-6-Kirchenj. bis Ewigkeitssonntag 17
Lugar/Ort:Meroú

Fecha/Datum:01/11/1973
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Aldea Protestante, 1-11-1973 -deutsch-
Aldea Protestante, 1-11-1978 -spanisch-
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Ökum.Gottesd. auf dem Friedhof
Libro Bíblico/Buchbezeichnung: 5. Mose 31,8 - Deuteronomio 31:8
Skopus: Jesus führt uns auch über die Schwelle des Todes.
-6- Kirchenj. bis Ewigkeitssonntag 17 -5. Mose 31, 8
"Der Herr aber, der selber vor euch hergeht, der wird mit
dir sein und wird die Hand nicht abtun und dich nicht
verlassen. Fürchte dich nicht und erschrick nicht."

Ob wir es wollen oder nicht, es bleibt einfach eine
Tatsache, daß wir Menschen, selbst auch als Christen, mit
der Realität des Todes, des Todes eines lieben Menschen oder
des eigenen Todes, nicht fertig oder nur schlecht fertig
werden können.
Oft gebraquchte und gutgemeinte, selbst fromme Worte, können
uns nicht täuschen, daß von Anfang an bis heute der Tod eine
uns bedrohende Gewalt und Macht ist, voller Geheimnisse und
voller Brutalität und Dunkelheit und Angst und Verzweiflung.
Und das ist es ja, daß mit dieser Realität des Todes es
jeder Mensch zu tun bekommt und keiner ihr entfliehen kann,
was uns immer wieder erschüttert.
Es können durchaus Zeiten in unserem Leben sein, wo wir,
einschließlich unserer Familie oder unserer Freundschaft,
vor dem Wirken dieser unheimlichen Gewalt bewahrt werden und
wir die Frage nach dem Tode verdrängen; aber dann plötzlich
und unerwartet, am Krankenbette oder am Sarge eines lieben
Menschen bricht die Frage nach dem Tod wieder ganz neu in
uns auf.
Rang nicht Jesus selbst im Garten Gethsemane mit dieser
unheimlichen Macht?, und zwar so, daß er Blut schwitzte?
Nein, nein, auch wir als Christen sind in der
Auseinandersetzung mit dem Tode vor eine harte Probe
gestellt.
In Nordamerika und Europa haben Gruppen, die sich aus
Ärzten, Psyzchologen und Pfarrern zusammensetzten, in einer
ganzen Reihe von Kliniken, Hospitälern und Sanatorien,
Sterbende begleitet und beobachtet und dabei festgestellt,
daß Christen dieselben Probleme wie die Nichtchristen
hatten, um mit dieser Realität fertig zu werden.
Viele unserer Beerdigungslieder machen es sich zu leicht,
wenn sie die Realität des Todes verkleinern oder mit unseren
Wunschbildern über ein besseres und schöneres Leben nach dem
Tode verkleistern und úbermalen. Solche Aussagen über den
Tod helfen uns nicht, wenn er dann wirklich vor unserer Tür
steht.
Wenn Jesus Christus selbst es so schwer hatte, mit der
Realität des Todes, auch seines eigenen Todes, fertig zu
wereden, so brauchen wir es als Christen nicht zu meinen,
wir hätten ein Mittel, das uns den Tod zum Freund macht.
Wir haben jetzt natürlich zu fragen, was kann uns der
christliche Glaube an die Hand geben, den Tod in seiner
Endgültigkeit und Grausamkeit für uns und unsere Lieben,
wenn auch unter Zittern und Zagen und Ängsten, zu bejahen
und anzunehemen, ohne seine Realität abzuleugnen, ohne seine
Furchtbarkeit zu übermalen und ohne ihn zu einer
Märchenfigur zu machen, solange er nicht an unserer eigenen
Tür anklopft.
Mir scheint, daß unser Bibelwort solch eine Hilfe sein kann:
"Der Herr aber, der selber vor euch hergeht, der wird mit
dir sein und wird die Hand nicht abtun und dich nicht
verlassen. Fürchte dich nicht und erschrick nicht."
Das Volk Gottes steht an der Grenze seines Weges, seines
Zieles. Dieses Ziel ist ihm von Gott vorherbestimmt:
Das verheißene Land Kanaans.
Mit diesem Lande verbinden die Kinder Israels alle ihre
Hoffnungen, Wünsche und Träume und fromme Sehnsüchte.
Kundschafter, die einen Eindruck über das Land vermitteln
sollen, berichten Grausames und Gutes.
Und nun soll Josua, mit dem Volk allein, diesen Weg über die
Grenze, diesen Weg ins Unbekannte, von dem auch Gutes und
Schlechtes erzählt wird, gehen, Mose wird diesen Weg nicht
mitgehen.
In die Verzagtheit des Josua hinein zeigt Mose, was ihm auf
diesem Wege helfen kann:
1. Der Herr, der sie auf dem Wege bis hierher geführt hat,
wird vor ihnen hergehen bei der Überschreitung der Grenze.
2. Der Herr geht nicht nur vorneweg, sondern er begleitet
sie so, das er und das ganze Volk spüren kann, der Herr ist
bei mir. Seine Hand der Hilfe läßt mich nicht los.
Diese Gewißheit allein ist die Garantie dafür, daß er in
aller Anfechtung und Angst und Sorge über das Kommende sich
nicht zu fürchten, nicht zu erschrecken, braucht.
"Der Herr aber, der selber vor euch hergeht, der wird mit
dir sein und wird die Hand nicht abtun und dich nicht
verlassen. Fürchte dich nicht und erschrick nicht!"
Mir scheint dieser Text eine Möglichkeit aufzuzeigen, wie
wir mit der Realität des Todes als Christen fertig werden
können.
Wie Josua vor dem Ende seines Weges, vor dem Überschreiten
der Grenze zu einem neuen Ziel hin, das Gott selbst gesteckt
hat, steht, stehen wir vor der Realität des Todes, einer
Realität, die Gott gesetzt hat.
Jeder von uns wird eines Tages diesen Tod selbst erleiden
müssen, ohne daß irgendein Mensch uns dabei begleitet.
Was jenseits der Grenze des Todes auf uns wartet, davon wird
vielerlei berichtet, Gutes und Furchtbares, Paradies und
Hölle, ewige Verdammnis und ewiges Heil, Erfüllung aller
unserer Sehnsüchte und Träume und totale Vernichtung, die
Stadt der goldenen Gassen und ewiges Brennen im Feuer, eine
neue himmlische Welt und eine totale Zerstörung der ganzen
Schöpfung.
Was sagt Mose dem Josua, um mit dem, was ihm Mut macht, den
Weg jenseits der Grenze getrost zu gehen und was auch uns
Mut machen kann, mit dem, was jenseits der Todesgrenze auf
uns wartet, fertig zu werden. Der Herr, der selbst auf dem
Weg bis hierher vorausgegangen ist, wird ebenfalls diesen
Weg ins Ungewisse vorneweg gehen.
Es bedeutet für uns auch, daß unser Herr Jesus Christus, der
unser Führer auf dem Lebenswege gewesen ist, ging uns
bereits den Weg des Todes voraus und dieser Herr geht heute
mit uns unseren ganz persönlichen Weg in den Tod und durch
den Tod hindurch, und zwar als der, der uns auch auf diesem
schweren Weg helfend zur Seite steht.
In Jesus Christus allein haben wir die Garantie, daß wir als
Christen alle Ängste, Nöte und Probleme des Todes, unseres
eigenen Todes und des unserer Lieben und des der ganzen
Menschheit siegreich bestehen werden. Durch ihn allein sind
wir überzeugt, daß Gott durch den Tod hindurch mit uns zum
Ziele kommen wird und wir lassen uns, ohne zu träumen oder
zu phantasieren, davon überraschen, was das bedeutet, daß
das Ziel unseres Weges durch das Leben und durch den Tod
hindurch ewige Seligkeit für uns bedeutet.
So akzeptieren wir die Realität des Todes mit allen
Problemen und Grausamkeiten, die nicht wegzuwischen sind.
Hilfe kommt allein in aller Angst und Anfechtung von Jesus
Christus, der uns den Weg vorausgegangen ist und uns nun
auch durch den Tod als Helfer begleiten will.
Je mehr wir uns von ihm in den Problemen des Todes helfen
lassen, desto mehr werden wir mit seiner Realität fertig
werden und wir werden das erleben, was Josua erlebt:
Gefaßt und ohne Furcht den Problemen des Todes
gegenüberstehen:
"Der Herr aber, der selber vor euch hergeht, der wird mit
dir sein und wird die Hand nicht abtun und dich nicht
verlassen. Fürchte dich nicht und erschrick nicht!"