-6-Kirchenj. bis Ewigkeitssonntag 10
Lugar/Ort:Reffino

Fecha/Datum:28/02/1971
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Camarero/Puiggari, 11-11-73
Grabschental, 11-11-1973
Meroú, 18-11-1973
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:19. Sonntag nach Trinitatis
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Jakobus 5, 13-20
Skopus: Antworten auf 4 Fragen unseres Lebens
-6-Kirchenj. bis Ewigkeitssonntag 10 -Jakobus 5, 13-20
"Leidet jemand unter euch, der bete; ist jemand gutes Muts,
der singe Psalmen. Ist jemand krank, der rufe zu sich hin
Ältesten von der Gemeinde, daß sie über ihm beten und ihn
salben mit Öl in dem Namen des Herrn. Und das Gebet des
Glaubens wird dem Kranken helfen, und der Herr wird ihn
aufrichten; und so er hat Sünden getan, werden sie ihm
vergeben sein. Bekennet einer dem anderen seine Sünden und
betet füreinander, daß ihr gesund werdet. Des Gerechten
Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist. Elia war ein
Mensch gleich wie wir; und er betete ein Gebet. daß es nicht
regnen sollte, und es regnete nicht auf Erden drei Jahre und
sechs Monate. Und er betete abermals, und der Himmel gab den
Regen und die Erde brachte ihre Frucht. Liebe Brüder, so
jemand unter euch irren würde von der Wahrheit, und jemand
bekehrte ihn, der soll wissen, daß, wer den Sünder bekehrt
hat von dem Irrtum seines Weges, der hat einer Seele vom
Tode geholfen und wird bedecken die Menge der Sünden."

In diesem Schluß des Jakobusbriefes wird versucht, eine
Antwort zu geben auf die Frage, wie ein Christ sich in den
verschiedenen Lagen seines Lebens verhält, damit er mit sich
selbst, mit seinen Mitmenschen und damit auch mit Gott
fertig werden kann. Ganz konkret sind in unserem Text 4
solcher Situationen angegeben:
1. Wenn ein Christ leiden muß?
2. Wenn es einem Christen gut geht?
3. Wenn ein Christ krank ist?
4. Wenn ein Christ Böses tut?
Wir werden uns nun mit den Antworten des Jakobusbriefes
befassen und daraus vielleicht auch eine Hilfe für uns
erkennen.
Bei der ersten Antwort geht es darum, was ein Christ zu tun
hat, wenn, unverschuldet oder auch verschuldet, eine Not
nach der anderen hereinbricht und er nicht aus= noch ein -
weiß. Ein Problem folgt dem anderen und am Morgen beim
Aufstehen denkt er mit Sorgen daran, was heute wieder an
alten und neuen Nöten hereinbrechen werden.
Wenn unser Text nun sagt:
"Leidet jemand unter euch, der bete",
dann weiß er eine Wirklichkeit, die wir nie vergessen
sollten.
Gott steht auf unserer Seite, hat auch in der größten Not
und in den schwierigsten Problemen seine helfende Hand von
uns nicht weggezogen. Und ihm stehen auch alle Mittel zur
Verfügung, um unserer Not ein Ende zu bereiten.
Wir brauchen nie verzweifelt zu sein. Es gibt für uns nie
ausweglose Situationen. Wir haben es nicht nötig, mit einem
griesgrämigen Gesicht herumzulaufen und pessimistisch über
unsere Mitmenschen oder über den Staat oder über die
augenblicklichen Verhältmnisse zu schimpfen, stattdessen
dürfen wir zu dem gehen, der uns helfen kann und will, ihn
um Hilfe bitten.
Wie heißt der 2. Vers des Liedes BEFIEHL DU DEINE WEGE,
das wir eigentlich ganz auswendig kennen sollten:
"Dem Herren mußt du trauen,
wenn dirs soll wohl ergehen;
auf sein Werk mußt du schauen,
wenn dein Werk soll bestehn.
Mit Sorgen und mit Grämen
und mit selbsteigener Pein,
läßt Gott sich gar nichts nehmen,
es muß erbeten sein."
In der 2. Antwort sieht unser Text die Christen, die es gut
haben, die von Problemen und Nöten verschont geblieben sind,
die sich um das tägliche Brot nicht abmühen müssen.
Unser Text weiß, daß der Geber aller guten Gaben uns
verschont hat, uns das vielleicht sogar in einem Übermaß
gegeben hat, was wir zum Leben benötigen. Wenn auch wir das
wissen, dann können wir nicht hochmütig sein, wegen ein paar
Hektar Land mehr gegenüber unseren Mitmenschen auch nicht
der Meinung sein, daß wir mit unserem Geld die ganze Welt
kaufen können.
Unsere Zufriedenheit und unsere Freude darüber, daß es uns
gut geht, daß wir ohne Nöte und Sorgen leben dürfen, können
wir dadurch zum Ausdruck bringen, daß wir dem Geber aller
Gaben danken:
"Ist jemand guten Mutes, der singe Psalmen".
Das, was wir in Überfluß erhalten haben, können wir in
überfließender Dankbarkeit weitergeben.
Eine große Lebensfreude kann sich in einer dankbaren
Singerei ausdrücken.
Ein zufriedenes Herz über ein Leben ohne Sorgen, kann sich
darin äußern, daß ich einem Menschen in Not an meinem
Überfluß Anteil nehmen lasse und damit so meinen Dank Gott
gegenïber sichtbar mache.
Die 3. Antwort recht zu verstehen, ist für uns am
schwersten, weil sie für uns nicht nachvollzogen werden
kann. Ich meine die Antwort, daß im Falle der Krankheit ein
Kirchenvorsteher gerufen werden soll, der den Kranken mit Öl
im Namen des Herrn bestreichen und über ihn beten soll.
Vielleicht wissen wir, daß die griechisch-orthodoxe Kirche
dieses als ein Sakrament versteht und heute in ihren
Gemeidenn praktiziert. Bekannter wird es wohl sein, daß die
römisch-katholische Kirche die Salbung mit öl als ein
Sakrament fúr Sterbende verändert hat. Und es gibt unter uns
viele, die meinen, bei uns sei das Abendmahl für einen
Menschen am Kranken- oder Sterbelager so etwas Ähnliches wie
bei den Katholiken die letzte Ölung.
Ich neige hier zu der Ansicht, daß das Öl damals als
Medikament verstanden wird und die Kirchenvorsteher als
christliche Ärzte. Es würde dann diese Antwort bedeuten, daß
ein Christ in Krankheiten in voller Freiheit die ärztliche
Kunst zur Gesundung in Anspruch nehmen darf, alledings in
dem Wissen, daß der, der allein die letzte Entscheidung über
unsere Gesundheit, über unser Tod und Leben, in seinen
Händen hält, dazu seinen Segen geben muß.
Darum bittet ein Christ in seiner Krankheit oder bei
Operationen Gott für seinen Arzt und sein ganzes Tun, weil
Gott in seiner Hilfe für uns in Krankheiten den Arzt und die
medizinische Wissenschaft einsetzt, darum gilt noch das, was
uns der Text sagt:
"Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen und der
Herr wird ihn aufrichten."
Bei der 4. Antwort handelt es sich um Christen, wie sie sich
im alltäglichen Leben darstellen. Obwohl sie, wenn sie in
dieser engen Verbindung mit ihrem Herrn leben, gesagt
bekommen, was sie zu tun haben, sind sie solche, die immer
wieder die Weisung ihres Herrn in den Wind schlagen, lieber
ihrer Meinung nach leben.
Darum gilt es, daß Christen sich gegenseitig helfen, sich
gegenseitiog Mut machen im täglichen Leben, doch wirklich
das Wort ihres Herrn ernst zu nehmen und danach zu leben:
"Bekennet einer dem anderen, wo er versagt hat, dann dürft
ihr wieder ganz von von vorne anfangen."
Und da, wo ein Christ in der großen Gefahr steht, überhaupt
seinen Glauben an Jesus Christus und die Bindung an ihn, zu
verlieren, wo ein Christ meint, ohne den Herrn auszukommen,
wo ein Christ sein Vertrauen auf andere Dinge dieses Lebens
setzt, da gilt der ganze Einsatz, ihn wieder auf den rechten
Weg zu bringen .
Es wäre sicherlich eine große Hilfe für uns alle, wenn wir
diese Antworten auf die verschiedenen Fragen, die im letzten
Grunde auch unsere Fragen sind, in unserem Leben als
Christen beachten würden.