden sollten oder leiden müßten.
Es lohnt den ganzen Einsatz, wenn wir das Ziel erkennen, das
es zu erreichen gilt.
Selbnstverständlich ist es enttäuschend festzustellen, daß
wir in einer 2.000-jährigen Geschichte der christlichen
Kirche das Ziel nicht erreichen konnten, wenn wir ihm auch
näher gekommen sind.
Wieviele nennen sich auch heute noch Christen, die sich
nicht zum Menschen machen lassen wollen, die in der
Auslebung ihrer alten Raubtiernatur andere Menschen und
Menschengruppen unterjochen und ausplündern, die es immer
noch nicht gemerkt haben, daß Christsein immer bedeutet
Praktizierung der Liebe zu unseren Mitmenschen und Eintreten
für Gerechtigkeit und Verwirklichung einer echten
Menschwerdung und Vorbereitung einer besseren neuen Welt.
Wir haben schon gesagt, daß wir der Verwirklichugn der neuen
Welt innerhalb der letzten 2.000 Jahren wegen des Versagens
der Christenheit nur ein kleines Stück näher gekommen sind.
Viele Millionen von Menschen mußten in dieser Zeit am Ende
ihre Lebens bitter und leidend und anklagend bekennen:
Mein Leben konnte man nicht menschliches Leben nennen. Es
hat sich nicht gelohnt, dieses Leben zu leben, weil mir von
Menschen und Menschengruppen die Möglichkeit geraubt wurde,
aus einem Vegetieren wie ein Tier herauszukommen und zu
einem echten menschlichen Leben zu gestalten, ein Mensch
Gottes zu werden.
Ich sehe dabei vor meinem Auge die vielen Ureinwohner hier
in Lateinamerika, die brutal niedergemetzelt wurden, die
Millonen von Deutschen ermnordeten Juden, die Millonen in
Lateinamerika, Afrika und Asien, die mit Gewalt oder durch
Wortschaftssysteme niedergehalten und ausgebeutet werden
oder die Völker und Staaten, die um anderer Interessen
willen gegenseitig in den Krieg getrieben werden, ohne sich
wehren und auflehnen zu können. Soll das noch unendlich
lange so weitergehen, weil wir Christen nicht das Wort Jesu
ernst nehmen wollen, das er im Zusammenhang unseres Textes
seinen Jüngern sagt:
"Ihr wißt, daß die weltlichen Fürsten ihre Völker
niederhalten und und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt. Aber
so soll es nicht sein unter euch; sondern wer groß sein will
unter euch, der sei euer Diener und wer unter euch der Erste
will sein, der sei aller Knecht."
Sollte sich dieses neue Reich des Friedens und der
Gerechtigkeit, wie viele heute bereits glauben, nur durch
brutale Gewalt durchsetzen können, wie es jetzt bereits in
Lateinamerika und auch in Argentinien im Terrorismus und in
der Bewegung der Guerilleros praktiziert wird, so wäre das
die Bankerotterklärung unseres christlichen Glaubens, ein
totales Versagen von uns Christen.
Besser allerdings wäre es, wenn wir Christen in dieser Zeit
des Umbruchs, ohne Gewalt, im Nachleben Jesu als ein Diener
aller, im Einsatz für die Notleidenden unserer Umgebung, im
Nachforschen der eigenen Ursachen der ganzen Misere der
Menschheit in unserer heutigen Zeit, im Ringen um die
Einsicht der Menschen, die die Herrschaft an sich gerissen
haben, die auf Kosten der anderen reich werden, also besser
wäre es, wenn wir dadurch Jesus mithelfen würden, eine
bessere Welt vorzubereiten.
"Wer groß sein will unter euch, der sei euer Diener, und wer
unter euch will der Erste sein, der sei aller Knecht",
sagt uns Jesus. Das sagt der, der das durch sein Leben
praktiziert hat, ohne also Gewalt zu üben.
Wir Christen sollten die ersten Diener der Menschen sein,
die heute noch in Not und Elend und unter den größten
Schwierigkeiten ihr unmenschliches Dasein fristen müssen.
Nicht nur Almosen sollten wir geben, sondern von Grund auf
sollten wir versuchen, ihnen zu helfen, ja, auch wenn wir
unmenschlich leben müßten fúr unsere Menschlichkeit
gegenüber anderen.
Es wäre sehr wichtig, wenn wir alle uns einmal darüber
Gedanken machen würden, allein und auch mit anderen, wie
solch ein Dienst als ein Diener Jesu und der Menschheit
mitten unter uns hier in der Zone, oder in Entre Ríos oder
in Argentinien aussehen müßte, denn unsere alten
Vorstellungen darüber reichen heute nicht mehr aus.
Zu einem solchen Dienst jedenfalls sind wir gerufen, denn
"auch des Menschen Sohn ist nicht gekommen, daß er sich
bedienen lasse, sondern daß er diene."