1 Außergewöhnliche Gottesd.- 33
Lugar/Ort:Viale

Fecha/Datum:07/04/1957
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Diamante, 8-3-1958
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Brüderkonferenz
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Matthäus 26, 14-16
Skopus: Der Weg ins Verderben.
1 Außergew.Gottesd.33-Brüderkonferenz-Matthäus 26,14-16
"Da ging hin der Zwölf einer, mit Namen Judas Ischarioth, zu
den Hohenpriestern und sprach: Was wollt ihr mir geben? Ich
will ihn euch verraten. Und sie boten ihm dreißig
Silberlinge. Und von dem an suchte er Gelegenheit, daß er
ihn verriete."

Welch ein Unmensch,welch ein Scheusal, dieser Judas
Ischarioth! Um des lumpigen Geldes willen hat er seinen
Herrn und Meister Jesus Christus verraten.
Das ist doch das christliche Urteil eines jeden einzelnenj
von uns über diesen Verräter.
Wir könnten uns sicherlich denken, daß auch der Jünger
Petrus, als er von diesem Verrat des Judas gehört hatte,
entsetzt war über diese böse Tat seines Mitjüngers.
Wie oft müssen wir es ja auch unter uns Christen erfahren,
daß Menschen, die bisher mit uns Seite an Seite in der
Kirche waren, hinter Jesus Christus hergingen, nun fehlen
und nun die Feinde Jesu fragen:
"Was wollt ihr mir geben, ich will ihn euch verraten."
Dieser Verrat des Judas um des Geldes und anderer Dinge
willen ist ein Verrat, der sich immer wieder unter seinen
Jüngern und Jüngerinnen ereignet. Da kann einem schon Angst
und das Entsetzen kommen, daß es von jeder Gemeinde, auch
von uns hier, es einmal heißen kann:
"Einer unter euch wird mich verraten."
Neben der Maria, die in ihrer großen Liebe den Herrn mit
köstlicher Salbe salbte, die alles für den Herrn tun möchte,
steht in der Kirche, steht mitten unter den Frommen, auch
immeer der Judas, der den Feinden Jesu den Verrat anbietet:
"Ich will ihn euch verraten."
So ist die Geschichte der Kirche, der Gemeinde, der Jünger
Jesu Christi, immer eine Geschichte der Liebe, des Gehorsams
und gleichzeitig eine Geschichte des Verrates.
Wenn wir das wissen, und wenn wir rings um uns her auch viel
von Lauheit und viel von Verrat hören, so laßt uns dennoch
nicht einen Gaul besteigen und hochmütig behaupten, mir aber
kann das nicht passieren.
Denken wir nur daran, daß damals schon ein Jünger Jesu über
diesen Judas verächtlich die Nase rümpfte und behauptete:
"Und wenn sich alle an dir ärgern und wenn es sogar in den
Tod hineingehen sollte, ich werde dich niemals verlassen."
Es war Petrus, der das sagte und kurze Zeit später handelte
er nicht besser als dieser Judas.
Petrus beteuerte und schwur:
"Ich kenne diesen Jesus von Nazareth nicht."
Seine Verleugnung ist genauso scheußlich wie der Verrat des
Judas.
Wenn uns heute das Bild von Judas vor die Augen gemalt wird,
dann deshalb, weil Judas uns zwei ganz wichtige Dinge zu
sagen hat.
Weil Petrus auf diese beiden Dinge nicht geachtet hat, darum
ist er genauso gestürzt, wie Judas auch. Auf diese beiden
Dinge, die Gott uns durch Judas Ischarioth und die Judasse
aller Zeiten sagen will, laßt uns achten und bedenken.
Wir können diese beiden Mitteilungen so zusammenfassen:
1. Judas ist uns von Gott als ein Spiegel vor die Augen
gestellt.
2. Judas ist das hochgehobene Warnungssignal für unseren Weg
als Christen.
Merken wir es nicht, wenn wir unseren Blick richten auf den
Verräter, der sich zu denen schleicht, die Jesus fangen
wollen, daß auf einmal der Verräter Judas wie in einem
Spiegel deine und meine Gesichtszüge trägt?
Müssen wir noch lange davon sprechen, wie die vergangene
Woche an einem jeden Tag bei uns verlaufen ist? Haben wir
nicht oft Herr, Herr geschrieen, vielleicht sogar gebetet,
aber dann haben wir doch nicht getan, was der Herr von uns
in unserem Tun und Lassen haben wollten.
Kann man aus unserem Tun und Handeln und Reden, nicht nur im
Gottesdienst oder auf der Brüderkonfrenz, sondern im grauen
Alltag unseres Lebens unsere große Liebe zu Jesus Christus
spüren? Wie oft haben wir schon unserem Herrn Unehre und
Schande bereitet, nicht um Silber, sondern vielleicht sogar
um ein paar Pesos willen. Unzählig sind die Fälle bei einem
jeden einzelnen von uns, daß wir zum Verräter an Jesus
Christus und seiner Kirche geworden sind,
Der Spiegel des Judas zeigt uns, daß wir in der Tat Verräter
gewesen sind.
Aber auch das andere wird deutlich:
Gott hat den Judas auf unserem Wege als eine große
Warnungstafel aufgestellt. Wenn das stimmt, daß wir im
Spiegel des Judas uns immer wieder selbst als Verräter
erkennen, dann müssen wir wissen, daß auch die furchtbare
Möglichkeit besteht, daß unser Verrat da enden wird, wo
Judas geendet ist, in der größten Verzweiflung.
Allerdings kann das doch unmöglich unser Wille sein, daß wir
in einer solchen Verzweiflung wie beim Judas einmal enden
werden.
Judas zeigt uns jedenfalls, daß es in diesen Dingen bei
unserem Herrn Jesus Christus und seiner Kirche keine
Spielerei gibt, sondern wenn es um unseren Glauben und um
unseren Gehorsam gegen Jesus Christus und um unsere Treue zu
seiner Kirche geht, in die wir hinbeingestellt wurden, dann
geht es dabei immer um Leben und Tod.
Judas, der Verräter, steht an unserem Lebensweg und warnt
uns, die wir auf den Weg des Abfalls und der Untreue und des
Verrates geraten sind: Halt! Dieser dein Weg bis jetzt geht
wirklich ins Verderben, aus dem es dann kein Zurück mehr
geben kann.
Und zwar schreit er uns das so entgegen, damit wir es unter
keinen Umständen überhören.
Trotz der ernsten Wahrheit dieser Gestalt des Judas wird es
uns unheimlich zumute.
Daß Judas für uns ein Spiegel und ein Warnungssignal sein
soll, kann uns im letzten Grunde nicht helfen, damit werden
wir nicht vor dem Verderben bewahrt bleiben.
Darum kann es nicht anders sein, als daß wir unseren Blick
hinlenken zu dem, der durch Judas verraten wird.
So steht Jesus Christus neben Judas und ruft uns zu:
Für dich ist der Weg dieses Judas in das Verderben hinein
keine Möglichkeit mehr. Du darfst an meiner Seite den Weg in
das Leben hineingehen, denn ich habe für dich gelitten und
ich bin auch für dich und deinen Verrat in den Tod gegangen.
Statt, daß du mich verrätst, darfst du hinter mir hergehen
und mir gehorsam sein und darfst alle Tage deines Lebens das
tun, was ich von dir haben will.
So sind der Verleugner Petrus und der Christushasser Saulus
von dem gekreuzigten Herrn wieder auf den rechten Weg
gesetzt worden, und da sollte es jetzt einer unter uns
geben, den Jesus nicht an die Hand nehmen und sagen würde:
"Dir sind deine Sünden vergeben!"
Nein, es gibt keinen Menschen unter uns, zu dem er das nicht
sagt. Denn das wir jetzt doch noch das tun, was Judas getan
hat, das ist doch für dich und für mich eine unmögliche
Möglichkeit.
Judas hat das Wort von der Vergebung, das Jesus für ihn auch
noch bereit hatte, in den Wind geschlagen und sich damit
nicht retten lassen, sondern ist den Weg in das Verderben
gegangen.
Für uns gilt heute noch die große Möglichkeit, vor diesem
Jesus Chriostus, dem wir so oft Schande bereitet haben und
so oft verateh haben, niederzufallen und um Vergebung zu
bitten:
"Gott, sei mir Sünder gnädig!"