-5-Kirchenj. bis 14.S.n.Trinitatis 31
Lugar/Ort:Meroú

Fecha/Datum:31/08/1980
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:9. Sonntag nach Trinitatis
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Lukas 16, 1-8(9)
Skopus:
-5- Kirchenj. bis 14.S.n.Trinitatis 31 -Lukas 16, 1-8(9)
"Jesus aber sprach auch zu seinen Jüngern: Es war ein
reicher Mann, der hatte einen Haushalter; der war vor ihm
berüchtigt, als hätte er ihm seine Güter umgebracht. Und er
forderte ihn und sprach: Wie höre ich das von dir? Tu
Rechnung von deinem Haushalten, denn du kannst hinfort nicht
Haushalter sein! Der Haushalter sprach bei sich selbst: Was
soll ich tun? Mein Herr nimmt das Amt von mir; graben kann
ich nicht, so schäme ich mich zu betteln. Ich weiß wohl, was
ich tun will, wenn ich von dem Amt gesetzt werde, daß sie
mich in ihren Häusern nehmen. Und er rief zu sich alle
Schuldner seines Herrn und sprach zu dem ersten: Wie viel
bist du meinem Herrn schuldig? Er sprach: Hundert Tonnen Öl.
Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief, setze dich und
schreib flugs fünfzig. Darnach sprach er zu dem anderen: Du
aber, wieviel bist du schuldig? Er sprach: Hundert Malter
Weizen. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief und schreibe
achtzig. Und der Herr lobte den ungerechten Haushalter, daß
er klüglich gehandelt hatte; denn die Kinder dieser Welt
sind klüger als die Kinder des Lichts in ihrem Geschlecht."

Wenn Jesus Christus heute dieses Gleichnis seinen Jüngern
erzählen würde, dann würde er sehr wahrscheinlich dieses in
folgender Weise tun:
Er würde vor seinen Jüngern stehen und die neue Tageszeitung
aus der Tasche ziehen und fragen, ob sie auch schon die
neueste Skandal- und Betrugsgeschichte gehört hätten.
Was für ein Betrug ist dort geschehen, von dem Jesus seinen
Jüngern berichtet?
Der Gerente eines großen Warenhauses ist dabei ertappt
worden, daß er viele Gelder aus dem Geschäft in seine eigene
Tasche hat wandern lassen. Nun steht ein Gerichtsprozeß vor
der Tür. Er muß damit rechnen, daß er auf dien Straße
gesetzt wird. Noch ist der Betrag nicht nachgewiesen, noch
kann der Gerente nicht auf die Straße gesetzt werden, noch
sitzt er im Geschäft. Er selbst weiß es aber am besten, daß
es nur noch kurze Zeit dauern wird, dann wird ihm das
Gericht nachweisen, daß er ein Betrüger ist.
Und was dann?
Er wird von einer übergroßen Angst gequält über das, was nun
kommt, wenn er sein gutes Einkommen verliert. Diese Frage
über seine Zukunft beschäftigt ihn so sehr, daß er keine
Ruhe findet, bis er die Lösung hat, die ihm Sicherheit für
die Zukunft gibt:
"Was soll ich tun? Mein Patron jagt mich von meinem Posten.
Graben kann ich nicht und will ich nicht, aber zu betteln
schäme icht mich."
Die Lösunhg lautet für ihn so, daß er die Kurze Zeit, die
ihm noch als Gerente bleibt, nutzt für die Zeit nach der
Entlassung.
Er ruft die Schuldner des Geschäfts und die Pächter der
dazugehörenden Ländereien herbei und streicht ihnen einen
großen Teil ihrer Schuld und setzt die Pacht erheblich
herab. Er macht sich dadurch diese Leute zu Freunden und
kann ganz bestimmt damit rechnen, da sie ihm in seiner
kommenden Not helfend beistehen werden und er darum keine
Angst mehr um seine Zukunft zu haben braucht.
Das ist eigentlich das normale Verhalten aller Betrüger.
Jesus geht in seinem Bericht gradezu davon aus, daß diese
Menschen trotz ihrer Betrügereien, trotz des
Gerichtsprozeßes und trotz der Verurteilung doch nicht
graben oder betteln brauchen. Sie haben alle vorgesorgt.
Vielleicht hat der ungetreue Gerente bei dieser Vorsorge so
gearbeitet wie noch nie in seinem Leben.
Und jetzt gibt Jesus seinen Jüngern eine merkwürdige Lehre
mit:
"Ihr, meine Jünger, lernt von diesem Betrüger!"
Was sollen sie von ihnen lernen?
Auf keinen Fall, daß wir andere betrügen sollen. Ein
Einziges sollen wir von diesme Betrüger lernen, daß wir mit
dem selben Eifer wie er, uns um unsere Zukunft bemühen, wenn
uns der göttliche Prozeß gemacht wird.
Jesus Christus denkt nicht an eine menschliche
Gerichtsverhandlung, sondern an die Gerichtsverhandlung
Gottes über uns Menschen. Und vor diesem Gericht Gottes wird
es klipp und klar bewiesen, daß wir mit den Gaben, die uns
der Schöpfer als seine Gerenten über diese Erde anvertraut
hat, betrügerisch umgegangen sind. Wir haben nicht das Gott
zur Verfügung gestellt, was er benötigte, um sein Werk hier
unter uns durchzuführen.
Zu den Gaben gehören Gesundheit, Verstand, Familie, Hab und
Gut und Geld. Wir haben damit gehandelt und sind damit
umgegangen wie wenn alles unser wäre und nicht Gott gehörte.
Im Gericht Gottes kommt es offen ans Licht, das wir Gott um
die Übergabe dieser Gaben betrogen haben. Er wollte damit
anderen Menschen, Menschen in Not, helfen, wir waren aber
nicht dazu bereit. Wir sind betrügerische Verwalter der
Gaben Gottes.
Auch auf uns wartet für unsere Betrügereie die Vertreibung
aus unserer Stellung als Gerenten Gottes. Die Zukunft im
Gericht sieht für uns sehr dunkel aus. Uns soll alles wieder
weggenommen werden, was wir im Auftrage Gottes verwalten
sollten, aber ihn dabei betrogen haben. So, wie der
betrügerische Gerent alles liegten lassen muß und von seinem
Patron fortgejagt werden soll, so müssen auch wir unsere
Gesundheit, unser Leben, unsere Gesundheit, unsere Familie,
unser Hab und Gut und Geld, eines Tages stehen und liegen
lassen, weil wir Gott nicht geben wollten, was ihm gehört.
Diese unsere Betrügereien mit dem, was uns vom Schöpfer
anvertraut wurde, werden im Gerichtsprozeß Gottes gegen uns,
gegen jeden einzelnen von uns, sichtbar.
Das ist das, was die Propheten schon im Auftrage Gottes dem
Volke Israel verkündigt haben, und das ist das, was Jesus zu
seiner Zeit laut ausrief und was eigentlich in jedem
Gottesdienst bis heute mitgeteilt wird:
Der Gerichtsprozeß gegen jeden einzelnen von uns läuft
bereits, unsere Verurteilung durch Gott steht kurz bevor.
Ob wir uns nun auch, wie in unserem Text der betrügerische
Gerent, Sorgen darüber machen, was nach dem Gericht Gottes
mit uns sein wird?
Merkwürdig, sagt Jesus, während die Menschen alle vor einem
irdischen Gericht zittern und beben und alles dransetzen,
daß ihnen eine Möglichkeit bleibt zum Leben nach der
Verurteilung und Vertreibung aus unserr Stellung, kümmert
sich niemand darum, wenn ihm gesagt wird, daß auch der
Gerichtsprozeß Gottes gegen ihn bereits läuft.
In diesem Prozeß geht es um den ganzen Menschen, um Sein
oder Nicht-sein, um Heil oder Verdammnis für Zeit und
Ewigkeit. Jesus sagt uns also und zeigt dabei auf den
betrügerischen Gerenten:
Lernt von diesem Betrüger das Eine, daß ihr in der Zeit, die
euch noch bleibt, mit dem gleichen Eifer ans Werk geht, um
die wahre Zukunft eures Lebens zu erhalten, die nicht mit
dem Tode endet!
Ach, hätten wir doch nur ein wenig von dem Eifer dieses
Betrügers! Wir brauchten uns dann um unsere Zukunft keine
Sorgen zu machen. Leider haben wir vielfach das Wort aus der
Bibel gestrichen:
"Schaffet, schaffet, mit Furcht und Zittern eure
Seliogkeit!"
Der betrügrische Verwalter ging mit dem ganzen Ernst und mit
dem größten Eifer zu den verschiedensten Menschen und macht
sie zu seinen Freunden, indem er in einer gewissen
verschwenderischen Weise die Gaben, die ihm Gott zur
Verwaltung übergab, die er aber nur für sich beanspruchte,
zu Gute kommen ließ, ihnen zur Verfügung stellte. Er half
mit dem, was er in seinen Händen hielt und seinen
Fähigkeiten, anderen Menschen und machte sie sich dadurch zu
seinen Freunden. Jesus hatte ja beim Erzählen dieses
Berichtes auch gesagt:
"Machet euch Freunde mit dem ungerechten Mammon!"
Indem wir das tun, sagt Jesus, kommen wir zu ihm und werden
seine Freunde und er wird uns helfen im Gericht, und dazu,
daß unsere Leben ein echtes und wahres menschliches Leben
wird und das nicht mit dem Tode endet.
Durch Jesus Christus werden wir Menschen mit Zukunft, die
durch das Gericht Gottes wohlbehalten hindurchgeführt
werden.
Wir sind also aufgefordert, mit dem selben Eifer wie der
betrügerische Gerente daran zu gehn, mit allen unseren von
Gott uns verliehenen Gaben andere Menschen zu unseren
Freunden zu machen und indem wir das tun, wird Jesus
Christus unser Freund, der uns trotz aller unser Versagen zu
Menschen mit einer gewissen und frohen und glücklichen
Zukunft macht.
Einige Verse später lesen wir, daß die Pharisäer sich über
diese Predigt lustig gemacht und gespottet haben.
Von den Jüngern damals und vielen anderen heute wissen wir,
daß sie durch das Handeln nach dieser Predigt Jesu
glückliche Menschen geworden sind, ohne Angst vor der
Zukunft.
Gehören wir auch zu diesen glücklichen Menschen?