-3-Kirchenjahr bis Karfreitag 83
Lugar/Ort:Meroú

Fecha/Datum:17/11/1981
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Grabschental, 17-4-1981
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Karfreitag
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Lukas 23, 33 -39
Skopus: Wir sind Sünder
-3- Kirchenjahr bis Karfreitag 83 -Lukas 23, 33-39
"Und als sie kamen an die Stätte, die da heißt
Schädelstätte, kreuzigten sie ihn daselbst, und die
Übeltäter mit ihm, einen zur Rechten und einen zur Linken.
Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen
nicht, was sie tun. Und sie teilten seine Kleider und warfen
das Los darum. Das Volk stand und sah zu. Und die Obersten
samt ihnen spotteten sein und sprachen: Er hat anderen
geholfen; er helfe sich selber, ist er Christus, der
Auserwählte Gottes. Es verspotteten ihn auch die
Kriegsknechte, traten zu ihm und brachten ihm Essig und
sprachen: Bist du der Juden König, so hilf dir selber! Es
war aber auch oben über ihm geschrieben die Überschrift mit
griechischen, lateinischen und hebräischen Buchstaben: Dies
ist der Juden König. Aber der Übeltäter einer, die da
gehenkt waren, lästerte ihn und sprach: Bist du Christus, so
hilf dir selbst und uns! Da antwortete der andere, strafte
ihn und sprach: Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott,
der du doch in gleicher Verdammnis bist? Und wir zwar sind
billig darin, denn wir empfangen, was unsere Taten wert
sind; dieser aber hat nichts Ungeschicktes getan. Und er
sprach zu Jesu:
"Herr, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst! Und
Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du
mit mir im Paradiese sein."
Und es war um die sechste Stunde und es war eine Finsternis
über das ganze Land bis an die neunte Stunde, und die Sonne
verlor ihren Schein, und der Vorhang des Tempels zerriß
mitten entzwei. Und Jesus rief laut und sprach: Vater, ich
befehle meinen Geist in deine Hände! Und als er das gesagt,
verschied er. Da aber der Hauptmann sah, was da geschah,
pries er Gott und sprach: Fürwahr, dieser ist ein frommer
Mensch gewesen! Und alles Volk, das dabei war und zusah, da
sie sahen, was da geschah, schlugen sich an ihre Brust und
wandten wieder um. Es standen aber alle seine Bekannten von
ferne und die Frauen, die ihm aus Galiläa waren nachgefolgt,
und sahen das alles."

Mit einer unglaublichen Genauigkeit und Schnelligkeit
trieben die Feinde Jesu Christi ihren Haß und ihre
Rachegefühle auf die Spitze. Schritt für Schritt sind sie
ihrem Ziele näher gekommen. Und nun sind sie bereits dabei,
alles für die Ausmerzung, für die Vernichtung ihres Gegners
vorzubereiten, den schmählichen Tod eines Verbrechers am
Kreuz.
Wie ein Drama, ja, wie eine Tragödie läuft alles ab. Wir
werden Zuschauer, wie Jesus mit den 2 Verbrechern an der
Hinrichtungsstätte, dem Hügel Golgatha, angekommen, ans
Kreuz angeschlagen, beziehungsweise angebunden und dann
aufgerichtet werden. Jesus zwischen den 2 Verbrechern. Der
Kreuzestod ist eine der grausamsten Todesstrafen, die es
gibt. Unter grausamen Schmerzen und Qualen, nicht nur der
Wunden an den Händen und Füßen, die durch den hängenden
Körper immer mehr eingerissen werden, sondern auch der
nackten prallen Sonne preisgegeben, trat erst nach Stunden
der Tod durch Herzschlag ein.
Wie tief sind wir Menschen doch gesunken, wir, die wir wie
Gott sein wollten und dabei zu Bestien werden, wenn es darum
geht, unseren Haß gegen unsere angeblichen oder wirklichen
Feinden auszulassen.
Hat diese bestialische Grausamkeit von Menschen gegen andere
Menschen nicht auch in diesem Jahrhundert wieder solche
gräßlichen Formen und solche großen Ausmaße angenommen,
selbst von offizieller Seite aus, daß man sich bald schämen
muß, ein Mensch zu sein?
Erstaunlich, fast unverständlich ist es, daß Jesus inmitten
seiner grausamen Schmerzen keine Rachegedanken hat, gegen
die, die ihn zu Tode bringen, sondern Mitleid darüber, daß
sie so ihr Menschsein verlieren und verraten und auf die
Stufe von Raubtieren herabsinken.
Es sind arme Kreaturen, die aus Haß oder auf Befehl andere
Menschen langsam zu Tode martern oder ihre Untergebenen dazu
kommandieren.
Wer von uns würde so sprechen, wie Jesus Christus am Kreuz
auf Golgatha gesprochen hat?:
"Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was tun!"
Damit durchbricht Jesus Christus unter uns den Teufelskreis
der Wiedervergeltung, der darin liegt, daß wir nicht mehr
eine böse Tat gegen uns mit einer noch böseren Tat
beantworten müssen. Durch Jesus Christus haben wir die
Möglichkeit, dasselbe zu praktizieren, wie er selbst, Haß
mit Liebe und Vergebungsbereitschaft zu beantworten. Wie
wenig ernst muß doch selbst Jesus Christus von denen, die
sich Christen nennen und Menschen in verantwortlicher und
hoher Stellung sind, genommen werden, daß so viel
Grausamkeit unter uns Menschen geschieht, die in
Rachegelüsten und Wiedervergeltung ihre Ursache hat. Man
möchte heute Christ sein, ohne Jesus Christus nachzuleben.
Wir Menschen gehen an diesem Neuen, das Jesus uns
ermöglicht, achtlos vorüber und verbauen uns damit unsere
Zukunft.
Mit dem Teufelskreis der Wiedervergeltung rasen wir mit
Windes Geschwindigkeit auf den Abgrund zu. Da ändert auch
nichts daran, daß wir Menschen das nicht wahrhaben wollen
oder achtlos daran vorüber gehen, wie die Soldaten, die sich
mit dem, was Jesus Christus an Habseligkeiten zurückläßt,
als ihnen zustehendes Beutegut einigen. Das ändert auch
nichts daran, daß sie die Obersten dieser Welt über Jesus
und sein Wort und sein neues wegweisendes Handeln lustig
machen, ihn verspotten und lästern.
Selbst einer der Verbrecher versteht Jesus und was er gerade
für ihn bereit hält, nicht, darum lästert er ihn auch, wie
die anderen:
"Bist du Christus, so hilf dir selbst und uns!"
Der andere Verbrecher allerdings erkennt die letzte Chance
seines Lebens, wissend, daß er zu Recht bestraft worden ist,
Jesus Christus aber nicht. Er, der von diesem Leben nichts
mehr zu erwarten hat, ahnt etwas davon, daß dieser Jesus
Christus neben ihm, der Herr eines Lebens ist, das weiter
reicht als bis zum Tode. Wer ihn auf seiner Seite hat, hat
Zukunft, ist Bürger einer neuen Welt. Um diese Zukunft
bitter er:
"Herr, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst!"
Und Jesus gewährte sie ihm, diese neue Zukunft, ihm, der
noch in letzter Minute zu einer Begegnung kam, mit dem, der
der Weg ist, die Wahrheit und das Leben in Person ist:
"Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du
mit mir im Paradiese sein!"
Was Jesus damit gesagt hat, ist gültig bis auf den heutigen
Tag und ist einmal eine frohe Botschaft für uns alle;
Jesus verstößt niemanden, auch den zutiefst gefallenen
Menschen nicht. Selbst, wenn es eine Situation in unserem
Leben geben sollte, in der wir uns selbst und die ganze Welt
uns verdammt und verurteilt, bei ihm, Jesus Christus, finden
wir den, bei dem wir alle unsere Not und Schuld abladen
können, der uns trotz allem, was in unserem Leben geschehen
ist, wieder annimmt als seine Jünger.
Aber auf der anderen Seite ist oft dieses Wort für viele ein
ärgerliches Wort, dieses Wort, das selbst einem zutiefst
Gefallenen Vergebung zuspricht und ihn wieder aufnimmt in
die Schar der Erlösten. Dieses Wort ist zum anderen uns
ärgerlich, weil wir uns als Christen als eine Schar von
Menschen verstehen, die besser sind als die anderen Menschen
und es ist unsere Angewohnheit, uns wie Krähen auf den zu
stürzen und ihn zu zerhacken, in der Haltung, uns kann das
nicht passieren, wir sind doch die besseren Menschen.
Solch einen gefallenen Menschen wieder als unseresgleichen
anzuerkennen, fällt uns dann sehr schwer, ja, ist fast
unmöglich, weil wir eben ein ganz falsches Verständnis von
einer christlichen Gemeinde haben. Sie besteht einfach nicht
aus besonders guten Menschen, sondern aus schlechten
Menschen, und das wissen sie auch, denen ihre Bosheit durch
Jesus Christus vergeben worden ist und immer wieder neu
vergeben werden muß.
Ein Glied der christlichen Gemeidne kann darum nie sich über
andere Menschen, die gefallen sind, erheben, sondern
höchstens helfen, daß solche Menschen wieder zurecht kommen.
Wir singen wohl:
"Jesus nimmt die Sünder an,
mich hat er auch angenommen,
und den Himmel aufgetan,
daß ich selig zu ihm kommen
und auf den Trost sterben kann:
Jesus nimmt die Sünder an,"
aber im Verhältnis zu anderen Menschen tun wir so, als ob
wir die Besseren wären, die nichts von Schukd wissen.
Im letzten Grunde also ist dieses Wort Jesu Christi am Kreuz
auf Golgatha:
"Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradiese
sein",
die Grundlage unseres christlichen Glaubens.
Und nun bricht über das ganze Land eine tiefe Finsternis
herein, die Natur selbst ist traurig und der Vorhang des
Tempels zerreißt in 2 Stücke, das heißt doch, daß selbst für
die Natur es unverständlich bleibt, daß die Menschheit den,
der ausgesandt wurde, uns zu helfen, ermordet.
Ehe Jesus den letzten Atemzug tut, übergibt er sich in
Gottes Hände. Nach dem er das tat, wozu ihn sein Vater bat,
weiß er sich am besten bei ihm aufgehoben:
"Und Jesus rief laut und sprach: Vater, ich befehle meinen
Geist in deine Hände! Und als er das gesagt, verschied er."
Für seine Feinde, für die er lästig geworden war, war es
eine einzigartige Situation ihres Triumphes. Darauf hatten
sie hin gearbeitet, daß der, der ihnen so schwere
Vorhaltungen gemacht, der es nicht mehr zuließ, ihren
Egoismus und ihre Herrschsucht und ihren Hochmut mit einer
besonderen Frömmigkeit zuzudecken, vom Erdboden verschwinde.
Und für die Jünger Jesu war dieser Augenblick, da Jesus
seine Augen schloß und verschied, der tiefste Punkt der
Enttäuschung und Traurigkeit.
Da hatten sie alles hinter sich gelassen, Elternhaus und
Familie, Beruf und ein normales bürgerliches Leben und sind
mit ihm gegangen, der ihr Helfer und Heiland sein wollte und
auch der ganzen Menschheit. Um seinetwillen und um seines
Zieles willen sind sie ihm nachgefolgt. Und nun ist alles
vorbei.
Hoffnungslos müssen sie jetzt auch noch damit rechnen, daß
sie selbst verfolgt werden.
Wahrlich, es ist alles eitel Finsternis in ihnen und um sie
herum. Wie wird das noch alles enden? Ohne ein direktes
Eingreifen von der Seite Gottes ist eine Änderung zum Guten,
ist der Silberstreifen am Horizont, nicht zu erkennen.
Aber das direkte Eingreifen Gottes ist schon ein wenig zu
erkennen, und zwar daran, daß der Hauptmann, sehr
wahrscheinlich ein Heide, der verantwortlich war für die
Hinrichtung durch die Kreuzigung, ahnt, daß dieser Jesus ein
ganz besonderer Mensch gewesen sein muß, der mit keinem
anderen Menschen auf Erden sonst verglichen werden kann.
Sollte das nicht etwas Besonderes sein, daß der delinquent,
den er zu Tode zu bringen hat, betet?
Sollte das nicht unverständlich sein, daß dieser Jesus einem
der Mitgekreuzigten Verbrecher die Tür zur ewigen Seligkeit
öffnet? Entweder ist er ein Charlatan oder wirklich ein
besonderer Mensch, wie die Seinen von ihm bezeugten.
Und eigentümlich ist es, daß dieser Jesus sich in die Hände
Gottes befiehlt. Kann in dieser Weise ein Verbrecher
sprechen? Und dann die besonderen Nebenumstände, die
Finsternsis und das Zerreißen des Vorhangs im Tempel. Das
alles bewirkt, daß der Hauptmann unsicher darüber wird, ob
er wirklich an einem Übeltäter das Todesurteil vollstreckt
hat. Ja, er ist überzeugt, daß hier ein Irrtum, ein
Justizmord, geschehen ist. Und er ahnt etwas, daß hier von
der Seite Gottes etwas Besonderes geschehen ist, wie es
später klar herausgestellt werden soll, das Heil des
Menschen, die Wiederherstellung der Welt.
Nur so ist es zu verstehen, daß von diesem Hauptmann zu
lesen ist:
"Da aber der Hauptmann sah, was da geschah, pries er Gott
und sprach: Fürwahr, dieser ist ein frommer Mensch gewesen."
Die Evangelisten Matthäus und Markus berichten sogar, daß
dieser Hauptmann Jesus als Gottes Sohn erkannt und bekannt
habe.
Im Angesichte dieses heutigen Dramas oder dieser Tragödie,
können wir nur das tun, was die, die damals dabei waren,
getan haben, sich an die Brust schlagen und bekennen:
"Gott sei mir Sünder gnädig!"