-3-Kirchenjahr bis Karfreitag 86
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:24/03/1978
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Karfreitag
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:1. Korinther 1, 18-24
Skopus: Das Kreuz ist für uns die Kraft Gottes
-3-Kirchenjahr bis Karfreitag 86 =1.Kor. 1, 18-24
"Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die
verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist's eine
Gotteskraft. Denn es steht geschrieben: Ich will zunichte
machen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der
Verständigen will ich verwerfen. Wo sind die Klugen? Wo sind
die Schriftgelehrten? Wo sind die Weltweisen? Hat nicht Gott
die Weisheit dieser Welt zur Torheit gemacht? Denn dieweil
die Welt durch ihre Weisheit Gott in seiner Weisheit nicht
erkannte, gefiel es Gott wohl, durch törichte Predigt selig
zu machen die, so daran glauben. Sintemal die Juden Zeichen
fordern und die Griechen nach Weisheit fragen, wir aber
predigen den gekreuzigten Christus, den Juden ein Ärgernis
und den Griechen eine Torheit.; denen aber, die berufen
sind, Juden und Griechen, predigen wir Christus, göttliche
Kraft und göttliche Weisheit."

"Wir aber predigen den gekreuzigten Jesus",
damit faßt der Apostel Paulus die ganze Botschaft zusammen,
die er bisher verkündigt hat und die er auch in alle Zukunft
hinein verkündigen wird.
Wir sind es durchaus gewöhnt, daß im Laufe des Kirchenjahres
je nach der betreffenden Zeit vom Kind in der Krippe, vom
Kreuz auf Golgatha, vom leeren Grabe oder von der Gründung
der christlichen Kirche am Pfingsttag gepredigt wird. Und
wir wissen von Paulus, daß er dieses durchaus kann. Aber
dennoch zieht sich durch die Verkündigung des Apostels wie
ein roter Fade das Kreuz mit dem daran hängenden Christus,
und zwar zu allen Zeiten und bei jeder Gelegenheit.
Er kann nicht von der Geburt Christi erzählen, ohne schon
dahinter das Kreuz zu sehen. Er kann nicht die Auferstehung
Jesu verkündigen ohne vom Kreuz auf Golgatha herzukommen.
Ja, Paulus bezeichnet in unserem Text den gekreuzigten
Christus als die Mitte der Freudenbotschaft, als das Zentrum
des Evangeliums.
Wenn Paulus dieses in einer so klaren Weise tut, dann sind
wir alle miteinander gerufen, es ihm gleich zu tun.
Paulus stellt deswegen das Kreuz in die Mitte der Kirche,
weil dort in Korinth die Gemeinde vor dem Kreuz Christi die
Augen verschließt und am Kreuz vorbeigeht.
Das Kreuz ist ja in der Tat eine höchst fragwürdige und
unangenehme Sache. 2.000 Jahr christlicher Geschichte haben
es fertiggebracht, das Kreuz nur zu einem äußeren Zeichen
und Symbol herabzuwürdigen. Dadurch ist es in seiner
tiefsten Bedeutung entleert und verflacht worden.
Wir haben es fast alle vergessen, was das Kreuz für ein
Instrument damals gewesen ist. Es diente dazu, an einem
Verbrecher, besonders einem Staats- und politischen
Verbrecher, die Todesstrafe zu vollziehen. Die Korinther
kannten noch das Kreuz als das Hinrichtungswerkzeug, mit dem
Jesus Christus ermordert wurde. Und dieses Kreuz war für die
Korinther eine höchst unangenehme Sache, über die sie am
liebsten nicht sprachen.
Das Peinlichste aber war, daß über dieses Kreuz in einer
nicht zu überhörenden Weise gesprochen wurde.
Von den Juden aus Jerusalem drang es bis in die christliche
Gemeinde in Korinth, daß die christliche Botschaft doch nur
eine Angelegenheit für einige Menschen sei, die nicht normal
sind.
Müssen nicht wirklich die Menschen verrückt sein, die da
verkündigen und in die Welt hineinschreien, daß dieser
hergelaufene Verbrecher und Betrüger und Rebell Jesus von
Naareth, der von einem ordentlichen Gericht zum Tode
verurteilt worden war, etwas Besonderes sein soll, der
Messias, der Sohn Gottes?
Da warten Menschengeschlechter jahrhundertelang darauf, daß
Gott den Messias mit aller Pracht und Herrlichkeit auf die
Erde schicken würde und da behaupten doch tatsächlich
einige, daß der Sabbatschänder und Gotteslästerer Jesus von
Nazareth der Messias sei. Wahrhaftig= eine höchst ärgerliche
Angelegenheit.
Hätte dieser Jesus wenigstens als ein Revolutionär sein Volk
von der römischen Sklaverei befreit und wäre nicht
gescheitert, dann hätte man das doch als ein Zeichen Gottes
ansehen können, aber so, nein, das ist eine ärgerliche
Geschichte, die zur Gotteslästerung gehört. Damit wollten
die frommen Juden nichts zu tun haben. Sie glaubten lieber
an große Wunder, möglichst sichtbar vom Himmel aus.
Glauben wir aber nur nicht, daß nur die Juden darauf aus
sind, möglichst wundervolle Dinge zu erleben und keine
Verbrechergeschichten, wie die von diesem Jesus von
Nazareth. Wir alle hätten es sicherlich auch lieber, wenn
Gott mit uns durch große äußere Wunder reden würde.
Als Jesus zum Beispiel mit 5 Broten über 5.000 Menschen satt
machte, schrie alles voll Begeisterung und alle wollten ihn
zum König machen. Einen Christus, der uns sofort von unserer
Krankheit heilen oder uns aus aller Not und von allen
Problemen dieser Zeit befreien würe, der wäre für uns heute
sicherlich auch angenehmer. Was aber kann man schon von
einem gekreuzigten Jesus erwarten?
Nicht nur dieses ärgert die Korinther, sondern sie sind auch
peinlich berührt von dem Hohn und Spott der Menschen der
damaligen Zeit, der Griechen. Was können schon diese
heidnischen Griechen mit Jesus anfangen, sie, die so
zahlreiche kunstvoll ausgearbeiutete philosophische Systeme
der irdischen und überirdischen Welt erdacht haben; sie, die
für alles und jedes eine Erklärung wissen, die genau wissen,
was der Gott Zeus mit allen Nebengöttern zu Mittag gegessen
hat und wann er auf Reisen gegangen ist. Was können diese
klugen Griechen schon mit einem zum Kreuzestod verurteilten
Gottes Sohn anfangen?
Lächerlich, überhaupt diese Frage zu stellen! Sie haben sich
an den Kopf gefaßt und gefragt: Bin ich verrückt oder sind
es diese Christen mit ihrem aufgehängten Gott?
Bei dieser Fragestellung sind sie schnell dazu gekommen,
anzunehmen, daß die Christen mit ihrem gekreuzigten Gott in
der Tat nicht mehr normal sind.
Sie haben sicher gedacht, wenn doch die Christen wenigstens
mit einem schönen System der Weltentstehung und -entwicklung
oder mit einem System des Götterhimmels gekommen wären, dann
könnte man sich zusammensetzen und darüber diskutieren. Aber
so haben sie nur noch das eine Wort für die Christen übrig:
Sie sind wirklich und wahrhaftig verrúckt. Und das, was
damals geschah, ist in abgewandelter Form heute nicht
anders.
Wenn wir einmal den verschiedensten Geistesströmungen und
-richtungen und Ideen der letzten Jahrhunderte nachgehen
würden, würden wir entdecken, daß diese Ideen und Ismen mit
dem gehenkten Jesus nichts anzufangen wissen. Das Kreuz auf
Golgatha ist ihnen allen eine höchst lächerliche
Angelegenheit.
Unser Text sagt:
"Die Juden fordern Zeichen und die Griechen fragen nach
Weisheit, wir aber predigen den gekreuzigten Christus, den
Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Dummheit."
Wenn der Apostelk das sagt, dann tut er das nicht, um uns zu
informieren, wie es in der Welt draußen zugeht, sondern er
ruft der Gemeinde zu Korinth zu, daß diese Kräfte, die sich
am Kreuz ärgern und sich darüber lustig machen, nicht
draußen vor der Türe stehen, sondern längst in die Kirche,
in die Christenheit, eingezogen sind.
Der ganze 1. Korintherbrief ist ein Zeugnis davon, daß
mitten in der christlichen Gemeinde Kräfte am Werke sind,
das Kreuz Christi zu zerstören, das Geschehen auf Golgatha
zunichte zu machen.
Diese Tatsache finden wir allerdings zu allen Zeiten.
Was alles will uns nicht abbringen von diesem gehenkten,
diesem gekreuzigten Christus!
Da ist es einmal unser Stolz, der uns nicht vor dem Kreuz
niederfallen läßt; der Stolz, der es nicht glauben will, daß
wir eigentlich statt Jesus Christus gekreuzigt sein müßten;
ein Stolz, der glaubt, in sich selbst noch so viele Kräfte
zu besitzen, um aus eigenen Kraft ein gutes und anständiges
Leben zu führen.
Wer aber auf seiner eigenen Anständigkeit, Fähigkeit oder
Frömmigkeit sitzen bleibt, läßt das Kreuz in seiner
Bedeutung nicht mehr bestehen.
Das Kreuz Christi bedeutet ja völliger Zusammenbruch unseres
Lebens mit allem eigenen Können und Vermögen, mit all
unserem Tun und Lassen. Oder sollte das kein totaler
Zusammenbruch eines menschlichen Lebens sein, wenn da ein
Mensch zum Tode verurteilt wird?
Das Kreuz auf Golgatha erinnert uns doch daran, daß wir alle
solche durch Gott zum Tode verurteilte Menschen sind.
Wir sind in der Kirche schon ein großes Stück vom Kreuz
abgewichen, wenn wir die Nase rümpfen über einen Menschen
neben uns, der nach unserer Meinung bisher nicht einen
solchen tadellosen Lebenswandel geführt hat wie wir.
Wir verachten den gekreuzigten Jesus, wenn es uns zu wenig
dünkt, daß wir eine Gemeinde unter dem Kreuz sind, eine
Gemeinde von begnadeten schlechten Menschen, eine Gemeinde
von Menschen, an denen dort am Kreuz eigentlich die
Vollstreckung des Todesurteiles vollzogen werden müßte.
Das gab es in Korinth und gibt es sicherlich auch bei uns.
Aber Paulus warnt uns vor einer solchen Haltung, da wir
damit unseren ganzen Glauben aufgeben und das ganze Heil
verlieren würden. Paulus sagt:
"Das Wort vom Kreuz ist eine Dummheit denen, die verloren
sind."
Indem Paulus uns bittet und beschwört, doch auf alle Fälle
beim Kreuz Christi zu bleiben und nichts anderes an seine
Stelle zu setzen, warnt er uns vor einen Weg, der uns ins
Verderben führt, der uns unseren christlichen Glauben nimmt,
der uns von unserem Herrn Jesus Christus trennt.
Paulus ruft die Gemeinde zu Korinth, er ruft uns alle
miteinander immer wieder zurück zum Kreuz auf Golgatha. Dort
haben wir nicht nur unsere Schuld vor Augen, sondern auch
das Zeichen der Liebe Gottes zu uns allen. Dort am Kreuz auf
Golgatha hat Gott in einer solch überschwenglichen Weise
seine große Liebe zu uns gezeigt, das wir nur beschämt als
die reich Beschenkten darstehen können. Dort am Kreuz können
wir das Wort hören, das uns wieder froh machen will:
"Mein Kind, dir sind deine Sünden vergeben."
Am Kreuz wird uns aus dem Munde Gottes gesagt:
Ich gehöre zu dir, wie du zu mir, nichts mag uns voneinander
scheiden.
"Das Wort vom Kreuz ist uns aber, die wir selig werden, eine
Gottes Kraft."