-6-Kirchenj. bis Ewigkeitssonntag 39
Lugar/Ort:Aldea Protestante mit Kongreg.

Fecha/Datum:29/02/1976
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Erntedankfest
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Psalm 8, 5
Skopus: Von der Menschwerdung des Menschen.
-6- Kirchenj. bis Ewigkeitssonntag 39 -Psalm 8,5
"Was ist der Mensch, daß du, Herr, an ihn denkst?!"

Anläßlich der ersten Mondlandung wurde dieser Vers mit dem
ganzen 8. Psalm vom Mond aus der ganzen Menschheit
vorgelesen. Wir haben in dieser ganzen Show der
Nordamerikaner viele Fragezeichen, aber das ändert nichts
daran, daß der Psalm uns das Staunen und Verwundern darüber
lehren will, daß dieser unser Gott, der alle Macht in seinen
Händen hält, uns, die wir eine Handvoll Staub sind, annimmt
und uns unter allen Lebewesen eine besondere Würde gibt,
Menschen Gottes zu sein, seine Stellvertreter innerhalb der
ganzen Schöpfung zu sein.
"Was ist der Mensch, großer Gott, daß du an ihn denkst?!",
ruft der Psalmist staunend und dankend aus.
Ich glaube, daß es ein göttliches Geheimnis ist und bleiben
wird, daß ER, der Herr, sich zu uns herabneigt und uns zu
seinen Gesprächspartnern und zu seinen Mitarbeitern macht,
wie es im Schöpfungsbericht heißt:
"Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes
schuf er ihn und schuf sie als Mann und als Frau und segnete
sie und sprach: Machet die Erde euch untertan und herrschet
über sie."
Wir sind ein Teil der Schöpfung Gottes, in vieler Hinsicht
der Tierwelt verhaftet, aus Erde, aus Materie genommen, gab
uns der Schöpfer dadurch eine besondere Würde, machte er uns
dadurch zu Menschen, daß er uns seine Kräfte vermittelte,
uns seinen Odem gab, wie es im 2. Schöpfungsbericht heißt:
"Gott, der Herr, machte den Menschen aus Erde und blies ihm
den Odem des Lebens in seine Nase und so ward der Mensch ein
lebendiges Wesen."
Um ein echter Mensch zu sein, sind wir immer wieder auf das
neue Eiogreifen Gottes in unserem Leben angewiesen.
Von selbst haben wir kein menschliches Leben, sondern Gott
gibt es uns immer wieder neu. Mensch wird einer nicht durch
seine Geburt, sondern allein dadurch, daß er in die
Gegenwart Gottes kommt.
Je näher wir bei Gott sind, desto mehr vervollkommnen wir
uns als Menschen; je mehr wir uns von Gott entfernen, desto
schärfer kommt wieder unsere alte Raubtiernatur zum
Vorschein.
Liegt nicht im letzten Grunde die ganze Misere unserer Zeit
darin, daß wir uns weit von unserem Schöpfer entfernt haben?
Unser Zusammenleben in der ganzen Welt gleicht heute einem
Gegeneinander von Raubtieren, die nur eines kennen, für sich
und ihren eigenen Magen zu sorgen und alles, was sich
entgegenstellt, zu vernichten.
Was ist nicht unter uns Menschen alles an Grausamkeiten
möglich?
Die Würde, die Gott uns Menschen gab, treten wir uns
gegenseitig nieder und in den Dreck und machen uns das Leben
zur Hölle.
Nur durch ein stärkeres Zugehen auf Gott und ein Leben, wie
Er sich das menschliche Leben gedacht hat, können wir wieder
unsere Raubtiernatur verlieren.
Jedenfalls kann das, was unter uns Menschen an Grausamkeit,
an Betrügerei und unrechtmäßiger Bereicherung geschieht,
nicht Gott in die Schuhe geschoben werden, sondern hängt
daran, daß die Menschwerdung von uns Menschen immer weiter
zurückgedrängt wird, und zwar dadurch, daß wir uns von Gott
immer weiter entfernen.
Unser Predigttext bezeugt, daß Gott von Anfang an uns die
Möglichkeit geschenkt hat, Menschen zu werden, von ihm eine
besondere Würde zu erhalten:
"Was ist der Mensch, o Gott, daß du in dieser Weise an ihn
denkst?!",
wundert sich der Psalmist und bringt damit seinem Schöpfer
Lob und Dank entgegen.
Der Psalmist bezeugt, daß es wirklich ein Wunder
ohnegleichen ist, daß Gott so an uns handelt, daß er uns
liebt, daß er alles einsetzt in dieser seiner Liebe zu uns.
Die ganze Schöpfung, die Pflanzemn- und Tierwelt, stellt er
uns zur Verfügung, damit wir das haben, was wir zum Leben
benötigen. Trotz unserer abgrundtiefen Verdorbenheit, so hat
der Schöpfer es in seiner Liebe zu uns versprochen,
"soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer
und Winter, Tag und Nacht."
Gott der Allmächtige, gibt uns alle Möglichkeiten, daß wir
umhüllt von seiner Liebe, unsere immer wieder durchbrechende
Raubtiernatur überwinden und uns als Menschen wieder in
Achtung, Hilfsbereitschaft und Liebe gegenseitig begegnen.
Der Schöpfer ist, damit wir diese Möglichkeit nicht
verfehlen, sogar so weit gegenagen, daß er seinen eigenen
Sohn hat Mensch werden lassen.
Dieser Jesus Christus hat es uns vorgelebt, was es bedeutet,
ein Mensch zu sein, wie sein Schöpfer es gewollt hat, ein
Mensch, der durch die Liebe ganz Mensch geworden ist und
diese Liebe an seine Mitmenschen weiter gibt. Um dieses zu
erreichen, hat er sogar sein Leben eingesetzt.
Ohne es zu wissen, was er tat, hat der Gobernador Pontius
Pilatus von diesem Jesus von Nazaret gesagt:
"Sehet, der Mensch!"
Wenn im 8. Psalm vom Menschen die Rede ist, dann ist zuerst
von Jesus Christus die Rede. Er hat uns, die wir nicht mehr
ein- noch aus wissen und am Abgrund der Zerstörung der
ganzen Welt stehen, gezeigt, wie wir wieder aus der
Ausweglosigkeit herauskommen können, wie wir wieder Menschen
werden, die sich nicht mehr hassen und Leid antun, sondern
sich lieben, die nicht zerstören, sondern erhalten und
aufbauen. die nicht unterdrücken und tyrannisieren, sondern
befreien. Indem wir Jesus nachleben, begegnen wir uns
gegenseitig in Liebe, erretten wir die Welt vor der
Zerstörung, ermöglichen wir eine bessere und glücklichere
Zukunft für alle und bekennen staunend das Geheimnis und das
Wunder Gottes:
"Was ist der Mensch, o Gott, daß du an ihn denkst"!"
Wir können nicht mehr wie früher romantisch und schön und
fromm das Erntedankfest feiern, weil in den letzten
Jahrzehnten Furchtbares geschehen ist und Entsetzliches sich
herangebildet hat. Wir haben die Möglichkeit, diese Erde zu
zerstören. Wir haben die Möglichkeit, ganze Länder und
Kontinente mit Atomstrahlen so zu verseuchen, daß Jahrzehnte
kein pflanzliches und tierisches Leben möglich ist;
Nahpalmbomben bringen das schon für Jahre fertig. Die immer
weiter sich ausbreitende Industrie verschmutzt immer weiter
die Natur, und zerstört jedes pflanzliche und tierisches
Leben.
So könnten wir weiter aufzählen. Darum müssen wir es ganz
klar hören:
Nur dadurch, daß es das gibt, was mit unserem Predigttext
gemeint ist:
"Was ist der Mensch, o Gott, daß du an ihn denkst?!",
was mit der Menschwerdung des Menschen gemeint ist, können
wir heute das Erntedankfest feiern, können wir Gott, unserem
Schöpfer dafür danken, daß er auch in den vergangenen 12
Monaten uns auf und aus der Erde wachsen ließ, was wir zum
Leben nötig haben; daß sich im vergangenen Jahre Menschen an
die Arbeit stellten, um das zu schaffen, was unser
menschliches Leben ermöglicht, auf dem Kamp und in den
Städten und in den Fabriken und Geschäften.
Nur durch Jesus Christus, der uns wieder zu Menschne machen
will und uns darin weiter bringen möchte, haben wir die
Hoffnung, daß wir auch in Zukunft noch Erntedankfeste
begehen können, darum gilt ihm heute der größte Dank.