-6-Kirchenj. bis Ewigkeitssonntag 04a
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:06/08/1964
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Paraná, 6-9-1964
Camarero, 13-9-64
Grabschental, 13-9-1964
Meroú, 11-10-1964
Reffino, 20-6-1965
Diamante, 8-8-1964
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:17. Sonntag nach Trinitatis
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:1. Korinther 9, 16-23
Skopus: Verkündigung des Evangeliums-unsere Aufgabe
-6-Kirchenj. bis Ewigkeitssonntag 4a -1. Korinther 9,16-23
"Denn daß ich das Evangelium predige, darf ich mich nicht
rühmen, denn ich muß es tun. Und wehe mir, wenn ich das
Evangelium nicht predige. Tue ich's gern, so wird mir
gelohnt; tue ich's aber ungern, so ist mir das Amt doch
befohlen. Was ist denn nun mein Lohn? Daß ich predige das
Evangelium Christi und tue das frei umsonst, auf daß ich
nicht meine Freiheit mißbrauche am Evangelium. Denn wiewohl
ich frei bin von jedermann, habe ich mich doch selbst
jedermann zum Knechte gemacht, auf daß ich ihrer viele
gewinne. Den Juden bin ich geworden wie ein Jude, auf daß
ich die Juden gewinne. Denen, die unter dem Gesetz sind, bin
ich geworden wie unter dem Gesetz, auf daß ich die, so unter
dem Gesetz sind, gewinne. Denen, die ohne Gesetz sind, bin
ich wie ohne Gesetz geworden (so ich doch nicht ohne Gesetz
bin vor Gott, sondern bin in dem Gesetz Christi), auf daß
ich die, so ohne Gesetz sind, gewinne. Den Schwachen bin ich
geworden wie ein Schwacher, auf daß ich die Schwachen
gewinne. Ich bin jedermann allerlei geworden, auf daß ich
allenthalben ja etliche selig mache. Solches aber tue ich um
des Evangeliums willen, auf daß ich sein teilhaftig werde."

Um die Verkündigung des Evangeliums, um die Verkündigung der
frohen Botschaft von Jesus Christus, geht es hier in diesen
Versen.
Diese Verkündigung des Evangeliums ist der Kirche Jesu
Christi zu allen Zeiten aufgetragen, nicht nur damals zur
Zeit des Apostels Paulus, sondern auch heute. Diese
Verkündigung ist nicht an Apostel wie damals oder an
Pastoren wie heute, gebunden, sondern zu diesem Dienst wird
die ganze christliche Gemeinde in allen ihren Gliedern
aufgerufen:
"Du aber, gehe hin und verkündige das Reich Gottes!"
Niemand von uns darf diesen Auftrag unseres Herrn und
Heilandes überhören. Worum geht es eigentlich in diesem
Evangelium?
Es geht darum, daß unser Leben auf dieser Erde wieder einen
Sinn, einen Inhalt bekommt.
Durch unsere Trennung von Gott, durch unser Weglaufen von
ihm, durch unser Nichthörenwollen seines Wortes ist aus dem
geordneten und sinnvollen und von Freude erfüllten Leben ein
Durcheinander entstanden. Wir verstehen uns selbst nicht
mehr und wir verstehen uns untereinander nicht mehr. Aus
Freude wird Traurigkeit, aus Glück Unglück, aus Liebe Haß
und aus herzlichem Miteinander ist ein fanatisches
Gegeneinander geworden.
Wir brauchen nur einen Blick in die Zeitung zu tun, um diese
Wahrheit festzustellen. Ja, wir brauchen, um diese Wahrheit
zu erkennen, nur unsere Ohren und Augen aufzumachen.
Durch Jesus Christus hat Gott uns wieder einen Weg gewiesen,
zu ihm zurückzukehren, wieder Liebe und Freude unter uns
Menschen Wirklichkeit werden zu lassen. Durch Jesus Christus
hat unser Leben wieder einen Sinn bekommen, und zwar den
Sinn, daß wir für andere Menschen auf dieser Erde da sind.
Es war ein Fehler vergangener Jahrhunderte in der
christlichen Kirche, daß man meinte, die Botschaft von Jesus
Christus gelte nur etwas für das Leben nach dem Tode: klar,
das auch, aber sie gilt in gleicher Weise ebenfalls für
dieses irdische Leben. Sie verändert zum Guten schon das
persönliche Leben heute auf dieser Erde. und das menschliche
Miteinader, das Zusammenleben der Menschen.
Diese das menschliche Leben verändernde Botschaft hat die
christliche Kirche zu allen Zeiten zu verkündigen. Sie hat
es zu tun als einen Auftrag, der ihr gegeben worden ist:
"Ihr seid das Salz der Erde; ihr seid das Licht der Welt!"
Diese Verkündigung der frohen Botschaft von Jesus Christis
darf nicht geschehen in einer hochmütigen Weise, als ob wir
in der Kirche mehr oder besser wären als die Menschen
draußen. Durch solch eine Haltung würden wir die Botschaft
unglaubwürdig machen, denn die Menschen außerhalb der Kirche
haben auch Augen und Ohren, die wahrnehmen, was alles in
einer christlichen Gemeinde ebenfalls geschehen kann.
Aber ebenfalls darf die Kirche Jesu Christi nicht aus Angst
den Mund zuhalten, weil sie vielleicht ihre eigenen Fehler
und Schwächen sieht oder weil diese Botschaft verlacht oder
verspottet wird.
Wir sind der Welt, wir sind allen Menschen, einfach diese
Botschaft schuldig, weil es der Befehl, der Auftrag unseres
Herrn Jesus Christus ist, der nicht nur uns, sondern auch
die anderen Menschen geliebt hat.
Wir wollen uns noch einmal daran erinnern lassen, daß dieser
Auftrag der ganzen Kirche gilt, nicht nur einzelnen
Personen, sondern allen Menschen, die zur Gemeinde Jesu
Christi gehören, also uns allen, die wir mit anderen
Menschen zusammenkommen oder zusammenleben.
"Gott woll, daß allen Menschen geholfen werde und sie zur
Erkenntnis der Wahrheit kommen."
Ferner ist es für die Verkündigung der frohen Botschaft
wichtig, daß sie nicht willkürlich verändert wird.
Die Kirche Jesu Christi hat nicht eine erträumte oder eine
von Menschen erdachte Botschaft zu verkündigen, sondern die
Botschaft, die uns der Herr Jesus Christus befohlen hat, und
die das Zentrum der Heiligen Schrift ist.
Diese uns aufgetragene Botschaft haben wir darum aus dieser
Heiligen Schrift zu verkündigen. Dabei darf nicht gefragt
werden, was uns oder dem anderen paßt oder nicht paßt. Nur
diese eine Botschaft ist zu verkündigen, zu allen Zeiten, an
allen Orten und bei jeder sich bietenden Gelegenheit, nur
diese frohmachende Botschaft und weiter sonst nichts.
Allerdiungs bedeutet das nicht, so sagt es uns der Apostel
Paulus, daß wir über die Köpfe der Menschen hinweg das
heilende und helfende Wort sagen sollen. Der, der das Wort
weitersagt, ist kein Disco, keine Grammophonplatte. Ein
Disco kann nur immer das gleiche wortwörtlich wiederholen,
ohne danach zu fragen, wer es hört.
Wir, die wir als Christen, alle miteinander, diese frohe
Botschaft zu bezeugen haben, sollen es so tun, daß die
anderen jeweils in ihrer Lage und in ihrer Situation sie
auch verstehen.
Wir haben den anderen Menschen zu sehen in seiner Not oder
in seiner Freude, in seiner Sprache und in seiner Umgebung,
in seiner Kraft oder in seiner Schwachheit und Krankheit, in
seinem Alter als Kinder oder junge Menschen, als einen
Gereiften oder als einen Alternden. Darum geschieht das
Bezeugen der frohen Botschaft immer in einer anderen Weise.
So mußte die Form der Verkündigung vor 100 Jahren
automatisch anders gewesen sein als heute, da wir geistig
und materiell in einer völlig veränderten Welt leben.
Welch ein GlÚck für uns und für diese unsere so heillose
Welt des 20. Jahrhunderts, daß diese frohe Botschaft von
Jesus Christus uns verkündigt geworden ist und daß diese
frohe Botschaft von Jesus Christus durch uns bezeugt und
weitergesaght werden darf.