-5-Kirchenj. bis 14.S.n.Trinitatis 11
Lugar/Ort:Reffino

Fecha/Datum:28/09/1980
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Meroú, 20-9-1981
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:3. Sonntag nach Trinitatis
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Lukas 15, 1-10
Skopus: Jesus sorgt sich um die VERLORENEN
-5- Kirchenj. bis 14.S.n.Trinitatis 11 -Lukas 15,1-10
"Es nahten aber zu Jesus allerlei Zöllner und Sünder, daß
sie ihn hörten. Und die Pharisäer und Schriftgelehrten
murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isset
mit ihnen. Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach:
Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und,
so er der eines verliert, der nicht lasse die neunundneunzig
in der Wüste und hingehe nach dem verlorenen, bis das er's
finde? Und wenn er's gefunden hat, so legt er's auf seine
Achseln mit Freuden. Und wenn er heimkommt, ruft er seine
Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freuet euch mit
mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war.
Ich sage euch: Also wird auch Freude im Himmel sein über
einen Sünder, der Buße tut, vor neunundneunzig Gerechten,
die der Buße nicht bedürfen. Oder welches Weib ist, die zehn
Groschen hat, so sie der einen verliert, die nicht ein Licht
anzünde und kehre das Haus und suche mit Fleiß, daß sie ihn
finde? Und wenn sie ihn gefunden hat, ruft sie ihre
Freundinnen und Nachbarinnen und spricht: Freuet euch mit
mir; denn ich habe meinen Groschen gefunden, den ich
verloren hatte. Also auch, sage ich euch, wird Freude sein
vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut."

2 Gleichnisse haben wir gerade gelesen, die beide die
gleiche Intention haben, das Gleichnis vom verlorenen Schaf
und das vom verlorenen Silbergroschen. Vielleicht ist es
notwendig zu erklären, da für Jesus ein Gleichnis eine Form
einer Predigt ist, mit der er an Hand eines Beispieles aus
dem täglichen Leben eine Wirklichkeit des Reiches Gottes
klar macht.Jesus will also auch durch diese beiden
Gleichnisse eine Wirklichkeit des Reiches Gottes
verkündigen.
Zunächst müssen wir fragen, aus welchem Anlaß heraus, hat
der Herr gerade so gepredigt?:
"Es kamen aber ständig alle Zöllner und Sünder zu ihm, um
ihn zu hören und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten
und sagten: Dieser nimmt Sünder an und ißt mit ihnen."
Es hatte sich ein schwerer Sreit entwickelt zwischen Jesus
und den frommen Menschen seiner Zeit. Unter den Frommen und
Pharisäern und Schriftgelehrten haben wir solche Menschen zu
verstehen, die es ernst mit ihrem Glauben nehmen, die Gottes
Wort und das Gesetz damals sehr wichtig nahmen und danach zu
leben versuchten.
Sie sind zu vergleichen mit uns, die wir uns, wie wir heute,
zum Gottesdienst halten, zu Hause die Heilige Schrift lesen,
uns am Aufbau der Gemeinde beteiligen, im Chor mitsingen, in
der Gestaltung des Kindergottesdienstes mithelfen und
Verantwortung für die Gemeinde als Kirchenvorsteher und als
Glieder des Kirchenvorstandes tragen, besonders sind wir
alle damit zu vergleichen, die im alltäglichen Leben
versuchen, als Christen zu leben und im Sinne Jesu zu
handeln.
Mit solchen Menschen, die Jesus anerkennend als Gerechte
bezeichnet, kommt er gegeneinander, vielmehr diese Gerechten
sind mit dem Tun und Handeln Jesu nicht einverstanden. Sie
greifen ihn deswegen an.
Was war das für ein Tun und Handeln Jesu, das sie nicht
anerkennen können?
Unser Text sagt es uns so:
"Dieser nimmt die Sünder an und ißt mit ihnen an einem
Tisch."
Unter Sündern hier und auch nach den Gleichnissen sind
solche Menschen zu verstehen, die zum Volk Gottes gehörten,
aber in ihrem Tun und Handeln und Reden von Gott und seinem
Volks nichts wissen wollten und ihre eigenen Wege gingen,
ohne nach den Geboten zu fragen, solche, die mit den Feinden
des Volkes Israels paktierten. Sie sind heute etwa denen zu
vergleichen, die getauft und konfirmiert worden sind, sich
aber dann doch nicht mehr zur Kirche und Gemeinde hielten,
die sich über die, die zum Gottesdienst gehen, lustig
machen, die durch Wort und Tat bewußt zeigen, daß sie vom
christlichen Glauben nichts halten und nichts wissen wollen,
auch nicht nach dem Willen Gottes fragen. Sie alle sind die,
die im Mittelpunkt unserer beiden Gleichnisse stehen.
Und Jesus hat in seinem ganzen Wirken als Heiland diese
Menschen im Auge gehabt, gerade diese, nicht so sehr
Gerechten und auch nicht die Heiden. Denen, die zum Volk
Gottes gehörten und abgefallen sind und durch ihr tägliches
Leben bewiesen, daß sie nichts mehr nach Gottes Willen
fragten, will Jesus helfen. Und es war offen am Tage, daß
gerade sie sich auch helfen lassen wollen, darum lesen wir
ja am Anfang unseres Predigttextes:
"Es kamen aber ständig alle Zöllner und Sünder zu ihm, um
ihn zu hören und er aß mit ihnen."
Und gerade darüber, daß Jesus sich mit diesen Menschen mehr
abgab und sich um sie mehr kümmerte, als um die Frommen und
Gerechten, die ja bereits nach ihrer Meinung auf dem rechten
Wege sind, gerade darum wird er von diesen Frommen und
Gerechten angegriffen.
Und um sie zum Verstehen dieses seines Handelns zu führen,
erzählt er beide Gleichnisse und sagt ihnen damit:
Genauso wie der Hirt seine Herde einmal nicht in der nötigen
Weise atendiert, um ein Schaf seiner Herde, das
verlorengegangen ist, zu suchen und überglücklich ist, wenn
er es gefunden hat und heil zurückbringt, handle ich auch
oder wie die Frau, die, um ihren verlorenes Geldstück zu
suchen, das ganze Haus umkrempelt und alles auf den Kopf
stellt, um es zu suchen und wenn sie es gefunden hat, es
allen kundtut und auffordert, sich mit ihr zu freuen.
Das ist aber nicht nur die Wirklichkeit im Handeln und Tun
Jesu, sondern überhaupt die Regel im Reich Gottes:
"So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der
umkehrt, mehr als über 99 Gerechte, die die Umkehr nicht
nötig haben, ja, selbst die Engel Gottes im Himmel stimmen
in die Freude mit ein, wenn einer wieder zurückkehrt zu
seinem Vater Himmel."
Wenn wir das alles bedenken und es vergleichen mit dem, was
wir als Aufgabe zum Beispiel einer christlichen Gemeinde
oder Kirche verstehen, und wofür wir bereit sind, uns als
Christen einzusetzen, dann müssen wir beschämt feststellen,
daß wir diese Aufgabe, uns für die einzusetzen, die zu uns
gehören, die getauft und konfirmiert wurden und sich haben
kirchlich trauen lassen, aber nun nicht nur aus der Gemeinde
ausgetreten sind, sondern überhaupt nichts mehr nach Gott
und seinem Worte fragen, durch ihr Leben den Willen Gottes
verachten und sich über den Glauben lustig machen, noch gar
nicht erkannt haben. Und wenn wir diese Aufgaben anpacken
würden, würden dann nicht gerade die, die ihren Glauben
ernst nehmen und die treuen Kirchgänger, wie die Frommen und
Pharisäer zur Zeit Jesu Schwierigkeiten in der Gemeinde
machen?
Wirbt Jesus nicht gerade um das Verständnis der Gerechten,
daß auch sie akzeptieren, daß das Volk Gottes nicht um
seiner selbst willen besteht, sondern um seine Aufgabe zu
erfüllen, besonders eben gegenüber Menschen, die einst zur
Kirche gehörten, aber nun andere Wege gehen.
Vergessen wir nicht, was Jesus gesagt hat:
"Wahrlich ich sage euch: So wird Freude sein im Himmel über
einen Sünder, der umkehrt, mehr als über 99 Gerechte, die
die Umkehr nicht nötig haben."
Warum tut Jesus dieses wohl? Liegt es nicht daran, daß er
uns besser kennt, alls wir uns selbst normalerweise kennen?!
Er weiß, daß wir als ernste Christen und als treue
Kirchgänger auch sehr wankelmütig sind und vielleicht morgen
schon zu den "Verlorenen" gehören oder vielleicht trotz
äußeren Scheins bereits heute als treue Kirchgänger nichts
nach Jesus Christus fragen und darum zu den "Verlorenen"
gehören und auch uns gerade diese Wirklichkeit im Reich
Gottes, die vor allem den VERLORENEN sucht und nachgeht, uns
hilft. Vielleicht erkennen wir uns heute schon als die
Verlorenen, die von Jesus gefunden worden sind und denen
geholfen wird.
So oder so, wir sind mit eingeladen zu der Freude vor den
Engeln Gottes über jeden Sünder, der umkehrt und sich helfen
läßt, weil wir auch dazu gehören dürfen.