1 Außergewöhnliche Gottesd.- 35
Lugar/Ort:Col. Urquiza

Fecha/Datum:14/10/1962
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Brüderkonferenz
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Lukas 22, 39-43
Skopus: Engel begleiten Gottes Heilshandeln.
1 Außergewöhnl.Gottesd. 35 -Brüderkonf.-Lukas 22, 39-43 "Und
Jesus ging hinaus nach seiner Gewohnheit an den Ölberg. Es
folgten ihm aber seine Jünger nach an den Ort. Und als er
dahin kam, sprach er zu ihnen: Betet, auf daß ihr nicht in
Anfechtung fallet! Und er riß sich von ihnen einen Steinwurf
weit und kniete nieder, betete und sprach: Vater, willst du,
so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein
Wille geschehe! Es erschienn ihm aber ein Engel vom Himmel
und stärkte ihn."

Dieses Ereignis aus dem Garten Gethsemane ist sicherlich uns
allen aus den Passionsgeschichten des Herrn und Heilandes
Jesus Christus bekannt.
Der Herr steht im vollsten Wissen vor seinem schwersten
Wege. Durch Schmerzen, Qualen und Grausamkeiten und sogar
durch den Tod hindurch soll er gehen, um uns die Tür zur
ewigen Freude und Herrlichkeit aufzuschließen.
Daß dieser Weg für unseren Herrn keine leichte Sache war,
ersehen wir aus unseren Versen. Er fragt aus seiner Angst
vor der Schwere seines Weges heraus seinen Vater im Himmel,
ob es denn wirklich so notwendig wäre, daß er diesen Weg
durch das Leiden gehen muß.
Ob wir es jemals verstehen werden, was das bedeutet, daß der
Sohn Gottes um unserer Bosheit willen in solche großen Nöte
getrieben wurde?
Wie abgrundtief muß doch unsere Bosheit und Schlechtigkeit
sein, daß es keine andere Möglichkeit für uns Menschen gibt,
Gottes Kinder zu werden, als dadurch, daß der Sohn Gottes in
das finsterste Elend getrieben wird, sodaß er einmal
stöhnend ausbricht:
"Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich auch noch
verlassen?!"
Wie groß aber muß doch die Liebe Gottes zu uns bösen
Menschen sein, daß er sogar seinen eigenen Sohn das
Schwerste erleiden läßt, damit für uns Menschen der Weg zu
seiner Liebe wieder frei wird.
Auf den Angstschrei seines Sohnes mit der Frage, ob es
keinen anderen Weg gäbe zum Heil der Menschen, hat er nur
eine Antwort:
Nur dein Leiden, nur dein Kreuz, ist der Schlüssel zum Heil
der Menschen.
Hier im Ringen unseres Herrn erscheint ein Wesen aus dem
Himmel, ein ENGEL, um ihn auf seinem Wege im Gehorsam zu
seinem Vater im Himmel und zu unser aller Heil zu stärken:
"Es erschien dem Herrn aber ein Engel vom Himmel und stärkte
ihn."
Es ist durchaus rechtens, wenn wir einmal fragen, was es
denn eigentlich um die Engel ist?
Verschiedene Antworten gibt uns unser Passionstext.
Der Engel, der den Sohn Gottes auf seinem Weg zu unser aller
Heil stärkt, kommt aus dem Himmel. Er ist ein himmlisches
Wesen. Aus dem Schöpfungsbericht wissen wir, daß Gott am
Anfang Himmel und Erde geschaffen hat:
"Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde."
So bekennen wir es auch im 1. Artikel unseres apostolischen
Glaubensbekenntnisses:
"Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, Schöpfer
Himmels und der Erden."
Wir unterscheiden eine irdische und eine himmlische Welt.
Zur irdischen Welt gehören unsere Erde, Sonne, Mond und
Sterne, auch das also, was wir allgemein als Himmel
bezeichen, als Firmament. Alle unsere Versuche, den Weltall
zu erforschen, gelten immer nur der irdischen Welt. Wir
Menschen sind auch Geschöpfe der irdischen Welt.
Neben dieser irdischen Welt hat Gott die himmlische Welt
geschaffen, die grundsätzlich verschieden von unserer Welt
ist, besonders durch die Auszeichnung Gottes, daß er der
himmlischen Welt näher sein wollte als der irdischen.
Die himmlische Welt ist die Welt, die Gott am nächsten ist,
in der Gott selbst gegenwärtig sein will. Wir können darum
sagen:
Wo Gott ist, da ist immer auch der Himmel.
Wie beten wir im Vaterunser?:
"Vater unser, der du bist im Himmel."
Da die himmlische Welt so grundsätzlich verschieden von
unserer irdischen Welt ist, ist es uns unmöglich, von uns
aus etwas über diese himmlische Welt auszusagen.
Und wenn einigen wenigen Menschen auch schon, wenn es Gott
wollte, die Tür zum Himmel in einem kleinen Spalt geöffnet
wurde, so waren ihre menschlichen Augen doch so geblendet,
daß sie die ganze Herrlichkeit des Himmels nicht erkennen
konnten. Unsere Augen sind zu blind und unsere Ohren zu
taub, um die himmlische Welt zu erkennen. Unsere Organe
taugen nur etwas für diese unsere irdische Welt. Will sich
aber die himmlische Welt uns in einer bestimmten Weise zu
erkennen geben, tut sie es in irdischer Weise.
Hat doch Gott als der Herr über Himmel und Erde seinen
eigenen Sohn aus der Herrlichkeit des Himmels zu uns auf die
Erde in menschlicher Gestalt geschickt, als ein Mensch unter
Menschen, also auch für uns als Menschen erkennbar.
Die himmlische Welt ist so in Jesus Christus mit unserer
irdischen Welt eine enge Verbindung eingegangen.
Durch Jesus Christus wissen wir, was es um das Geheimnis des
Himmels und seiner Herrlichkeit in Wahrheit und Wirklichkeit
ist.
Von ihm haben wir allein das authentische Zeugnis über die
Realität des Himmels in einer irdischen Form.
Aber auch da spüren wir fast die Unmöglichkeit der
Beschreibung des Himmels mit irdischen Worten. Es ist ein
Gestammel, ein Stottern. Es fehlen einfach die Worte dafür.
Es fehlen uns einfach auch die Worte, um die Engel als
himmlische Wesen zu beschreiben.
Es ist darum lächerlich, sie als geschlechtslose
Menschenwesen mit Flügeln an den Schultern oder als
pausbäckige kleine Kinder darzustellen.
Ihre himmlische Gestalt ist für uns einfach nicht erkennbar.
Sie nehmen darum oft eine irdische Gestalt an:
Ein lieber und helfender Mensch, ein Buch, ein Gedanke.
Sie sind Gottes Botschafter. Als solche sind sie sein Mund,
seine Handlanger. Im Dienste für Gott verzehren sie sich Tag
und Nacht.
Hier im Garten Gethsemane im schwersten Kampf Jesu steht ein
Bote, ein Gesandter, ein Engel, von Gott geandt, ihm bei. Im
Auftrage Gottes, von ihm gesandt, stärkt der Engel den Sohn
Gottes auf seinem Wege zu unserem Heil.
Und wenn wir in unserer Bibel Bescheid wissen, dann ist uns
sicherlich aufgefallen, daß besonders immer dann, wenn Gott
in sorgender und liebender Weise mit uns Menschen handelt,
seine Botschafter, seine Engel, erscheinen, um diese
Fürsorge und diese Liebe Gottes zu uns Menschen zu
unterstreichen.
Das war schon im alten Volk Gottes so, das ist auch so bis
auf den heutigen Tag im gnädigen Handeln Gottes an uns
durch seinen Sohn.
Bei der Ankündigung Jesu und bei seiner Geburt stehen Engel
bereit und auf seinem Leidensweg und bei seiner Auferstehung
und Himmelfahrt auch.
Sie, die Engel, begleiten Jesu Weg zu unser aller Heil.
Und wenn Jesus einmal davon spricht, welch eine Freude im
Himmel sein wird über jeden Menschen, der zu Gott
zurückkehrt, dann bezeugt das, in welcher Weise gerade die
Engel Anteil nehmen an unserem Heil, an unserer Errettung.
Selbstverständlich kommt alles darauf an, daß wir unsere
Blicke und Gedanken ganz auf den leidenden, um unsretwillen
gekreuzigten Herrn lenken und sein Kreuz als Schlüssel zu
unser aller Heil benutzen.
Allerdings wird uns dabei sicherlich nicht verwehrt, nicht
von Gott verboten sein, einen Nebenblick, wirklich nur einen
Nebenblick, mehr wäre schon zu viel, auf diese seine
Geschöpfe der himmlischen Welt, auf die Engel zu werfen, die
Gottes liebendes Handeln an uns Menschen in lobender und
dankender Weise begleiten.
Mit Freuden und Sehnsucht schauen wir aus nach dem Tag, da
Himmel und Erde vereinigt, da wir Menschen als irdische
Wesen mit den Engeln als himmlische Wesen, gemeinsam, jeder
in seiner Art, Gottes Größe und Majestät anbeten, sein
liebendes Handeln mit uns Menschen loben und preisen und
seinen Namen verherrlichen in der ganzen Schöpfung:
"Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande
sind seiner Ehre voll."