-6-Kirchenj. bis Ewigkeitssonntag 23
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:01/11/1955
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Ökum. Gottesdienst auf demn Friedhof.
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Matthäus 28, 5=6
Skopus: Er liegt nicht auf dem Friedhof, ist auferstanden.
-6- Kirchenj. bis Ewigkeitssonntag 23 -Matthäus 28,5-6 "Aber
der Engel antwortete und sprach zu den Weibern: Fürchtet
euch nicht! Ich weiß, daß ihr Jesum, den Gekreuzigten,
suchet. Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er
gesagt hat."

In diesem Worte wird eines klar und deutlich ausgesprochen,
daß da, wo der Tod auftritt, Furcht und Schrecken und Angst
verbreitet wird.
Wenn wir an alle die vielen Verstorbenen hier auf diesem
Friedhof denken und an das viele Leid, daß mit ihrem
Hinscheiden verbunden ist, dann müssen wir schon sagen:
Ja, wo der Tod escheint, da weicht die Freude und die Furcht
will von uns Besitz ergreifen.
Besonders aber erinnert uns jede Beerdigung, erinnert uns
jeder Tod eines Lieben daran, daß über uns alle, über dir
und über mir, das Schwert des Todes hängt. Und wir wissen
nicht, wann dieses Schwert des Todes wieder zuschlägt. Und
da sollte über uns, die wir leben wollen, nicht eine große
Furcht kommen?
Wir wissen ja auch als Christen, daß der Tod nicht ein
blindes Schicksal oder irgendein Naturereignis ist, sondern
die wohlverdiente Strafe Gottes, weil wir nichts nach ihm
fragen und auch nicht seine Gebote beachten.
Welcher Mensch unter uns führt denn sein Leben wirklich so,
daß Gott von ihm sagen könnte:
Er tut das, was ich von ihm erwarte?
Wenn wir hier durch unsere Reihen gehen würden, um nach dem
zu suchen, der in Wahrheit Gott dient, dann würde KEINER zu
finden sein. Keiner von uns würde vor Gottes Angesicht
bestehen können. Alle sind wir von Gott abgewichen, da ist
keiner der Gutes tue, auch nicht einer.
Weil das so ist, erreicht auch uns die wohlverdiente Strafe
und wir werden unseren Platz finden hier auf dem Totenacker.
Sollte uns darüber nicht Furcht und Angst und Schrecken
tief beugen? Ach, was sind wir doch für verlorene Kreaturen.
Dieser Ungehorsam Gott gegenüber fand dann seinen größten
Ausdruck, als wir in unserem menschlichen Hochmut den Sohn
Gottes ermordeten.
Würde dieser Sohn Gottes heute unter uns leben, dann würden
wir alle miteinander auch in diesen Schrei ausbrechen:
"Kreuziget, kreuziget ihn!"
Darum besteht das schon zu Recht, daß gesagt wird:
Das waren wir, du und ich, die den Sohn Gottes Jesus
Christus zu Tode quälten und marterten.
Wir waren es, die ihn an das Kreuz auf Golgatha aufhängten
und uns freuten, daß wir es fertiggebracht haben, ihn zu
ermorden.
Jedes Kreuz auf einem Grabe erinnert uns daran, da hängt
Jesus Christus und ich habe ihn dort als einen Verbrecher
sterben lassen, ich habe ihn ermordet. Mit eiserner Faust
müßte eigentlich Gott, der Herr, zwischen uns fahren und uns
in Grund und Boden zerschmettern, weil wir das getan haben.
So ist es einfach eine unverständliche Botschaft, die da
dort auf dem Friedhof zu Jerusalem zu hören ist:
"Fürchtet euch nicht!"
Eigentlich müßte dort und hier der Ruf ertönen:
Hinweg mit dir, du Mörder meines Sohnes.
Stattdessen hören wir die Botschaft:
"Fürchtet euch nicht!"
So kann nur Gott allein sprechen, dessen Liebe zu uns, zu
dir und zu mir, keine Grenzen hat, obwohl wir ihm gegenüber
nur Haß und Gleiuchgültigkeit kennen.
Darum will Gott es haben, daß auch hier über die Gräber
hinweg in unseren Herzen die Botschaft gehört wird:
"Fürchtet euch nicht!"
Kein Leid, keine Not und keine Traurigkeit und auch nicht
der große Verlust des liebsten Menschen soll mich daran
hindern, dieses Wort zu hören.
Auch unser so unchristlicher Lebenswandel und unser
stämdiger Ungehorsam Gott gegenüber, ebenfalls nicht unser
Namenschristentum kann uns daran hindern, noch einmal,
vielleicht jetzt wirklich zum allerletzten Male, die
ausgestreckte Hand Gottes zu ergreifen, der uns seine ganze
Liebe anbietet:
"Fürchtet euch nicht!"
Warum tut das Gott, der Herr?
Weil er uns so lieb hat, obwohl wir es nicht verdienen. Gott
möchte uns sagen:
Auch euer schändlicher Verrat an Jesus Christus haben ihn
nicht tot kriegen können.
Gott war und ist stärker:
"Er ist nicht hier, er ist auferstanden>"
Jesus lebt und statt uns zu vernichten, steht er vor seinem
Vater und bittet gerade für uns.
Wir haben Jesus Christus nicht tot gekriegt, und wir haben
auch seine Liebe zu uns noch nicht zerstören können und er
steht nun vor uns, mit all dem, was wir getan haben und was
wir sind und fragt uns:
Möchtet ihr wieder fröhliche Menschen werden? Möchtet ihr
nicht trotz allem, was gewesen ist, jetzt endlich meine
ausgestreckte Hand ergreifen und mit uns durch das Leben
gehen.
Einmal wird die Tür zu uns endgültig zugehen, aber heute
noch steht er vor uns und lädt uns ein.
Wer dieser Einladung des auferstandenen Herrn folgt, braucht
sich auch im Angesichte des Todes, braucht sich vor dem
eigenen Tode nicht zu fürchten, denn er hat den zum Herrn,
der dem Tode die Macht genommen hat. Darum kann es von
diesem Totenfest auch nur heißen:
Wen suchet ihr hier auf diesem Friedhof?
Euren Vater, oder eure Mutter, oder euren Ehegatten oder
eure Kinder?
Nein, nein, der Friedhof hat sie nicht aufgenommen, genauso
wenig wie damals den Herrn Jesus. Eure, unsere Toten, sind
nicht hier, sondern sie stehen vor Gottes Angesicht und
fallen seiner Gnade oder seinem Gericht anheim.
Darum kann es für uns nur eines geben:
Nicht den Friedhof zum Gotteshaus zu machen, nicht unsere
Toten anzubeten, sondern sie dem einen und wahren Gott
anzubefehlen.
Unsere Aufgabe kann es nur sein, nach Hause zu gehen und
endlich als Christen zu leben, endlich einmal nach Gottes
Wort zu fragen und danach zu leben, damit es von uns einst
heißen darf:
Er ist bei seinem Herrn in der Ewigkeit.
Möge es una allen geschenkt werden, diese fröhliche
Gewißheit:
"Lebe ich, so lebe ich dem Herrn, sterbe ich, so sterbe ich
dem Herrn; darum, so lebe oder sterbe ich, so bin ich des
Herrn."
Dann darf es später auch von uns gelten hier auf dem
Friedhof:
Was suchet ihr? Ihr suchet den und den Menschen? Er ist
nicht hier, siehe er ist auferstanden.