-6-Kirchenj. bis Ewigkeitssonntag 40
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Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Ernte-Dankfest
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Lukas 12, 13-21
Skopus: Wer sichert unser Leben?
-6- Kirchenj. bis Ewigkeitssonntag 40 -Lukas 12,13-21
"Es sprach aber einer aus dem Volk zu Jesus: Meister, sage
meinem Bruder, daß er mit mir das Erbe teile. Er aber sprach
zu ihm: Mensch, wer hat mich zum Richter oder Erbschichter
über euch gemacht? Und er sprach zu ihnen:
Sehet zu und hütet euch vor dem Geiz; denn niemand lebt
davon, daß er viele Güter hat. Und er sagte ihnen ein
Gleichnis und sprach: Es war ein reicher Mensch, des Feld
hatte wohl getragen. Und er gedachte bei sich selbst und
sprach: Was soll ich tun? Ich habe nicht, da ich meine
Früchte hin sammle. Und sprach: Das will ich tun: ich will
meine Scheunen abbrechen und größere bauen und will drein
sammeln alles, was mir gewachsen ist, und meine Güter; und
will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast einen
großen Vorrat auf viele Jahre; habe nun Ruhe, iß, trink und
habe guten Mut! Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! diese
Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und was wird's
sein, daß du bereitet hast? Also geht es, wer sich Schätze
sammelt und ist nicdht reich in Gott."

Weil wir hier in der landwirtschaftlichen Zone fast das
ganze Jahr über Erntezeit haben, wissen wir nicht, wann wir
eigentlich den Erntegottesdienst halten sollen, obwohl er im
Laufe des Kirchenjahres einmal vorgesehen ist.
Aus diesem Grunde haben wir seit langer Zeit schon in
unserer Gemeinde keinen Erntegottesdienst gehalten.
Einer der vielen Predigttexten zum Erntedank ist der, den
wir gehört haben, der bekannt ist als Gleichnis vom reichen
Kornbauer.
Ich denke, was uns da durch Jesus Christus gesagt wird, ist
nicht nur für einen Tag im Jahr wichtig, sondern sollte als
Motto für das ganze Leben eines Christen Gültigkeit haben.
Das Gleichnis hat in unserem Text eine interessante
Vorgeschichte.
Es kommt jemand von den Zuhörern zu Jesus und und bittet ihn
um Rat und Hilfe in einer Erbschaftsangelegenheit:
"Jesus, sage meinem Bruder, daß er die Erbschaft mit mir
gerecht teilen soll."
Es sieht sogar so aus. als ob der, der zu Jesus kommt, total
um seine Erbschaft von seinem Bruder betrogen wurde.
Wir wissen, daß Erbschaftsstreitigkeiten nicht nur eine
Angelegenheit aus vergangener Zeit sind, sondern bis auf den
heutigen ganze Familien durch Zorn und Streit und Haß
auseinanderreißen.
Wie kommt es eigentlich, daß Jesus grundsätzlich es ablehnt,
sich in Erbschaftsangelegenheiten einzumischen?
Er sagt dem. der ihn an diesem Punkte um Hilfe bittet:
"Wer hat mich denn zum Richter oder Schlichter über euch
gesetzt?"
Er lehnt aus einem bestimmten guten Grunde eine Einmischung
ab.
Er ist ja der Repräsentant einer neuen Welt, der
Verwirklicher des Reiches Gottes auf Erden und er ruft die,
die zu ihm gehören, auf, schon heute als seine Jünger nach
der Ordnung der neuen Welt zu leben und zu handeln, wie er,
der Herr, es uns vorgelebt hat, in der jeder sein volles
Genüge haben wird und zum wahren Leben keine Reichtümer
anzusammeln braucht.
Dieses Ansammeln von Reichtümern kann nur dadurch zustande
gebracht werden, wenn man anderen das, was sie zum täglichen
Leben benötigen, wegnimmt, auf die verschiedenste Art und
Weise wegnimmt.
Gott hat diese Erde so geschaffen, daß sie soviel wachsen
läßt, daß jeder Mensch satt werden kann, nicht mehr. Wer
aber mehr haben will, kann es nur erreichen auf Kosten
anderer, nur dadurch, daß er anderen Menschen das Leben
unmöglich macht.
Und hier an dieser Stelle kennt Jesus Christus keinen
Kompromiß. Er steht immer auf de Seite dessen, dem man sein
Existenzminimum wegnehmen will. Diesen Menschen nimmt er in
seinen Schutz.
Gerade der Evangelist Lukas macht dieses in seinem ganzen
Evangelium deutlich. Er geht sogar so weit, daß er als ein
Wort von Jesus predigt, daß der Arme der Liebling Gottes sei
und Reichtum Sünde.
Da es bei der Erbschaft immer um angesammelte oder
übernommene Reichtümer geht, liegt für Jesus Christus der
Betrug, den ein Mann an seinem eigenen Bruder begeht auf der
gleichen Ebene wie die Ansammlung dieser Reichtümer der
Erbschaft. Einem Betrug folgt der andere.
Im Reich Gottes aber liegt auf Reichtum kein Segen, weil
unrecht Gut nicht gedeiht. Wie kann da Jesus dem helfen, der
um betrogenen Reichtum in der Erbschaft betrogen wurde?
Wer in solch einer Angelegenheit der menschenverachtenden
Welt noch geholfen werden will, hat vom Wesen des Reiches
Gottes und der neuen Welt noch nichts verstanden, dem gilt
das Wort Jesu:
"Sehet zu und hütet euch vor aller Habgier, denn niemand
lebt davon, daß er viel besitzt."
Darunter fällt also der, der Reichtümer ansammelt, der diese
erbt und dabei wieder seinen Bruder betrügt und genauso der
Betrogene, der um diesen Reichtum, um den er betrogen wurde,
kämpft.
In der neuen Welt des Reiches Gottes, die jetzt schon auch
mit unserer Mithilfe verwirklicht werden soll, darf ein
Mensch jeden Tag neu seine Hände ausstrecken, zu dem, der
der Geber aller guten Gaben ist, und solch ein Mensch wird
nie enttäuscht werden:
"Sehet aber zu und hütet euch vor aller Habgier, denn
niemand lebt davon, daß er viel besitzt."
Gerade dieses soll durch das Gleichnis vom reichen Kornbauer
deutlich gemacht werden.
Es wäre ein volles Miverständnis, wenn wir dieses Gleichnis
so verstehen würden, als ob es gegen Gottes Willen sei, wenn
ein Bauer für eine gute Ernte arbeitet und sich darauf freut
und wenn er dafür sorgt, daß die Ernte auch gut eingebracht
wird.
Nein, Gott ist gegen das alles nicht. Sein Entsetzen über
uns fängt an, wenn wir meinen, daß wir nur, wenn wir viel
haben, zufrieden leben können; ja, daß wir erst dann unser
Leben gesichert haben, daß nur Reichtum, Anhäufung von
Reichtümern, uns die Möglichkeit zum Leben gibt, daß wir,
wie der reiche Kornbauer, sprechen, nach einer guten Ernte:
"Er sagte: Meine liebe Seele, du hast große Vorräte für
viele Jahre; ruhe dich nun aus, iß und trink und sei guter
Dinge."
Er hat sein Leben auf seine Vorräte, auf seine gute Ernte,
auf den Ertrag derselben, auf seiner Hände Arbeit aufgebaut
und glaubt sich jetzt von niemanden mehr abhängig, nicht
mehr abhängig von seinen Mitmenschen und besonders nicht
mehr abhängig von seinem Gott.
In diesem reichen Kornbauer soll nicht der Bauer schlechthin
getroffen werden von seinem Zorn, sondern wir alle, ganz
gleich ob Bauer oder nicht. Wir alle, die wir alle nur
allzusehr stolz sind auf das, was wir geleistet oder
zusammengeschrappt haben und wir, die wir unser Vertrauen
auf dieses Geleistete und Zusammengeraffte setzen.
Wir, mit dem reichen Kornbauer zusammen, vergessen nur zu
leicht, daß auf diese irdischen Dinge kein Verlaß ist. Wir
kennen sicherlich das Sprichwort:
"Wie gewonnen, so zerronnen."
Unsere Zukunft sichern, das kann allein Gott, der unser
Schöpfer ist und der uns erhalten will. Und den haben wir
nur zu leicht bei allen unseren Lebens=-und Zukunftsplänen
entweder vergessen oder bewußt nicht in unsere Karten
hineinsehen lassen.
Und auch wir bekommen vielleicht einmal, wie der reiche
Kornbauer, die ganze Schwere unseres leichtsinnigen Tuns zu
spüren:
"Du Narr, diese Nacht wird man dein Leben von dir fordern;
und wem wird dann gehören, was du aufgehäuft hast?"
Es ist schon wahr, was wir im ersten Teil unserer Predigt
gehört haben,
"das niemand davon lebt, daß er viel besitzt",
und von dem, was wir besitzen, können wir unser Leben nicht
aufbauen und auch nicht sichern.
Darum ist der ein kluger Mann, der es nicht so macht wie der
reiche Kornbauer in unserem Gleichnis, der alles tut, um
reich zu werden und dabei erfahren muß, daß er im letzten
Grunde ein Dummkopf ist, weil ja sein Tod schon eine
beschlossene Sache ist, heute oder morgen oder in wenigen
Jahren. Und er kann über den Tod hinaus nichts mitnehmen.
Der ist ein kluger Mann stattdessen, der nicht Reichtümer
ansammelt und darauf vertraut, sondern der sein Leben mit
Gott in Ordnung bringt, der sich von ihm, seinem Herrn,
reich machen läßt in seiner Liebe zu Gott und zu seinen
Mitmenschen, der Jesus nachfolgt, der so lebt, wie Jesus
gelebt hat.
Solch ein Mensch braucht sich um seine Zukunft keine Sorgen
zu machen. Der Schöpfer steht immer auf seiner Seite. Solche
Menschen dürfen auch wir sein.

(Das exakte Datum ist nicht vorhanden.)