-5-Kirchenj. bis 14.S.n.Trinitatis 19
Lugar/Ort:Aldea Protestante,

Fecha/Datum:10/07/1966
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Fest zum Kirchbau mit Erzbischof Dr.
Tortolo
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:5. Sonntag nach Trinitatis
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:1. Könige 19, 1-8
Skopus: Das Wort Gottes durchtsteht auch Leidenszeiten
-5- Kirchenj. bis 14.S.n.Trinitatis 19 -1.Könige 19,1-8
"Und Ahab sagte Isebel an alles, was Elia getan hatte und
wie er hatte alle Propheten Baals mit dem Schwert erwürgt.
Da sandte Isebel einen Boten zu Elia und ließ ihm sagen: Die
Götter tun mir dies und das, wo ich nicht morgen um diese
Zeit deiner Seele tue wie dieser Seelen einer. Da er das
sah, machte er sich auf und ging hin um seines Lebens willen
und kam gen Beer-Seba in Juda und ließ seinen Diener
daselbst. Er aber ging hin in die Wüste eine Tagereise und
kam hinein und setzte sich unter einen Wacholder und bat,
daß seine Seele stürbe, und sprach: Es ist genug, so nimm
nun, Herr, meine Seele; ich bin nicht besser denn meine
Väter. Und legte sich und schlief unter dem Wacholder. Und
siehe, ein Engel rührte ihn an und sprach zu ihm: Stehe auf
und iß! Und er sah sich um, und siehe, zu seinen Häupten lag
ein geröstetes Brot und eine Kanne mit Wasser. Und da er
gegessen und getrunken hatte, legte er sich wieder schlafen.
Und der Engel des Herrn kam zum andernmal wieder und rührte
ihn an und sprach: Stehe auf und iß! denn du hast einen
großen Weg vor dir. Und er stand auf und aß und trank und
ging durch Kraft derselben Speise vierzig Tage und vierzig
Nächte bis an den Berg Gottes Horeb."

In einer Zeit, da das Wort Gottes nicht mehr galt und auch
darum nicht mehr danach gelebt wurde, war dem Elia durch
Gott selbst gerade sein Wort anvertraut worden. Er sollte es
zur Zeit oder zur Unzeit, in Freud und Leid, vor arm und
reich, vor Hohen und Niedrigen verkündigen.
Das Wort war ihm damals von Gott anvertraut worden, wie es
heute der christlichen Kirche, den christlichen Gemeinden
der Welt, anvertraut worden ist, auch uns hier. In einem
gibt es allerdings einen Unterschied, und Gott sei Lob und
Dank, daß es diesen Unterschied gibt. Uns ist es nicht
aufgetragen, das Gericht Gottes, Tod und Untergang, zu
predigen, auch keine Schimpfereien über die bóse Welt
ertönen zu lassen, erst recht nicht, das Gericht Gottes an
den Menschen selbst zu vollziehen.
Dem Elia war es aufgetragen worden, das Todesurteil Gottes
über die abgefallenen heidnischen Baalspriester zu
vollstrecken. Uns als Kirche ist es aufgetragen, das
Evangelium, die frohe Biiotaschaft, weiterzusagen:
Wir sind Gottes geliebte Kinder. Er liebt uns, obwohl wir es
nicht verdient haben.
Es sieht allerdings so aus, als ob die Antwort von uns
Menschen auf das Wort Gottes immer gleich war bis auf den
heutigen Tag, ganz gleich, ob das Gericht verkündigt wurde
oder Gottes Liebe zu uns:
Das Wort Gottes wird abgelehnt und die Boten, die Gemeinde
Gottes, werden verfolgt. Wie klagt Elia?:
"Ich bin mit Gottes Botschaft allein geblieben und die,
denen das Wort gilt, trachten mir nach dem Leben."
Hat es dann "berhaupt noch einen Sinn, Gottes Wort
weiterzusagen? Hat es noch einen Sinn, Menschen einzuladen,
die ausgestreckte helfende Hand Gottes zu ergreifen? Ja, hat
es dann überhaupt einen Sinn, neue Kirchen zu bauen, in
denen wir alle als Boten Gottes durch die Gottesdienste
vorbereitet werden, durch Wort und Tat, da, wo wir leben und
arbeiten, die Botschaft Gottes weiter zu sagen?
Elia sieht die Lage für hoffnungslos an, für das Wort Gottes
und auch für sich selbst. Darum nutzt er die Gelegenheit,
die die Königin ihm gegeben hat, aus, um zu fliehen.
Er ist des Auftrages Gottes müde. Es hat doch alles keinen
Zweck mehr, was soll ich mich noch weiter mit dem Wort
Gottes abquälen. Es hat ja doch keine Zukunft mehr unter uns
Menschen.
Solche Zeiten kommen auch immer wieder über Gemeinden und
Kirchen, daß die Verkündiger des Wortes Gottes fruchtlos
bleibt, ja, daß die Gemeinden und Kirchen selbst nicht mehr
dem Worte Gottes glauben. Und in solchen Zeiten besteht die
große Gefahr, daß die Gemeinden sich nach einer anderen
Botschaft als dem Wort Gottes umsehen; nach einer Botschaft,
die wir Menschen viel lieber hören möchten und die uns keine
Verachtung, keine Not und erst recht keine Verfolgung
einbringt.
Das Wort Gottes, das den Gemeinden und Kirchen anvertraut
ist, kann schon, wenn es so fruchtlos bleibt, wenn es
Feindschaft gegen die Verkündiger hervorruft,
Hoffnungslosigkeit und Lebensmüdigkeit aufkommen lassen, wie
bei Elia:
"Es ist genug, so nimm meine Seele von mir."
Dieser Seufzer über die Erfolgslosigkeit der Verkündiger des
Wortes Gottes ist in einer noch tieferen Weise fortgesetzt
worden dort am Kreuz auf Golgatha, als das Wort, als der
Sohn Gottes selbst, durch uns Menschen eliminiert wurde, als
Jesus Christus seine ganze Hoffnungslosigkeit hinausschrie:
"Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?!",
Zu ihm kam keine Hilfe in dieser ganzen Hoffnungslosigkeit.
Er mußte sie durchstehen bis zum bitteren Ende wie ein
gemeiner Verbrecher.
Dem Elia wurde aber mitten in der Hoffnungslosigkeit und
Müdigkeit Gottes Hilfe zuteil, nicht nur für seine Seele,
sondern auch für seinen Leib.
So hat die christliche Kirche, haben die christlichen
Gemeinden, die Verheißung, daß Gott sie auch durch die
Zeiten der größten Hoffnungslosigkeit, des größten Abfalls,
durch die Zeiten größter Schwierigkeiten in der eigenen
Mitte am Leben erhalten will, sie nicht dem Verderben
preisgeben wird, sondern helfend zur Seite steht.
Gott wird sie aus der Hoffnungslosigkeit in eine
hoffnungsvolle Zukunft, aus einer abgrundtiefen Verzweiflung
in eine frohe Zuversicht führen. Gott sorgt schon für seine
Gemeinden, die sein Wort zu verkündigen haben, selbst in den
größten Nöten und Anfechtungen und Verfolgungen.
Besonders aber sorgt er dafür, daß sie neu gestärkt werden
mit dem Worte Gottes.
Die christlichen Gemeinden und Kirchen, und die zu ihnen
gehören, haben nicht nur den Auftrag, das Wort Gottes
weiterzusagen, sondern sie werden eingeladen, selbst immer
wieder neu aus dem Worte Gottes zu leben.
Das Wort Gottes will uns jeden Tag neu Trost und Kraft und
Freude für unser Leben und für den uns aufgetragenen Dienst
geben. Elia wird auf den Berg Horeb geführt, um zu einer
neuen Begegnung mit Gott und seinem Worte zu kommen und in
gleicher Weise werden die Gemeinden und Kirchen zu einer
neuen Begegnung mit dem Wort Gottes geführt. Und auch wir
Christen, die wie die frohe Botschaft weiterzusagen haben,
werden immer wieder neu zu einer Begegnung mit diesem Worte
Gottes geführt werden.
Wenn wir nun an diese neue Kirche hier denken, die von Tag
zu Tag ihrer Vollendung entgegengeht, dann kann auf Grund
unseres Predigttextes nur die Bitte über unsere Lippe
kommen:
Herr, laß dein Volk an diesem Ort hier zusammenkommen, um
Trost und Kraft aus deinem Wort zu schöpfen und um klare
Befehle aus deinem Worte zur Verkündigung der frohen
Botschaft in der uns umgebenden Welt zu empfangen.