-5-Kirchenj. bis 14.S.n.Trinitatis 21
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:04/07/1970
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Paraná, 5-7-1970-Krankeng.Meier
Grabschental, 25-7-1970
Camarero/P., 7-2-1971
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:5. Sonntag nach Trinitatis
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Apostelgeschichte 9, 1-20
Skopus: Jesus Christus wirkt auch heute noch durch Wunder
-5- Kirchenj. bis 14.S.n.Trinitatis 21-Apostelg.9,1-20
"Saulus aber schnaubte noch mit Drohen und Murren wider die
Jünger des Herrn und ging zum Hohenpriester und bat ihn um
Briefe gen Damaskus an die Schulen, auf daß, so er etliche
dieses Weges führte, Männer und Weiber, er sie gebunden
führte gen Jerusalem. Und da er auf dem Wege war und nahe an
Damaskus kam, umleuchtete ihn plötzlich ein Licht vom
Himmel; und er fiel auf die Erde und hörte eine Stimme, die
sprach zu ihm: Saul, Saul, was verfolgst du mich? Er aber
sprach: Herr, wer bist du? Der Herr sprach: Ich bin Jesus,
den du verfolgst. Es wird dir schwer werdem, wider den
Stachel zu lecken. Und er sprach mit Zittern und Zagen:
Herr, was willst du, daß ich tun soll? Der Herr sprach zu
ihm: Stehe auf und gehe in die Stadt; da wird man dir
sagen, was du tun sollst. Die Männer aber, die seine
Gefährten waren, standen und waren erstarrt; denn sie hörten
die Stimme, und sahen niemand. Saulus aber richtete sich auf
von der Erde; und als er seine Augen auftat, sah er niemand.
Sie nahmen ihn aber bei der Hand und führten ihn gen
Damaskus; und er war drei Tage nicht sehend und aß und trank
nicht. Es war aber ein Jünger zu Damaskus mit Namen Ananias;
zu dem sprach der Herr im Gesicht: Ananias! Und er sprach:
Hier bin ich, Herr. Der Herr sprach zu ihm: Stehe auf und
gehe hin in die Gasse, die da heißtr
"die gerade",
und frage in dem Hause des Judas nach einem namens Saul von
Tarsus; denn siehe, er betet und hat gesehen im Gesicht
einen Mann mit Namen Ananias zu ihm hineinkommen und die
Hand auf ihn legen, daß er wieder sehend werde. Ananias aber
antwortete: Herr, ich habe von vielen gehört von diesem
Manne, wieviel Übles er deinen Heiligen getan hat zu
Jerusalem; und er hat allhier Macht von den Hohenpriestern,
zu binden alle, die deinen Namen anrufen. Der Herr sprach zu
ihm: Gehe hin; denn dieser ist mir ein auserwähltes
Rüstzeug, daß er meinen Namen trage vor den Heiden und vor
den Königen und vor den Kindern von Israel. Ich will ihm
zeigen, wieviel er leiden muß um meines Namens willen. Und
Ananias ging hin und kam in das Haus und legte ihm die Hände
auf ihn und sprach: Lieber Bruder Saul, der Herr hat mich
gesandt (der dir erschienen ist auf dem Wege, da du her
kamst), daß du wieder sehend und mit dem heiligen Geist
erfüllt werdest. Und alsbald fiel es von seinen Augen wie
Schuppen, und er ward wieder sehend und stand auf, ließ sich
taufen und nahm Speise zu sich und stärkte sich. Saulus aber
war eine zeitlang bei den Jüngern zu Damaskus. Und alsbald
predigte er Christum in den Schulen, daß derselbe Gottes
Sohn sei."

Mir ist es oft schon, auch in unseren Gemeinden, begegnet,
daß Christen resigniert feststellten, bei dem einen Mann
oder der einen betreffenden Frau habe ich alles versucht,
ihn oder sie für Christus, für die Kirche, für die
christliche Gemeinde, zu interessieren, aber alle meine
Versuche sind gescheitert, da ist halt nichts zu machen.
Oder es wurde ebenfalls enttäuscht gefragt:
Wie kommt es nur eigentlich, daß am Gottesdienst nur ein
kleiner Teil von denen teilnimmt, die sich zu den Christen
zählen oder sogar Gemeindeglieder sind?
Dann wird auch resigniert festgestellt, da da eben nichts zu
machen sei; daß das einfach an der heutigen Zeit liege.
In dieser Resignation, von der wir von Zeit zu Zeit alle
einmal überfallen werden, auch ich als Pastor, meinen wir,
da sei einfach nichts zu machen. Das Interesse am
christlichen Glauben nehme einfach mit der Zeit immer mehr
ab.
Dieses Urteil fällt uns dann ganz besonders schwer, wenn es
sich um unsere eigenen Kinder handelt oder andere
Familienangehörige. Ebenso schwer wird es uns, wenn wir
daran denken, wer soll einmal alle die verschiedenen
Arbeiten und Aufgaben und Dienste in unserer Gemeinde
übernehmen, wenn die, die es heute tun, morgen nicht mehr
können?
Stoßen wir nicht immer auf soviel Ablehnung, wenn es darum
geht, etwas für die Gemeinde zu tun? Allerdings weiß unser
Text von einer solchen Resignation nichts.
Da wird uns über einen Mann berichtet mit Namen Saulus oder
auch Paulus, ergriffen von einem fanatischen Haß gegen Jesus
Christus und seine Gemeinde. Sein Ziel war, diese Gemeinde
mit Stumpf und Stiel auszurotten. Spielte er nicht schon
eine unrühmliche Rolle bei der Steinigung des ersten
christlichen Märtyrers Stephanus?
Und Jesus Christus stellt sich diesem seinem Feinde Saulus
in den WEeg. Und was geschieht? Aus einem Christushasser
wird einer der größten Verkündiger des Evangeliums, aus
einem Verfolger der Gemeinde wird einer, der selbst bereit
ist, für Jesus Christus und seine Gemeinde in den Tod Zu
gehen. Wie hatte der Herr von diesem seinem Feind Saulus
nach der persönlichen Begegnung gesagt?:
"Dieser ist mir ein auserwähltes Rüstzeug, daß er meinen
Namen trage vor Heiden und vor Könige und vor das Volk
Israel. Ich will ihm zeigen, wieviel er leiden muß um meines
Namens willen."
Wenn dieses móglich war bei einem Christushasser und einem
Verfolger der christlichen Gemeinde, und dieses hat sich in
der Tat zu allen Zeiten immer wieder neu wiederholt, sollte
das dann nicht heute bei und unter uns manchmal oder auch so
oft gleichgültigen Christen möglich sein?
Kommt unsere Resignation, unsere Meinung, daß das Interesse
für Jesus Christus und seine Gemeinde selbst unter uns
Christen nicht mehr geweckt werden kann, vielleicht daher,
das wir meinen, wir müßten den anderen von der Richtigkeit
unseres christlichen Glaubens überzeugen; wir müßten einen
anderen dahin bringen, daß er einen Dienst in der Gemeinde
übernimmt.
Bei einem solchen Denken aber vergessen wir, daß Jesus
Christus damals wie heute der Herr seiner Gemeinde ist und
es auch bleiben will, und daß er allein Menschenherzen
überzeugen oder Menschen zum Dienst willig machen kann.
Müßten wir selbst nicht ganz neu lernen, unserem Herrn mehr
Vertrauen zu schenken als bisher, von ihm mehr erwarten als
bisher? Liegt es vielleicht an uns, die wir mit Ernst
Christen sein wollen, daß das Interesse an Jesus Christus
und seiner Gemeinde unter uns nachläßt?
Jedenfalls kann und muß man wohl sagen, daß da, wo eine
echte christliche Gemeinde lebt, in der der Herr Jesus
Christus selbst am Werke ist und nicht gehindert werden
kann, da werden Menschen in seinen Dienst gerufen, da gibt
es keinen lauen Christen, da werden aus Christusfeinden
Christusbekenner, da sind Menschen bereit, um Jesu Christi
willen zu leiden oder sogar in den Tod zu gehen.
So erreichte uns in diesen Tagen ein Brief aus Sowjetrußland
mit der Überschrift:
An alle christlichen Kirchen der Welt, an alle Christen der
Welt!,
und in dem Brief werden wir aufgefordert, für 174 Glieder
der Evangeliumschristen und Baptisten zu beten, die von der
kommunistischen Partei im vergangenen Jahre verhaftet und zu
Gefängnisstrafen verurteilt wurden, nur aus dem einen
Grunde, daß sie an Jesus Christus glauben und es sich nicht
verbieten lassen, diesen Glauben an andere Menschen
weiterzuempfehlen. Von einem wird berichtet, Nicolai Chrapow
aus Taschkent, daß er bisher zu verschiedenen Zeiten bereits
22 Jahre in Gefängnissen und Lagern zugebracht habe, und im
vergangenen Jahre wieder um seines Glaubens willen zu 5
Jahren Gefängnis verurteilt worden ist.
Trotz all dieser menschlichen Nöte der Christen wächst ihre
Schar und wird ein Prediger verhaftet, weiß sich sofort ein
anderer als Nachfolger gerufen.
Unser Herr Jesus Christus wirkt auch heute noch inmitten
seiner Gemeinde und kann Menschenherzen vollständig
umkrempeln. Er kann und will auch unter uns ein Neues
schaffen. Seine Sache wird nicht untergehen, sondern immer
weiter schreiten, mit uns oder auch ohne uns, vielleicht
sogar gegen uns, möglichst aber mit uns, indem wir nicht
resignieren, sondern unser ganzes Vertrauen allein auf ihn
setzen.