-5-Kirchenj. bis 14.S.n.Trinitatis 38
Lugar/Ort:Meroú

Fecha/Datum:21/09/1980
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:12. Sonntag nach Trinitatis
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Markus 7, 31-37
Skopus: Jesus hilftt, Heilung des Taubstummen
-5- Kirchenjahr bis 14.S.n.Trinitatis 38 -Markus 7, 31-37
"Und da Jesus wieder ausging aus der Gegend von Tyrus und
Sidon, kam er an das Galiläische Meer, mitten in das Gebiet
der Zehn-Städte. Und sie brachten zu ihm einen Tauben, der
stumm war, und sie baten ihn, daß er die Hand auf ihn legte.
Und er nahm ihn von dem Volk besonders und legte ihm die
Finger in die Ohren und spützte und rührte seine Zunge und
sah auf gen Himmel, seufzte und sprach zu ihm: Hephata! das
ist: Tue dich auf! Und alsbald taten sich seine Ohren auf,
und das Band seiner Zunge ward los, und er redete recht. Und
er verbot ihnen, sie sollten's niemand sagen. Je mehr er
aber verbot, je mehr sie es ausbreiteten. Und sie wunderten
sich über die Maßen und sprachen: Er hat alles wohl gemacht;
die Tauben macht er hörend und die Sprachlosen redend."

Jesus ist auf dem Wege, das Heil zu verkündigen und zu
praktizieren. Wenn auch das Heil mit seiner Hilfe zuerst den
Angehörigen des alten Volkes Gottes, dem Volk Israel, gilt,
so sind doch die anderen, die Heiden, nicht ausgeschlossen.
Das will zum Beispiel der Eingang unseres Textes sagen, der
Jesus verkündigt als den, der in Tyrus und Sidon an der
Arbeit ist und auf dem Wege zum Galiläischen Meer auch die
heidnische Stadt Dekápolis nicht ausläßt.
In ihr geschieht das, was unser Predigttext uns berichtet,
die Heilung eines Taubstummen.
Wenn wir unseren christlichen Glauben recht verstehen, dann
wissen wir, daß von ihm, seinem Heil und seiner Hilfe, von
seiner Vergebung, niemand ausgeschlossen wird, ganz gleich,
wie heidnisch oder gottlos oder schlecht ein Mensch sein
mag. Dieser Jesus hat einmal an anderer Stelle gesagt:
"Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid,
ich will euch erquicken."
Und nun werden wir in Dekápolis Zeugen, wie Jesus das Heil
nicht nur predigt, sondern auch praktiziert.
Einige Leute, die von Jesus gehört hatten, bringen zu ihm
einen Taubstummen, einen Heiden, damit er ihn von seiner
Krankheit befreie. Jesus sagte zu dem Kranken:
"Hephata! Tue dich auf!"
Verschiedene Handlungen, die er dabei begeht, auch sein
ausdrückliches bezeugtes SEUFZEN, zeigen an, daß er die
Krankheit als eine Folge der Schuld der Menschen ansieht,
als eine Versklavung an den Durcheinanderbringer dieser
Welt, als seinen Gegenspieler. Und die Heilung versteht er
als eine Befreiung aus den Händen dessen, der vorgibt, alle
Macht und Gewalt zu haben, aber sie in Wirklichkeit nicht
besitzt, sondern ein NICHTS ist.
Wir wollen auch das noch dazu sagen, daß Jesus nicht gemeint
hat, daß jeder, der krank ist, eine besondere Schuld auf
sich geladen hat, für die er durch die Krankheit bestraft
wird, sondern sie ist eine allgemeine Deutung der Lage, die
für alle Menschen gilt, daß durch unseren Ungehorsam Gott
gegenüber all das Unglück und alles Elend und ebenso auch
Krankheit und Tod in diese Welt und unter uns Menschen kam.
Jesus, der in die Welt kam, um unser Verhältnis mit Gott
wieder in Ordnung zu bringen, ist also ebenfalls der, der
Krankheit und Tod als Folge unseres Ungehorsams besiegt und
von diesem seinem Sieg über alle Gegenkräfte, die gegen Gott
und damit gegen uns Menschen sind, ist die Heilung des
Taubstummen ein Beispiel seines Seufzens:
"Hephata! das heißt: Tue dich auf!"
Dieser Seufzer ist ein Protest gegen alles, was uns unser
menschliches Leben schwer machen will. Auf dieses Wort
geschieht das, was uns unser Text mit den Worten schildert:
"Und sogleich taten sich seine Ohren auf, und die Fessel
seiner Zunge löste sich und er redete richtig."
Der Taubstumme kann wieder reden und hören.
Jesus fragt nicht danach, ob der, der gesund geworden ist,
ein Heide ist, ob er an ihn glaubt, ob er eine moralisch
reine Weste hat, sondern er hilft, weil er einfach als ein
Notleidender der Hilfe Jesu bedürftig ist.
Aber warum gebietet Jesus nun, daß niemand von dieser
Heilung des Taubstummen durch ihn an andere weitersagen
soll?
Vielleicht müssen wir sagen, weil seine Zeit noch nicht
gekommen ist, weil zu seinem Werk des Heiles nicht nur
allgemeine Hilfe oder Krankenheilung oder Dämonenaustreibung
oder Totenauferstehung gehören, sondern auch das, was von
Grund auf dem Übel an die Wurzel geht, sein Leiden, Sterben
und Auferstehen.
Erst durch seine Passion, durch seinen Tod am Kreuz auf
Golgatha und durch seine Auferstehung am Ostermorgen auf dem
Friedhof zu Jerusalem bekommen seine Hilfen, die er uns in
den so mannigfachen Nöten gibt, den rechten Sinn. Sie machen
sein Heilswerk komplett.
Und das so Wichtige am Ende seines Lebens steht noch aus. Er
geht darauf zu, aber solange sein Heilswerk für uns nicht
komplett ist, solange möchte Jesus mit seinen Hilfen im
Verborgenen wirken, diese Hilfen nicht breittreten lassen,
weil immer die Gefahr besteht, das diese rein äußeren Hilfen
bereits als sein ganzes Heilswerk verstanden werden können,
darum seine Warnung in unserem Text:
"Und Jesus gebot ihnen, sie sollten es niemanden weiter
sagen."
Wie recht Jesus mit diesem Gebot oder auch Verbot hatte,
zeigt sich darin, daß er an einer anderen Stelle, als er
eine große Menge satt gemacht hatte, zum Brotkönig
ausgerufen werden sollte und er vor der begeisterten
Volksmenge fliehen mußte.
Sein Heilswerk umfaßt eben nicht nur unseren Körper, sondern
uns ganz, mit Körper, Geist und Seele.
Allerdings stößt dieses Verbot auf ein völliges
Mißverständnis der Anwesenden:
"Je mehr er es aber verbot, desto mehr breiteten sie es
aus."
Ein klein wenig können wir diese Menschen durchaus
verstehen. Ihr Erschrecken und ihre Begeisterung in der Tat
ist das Resultat des prophetischen Wortes von dem kommenden
Messias, mit solch einem Handeln, dessen sie bei der Heilung
des Taubstummen Zeugen geworden waren, eng verbunden. Da
heißt es beim Propheten Jesaja:
"Gott kommt selbst und wird euch helfen, alsdann werden der
Blinden Augen aufgetan und der Tauben Ohren werden geöffnet
werden und dann werden die Lahmen springen wie ein Hirsch
und der Stummen Zunge wird Lob sagen."
Es dämmert ihnen, daß der Jesus von Nazareth, der da in
ihrer Mitte handelt, einen der ihrigen gesund gemacht hat,
der ist, von dem in alten Büchern geschrieben steht, also
der Messias Gottes ist, durch den Gott selbst in eioner
besonderen Weise handelt.
So hatten sie es in ihrem täglichen Kontakt mit den
Israeliten gehört. Sie selbst sind ja Heiden.
Allerdings umfaßt das Heilswerk Gottes, wie wir es schon
gehört haben, noch mehr als diese äußeren Hilfen, nämlich
Dornenkrone, Kreuz und Königskrone. Und das haben die
Anwesenden nicht gewußt. Sie haben es nicht gewußt, daß es
auch beim Propheten Jesaja geschrieben steht. Da lesen wir
so:
"Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere
Schmerzen, wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von
Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unserer
Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen
zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden
haben und durch seine Wunden sind wir geheilt."
Wenn wir nun als Christen in unserem Glauben von einer
Wahrheit zur anderen geführt werden, so sind wir überzeugt,
daß auch die Anwesenden bei der Heilung des Taubstummen zur
vollen Erkenntnis kommen, daß nämlich der, der da in ihrer
Mitte handelt, die vollkommene Hilfe für uns ist, nicht nur
in einigen wenigen kritischen Situationen ihres und unseres
Lebens. Wir haben die feste Hoffnung, weil sie ahnungsvoll
bekennen:
"Er, Jesus, macht schon alle gut."