-6-Kirchenj. bis Ewigkeitssonntag 22
Lugar/Ort:Meroú

Fecha/Datum:01/11/1963
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Aldea Protestante, 1-11-1964
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Ökum. Gottesdienst auf dem Friedhof
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Psalm 103, 15-17a
Skopus: Die helfende Hand über uns.
-6- Kirchenj. bis Ewigkeitssonntag 22 -Psalm 103,15-17a "Ein
Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blühet wie eine
Blume auf dem Felde; wenn der Wind darüber gehet, so ist sie
nimmer da, und ihre Stätte kennet sie nicht mehr. Die Gnade
aber des Herrn währet von Ewigkeit zu Ewigkeit über die, so
ihn fürchten."

Wie wahr und real ist doch das, was der Sänger des 103.
Psalms über uns Menschen aussagt.
Er vergleicht uns mit dem Gras auf dem Felde. Ein heißer
Wind geht darüber hin und alles ist verdorrt.
Es hat eine Zeit gegeben, da wollte der Mensch diese
Tatsache nicht gelten lassen, daß er ein Nichts sei.
Wie konnte der Mensch das auch annehmen, wenn er insgeheim
in seinem Herzen doch glaubte, daß er selbst ein kleiner
Herrgott sei. Der Mensch glaubte sich dazu berufen, die
Geschichte seines Lebens in die Hand zu nehmen und eine
herrliche paradiesische Zeit heraufzuführen.
Dieser Glaube des Menschen an sich selbst ist in zwei großen
und fruchtbaren Weltkriegen zusammengebrochen. Nicht einer
herrlichen Zukunft kann der Mensch entgegengehen, sondern
höchstens seiner eigenen mörderischen Vernichtung. Die
Kräfte, die Gott in die Natur hineingelegt hat, damit wir
sie zu unserem eigenen Wohle erforschen und nutzen,
gebrauchen wir, um uns das Leben schwer, je unmöglich zu
machen.
Heute liegt über der ganzen Menschheit nicht mehr der
Glaube, daß wir kleine Herrgötter seien, sondern heute weiß
es jeder Mensch, daß wir ein Nichts, ein Dreck sind.
Wenn wir uns einmal die Mühe machen würden, die modernen
Bücher aus der ganzen weiten Welt anzusehen, dann würden wir
erschrecken über die Titel dieser Bücher:
"Eine Handvoll Staub";
"Die Nackten und die Toten";
"Die Pest";
"Am Abgrund des Lebens";
"Die Sonne Satans".
In ihnen wird von menschlicher Seite zum Ausdruck gebracht,
was wir solange nicht wahrhaben wollten, nämlich dieses:
Wir sind wirklich nicht mehr als eine Handvoll Staub. Viele
Jahrtausende waren nötig, um uns Menschen in natürlicher
Weise zu überzeugen von dem, was der Psalmsänger damals
ausgesprochen hat:
"Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blühet wie eine
Blume auf dem Felde, wenn der Wind darüber geht, so ist sie
nimmer da, und ihre Stätte kennet sie nicht mehr."
Diese bittere Wahrheit über uns, müssen wir, jeder
persönlich ganz für sich, erkennen, auch wenn wir aus der
weiten Welt nichts hören oder hören wollen, und zwar dann,
wenn wir wieder einen unserer Lieben zu Grabe tragen, wenn
wir an die vielen Menschen denken, denen, die hier eine
letzte Ruhestatt gefunden haben und ihr Leib bereits nur
eine Hanvoll Staub noch ist.
Diese Tatsache, daß auch die Menschen der Welt erkennen
mußten, da wir ein Nichts, ein Dreck sind, hat über die
ganze Menschheit einen Schleier der Angst und der Sorge
gelegt.
Hat es je schon eine solche Zeit gegeben wie die unsrige,
die so von der Angst und der Sorge geprägt war über das, was
morgen sein wird, über das, was wir wir morgen schon uns
gegenseitig antun können?
Und nun sagt uns unser Wort aus dem 103. Psalm, daß wir
unser Leben nicht in Furcht und Angst leben brauchen, auch
wenn in der Tat wir nur ein Handvoll Staub sind.
Das ist das, was wir aus unserer eigenen menschlichen
Natürlichkeit nie erkennen könnten und wenn wir noch 10.000
Jahre warten sollten. Dieses kann nur wahr sein, wenn es aus
einer anderen Welt kommt, die ewigen Bestand hat.
Das ist das, was der Psalmensänger schon vor vielen
Tausenden von Jahren als ein Geschenk, als eine Erfahrung
durch Gott selbst zuteil wurde:
"Die Gnade des Herrn aber währet von Ewigkeit zu Ewigkeit
über die, so ihn fürchten."
Die Gnade Gottes besteht darin, daß Gott uns, die wir ein
Nichts, eine Handvoll Staub sind, dennoch lieb hat. Wir sind
ihm nicht zu gering und zu schmutzig und zu böse, sondern er
neigt sich zu uns hernieder in den Staub. Er tut es, indem
er seinen eigenen Sohn eine Handvoll Staub werden ließ. Er
ging mit uns, Seite an Seite, durch dieses menschliche Leben
mit all der Not, der Angst und der Sorge. Ja, er ging sogar
unseren Weg in den Tod hinein.
Und gerade auf seinem Wege in den Tod hinein geschah das
große Wunder Gottes, daß er nicht im Staube und im Dreck
blieb. Gott hebt seinen menschgewordenen Sohn heraus aus dem
Nichts des Todes und führt ihn zur ewigen Herrschaft als
König und Herr Himmels und der Erden.
Und nun zeigt Gott seine große Liebe zu uns darin, daß wir
mit Jesus Christus aus dem Nichts, aus dem Staub und Dreck
unseres Lebens, unseres Sterbens und unseres Todes,
herausgehoben werden in die ewige Freude und Herrlichkeit
hinein.
Welch eine wundervolle und freudige Gewißheit:
Selbst wenn durch die menschliche Bosheit einmal die ganze
Erde zerstört werden sollte und von uns nichts mehr übrig
bleiben würde, so bleibt es dennoch Wirklichkeit:
Gott findet uns, Gott führt uns dennoch in die ewige
Herrlichkeit. Wir bleiben auf immer in der gnädigen Hand
unseres uns liebenden Gottes.
Das ist es, was uns auch hier auf dem Friedhof selbst im
Angesichte unserer Toten, selbst im Blick auf unseren
eigenen Tod dennoch froh und getrost werden läßt.
Sie, die Toten, und wir, die noch Lebenden, stehen in der
Hand Gottes, der uns aus dem Staube hebt in die ewige Freude
und Herrlichkeit hinein.
"Die Gnade des Herrn aber währet von Ewigkeit ziu Ewigkeit."
Allerdings fragt uns unser Wort, ob wir bereit sind, uns aus
dem Staube herausheben zu lassen, ob wir bereit sind, das
anzunehmen, was Gott uns in seinem Sohn Jesus Christus
anbietet?
Das Wort von der ewigen Freude und Herrlichkeit wird nur für
den Wirklichkeit, der seine Hand danach ausstreckt.
Aber wer wollte von uns so dumm sein, das nicht zu tun?! Wer
wollte so dumm sein, Gottes Hand, die sich nach uns
ausstreckt, zurückzuschlagen, die Hand, die uns unsere Würde
wiedergeben will, die wir verloren haben, die Hand, die uns
das ewige Leben schenken will.
Darin liegt auch unser Gehorsam, auf den Gott heute wartet,
daß wir bereit sind, uns von ihm beschenken zu lassen, uns
von ihm lieben zu lassen.
Gott, der Herr, möge uns allen es schenken, daß wir unsere
Hände hilfesuchend ihm entgegenstrecken, daß auch wir mit
unseren Verstorbenen die ewige Seligkeit erlangen.



















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