-5-Kirchenj. bis 14.S.n.Trinitatis 29
Lugar/Ort:Grabschental

Fecha/Datum:17/07/1966
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Camarero, 4-9-1966
Aldea Protestante, 11-9-1966
Galarzas, 18-09-1966
Reffino, 24-9-1966
Paraná, 2-10-1966
Diamante, 15-10-1966
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:8. Sonntag nach Trinitatis
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Jakobus 2, 14-24
Skopus: Der Werke hervorbringende Glaube
-5- Kirchenj. bis 14.S.n.Trinitatis 29 =Jakobus 2,14-24
"Was hilft's, liebe Brüder, so jemand sagt, er habe den
Glauben, und hat doch die Werke nicht? Kann auch der Glaube
ihn selig machen? So aber ein Bruder oder eine Schwester
bloß wäre und Mangel hätte der täglichen Nahrung, und jemand
unter euch spräche zu ihnen: Gott berate euch, wärmet euch
und sättiget euch! ihr gäbet ihnen aber nicht, was des
Leibes Notdurft ist: was hülfe ihnen das? Also auch der
Glaube, wenn er nicht Werke hat, ist er tot an ihm selber.
Aber es möchte jemand sagen: Du hast den Glauben und ich
habe die Werke; zeige mir deinen Glauben ohne die Werke, so
will ich dir meinen Glauben zeigen aus meinen Werken. Du
glaubst, daß ein einiger Gott ist? Du tust wohl daran; die
Teufel glauben's auch und - zittern. Willst du aber
erkennen, du eitler Mensch, daß der Glaube ohne Werke tot
sei? Ist nicht Abraham, unser Vater, durch die Werke gerecht
geworden, da er seinen Sohn Isaak auf dem Altar opferte. Da
siehest du, daß der Glaube mitgewirkt hat an seinen Werken,
und durch die Werke ist der Glaube vollkommen geworden; und
ist die Schrift erfüllt, die da spricht: Abraham hat Gott
geglaubt, und das ist ihm zur Gerechtigkeit geworden, und er
wird ein Freund Gottes geheißen. So sehet ihr nun, daß der
Mensch durch die Werke gerecht wird, nicht durch den Glauben
allein."

Wir alle kennen das Wort des Apostels Paulus im Römerbrief:
"So halten wir nun dafür, daß der Mensch gerecht werde ohne
des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben."
Gerade durch dieses Wort ist die ganze evangelische
Christenheit geprägt. Wir dürfen Gottes Kinder sein ohne
unser eigen Verdienst und Würdigkeit.
Das ist richtig und bleibt richtig.
Aber trotzdem haben wir ganz scharf auf dieses Wort des
Apostels Jakobus zu achten und wir müssen sehr dankbar sein,
daß es auch dieses Wort in unserem Neuen Testament gibt.
Wer nämlich das Wort des Apostels Paulus:
"Gerettet werden ohne die Werke, allein durch den Glauben",
in einer falschen Weise versteht und praktiziert, kommt in
die große Gefahr, unseren Glauben an Jesus Christus als ein
frommes Nichtstun zu verstehen. Gab es doch eine Zeitepoche
in der Evangelischen Kirche in Deutschland, da man ernstlich
fragte, ob nicht gute Werke für den christlichen Glauben
sogar schädlich wären. Liegt nicht überhaupt über uns als
evangelische Kirchen und Gemeinden und Christen diese große
Gefahr, daß wir zu frommen Nichtstuern werden. Wir lassen
uns gern religiös bedienen. Wir verlegen unseren Glauben in
unsere Seele und schließen die Seele dann zu, damit er ja
nicht auch bis in unsere Hände und Füße und Köpfe und Pläne
und Geldtaschen auswirken kann. Der Apostel Jakobus sagt
dazu:
"Also auch der Glaube, wenn er nicht Werke hat, ist er tot
an ihm selber."
Leben wir wirklich im Glauben an Jesus Christus, dann ist
von diesem Glauben nicht nur unser frommes Gefühl erfüllt,
sondern zum Beispiel auch unser Wille, unseren Mitmenschen
zu helfen:
"So aber einer aus eurer Mitte nichts anzuziehen hätte und
nichts zu essen und jemand von euch würde ihm sagen: Gott
wird dich schon kleiden und wird dir zu essen geben! und
würde ihm selbst nichts zu essen geben und nichts zum
anziehen, was wäre das für ein Glaube?!"
Wir haben Berichte, selbst in der Heiligen Schrift, aus der
Zeit der ersten Christenheit, in denen bezeugt wird, in
welch großartiger Weise einer dem andern half. Ein
heidnischer Schriftsteller aus der damaligen Zeit teilt mit,
daß man die Christen nicht an ihren frommen Worten erkennen
kann, sondern an ihren Taten. Bewundernswert erscheint
diesen Christen die große Hilfsbereitschaft der Christen
untereinander. Er schreibt:
"Sehet, wie haben die Christen sich untereinander so lieb!"
Würde heute ein Nichtchrist, der uns hier untereinander im
täglichen Leben beobachten könnte, dasselbe von uns sagen?
Wie war das eigentlich, als vor wenigen Monaten die große
Überschwemmungskatastrophe um uns her geschahen und viele
Hab und Gut und Geld verloren, wer hat in dieser Zeit auch
nur einmal daran gedacht, daß es eigentlich auch unsere
Pflicht als christliche Gemeinde, als Christen, gewesen
wäre, ihm Namen Jesu Christi zu helfen??
"Also auch der Glaube, wenn er nicht Werke hat, ist er tot
an ihm selber."
Wir wissen, daß jetzt in Indien in diesen Monaten Millionen
von Menschen buchstäblich verhungern. Hat sich dabei auch
nur ein einziger bereits gefragt:
Gibt es für uns eigentlich auch eine Möglichkeit, diesen
verhungernden Menschen zu helfen?
Fromme Worte und inbrünstige Gebete helfen nicht, sondern
nur, ausschließlich und allein, nur unsere Bereitschaft zu
einem Opfer.
Wie oft haben wir nicht schon Menschen in Not gesehen und
haben weggeschaut und sind vorübergegangen.
Der Apostel Jakobus warnt uns vor einem solchen toten
Glauben, der an der Not des anderen vorübergeht.
Er vergleicht ihn mit dem Glauben der Teufel an den einen
Gott, der auch keine Frucht bringt, der auch nicht danach
fragt, was Gott getan haben will. Dieser Glaube zittert
lieber vor Gottes Zorn und vor Gottes Gericht, als daß er
hingeht und das tut, was Gott haben will.
Ein für alle Male sollen und müssen wir gerade auch als
evangelische Christen es verstehen lernen, daß der Glaube,
der uns von Gott in seinem Sohn Jesus Christus geschenkt
wird, ohne unser Verdienst und Würdigkeit, immer gute Werke
als Frucht dieses Glaubens hervorbringt oder es ist in
diesem unserem Glauben etwas nicht in Ordnung.
In dieser Schau ist das Werk ein fester Bestandteil des
Glaubens und er entscheidet über die Echtheit dieses
Glaubens.
Allerdings brauchen wir noch nicht zu verzweifeln, wenn wir
an unseren faulen Werken erkennen können, daß unser Glaube
nichts wert ist. Es gibt einen, der unseren faulen Glauben
wieder erneuern kann, Jesus Christus. Ert streckt ja bereits
seine Hand nach uns aus. Er zieht uns zu sich heran. Je
näher wir bei ihm stehen, desto heller leuchtet und er durch
uns hindurch auf die uns umgebende Umwelt geht. Je fester
wir mit ihm verbunden sind, desto mehr Frucht bringen wir,
desto mehr können wir auch unseren Mitmenschen helfen und
sie lieben. Je mehr wir auf sein Wort achten und in einer
ganz persönlichen Verbindung mit ihm leben, desto besser
nehmen wir es wahr und werden williger, auf sein Wink hin
uns in Bewegung zu setzen zu einem Menschen, der unserer
Hilfe bedarf.
Warum sollte dieses alles eigentlich eine
Selbstverständlichkeit sein? Weil einer uns das vorgelebt
hat, Jesus Chriostus selbst.
Ja, er hat uns das nicht nur vorgelebt, wie wir es machen
sollen, sondern er hat gerade durch seinen Gehorsam
gegenüber seinem Vater im Himmel uns selbst geholfen. Damit
uns geholfen werden konnte, hat er nicht nur einiges weniges
eingesetzt, sondern sich selbst ganz hingegeben. Er hat sich
uns ganz geschenkt, damit wir nicht hilfslos dem Zorn Gottes
ausgeliefert sein brauchten. Und zum Dank gehört es, wenn
wir uns auch helfend und liebend zu unseren Mitmenschen, die
in Not sind, herabbeugen:
"Der Glaube aber, wenn er nicht Werke hat, ist tot an ihm
selber."