-6-Kirchenj. bis Ewigkeitssonntag 13
Lugar/Ort:Viale

Fecha/Datum:31/10/1956
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Aldea Protestante, 4.November 1956
Meroú, 10-2-1957
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Reformationstag
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Lukas 15, 1-3; 8-10
Skopus: Christen sind Verlorene, aber dann Wiedergefundene
-6- Kirchenj. bis Ewigkeitssonntag 13 -Lukas 15, 1-3; 8-10
"Es nahten aber zu Jesus allerlei Zöllner und Sünder, daß
sie ihn hörten. Und die Pharisäer und Schriftgelehrten
murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isset
mit ihnen. Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach:
Welches Weib ist, die 10 Groschen hat, so sie der einen
verliert, die nicht ein Licht anzünde und kehre das Haus und
suche mit Fleiß, bis daß sie ihn finde? Und wenn sie ihn
gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen und
spricht: Freuet euch mit mir; denn ich habe meinen Groschen
gefunden, den ich verloren hatte. Also auch, sage ich euch,
wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder,
der Buße tut."

Sicherlich ist es uns beim Hören dieser Geschichte aus der
Heiligen Schrift so ergangen, daß wir den Jubel und den
Lobgesang und die unaussprechliche Freude aus dem Himmel zu
hören vermeinten über den wiedergefundenen Groschen. Gott,
der Herr, und seine ganze himmlische Welt stimmen ein Lob-
und Danklied an, weil wieder ein Mensch zurückgefunden hat
zum Vaterhaus. Die Frau im Gleichnis konnte und wollte sich
nicht zufrieden geben mit den 9 übriggebliebenen Groschen.
Sie machte sich auf und wandte alle Zeit und alle Arbeit an,
um das verlorene 10. Geldstück noch zu suchen und zu finden.
So hat sich Gott auch nicht begnügt und begnügt sich auch
heute nicht mit den Menschen, die bereits zum Volke Gottes,
zur Gemeinde Jesu Christi, gehören. Er macht sich selbst auf
den Weg, um ebenfalls die anderen, die von ihm weggelaufen
waren, einzuholen und sie in seine Arme zu schließen und
ihnen seine ganze Liebe zu zeigen.
In der Freude der Frau, die das verlorene 10. Geldstück
wiedergefunden hat, spiegelt sich wieder die Freude Gottes
über einen jeden Menschen, den der Vater aus dem Schmutz und
Dreck seines Lebens herausgefunden und nun an sein Vaterherz
gedrückt hat.
Wenn diese Kanzel hier eine rechte Kanzel Gottes in den
vergangenen Jahren gewesen ist, dann erscholl oft, sehr oft,
ja, eigentlich immer, der Freudenruf aus dem Himmel über
einen Menschen, der hier in der Kirche sitzt und vom Vater
im Himmel wiedergefunden worden ist.
Und wenn diese Kirche ein rechtes Haus Gottes gewesen ist,
dann erscholl von hier aus der Freudengesang der von Gott
wiedergefundenen Menschen zum Himmel.
Wenn wir uns und unser vergangenes Leben betrachten, dann
wird es wohl einem jeden einzelnen von uns klar, daß wir ja
alle miteinander solche verlorenen Gottes Geldstücke gewesen
sind.
Irgendwo in einer Dunkelheit unserer Ich- und Herrschsucht,
irgendwo im Schmutz eines geheimen Lasters, irgendwo im
Dreck unseres Klebens an Hab und Gut und Geld, haben wir in
der größten Gottes Ferne gelebt. Wir lebten ohne jegliche
Verbindung mit dem, der unser Herr ist.
Dann auf einmal ist es geschehen, daß sich Gott aus dem
Himmel aufmachte, wie damals vor 2.000 Jahren bei der Geburt
Christi, um uns persönlich in der ganzen Trostlosigkeit
aufzusuchen und uns an die Hand zu nehmen und unser ganzes
Leben in das Licht seiner Vergebung zu stellen. Sollte es da
noch einen Menschen unter uns geben, der nicht in diesen
Freudengesang ausbrechen könnte?:
"Ich danke dir, du wahre Sonne.
da mir dein Glanz hat Licht gebracht;
ich danke dir, du Himmelssonne,
daß du mich froh und frei gemacht,
ich danke dir, du güldner Mund,
daß die mich machst gesund."
In diesen Freudengesang stimmt mit ein der ganze Himmel mit
seinen himmlischen Heerscharen.
Das war das, was zur Zeit Jesu die Zöllner, die Ehebrecher,
die Diebe, die Heiden, auch erlebt hatten, daß nämlich
dieser Sohn Gottes sich auf den Weg macht, um sie in ihren
schändlichen Taten aufzusuchen und sich mit ihnen an einen
Tisch zu setzen und mit ihnen zu leben und damit sie wieder
herzubringen zum Vater im Himmel.
Ist es nicht das, was heute jede Gemeinde und Kirche, jeder
Christ, im Auftrage dieses Jesus Christus eigentlich tun
müßte?
Wir alle sind dazu berufen, hinauszugehen an die Hecken und
Zäune, an die Stätten der Trunksucht und
Spielerleidenschaften, um die Menschen zu suchen, die sonst
verloren gehen könnten und sie an die Hand zu nehmen und
wieder zu Gott zurückzuführen.
Jesus Christus hat sich nicht geschämt, das zu tun. Er hat
sich nicht geschämt, dich in deiner Verlorenheit zu suchen
und zu finden.
Du meinst, du könntest hochmütig sein über die, die heute
noch zu den verlorensten und verkommensten Menschen gehören?
Laßt uns als die wiedergefundenen Kinder Gottes nie
hochmütig werden über die anderen und laßt uns nie
vergessen, daß wir einst genauso waren wie sie.
Nur diese große Liebe Gottes zu uns hat uns vor dem
Verderben vewahrt und uns auf einen neuen Weg gestellt.
Das war ja die Schuld der frommen Menschen von damals, daß
sie Jesus nicht verstehen wollten, weil er sich mit den
schlechten Menschen an einen Tisch setzte.
Sie meinten, Jesus als der Sohn Gottes müsse nur mit den
Frommen. nur mit den Gläubigen und guten Menschen verkehren
und weil er das nicht tat, wurden sie böse auf ihn. Sie
wurden so böse, daß sie ihn dann schließlich ans Kreuz auf
Golgatha nagelten und ihn ermordeten. Damit wurden diese
frommen Menschen, die sich mehr dünkten als all die anderen
Menschen, die eigentlichen bösen Kreaturen, die für immer
verloren gingen.
Und die schlechten Menschen, mit denen Jesus verkehrte, sich
mit ihnen an einen Tisch setzte, die sich die Liebe Gottes
gefallen ließen, wurden die wahren Christen, die wahren
Kinder Gottes, die laut und fröhlich dann das Loblied
singen:
"Mir ist Erbarmung widerfahren,
Erfahrung deren ich nicht wert;
das zähl ich zu dem Wunderbaren,
mein stolzes Herz hats nicht begehrt.
Drum weiß ich das und bin erfreut
und rühme die Barmherzigkeit."
Durch unser Gleichnis vom verlorenen Groschen wird uns ganz
neu diese fröhlliche Gewißheit geschenkt, daß Gott durch
seinen Sohn Jesus Chriostus auch uns ehemalig Verlorenen nun
aber wiedergefunden hat. Gott hält uns in seinen Armen und
drückt uns an sein Herz und ruft uns das frohmachen Wort zu:
Du bist mein liebes Kind!
Durch dieses Gleichnsis allerdiungs werden wir ebenfalls
aufgefordert, die große Freude über unser Heil in die ganze
Welt hinauszurufen und all die vielen Verlorenen um uns her
einzuladen, sich vom Vater im Himmel wiederfinden zu lassen
und so froh zu werden, wie wir.
Dieses Gleichnis hält aber von vornherein eine Haltung bei
uns Christen für unmöglich, daß wir mit den Frommen von
damals unsere Nase verächtlich rümpfen über die sogenannte
böse Welt. Jesus sagt:
"Im Himmel vor den Engeln Gottes wird unaussprechliche
Freude sein über jeden verlorenen Menschen, der von Gott
wiedergefunden worden ist."