-4-Kirchenjahr bis Pfingsten 22
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:01/05/1966
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Paraná, 1-5-1966 -Krankeng. Meier
Reffino, 12-5-1968
Meroú, 12-5-1968
Camarero/Puiggari, 19-5-1968
Grabschental, 3-5-1969
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Jubilate
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Offenbarung 21, 1 - 7
Skopus: Der Blick durch den Vorhang der Zukunft
-4- Kirchenjahr bis Pfingsten 22 -Offenbarung 21, 1-7
"Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der
erste Himmel und die erste Erde verging, und das Meer ist
nicht mehr. Und ich, Johannes, sah die heilige Stadt, das
neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabfahren,
bereitet als eine geschmückte Braut ihrem Mann. Und ich
hörte eine große Stimme von dem Stuhl, die sprach: Siehe da,
die Hütte Gottes bei den Menschen! und er wird bei ihnen
wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott
mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle
Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein,
noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn
das Erste ist vergangen. Und der auf dem Stuhl saß. sprach:
Siehe, ich mache alles neu! Und er sprach zu mir: Schreibe;
denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiß! Und er sprach zu
mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang
und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von dem Brunnen
des lebendigen Wassers umsonst. Wer überwindet, der wird es
alles ererben, und ich werde sein Gott sein, und er wird
mein Sohn sein."

Wem gilt dieser Text, für wen hat der Seher Johannes ihn
zuerst geschrieben?
Wir wissen, daß Johannes eine Gemeinde vor sich sieht, die
mitten in einer großen Verfolgung lebt. Jeden Tag können
Soldaten und Polizisten kommen und sie aus den Häusern
herausholen. Tag für Tag werden sie den wilden Tieren zum
Fraß vorgeworfen. Als brennende Fackeln im Park des Kaisers
zu Rom hauchten viele von ihnen unter größten Schmerzen ihr
Leben aus.
Aber nicht nur die Christen, sondern auch die anderen
Menschen werden von dem Wüten eines unmenschlichen Kaisers
in grausamer Weise dahingemetzelt. Kaiser Nero zündete durch
seine Knechte die Stadt Rom an und spielte im Angesichte der
brennenden Stadt Jubellieder auf der Harfe und sang dazu.
Ihn rührte nicht das Geschrei der lebendig verbrennenden
Menschen. Zehntausende konnten nur noch ihr nacktes Leben
retten.
Allgemein konnte und mußte schon gesagt weden; hoffnungslos
war die Situation, dunkel lag die Zukunft vor den Menschen,
besonders aber vor den Christen, die als die Schuldigen für
das alles angesehen wurden.
Viele Christen verloren ihren Glauben, viele andere
verleugneten ihn, wenn es um Leben und Tod, wenn es um ein
geruhsames Leben oder um ein Leben in Not und Qual ging.
Solche Zeiten sind Zeichen der Endzeit.
Sie haben sich seitdem nicht nur vermehrt, sondern sind, wo
sie auftreten, immer schrecklicher, immer grausamer und
immer hoffnungsloser geworden.
Aber nicht nur, daß das Leben als ein Christ immer schwerer
wird, gehört mit zu den Zeichen der Endzeit, sondern auch
das Leben als ein Mensch wird immer schwerer, immer
unmöglicher. Es sieht so aus, wie wenn der Mensch der
Zukunft, wenn es diese Zukunft noch geben wird, nicht mehr
lebt, sondrn nur noch vegetiert. Andere planen und besimmen,
was er zu tun und zu lassen hat. Er wird nur gewissermaßen
wie ein kleines Teilchen in einer Maschine sein. Dieses Teil
wird, wenn es seine Aufgabe nicht mehr erfüllen kann, als
nichtsnützig weggeworfen. Die Würde des Menschen wird in der
auf uns zukommenden Zukunft nicht mal einen Peso wert sein.
In einer solchen Zeit zu glauben, daß Gott, der Herr, uns
fest in seiner Hand hält, daß Gott uns lieb hat, wird immer
schwieriger, wird immer unmöglicher.
Und nun sagt der Seher Johannes:
Ihr habt recht gesehen, dunkel, ja finster liegt das
Kommende über euch, vielleicht wird es sogar noch dunkler
als ihr es euch vorstellen könnt. Was ihr fühlt, stimmt.
Alle Hoffnung auf diese Welt lasset fahren. Hoffnungslos ist
eure Situation, so hoffnungslos, daß es rein mesnchlich
verständlich wird, wenn Menschen ihren Glauben an einen Gott
verlieren, der dieser Welt eine Ordnung und einen Sinn
gegeben haben soll.
Aber Gott sei Lob und Dank, da das nicht alles ist, was
Johannes uns zu sagen hat. Als er selbst nicht ein- noch
aus-wußte, hat Gott ihm ein klein wenig den Schleier, den
Vorhang der Zukunft, beiseite geschoben. Und nun läßt er uns
teilnehmen an seiner Schau.
Wir dürfen mit ihm unsere wirkliche Zukunft schauen, die
Zukunft der Welt, unsere persönliche und die der
christlichen Gemeinde. Am Ende aller Dinge dieser Welt steht
Gott als der allein Wahre und Beständige, wie am Anfang der
ersten Schöpfung, und spricht sein göttliches
"Es werde!"
Es lautet:
"Und der auf dem Throne saß, sprach: Siehe, ich mache alles
neu!"
Wir haben also EINEN, der alles Zerstörte, der alles
Kaputtgegangene und alles Kaputtgemachte wieder neu machen
kann. Er, Gott selbst, wird auch eine Welt, die wir in
unserem Hochmut zerstört haben, neu machen.
Johannes sieht bei seinem Blick hinter den Vorhang der
Weltgeschichte und der Zukunft bereits durch das neue
Schöpfungswort Gottes eine entstandene neue Welt:
"Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde, nachdem
der erste Himmel und die erste Erde vergangen war."
Sollte uns dieses Wissen nicht eine neue Hoffnung geben,
selbst mitten in dieser sich gegenseitig zerstörenden und
zerfleischenden Welt? Sollte dieses Wissen uns aber nicht
auch mahnen, wirklich und wahrhaftig unser Vertrauen nicht
auf die Dinge und Güter dieser vergehenden Welt zu richten,
sondern auf den, der alles neu machen wird?
Johannes, der Seher, der auch geplagt und gequält wird von
dem Leide und Schmerz, mit dem so viele Menschen die Tage
ihres Lebens zubringen müssen, der etwas weiß von der Angst
der Menschen über ihren so gefürchteten Tod, wird
zuversichtlicher und getroster, nachdem er den Blick hinter
den Vorhang unsrer Zukunft hat tun können:
"Der, der alles neu macht, wird abwischen alle Tränen von
ihren Augen, der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch
Geschrei, noch Schmerz mehr sein, denn das Erste ist
vergangen."
Diese Botschaft kann uns neue Freude geben in allen unseren
Nöten und Traurigkeiten. Sie mahnt uns aber auch, unsere
eigenen Nöte und Traurigkeiten und Ängste nicht zu ernst,
nicht zu tragisch zu nehmen. Die Freude über den, der alles
neu macht, kann und darf größer sein als alle Traurigkeit.
Aber unser Text läßt auch die helle Sonne aufgehen über die
Gemeinde, über die Kirche. Der Seher hat es selbst gesehen,
die Kirche lebt inmitten der neuen Welt im herrlichsten
Glanz der Gegenwart Gottes:
"Und ich, Johannes, sah die Heilige Stadt, das neue
Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabfahren und hörte
eine laute Stimme: Siehe da, die Hütte Gottes bei den
Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein
Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott
sein."
Der Zorn und die Wut ihrer Feinde haben der Kirche nichts
anhaben können, selbst die Lauheit und die Unvernunft vieler
ihrer Glieder haben sie nicht zum Zusammensturz bringen
können. Durch alle Verfolgungen hindurch wird sie
hinübergerettet in eine neue Welt und vereinigt mit ihrem
Herrn und Meister wird sie am Zentrum der neuen Welt sein.
Wenn wir das alles auch mit unserem Herzen verstanden haben,
dann wird bereits unser heutiges Leben statt dunkel hell,
statt hoffnungslos hoffnungsvoll, statt traurig fröhlich,
dann leuchtet durch den Zukunftsvorhang hindurch die helle
Sonne einer neuen Welt.
Indem die Kirche uns diesen Text zur Predigt kurz nach
Ostern gegeben hat, will sie die Botschaft des Sehers
Johannes noch unterstreichen. Sie sagt uns, diese Botschaft
ist keine Fantasterei und auch keine Träumerei, denn wir
haben das Pfand dieser kommenden neuen Welt bereits
erhalten. Denn es ist Ostern geschehen, Jesus Christus ist
von den Toten auferstanden. Das ist der Anfang der neuen
Schöpfung, von der Johannes, der Seher, einen Blick
erhaschen durfte, durch den Vorhang der Zukunft hindurch uns
zum Trost.