-4-Kirchenjahr bis Pfingsten 43
Lugar/Ort:Grabschental

Fecha/Datum:14/06/1981
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Reffino, 30-5-1982
Meroú, 6-6-1982
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Pfingsten
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Johannes 16, 5-15
Skopus: Heilige Geist erklärt Sünde,Gerechtigkeit,Gericht.
-4- Kirchenjahr bis Pfingsten 43-Johannes 16,5-15
"Nun aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat; und
niemand unter euch fragt mich: Wo gehst du hin? Sondern weil
ich solches zu euch geredet habe, ist euer Herz voll
Trauerns geworden. Aber ich sage euch die Wahrheit: es ist
euch gut, daß ich hingehe. Denn so ich nicht hingehe, so
kommt der Tröster nicht zu euch; so ich aber gehe, will ich
ihn zu euch senden. Und wenn derselbe kommt, wird er die
Welt strafen um die Sünde und um die Gerechtigkeit und um
das Gericht: um die Sünde, daß sie nicht glauben an mich; um
die Gerechtigkeit aber, daß ich zum Vater gehe und ihr mich
hinfort nicht sehet; um das Gericht, daß der Fürst dieser
Welt gerichtet ist. Ich habe euch noch viel zu sagen, aber
ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener, der Geist
der Wahrheit, kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit
leiten. Denn er wird nicht durch sich selber reden; sondern
was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist,
wird er euch verkündigen. Derselbe wird mich verklären; denn
von dem Meinem wird er's nehmen und euch verkündigen. Alles,
was der Vater hat, das ist mein. Darum habe ich gesagt:
"Er wird's von dem Meinen nehmen, und euch verkündigen."

Jesus Christus lebt schon in den letzten schweren
Auseinandersetzungen seines Lebens, die mit dem Tode am
Kreuz enden. Er weiß, wie schwer es schon jetzt für seine
Jünger wird, da er selbst noch mitten unter ihnen ist. Wie
wird es aber erst werden, wenn er durch den Tod und später
durch die Himmelfahrt von dieser Erde genommen und nicht
mehr unter ihnen sein wird?
Als Trost weist er schon zu Lebzeiten auf die Ausgießung des
Heiligen Geistes hin, die geschehen wird in seinem Namen
nach seinem Fortgang.
Dieser Heilige Geist ist sein Beauftragter, durch ihn wirki
er als der Herr.
Wir feiern nun heute das Pfingstfest zur Erinnerung an diese
Ausgießung vor fast 2.000 Jahren. Da ist es gut, wenn wir
einmal hinhören auf das, was uns unser Text über den
Heiligen Geist sagt. Es könnte dann auch sein, daß wir
alles, was mit ihm zu tun hat und mit seiner Ausgießung
besser verstehen können.
Vom Heiligen Geist hängt für die Zukunft des Reiches Gottes
auf Erden sehr viel ab, ebenfalls von dem Hingehen unseres
Herrn und Heilandes Jesus Christus an das Kreuz auf Golgatha
für unser aller Heil. Beides hängt im Plan Gottes
voneinander ab und ist eng miteinander verbunden.
Nach unserem Text hat der Heilige Geist eine doppelte
Funktion:
1. Diese Welt zu strafen und
2. Jesus Christus zu verherrlichen.
Die Strafe für diese Welt klar zu machen, geschieht in einer
dreifachen Weise:
Was bedeutet:
1. Sünde,
2. Gerechtigkeit und
3. Gericht.
Jesus sagt hier seinen Jüngern, was später der Heilifge
Geist aller Welt deutlich machen wird. Zum Beispiel sind
unter Sünden nicht besonders bestimmte Übertretungen von
Geboten und Satzungen gemeint, sondern die Entscheidung, die
ein Mensch in seinem Leben gegen Jesus fällt. Der Heilige
Geist deckt auf, wo im Volk Gottes gerade unter dem Mantel
der Frömmigkeit und Gesetzlichkeit und der Gesetzes Treue
der Sohn Gottes in der Gestalt des Jesus von Nazareth
verleugnet und verraten und ermordet wird. Nicht Gesetzes
oder Frömmigkeit hat entscheidende Bedeutung, wenn es um
unser Verhältmis zu Gott geht. Der Heilige Geist deckt aber
auch unter denen, die überhaupt nichts von Religionen und
Frömmigkeit wissen wollen auf, daß nicht das das
Entscheidende im christlichen Glauben ist, daß wir eine
Religion haben oder Frömmigkeit praktizieren, sondern daß
wir Jesu Wort hören und ihm gehorchen. Aber dieses will auch
die sogenannte Welt nicht und darum wird diese Welt im
Johannes-Evangelium die sündige Welt genannt.
Das 2., was der Heilige Geist klar herausstellen will, ist
das, was mit dem Wort Gerechtigkeit zusammenhängt.
Jesu Feinde verteidigen im Volk Israel die Gerechtigkeit und
im Namen dieser Gerechtigkeit sind sie dabei, Jesus
umzubringen. Und der Heilige Geist wird es ans Licht
bringen, das gerade Jesus Christus im Kampf und Einsatz um
das Heil und Wohl der Menschen eine neue Gerechtigkeit auf
dieser Erde einpflanzen wird, die unserer Gerechtigkeit
entgegengesetzt ist.
In der Durchsetzung der Gerechtigkeit der Menschen wird Jesu
Tun und Handekln und Reden als Ungerechtigkeit verurteilt
und verdammt und er selbst muß den Tod eines nach ihrer
Meinung Ungerechten erleiden. Der Heilige Geist deckt auf,
daß die eigentliche und wahre Gerechtigkeit die ist, die
Jesus praktizierte und die nur ein einziges Ziel kennt, uns
Menschen zu helfen, auch wenn sie von der Welt als
Ungerechtigkeit mißachtet und verachtet und verfolgt wird.
Und wenn Menschen diesem Jesus folgen, dann folgen sie auch
immer dieser Gerechtigkeit Jesu, die in all ihrem Tun nicht
den uns zur Seite gestellten Mitmenschen vergißt.
Das kann ganz konkret auch einmal bedeuten, daß ein
Verurteielter der Gerechte und der, der verurteilt, der
Ungerechte ist.
Mit diesem hängt die
3. Klarstellung zusammen, die der Heilige Geist uns geben
will, was denn das Gericht bedeutet?
Auch hier, sagt Jesus, wird der Heilige Geist genau das
Gegenteil aufzeigen von dem, was die Welt, die fromme und
gottlose Welt behauptet. Sie alle behaupten, am Kreuz, wo
dieser Jesus von Nazareth wie ein Verbrecher hängt, können
wir erkennen, wenn einer gerichtet worden ist, und zwar
wegen seiner bösen, gottlosen, dummen und aufrühreriscfhen
Handlungen.
Der Tod Jesu als ein Verbrecher bringt es an den Tag, wer
dieser Jesus in Wirklichkeit war, ein von Menschen und von
Gott gerichteter Dummkopf, Lästerer und Rebell, sagen die
Feinde Jesu.
Demgegenüber läßt der Heilige Geist uns erkennen, daß gerade
das Gegenteil am Kreuz auf Golgatha zu erkennen ist, das
nämlich alle die, die nichts von Jesus halten, die ihn
verachten und verspotten, die ihn verdammen und verurteilen
und zu Tode bringen, das alle die, die die Jünger Jesu
verfolgen, die Jesus in den Tod gefolgt sind, in
Wirklichkeit die von Gott Gerichteten sind, weil sie die
Wahrheit Gottes nicht in seinem Sohn Jesus Christus und ihm
Handeln seiner Nachfolger erkennen.
Weil sie gegen die Wahrheit handeln, sind sie in ihrem bösen
Tun als wirklich Verurteilte, Verdammte und Gerichtete, von
Gott Gerichtete, zu erkennen.
Der Heilige Geist, so sehen wir, hat die Aufgabe, diese Welt
zu strafen, indem er
"aufdeckt, was es mit der Sünde und der Gerechtigketi und
dem Gericht auf sich hat."
Aber, und das iat ja der
2. Teil unseres Predigttextes, er hat ebenfalls die Aufgabe,
Jesus Christus zu verherrlichen, seinen Namen groß zu machen
in der Welt vor allen Menschen und vor allen Mächtigen und
Mächten. Unser Text sagt:
"Er wird mich verherrlichen, denn von dem, was mein ist,
wird er's nehmen und euch verkündigen.",
und zwar wird diese Verherrlichung des Namens Jesu in der
Kirche durch die Verkündigung des Wortes Gottes geschehen.
In einem Pfingstlied singen wir so:
"Du Heiliger Geist bereite,
ein Pfingstfest nah und fern,
mit deiner Kraft begleite
das Zeugnis von dem Herrn.
O öffne du die Herzen der Welt
und uns den Mund,
daß wir in Freud und Schmerzen
das Heil ihr machen kund."
Wenn wir diesen Aspekt unseres Textes richtig verstanden
haben, dann bedeutet er, daß durch die Kraft des Heiligen
Geistes Jesus, auch nach seinem Fortgang, weiter wirkt. Er
hat die Grundlagen einer neuen Welt, einer neuen
Weltordnung, gelegt, und zwar durch sein Leiden und Sterben
und Auferstehen. Und diese neue Weltordnung ist von seinem
Vater im Himmel anerkannt worden und jetzt kommt alles
darauf an, diese neue Weltordnung, die von der Gerechtigkeit
beherrscht wird, mitten in dieser alten Welt zu
verwirklichen. Dazu wird nach unserem Text Jesus Christus
den Seinen den Heiligen Geist senden. Dazu hat dann auch
Jesus Christus auf Erden Pfingsten werden lassen und uns,
die wir seine Jünger sind oder sein wollen, zu seinen
Mitarbeitern an der Verwirklichung der neuen Welt, der neuen
Weltordnung, oder wie wir auch sagen können, an der
Verwirklichung des Reiches Gottes mitten in dieser alten
Welt gemacht. Und die, die seine Mitarbeiter geworden sind,
bilden die Kirche Jesu Christi, die christliche Gemeinde.
Darum feiern wir ja auch in einer ganz besonderen Weise das
Pfingstfest als den Gründungstag der christlichen Kirche.
Martin Luther hat nach unserem Text in der Erklärung zum
dritten Artikel VOM HEILIGEN GEIST geschrieben:
"Ich glaube, daß mich der Heilige Geist durch das Evangelium
beruft, mit seinen Gaben erleuchtet, im rechten Glauben
heiligt und erhält, gleichwie er die ganze Christenheit auf
Erden beruft, sammelt, erleuchtet, heiligt und bei Jesus
Christus erhält im rechten einigen Glauben."
Wir sagten am Anfang unserer Predigt, daß Jesus Christus vor
seinem Leiden und Sterben, vor seinem Tode bereits auf die
Bedeutung des Heiligen Geistes aufmerksam gemacht hat, zum
Trost in den bald auf sie einstürmenden Nöten. Wir haben
versucht, diesen Heiligen Geist auch zu verstehen, wie er
sich am 1. Pfingstag in der Erfüllung unserer Prophezeiung
den Jüngern gezeigt hat.
Und heute und immer wieder aufs neue, solange sich die neue
Welt, die neue Weltordnung oder das Reich Gottes auf Erden
noch nicht in einer totalen Weise erfüllt hat, können wir
nichts anderes tun, als diesen Heiligen Geist zu bitten,
damit Jesus durch ihn bei uns und unter uns und in dieser
Welt wirken kann und wir seine Mitarbeiter sein dürfen.
"O komm, du Geist der Wahrheit
und kehre bei uns ein,
verbreite Licht und Klarheit,
verbanne Truh und Schein.
Gieß aus dein heilig Feuer,
rühr Herz und Lippen an,
daß jeglicher Getreuer
den Herrn bekennen kann."