1 Außergewöhnliche Gottesd.- 29
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:10/11/1957
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Frauentag -Schlußandacht
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Markus 14, 3-9
Skopus: Jesus gebührt der beste Dank!
1 Außergewöhnl.Gottesd. 29 -Frauentag-Markus 14,3-9
"Und da er zu Bethanien war in Simons, des Aussätzigen,
Hause und saß zu Tische, da kam ein Weib, die hatte ein Glas
mit ungefälschtem und köstlichem Nardenwasser, und sie
zerbrach das Glas und goß es auf sein Haupt. Da waren
etliche, die wurden unwillig und sprachen: Was soll doch
diese Vergeudung? Man könnte das Wasser um mehr denn
dreihundert Groschen verkauft haben und es den Armen geben.
Und murrten über sie. Jesus aber sprach: Laßt sie in
Frieden! Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an
mir getan. Ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr
wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht
allezeit. Sie hat getan, was sie konnte; sie ist
zuvorgekommen, meinen Leib zu salben, zu meinem Begräbnis.
Wahrlich ich sage euch: Wo dies Evangelium gepredigt wird in
aller Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis,
was sie jetzt getan hat."

Am Schlusse unseres Frauentages soll uns diese Geschichte
Jesu mit dieser Frau beschäftigen.
Jesus ist wieder in dem Dorfe Bethanien zu Gast. Dieses Mal
ist es nicht das Haus der Maria und Martha, sondern das Haus
eines Mannes, der den Namen SIMON trägt. Sie sitzen zu
Tische. Plötzlich entsteht eine Unruhe. Eine Frau drängt
sich durch die Tür. Welch eine Frechheit, daß eine Frau das
wagt, zumal das ganze Dorf es weiß, daß diese Frau wirklich
ein ganz "schlechtes Weib" ist. So könnten wir es im
Lukas-Evangelium nachlesen. Diese Frau fällt vor Jesus
nieder und holt die besten Parfüme heraus und beginnt, Jesu
Kopf damit zu besprengen. Dieses Parfüm, daß die Frau dort
verwandte, war so teuer, daß ein Arbeiter eine Woche
arbeiten mußte, um das Geld zu verdienen, das den Preis
dieses Parfüms ausmachte.
Alle, die bei Tische waren, konnten es am Dufte feststellen,
wie wertvoll dieses war.
Können wir es den Menschen verübeln, daß sie mit dem Kopfe
schüttelten über solch eine Verschwendung. Hätte es Jesus
nicht verhindern müssen, daß soviel Geld nutzlos auf seinem
Kopfe vertan wurde?
Nein, er verhinderte es nicht. Er läßt es geschehen, daß
diese Frau ihn einbalsamiert. Er verwehrt dieser Frau nicht,
daß sie etwas für ihn tut.
Denken wir doch noch daran, daß Jesus im selben Dorfe
Bethanien im Hause der beiden Schwestern das Tun der Martha
als nicht gut ablehnte. Aber hier im Hause des Simon
verteidigt er das Tun, die Arbeit der Frau, die ihn salbt.
Worin mag die verschiedene Bedeutung des Tuns der beiden
Frauen liegen?
Martha wollte dem Herrn dienen, ohne zuvor auf die Stimme
Jesus hören zu wollen, die ihr sagt, was sie zu tun hat.
Diese Frau aber im Hause des Simon hatte bereits auf die
Stimme des Sohnes Gottes gehört:
Dieses stadtbekannte schlechte Weib hatte zuvor bei einer
Begegnung mit Jesus das Wort aus seinem Munde gehört:
"Frau, ich vergebe dir alle deine Schlechtigkeit."
Im Worte Jesu wurde ihr die Freiheit von ihrer bösen Lust
geschenkt. Durch ihre große Schuld ihres Lebens macht Jesus
Christus einen dicken Strich. Sie konnte aus seinem Munde
erfahren, daß auch sie wieder ein Kind Gottes ist.
Dieses stadtbekannte schlechte Weib hat Jesus Christus durch
die Vergebung ihrer Schuld zu seiner Jüngerin gemacht.
In dieser großen Freude, daß Jesus Christus sie aus aller
Knechtschaft frei gemacht hat, kennt ihre Dankbarkeit keine
Grenze. Sie ist in dieser großen Dankbarkeit bereit, das
Beste und Kostbarste und Teuerste für diesen ihren Erlöser
hinzugeben und das war ihr eben dieses teure und seltene
Parfüm.
Spüren wir nicht aus dieser Geschichte heraus, daß alles Tun
für Jesus Christus, jedes Opfer, das für die Kirche gegeben
wird, jede Mühe, die wir für Gott aufbringen, von Gott gar
nicht angenommen wird, sondern abgewiesen, wenn wir damit
uns bei ihm einen guten Namen machen wollen.
Wir können durch unser Tun, durch unser Geldopfer, nicht das
Himmelreich kaufen, nicht die ewige Seligkeit verdienen.
Solches Tun und solches Opfer ist nutzlos und sinnlos. Jesus
Christus nimmt nur solche Opfer an Arbeit und Geld von uns
an, wenn wir sie geben aus der überschwenglichen Dankbarkeit
heraus für das, was er uns zuerst geschenkt hat.
Nur da, wo das verstanden wird, was wir in der Schrift
lesen:
"Lasset uns ihn lieben, denn er hat uns zuerst geliebt",
nur da ist das Tun und das Opfer ein gesegnetes Tun und ein
gesegnetes Opfer.
Da, wo aus einer überschwenglichen Dankbarkeit etwas für
Jesus Christus gegeben oder getan wird, da wird es nicht
eine dünne Kollekte, da wirft man Gott nicht einen Knochen
hin, da meint man nicht, das wenigste und billigste und
kleinste wäre für ihn ja schon gut genug.
Nein, wo man aus Dankbarkeit für Gott etwas tut oder gibt,
da tut man das Beste, was man kann, da gibt man das Beste,
was man hat, so wie es diese Frau im Hause des Simon gemacht
hat.
Wir haben heute Nachmittag in dem Vortrag gehört, was es
heißt, als evangelische Frauen im Haus und im Hof zu leben.
Dieses Leben als eine Frau im Haus und im Hof ist ja auch
ein Tun für Jesus Christus. Und auch dabei gilt es, daß
dieses Leben als eine evangelische Frau nur dann rechtes
christliches Leben ist, wenn wir es leben aus Dankbarkeit
für das, was Jesus Christus uns geschenkt hat und wir darum
das Beste ihm hingeben.
"Lasset uns ihn lieben, denn er hat uns zuerst geliebt."