-3-Kirchenjahr bis Karfreitag 89
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:26/03/1970
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Aldea Protestante, 27-3-1975
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Karfreitag
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:2. Korinther 5, 14 - 21
Skopus:
-3- Kirchenjah bis Karfreitag 89 -2. Kor. 5, 14-21
"Denn die Liebe Christi dringt uns also, sintemal wir
halten, daß, so einer für alle gestorben ist, so sind sie
alle gestorben; und er darum für alle gestorben, auf daß
die, so da leben. hinfort nicht sich selbst leben, sondern
dem, der für sie gestorben und auferstanden ist. Darum
kennen wir von nun an niemand nach dem Fleisch; und ob wir
auch Christum gekannt haben nach dem Fleisch, so kennen wir
ihn doch jetzt nicht mehr. Darum, ist jemand in Christo, so
ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, es
ist alles neu geworden. Aber das alles von Gott, der uns mit
ihm selbst versöhnt hat durch Jesum Christum und das Amt
gegeben, das die Versöhnung predigt. Denn Gott war in
Christo und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete
ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet
das Wort von der Versöhnung. So sind wir nun Botschafter an
Christi Statt, denn Gott vermahnt durch uns; so bitten wir
nun an Christi Statt: Lasset euch versöhnen mit Gott! Denn
er hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde
gemacht, auf daß wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die
vor Gott gilt."

"Als vor fast 2.000 Jahren Jesus Christus am Kreuz auf
Golgatha wie ein Verbrecher sein Leben aushauchte, da hatten
die Menschen von damals nicht im entferntesten daran gedacht
oder es für möglich gehalten, daß es noch nach 2.ooo Jahren
Menschen geben würden, die das, was da geschah, als das
wichtigste Ereignis der Weltgeschichte ansahen und als die
Hilfe verstehen, damit wir als Menschen leben können.
Warum wurde Jesus zum Kreuzestod verurteilt und aufgehängt?
Sicherlich haben wir die verschiedensten Anklagen aus den
Evangelien noch im Ohr, Gotteslästerer, Gesetzesübertreter
und Sabbatschänder, Revolutionär und Volksverführer.
Religion und Staat und Gesellschaft sagten ein hartes und
bitteres und grausames Nein zu seinem Handeln und Reden:
"Hinweg, hinweg mit diesem! Wir wollen nicht, daß er über
uns herrsche! Kreuzige, kreuzige, kreuzige ihn!"
Was hat nun Jesus Furchtbares während seines Erdenlebens
getan und geredet, daß solch ein Ärger und solch eine
Feindschaft und solch ein Haß unter den Frommen und unter
den Staatsmännern und unter den Gebildeten und Studierten
entstehen konnte?
Nicht mehr und nicht weniger als dieses:
Die Bezeugung durch Wort und Tat, daß wir Menschen nach
Gottes Willen gegenseitig zur Hilfe bestimmt sind. Nicht
Haß, nicht Verachtung und auch nicht Gleichgültigkeit soll
das Verhältnis zu unseren Mitmenschen bestimmen, sondern
Liebe, Achtung, Verstehen und Hilfe.
Das ganze Leben Jesu galt dieser Hilfe gegenüber seinen
Mitmenschen. Er heilte Kranke, tröstete die Traurigen, trat
für die Rechte der Armen und Niedrigen ein und verstieß
nicht die, die durch ihren losen Lebenswandeln von den
anderen verachtet wurden, sondern gab ihnen die Möglichkeit,
wieder ein neues Leben zu beginnen.
Durch seine Predigten lud er seine Zuhörer ein, ihm
nachzutun, ihm nachzuleben, ihm nachzufolgen.
An die praktizierte Liebe Christi dachte der Apostel Paulus,
wenn er an die Korinther schreibt:
"Denn die Liebe Christi dringet uns."
Der Mensch, so wie ihn Gott gewollt hat, steht zwischen Tier
und Gott. Er ist in vieler Hinsicht noch der Tierwelt
verhaftet, aber von Gott in einer einmaligen Weise aus der
Tierwelt herausgehoben und mit einer besonderen Würde
versehen, die wir als Gottes Ebenbildlichkeit bezeichnen
können.
In dieser Lage zwischen Tier und Gott steht der Mensch in
der dauernden Gefahr, zum Tier herabzusinken, oder sich
selbst zum Gott zu machen. Der zum Tier herabgesunkene
Mensch dreht sich nur um sich selbst und um die Befriedigung
seiner verschiedenen Lustbedürfnisse, Stillung seines
Hungers, Stillung seiner sexuellen Lust, Stillung seiner
Sehnsucht nach einem angenehmen Leben, Stillung seiner Gier
nach MEHR.
In dem Bestreben nach Befriedigung dieser Bedürfnisse sind
ihm seine Mitmenschen nur dann interresant, wenn sie ihm
diese Befriedigung ermöglichen, sonst kümmert er sich nicht
um sie.
Der Mensch, der wie Gott sein will, sucht sich nicht nur
diese Welt untertan zu machen, wie es seine Bestimmung ist,
sondern auch seine Mitmenschen. Er will der Herr sein und
alle anderen sollen seine Knechte werden. Was er sagt, muß
getan werden, ohne Rücksicht, ob es richtig ist. Sein
Reichtum und sein Geld und seine Stellung in Staat, Kirche
und Gesellschaft nutzt er aus, um andere Menschen sich
gehorsam zu machen. Diese anderen sind ihm nur dann
interessant, ,wenn sie ihm ermöglichen, den großen, reichen
oder bedeutenden Mann herauszustellen. über sich erkennt
solch ein Mensch nichts mehr als größer und bedeutender an,
keine Ordnung oder keine Norm ist für ihn bindend.
Zur wahren Würde eines Menschen, zur Gottesebenbildlichkeit
gehört es entscheidend, daß er weiß, er ist auf die Hilfe
anderer Menschen angewiesen und hat anderen Menschen Hilfe
zu gewähren. Zum Menschsein gehört einfach Liebe, Achtung,
Verstehen und Hilfe gegenüber seinen Mitmenschen hinzu.
Menschen, die zum Tier herabsinken oder die sich als
Herrgötter aufspielen, haben ihre Gottesebenbildlichkeit
verloren, weil sie die Mitmenschlichkeit nicht kennen oder
nicht akzeptieren wollen.
Die ganze Menschheitsgeschichte zeigt, wie der Mensch diese
seine besondere Stellung zwischen Tier und Goltt nicht
annehmen will, weil er in Rebellioin gegen seinen Schöpfer
lebt, der ihn geschaffen hat. Und daher kommt alles Elend,
alle Not, alle Schwierigkeiten und alle Probleme, auch die
von heute.
Nun hat damals vor fast 2.ooo Jahren in Palästina in einer
einmaligen und einzigartigen Weise Jesus von Nazareth es una
vorgelebt, was es heißt, als Mensch zu leben, wie Gott es
gewollt hat, zwischen Tier und Gott, den Mitmenschen in
Achtung und Liebe zugetan, ihnen die Hilfe gebend, die sie
si nötig haben.
Und diese Praktizierung und Bezeugung der Hilfe gegenüber
allen Menschen hat bei denen, die zum Tier herabsinken und
die, die Götter sein wollten, in Kirche, Staat und
Gesellschaft den Schrei ausbrechen lassen:
"Hinweg, hinweg mit diesem! Wire wollen mit ihm nichts zu
tun haben! Kreuzige, kreuzzige, kreuzige ihn!"
Können wir verstehen, daß von daher gesagt werden muß, daß
das Kreuz auf Golgatha das schändlichste Geschehen und
Karfreitag der dunkelste Tag der Menschheitsgeschichte
gewesen ist?
Gibt es seitdem also den echten Menschen nicht mehr, sondern
nur noch den zum Tier herabgesunkenen und den nach
göttlicher Herrschaft strebenden Menschen, die alle ihre
Mitmenschen verleugnen und ihnen nicht zu helfen bereit
sind?
Manchmal sieht es mitten unter uns Menschen in der Tat so
aus.
Allerdings geschah dann dieses, daß einige Menschen das am
Kreuz Sichtbare so verstanden, daß es für sie eine
einzigartige und große Moglichkeit wurde, das zu sein, wozu
sie geschaffen wurden, wahre Menschen, indem sie von dem
Mann am Kreuz nicht mehr loskamen, ihn in seinem Tun und
Reden bejahten und indem sie anfingen, ihm nachzutun in der
Praktizierung der Liebe und der Hilfe gegenüber allen
Menschen.
Die echte Gemeinde Jesu Christi besteht aus solchen
Menschen.
Würden alle, die sich nominell zu einer christlichen Kirche
halten, so das Geschehen am Kreuz auf Golgatha in ihr Leben
einlassen, würde sofort eine Revolution der Liebe mitten
unter uns ausbrechen und alle Hoffungslosigkeit, die gerade
heute über der Menschheit liegt, vertreiben. Ist nicht diese
Praktizierung der Liebe, der Achtung und des Verstehens und
der Hilfe an Stelle von Haß, Verachtung und Tyrannisierung
gegenüber unseren Mitmenschen, die Bewegung der Liebe das,
wonach die ganze Menschhheit ausschaut und die sie von uns,
die wir uns Christen nennen, erwartet?
Für die Menschen, für die der christliche Glaube nicht nur
etwas Religion oder Frömmigkeit bedeutet, sondern ein
Annehmen dessen, was am Kreuz auf Golgatha geschah, für die
sollte diese Bekehrung zur wahren Menschlichkeit, zur echten
Mitmenschlichkeit, zur Revolution oder Bewegung der Liebe
keine unmögliche Sache sein, denn so sagt der Apostel Paulus
in unserem Text:
"Darum, ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur;
das Alte ist vergangen, siehe es ist alles neu geworden.