-5-Kirchenj. bis 14.S.n.Trinitatis 17
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Año Eclesiástico/Kirchenjahr:4. Sonntag nach Trinitatis
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Lukas 6, 36-42
Skopus: Die zwei Fundamente unseres christlichen Glaubens
-5- Kirchenj. bis 14.S.n.Trinitatis 17 -Lukas 6, 36-42
"Darum seid barmherzig, wie auch eure Vater barmherzig ist.
Richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt
nicht, so werdet ihr auch nicht verdammt. Vergebt, so wird
euch vergeben. Gebet, so wird euch gegeben. Ein
vollgedrückt, gerüttelt und überflüssig Maß wird man in
euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr
messet, wird man euch wieder messen. Und er sagte ihnen ein
Gleichnis: Kann auch ein Blinder einem Blinden den Weg
weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grabe fallen? Der
Jünger ist nicht über seinem Meister: wenn der Jünger ist
wie sein Meister, so ist er vollkommen. Was siehest du aber
einen Splitter in deines Bruders Auge, und den Balken in
deinem Auge wirst du nicht gewahr? Oder wie kannst du sagen
zu deinem Bruder: Halt stille, Bruder, ich will den Splitter
aus deinem Auge ziehen, und du siehst selbst nicht den
Balken in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuvor den Balken
aus deinem Auge und siehe dann zu, daß du den Splitter aus
deines Bruders Auge ziehest."

Jesus hat uns, die wir zu ihm gehören, zwei Maßstäbe an die
Hand gegeben, wie wir uns heute schon in dieser alten Welt
als Glieder der neuen Welt, als Angehörige des Reiches
Gottes, verhalten.
Diese beiden Maßstäbe lauten:
"Gott lieben und den Nächsten wie sich selbst."
In seinen Predigten hat er dann immer wieder auch erklärt,
was das im einzelnen bedeutet. Solch eine Predigt haben wir
in unserem Text vor uns, in der er erläutert, was es heißt,
seinen Mitmenschen zu lieben, ohne zu fragen, was wir davon
haben.
Der Grundgedanke ist dabei, daß wir uns unserem Mitmenschen
gegenüber, auch dem absonderlichsten, so verhalten, wie Gott
sich uns gegenüber verhält, oder wie wir erwarten, daß er
sich uns gegenüber verhalten möchte. Es heißt ja auch im
Vaterunser im gleichen Sinne:
"Vergib, du unser Vater, uns unsere Schuld, in dem gleichen
Sinne, wie wir bereit sind, unserem Schuldiger zu vergeben."
Der erste Aspekt unserer Liebe zu einem anderen Menschen
soll sein, daß wir ihn um seiner selbst willen lieben, ohne
von dieser Liebe zu profitieren. Wir sollen ihm ein gewisses
Verstehen und Mitfühlen in seinen Problemen und Nöten
entgegenbringen, ja bereit sein, mit ihm zu leiden und diese
Liebe hört selbst dann nicht auf, wenn der, dem ich Hilfe
gewähre, sie ablehnt und mir Schaden Zufügt oder mich Haßt.
Von diesem Verständnis her konnte der Herr einmal sagen:
"Liebet eure Feinde; segnet, die euch fluchen; tut wohl
denen, die euch hassen."
Wir sagten, daß diese Nächstenliebe von der ehelichen Liebe
grundsätzlich unterschieden werden muß, aber doch kann eine
zusammengebrochene eheliche Liebe nur noch durch die
Praktizierung der christtlichen Nächstenliebe innerhalb
dieser Ehe gerettet werden.
Es ist durchaus klar, wenn wir wieder zu unserem Text
zurückkehren, daß ein Christ, der schon hier nach der
Ordnung der neuen Welt lebt, in dieser Nächstenliebe einen
anderen Menschen nicht richten, nicht aburteilen und nicht
verdammen kann. Er würde es dabei riskieren, daß er von Gott
ebenfalls gerichtet, abgeurteilt und verdammt werden würde.
Das Richten, Aburteilen und Verdammen steht allein Gott zu
und auch wir kommen nur daran vorbei, weil Jesus Christus
uns geliebt hat und für uns in den Tod gegangen ist. Und das
alles wird für uns null und nichtig, wenn wir nicht bereit
sind, unseren Mitmenschen gegenüber genauso zu handeln.
Das aber ist nicht alles, was der Herr von uns im Verhältnis
zu unseren Mitmenschen erwartet. Er sagt weiter:
"Laßt eure Schuldner frei und gebt in einer überschäumenden
Weise."
Das bedeutet zunächst, daß es der christlichen Nächstenliebe
unwürdig ist, einen Menschen, der nicht in der Lage ist, mir
seine Schuld zu bezahlen, vor das Gericht zu bringen, erst
recht nicht, einzuwilligen, daß er deshalb ins Gefängnis
geworfen wird. Christliche Nächstenliebe in diesem Falle
bedeutet, so wie Jesus Christus sie versteht, daß wir solch
einem in Not geratenen Menschen nicht nur die Schuld
erlassen, sondern sogar ihm noch mehr schenken, damit er
wieder aus dieser seiner Not herauskommt. Je mehr wir als
Christen im engen Kontakt mit Jesus Christus leben, je
größer wird unsere Bereitschaft, das, was wir haben, was uns
von unserem Schïopfer zur Verwaltung übergeben worden ist,
nicht nur für uns krampfhaft festzuhalten, sondern auch zur
Hilfe an andere weiterzugeben.
Der Herr, als Geber aller guten Gaben, macht auf ein
bedeutendes Geheimnis aufmerksam, daß nämlich, je mehr ich
anderen von dem angeblich Meinigem, aber Gott Gehörenden, an
andere zur Hilfe weitergebe, desto mehr und größere Güter
vertraut Gott mir an. Daran ändert auch nichts, daß es in
manchen Fällen so scheint, als ob das Gegegnteil die
Wirklichkeit ist. Es stimmt schon, was die vorhergehenden
Generationen als mahnende Sprichwörter gesagt haben:
"Unrecht Gut gedeihet nicht."
und
"Wie gewonnen, so zerronnen."
oder
"..und das Unglück schreitet schnell."
Die beiden folgenden Versen unseres Predigttextes machen
dann darauf aufmerksam, daß wir ja als Aufgabe das SALZ DER
ERDE und das LICHT DER WELT sind und durch unsere
Nächstenliebe einer Welt, in der gehaßt und getÖtet,
gestohlen und geraubt und den Armen noch das Letzte zum
Leben weggenommen oder vorenthalten wird, ein Beispiel geben
sollen, wie wir als Menschen uns in gegenseitiger Liebe und
Hilfsbereitschaft begegnen können, in der jeder sich seines
Lebens freuen kann und die Bestimmung seines Menschseins
erreicht.
Wenn wir das als Christen nicht tun, wozu wir beauftragt
wurden, dann gleichen wir einem Blinden, der einem anderen
Blinden den Weg zeigen will.
Und wir müssen freimütig bekennen, daß wir als einzelne und
als Gesamtchristenheit bis heute an diesem Punkte der
Nächstenliebe total versagt haben. Ist nicht der Kommunismus
das Strafgericht Gottes über eine Christenheit, die ihren
Auftrag nicht ausgeführt hat?
Wir werden den Kommunismus als Strafgericht Gottes über uns
nicht durch Waffengewalt ausrotten können, sondern nur
dadurch, daß wir endlich diese 2. fundamentale Säule
unseres christlichen Glaubens ernst nehmen:
"Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst."
Jesus sagt noch mehr in dieser Hinsicht. Ein Christ, ein
Mensch, der zu Jesus Christus gehören will, aber doch nichts
von der 2. Grundmauer des christlichen Glaubens, von der
Liebe und Hilfsbereitschaft zu seinen Mitmenschen wissen
will, der hat kein Recht, im Namen des christlichen Glaubens
über andere Menschen, die keine Christen sind, zu schimpfen
und zu kritisieren, wenn sie nicht nach der Ordnung des
Reiches Gottes handeln. Wenn sie böse sind, wenn sie nicht
Nächstenliebe üben, sondern in Haß und Streit und Mord und
Totschlag und Eigennutz ihr Leben gestalten, sind wir
Christen sogar daran schuld, da sie nicht wissen, was wahres
echtes menschliches Leben bedeutet, weil wir es diesen
Menschen nicht vorgelebt haben.
An diesem Punkte sind wir in vieler Hinsicht Jesus Christus
im Glauben nicht nachgefolgt. Und liegt es nicht an diesem
unserem Versagen, daß in der Welt die Stimme von uns
Christen nicht ernst genommen oder überhaupt nicht beachtet
wird.
Das Wort Gottes ist durch unsere Schuld für die, die keine
Christen sind, noch nicht oder nicht mehr sinn- und
wertvoll.
Am schlimmsten wird es, wenn Christen im angeblichen Namen
ihres Herrn andere Menschen töten, festnehmen und quälen und
verleumden.
Hier gilt schon nichtmehr das Wort Jesu in unserem Text:
"Du Heuchler",
hier gilt das andere Wort:
"Ihr Schlangengezücht".
Wie können wir wieder das Salz der Erde und das Licht der
Welt werden, damit wir nicht unter das Strafgericht Gottes
fallen, wie der Kommunismus eine Form ist? Eben dadurch, daß
wir ernstlich anfangen ernstzunehmen, daß unser christlicher
Glaube nicht nur auf einem Fundament steht, sonder auf diese
zwei:
"Du sollst Gott, deinen Herrn, lieben und deinen Nächsten
wie dich selbst."

(Das exakte Datum ist nicht vorhanden)