-6-Kirchenj. bis Ewigkeitssonntag 14
Lugar/Ort:Meroú

Fecha/Datum:26/10/1980
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Reformationstag
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Johannes 2, 13-22
Skopus: Der christliche Gottesdienst kommt in Sicht.
-6- Kirchenj. bis Ewigkeitssonntag 14 -Johannes 2, 13-22
"Und der Juden Ostern war nahe; und Jesus zog hinauf gen
Jerusalem. Und er fand im Tempel sitzen die, die die Ochsen,
Schafe und Tauben feil hatten und die Wechsler. Und er
machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle zum
Tempel hinaus samt den Schafen und Ochsen und verschüttete
den Wechslern das Geld und stieß die Tische um und sprach zu
denen, die die Tauben feil hatten: Traget das von dannen und
machet nicht meines Vaters Haus zum Kaufhause! Seine Jünger
aber gedachten daran, da geschrieben steht: Der Eifer um
dein Haus hat mich gefressen. Da antworteten nun die Juden
und sprachen zu ihm: Was zeigst du uns für ein Zeichen, daß
du solches tun mögest? Jesus antwortete und sprach zu ihnen:
Brechet diesen Tempel, und am dritten Tage will ich ihn
aufrichten. Da sprachen die Juden: Dieser Tempel ist in
sechsundvierzig Jahren erbaut; und du willst ihn in drei
Tagen aufrichten? (Er aber redete von dem Tempel seines
Leibes. Da er nun auferstanden war von den Toten, gedachten
seine Jünger daran, daß er dies gesagt hatte, und glaubten
der Schrift und der Rede, die Jesus gesagt hatte.)"

Der Tempelreinigung voraus ging die Hochzeit zu Kana, auf
der Jesus in einer menschlichen Ratlosigkeit durch eine
nicht genügende Vorbereitung einer Hochzeitsfeier helfend
eingreift. Er ist nicht nur für die religiösen Dinge des
menschlichen Lebens zuständig, sondern für alle seine Nöte
und Probleme und Schwierigkeiten.
Und gerade die Hilfe, die Jesus gewährte in einer
menschlichen problematischen Situation, zeigt ihn als den
von Gott gesandten Messias. Es steht da sogar der Vers:
"Das ist das 1. Zeichen, das Jesus tat; es geschah in Kana
in Galiläa, und damit offenbarte er seine Herrlichkeit."
Und danach machte er sich mit seinen Jüngern auf den Weg
nach Jerusalem, um dort das Passahfest zu feiern.
Es ist nicht das letzte Mal, da er dieses Fest begeht mit
der Einsetzung des Heiligen Abendmahls, sondern das erste
Mal, nachdem er seine Aufgabe als Messias Gottes und als
Heiland der Menschen begonnen hat,
Wir wissen, daß das Passahfest zur Erinnerung an die
Befreiung der Israeliten aus der Knechtschaft Ägyptens
eingesetzt wurde.
Und Jesus stellt sich mitten hinein in die Tradition des
Volkes Gottes, des befreienden und helfenden und erlösenden
Handelns Gottes an seinem Volk. Die Erinnerung an das
Passahfest war auch dazu gedacht, Gott für seine Durchhilfe
durch Opfergaben zu danken. Das geschah durch die Geldgaben,
durch Opfertiere, wie Rinder, Schafe und Tauben, die durch
den Priester auf dem Altar geschlachtet und dann auf einem
Brandopferaltar gebraten und anschließend gegessen oder ganz
verbrannt wurden.
Für die, die von weit her kamen und kein Vieh als Opfergabe
mitbringen konnten, bestand die Möglichkeit, im Vorhof des
Tempels Vieh zu einem angemessenen Preis zu kaufen.
Ebenfalls konnte das Geld des eigenen Staates und des
römischen Reiches oder anderer Länder im eigenen Tempel
nicht benutzt werden. Es gab ein besonderes Tempelgeld. Und
in demselben Vorhof des Tempels waren die Wechselsstuben, in
denen die am Fest und am Opferkult Teilnehmenden ihr Geld
als Dankesgabe umtauschen konnten.
Normalerweise konnte an diesem Gebrauch nichts ausgesetzt
werden, zum Teil war er von Gott selbst durch sein Gesetz
eingesetzt.
Was mag also Jesus Christus dazu bewogen haben, so hart zu
handeln, wie es in unserem Predigttext der Evangelist
berichtet:
"Und Jesus fand im Tempel Leute, die Rinder, Schafe und
Tauben verkauften, und die Wechsler, die an ihren Tischen
saßen. Da machte er eine Geißel aus Stricken und trieb sie
alle zum Tempel hinaus samt den Schafen und Rindern und
schüttete den Wechslern das Geld aus und stieß die Tische um
und sagte zu denen, die die Tauben verkauften: Tragt das weg
und macht nicht das Haus meines Vaters zum Kaufhaus."
Das ganze Treiben im Vorhof des Tempels war nicht auf den
eigentlichen Zweck ausgerichtet, Gott durch eine Gabe zu
danken, sondern Geschäfte zu machen.
Die einen, die Händler und die Wechsler, wollten keine
Gehilfen Gottes mehr sein, sondern trieben die Preise so in
die Höhe, daß sie religiöse Dinge zu ihrem eigenen Vorteil
ausnutzten. Und die, die Gott danken sollten mit ihrer
Gaben, schacherten und handelten so mit den Preisen, daß sie
mögllichst wenig für Gott auszugeben brauchten. Von beiden
Seiten haben sie mit den Problemen und Dingen des Glaubens
Geschäfte gemacht und jeder sucht aus ihnen die größten
Vorteile zu ziehen:
"Macht aus dem Haus des Vaters kein Kaufhaus!"
So erschallt es als Gerichts- und Zornwort Jesu durch den
Tempel.
Wird nicht damit der Unglaube von damals mitten im Volk
Israels sichtbar und auch gerichtet.
Über diesen unseren Text wurde bisher normalerweise in den
Gottesdiensten am Reformationsfest gepredigt, das wir in
Erinnerung an Dr. Martin Luther feiern, der in der damaligen
Zeit, da die römisch-katholische Kirche in ähnlicher Weise
wie zur Zeit des Volkes Israels aus dem Glauben ein Geschäft
machte, sie wieder zurückrufen wollte von ihrem falschen
Wege.
Kämpfte er nicht gegen einen Abgesandten des Papstes in Rom
mit Namen Tetzel, der Ablaßbriefe zur Vergebung von Sünden
gegen schweres Geld verkaufte. Wir kennen vielleicht den
Spruch, den Tetzel angeblich gesagt haben sollte:
"Sobald das Geld in dem Kasten klingt, die Seele aus dem
Fegefeuer in den Himmel springt."
Wer viel Geld hatte, konnte sich sogar den Bischofstitel mit
dem Bistum vom Papst kaufen und holte dann später das Geld
durch besondere Abgaben der Gläubigen seines Bistums wieder
ein.
Aber heute wäre es nicht gut, an diesem Punkte auf die
anderen Kirchen zu sehen, sondern es wäre nötig, sich an die
eigene Nase zu packen.
Was für Probleme gibt es jedesmal neu, wenn es um die
Gemeindebeiträge geht, wo man möglichst niedrig ihn halten
möchte, ohne zu fragen, was für Aufgaben wir als Gemeinde
oder als Kirche zu erfüllen haben.
Ein Kassierer einer bestimmten Gemeinde erzählte mir, daß,
seitdem sie 3 Beitragsstufen festgesetzt haben, um den
Schlechtergestellten eine Vergünstigung zu gewähren, der
größte Teil der Mitglieder sich als arm versteht und die
niedrigste Beitragsstufe bezahlt, obwohl sie nicht zu den
Minderbemittelten gehören, während eine ganze Reihe ärmerer
Glieder die nächsthöhere Stufe bezahlen, weil sie sagen, für
Jesus Christus ist nichts zu hoch angesetzt.
Es ist aber schon gut, wenn uns unser Wort daran erinnert,
daß, wenn es um den Glauben und um den Gehorsam des Glaubens
geht, um Frömmigkeit und Religion, daraus kein Geschäft
gemacht werden darf und und darum auch nicht gefeilscht und
geschachert werden kann.
Alles das, ganz gleich welcher Art es ist, fällt unter das
Gericht Gottes, unter den Zorn dessen, der zu uns gekommen
ist, uns zu helfen. Er ruft uns dazu sum Glauben, zeigt uns
aber gleichzeitig, was rechter und was falscher Glaube und
Unglaube ist, selbst wenn die letzten beiden sich als
rechten Glauben ausgeben.
Das dieser Zorn Gottes im Tempel zu Jerusalem eine große
Verwirrung verursacht hat, ist zu verstehen.
Die Ausgetriebenen fragen ihn:
Wer hat dich legitimiert, so zu handeln?
Wir wissen aus anderen Stellen, daß sie nicht glauben, daß
er der Gesandte Gottes ist, der Gottes Liebe zu uns in
seinen Worten und Taten offenbar macht und uns zurückholen
möchte von unseren falschen Wegen und daß dazu noch sein
Zorn und sein Gericht dienen wollen, um uns auf den neuen
Weg zu stellen.
Die Menschen im Tempel sind durchaus überZeugt, daß er,
Jesus von Nazareth, im Dienste des Durcheinanderbringers
steht, darum ist ihre Frage:
"Was zeigest du uns für ein Zeichen, daß du dies tun
darfst?"
Es ist sicher nur eine rhetorische Frage, auf die sie
eigentlich keine Antwort erwarten. Aber Jesus gibt ihnen
eine Antwort, und zwar sagt er, daß das, was er vorher
gerade gemacht hatte, geht als Gericht, als sein Gericht,
als Gottes Gericht weiter, und zwar dadurch, daß dieser
Tempel, den ihr so verschandelt habt, zerstört wird, ja noch
mehr, dadurch daß dieser Tempel zerstört wird, gibt es auch
keine gottesdienstliche Handlung mehr in der Form der
Opferhandlungen. Er sagt ihnen, denkt daran, wenn dieses
Gericht über euch hereinbricht, daß ich nicht im Dienste des
Durcheinanderbringers, sondern im Dienste Gottes stehe.
Diese Zerstörung ist die Rechtfertigung, die Legitimierung,
daß Jesus das Recht hatte, sie alle aus dem Temepel zu
jagen, samt den Opfertieren, und die Wechlsertische samt dem
Gelde umzustürzen.
Und Jesu Zusatz:
"In 3 Tagen will ich ihn wieder aufbauen"
redet in einer verborgenen Weise davon, daß an Stelle des
alten Kultus, an Stelle der unzähligen Opferhandlungen ein
anderer neuer Gottesdienst stattfinden wird.
Er redet hier bereits von dem zukünftigen gottesdienstlichen
Handeln des Volkes Gottes als sein Volk, als Kirche Jesu
Christi.
Seine wütenden Zuhörer abzeptieren natürlich nicht diese
seine Legitimierung als Sohn Gottes und darum nimmt das
Gericht, die Zerstörung ihren Lauf.
Und nun fügt der Evangelist noch zum Text das hinzu, was die
christliche Gemeinde in ihr glaubte, als er dieses
Evangelium schrieb, nämlich dieses, daß hier Jesus Christus
bezeugt hat, daß wie der Tempel zerstört wird, auch sein
Leib für uns in den Tod gegeben wird, aber am 3. Tage danach
wird er wieder auferstehen.
Und das ist die wahre Legitimierung für das Tun und Handeln
und Reden Jesu Christi als der wahre Gesandte Gottes, der
uns zeigt, wer Gott in Wahrheit ist. Gott ist der, der uns
liebt.
"Jesus sprach aber, wer er vom Tempel redete, von seinem
Leib, vom Tempel seines Leibes. Als er nun von den Toten
auferstanden war, dachten seine Jünger daran, daß er dies
gesagt hatte und glaubten der Schrift und dem Wort, das
Jesus gesagt hatte."